Lebensdaten
1783 bis 1841
Geburtsort
Schloß Neuhaus bei Paderborn
Sterbeort
Hameln
Beruf/Funktion
Apotheker
Konfession
-
Normdaten
GND: 118613421 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sertürner, Friedrich Wilhelm Adam Ferdinand
  • Sertürner, Friedrich Wilhelm
  • Sertürner, Friedrich Wilhelm Adam Ferdinand
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Zitierweise

Sertürner, Friedrich Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118613421.html [10.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Simon Joseph(us) (Sardinier, Sardiner, Serdünner) (1728?-98), aus Mähren, österr. Mil.verw.beamter, Landmesser, Kartograph, Ing., Architekt d. Fürstbf. Friedrich Wilhelm v. Paderborn;
    M Maria Theresia Brockmann ( 1819), T e. Küsters aus Verne;
    2 B (1 früh †), 6 Schw;
    Einbeck 1821 Eleonore (1798–1871), T d. Leopold v. Rettberg (1739–1807), Oberst, Kdt. v. Harburg, u. d. Eleonore Wernher (1757–1839);
    3 S u. a. Carl Franz (1821–1904), Oberger.rat in H., Viktor (1834–1887), Apotheker, übernahm d. väterl. Apotheke in H., 4 T u. a. Ida (1827–92, ⚭ Wilhelm Best, 1799–1886, S d. Conrad Carl Best, Gen.);
    E Georg Best (1829–85), Oberstlt.

  • Leben

    S. erhielt ersten naturwiss. Unterricht bei seinem Vater. 1799 begann er eine Lehre in der Paderborner Hofapotheke bei Franz Anton Cramer (1776–1829), legte 1803 seine Gehilfenprüfung ab und wechselte Ostern 1805 als Gehilfe in die Ratsapotheke in Einbeck. Das 1808 im franz. besetzten Kgr. Westphalen erlassene Patentsteuergesetz ermöglichte S. 1809 die Gründung einer eigenen Apotheke. Nach dem Ende der franz. Besatzung entbrannte ein jahrelanger Streit um die Beibehaltung der Apotheke, die 1817 geschlossen werden mußte. In den folgenden Jahren bemühte sich S. mehrfach vergeblich um den Kauf einer Apotheke. Schließlich erwarb er für 20 000 Taler die Ratsapotheke in Hameln und erhielt zum 1.1.1821 das Privileg. S. leitete die Offizin bis zu seinem Tod sehr erfolgreich.

    S.s Name ist bis heute untrennbar mit der Entdeckung des Morphins verbunden. Die Anregung kam aus der Apothekenpraxis, da S. feststellte, daß trotz sorgfältiger Herstellung die schlafmachende Wirkung von Opiumpräparaten unterschiedlich war. S. wollte deshalb den schlafmachenden Bestandteil des Opiums, das „principium somniferum“, isolieren, da dieses leichter dosierbar erschien. Aufgrund der ihm bekannten Arbeiten von Carl Wilhelm Scheele (1742–86) vermutete er, daß dieser Wirkstoff eine Säure sei. 1805 erschien im „Journal der Pharmacie“ von Johann Bartholomäus Trommsdorff (1770–1837) S.s erster Aufsatz über eine Säure im Opium, die jedoch keine schlafbringende Wirkung zeigte. Im selben Jahr erschien seine Arbeit „Darstellung der reinen Mohnsäure (Opiumsäure) nebst einer chem. Untersuchung des Opiums mit vorzüglicher Hinsicht auf einen darin neu entdeckten Stoff“ (in: Journal d. Pharmacie 14, 1805, S. 47–93), in der S. die Isolierung des „principium somniferum“ und dessen Eigenschaften beschreibt. Er wies darauf hin, daß der schlafmachende Stoff alkaliähnliche Eigenschaften besitze. Für diese Gruppe von Inhaltsstoffen prägte der Hallenser Apotheker Carl Friedrich Wilhelm Meissner (1792–1853) 1809 den Begriff „Alkaloide“. S.s Aufsatz fand zunächst wenig Beachtung. Von Trommsdorff aufgefordert, seine Versuche mit größeren Mengen zu wiederholen, veröffentlichte S. 1817 in Gilberts „Annalen der Physik“ seine Studie „Über das Morphium, eine neue salzfähige Grundlage, und die Mekonsäure, als Hauptbestandteile des Opiums“, in der er dem neu entdeckten Stoff den Namen „Morphium“, nach Morpheus, dem griech. Gott des Schlafes, gab. In den folgenden Jahren entdeckten v. a. franz. und dt. Apotheker weiterere Alkaloide, die als hochwirksame Arzneistoffe in die Therapie eingeführt wurden und als Modellsubstanzen für die Entwicklung weiterer Arzneistoffe dienten. Die Alkaloide als schwierig herzustellende Arzneistoffe begünstigten die Entstehung chem.-pharmazeut. Fabriken, da es für den einzelnen Apotheker zu kompliziert und zudem unwirtschaftlich war, diese selbst herzustellen.

    S. wiss. Werk umfaßt ferner Untersuchungen zum Galvanismus, Studien über Geschütze und Geschosse sowie über die Cholera, für die er bereits ein „giftiges, belebtes, also sich selbst fortpflanzendes oder erzeugendes Wesen“ als Krankheitsursache beschrieb. In seinem 1820 und 1822 publizierten „System der chem. Physik“ sowie in der 1826 von ihm begründeten Zeitschrift „Annalen für das Universalsystem der Elemente“ gab er sich als Anhänger der Romantischen Naturphilosophie zu erkennen. In seinen letzten Jahren lebte er zurückgezogen, da seinen weiteren Arbeiten, in denen er sich mehr und mehr in naturphilosophischen Spekulationen verlor, die Anerkennung versagt blieb.

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. (Jena 1817); Mitgl. d. Soz. f. d. gesamte Mineral. zu Jena (1817), d. Niederrhein. Ges. f. Natur- u. Heilkde. zu Bonn (1824), d. Ges. z. Förderung d. gesamten Naturwiss. in Marburg (1825), d. Mineral. Ges. zu St. Petersburg (1839), d. Pharmazeut. Ges. zu Lissabon (1839); Ehrenmitgl. d. Apothekerver. im nördl. Dtld. (1840); Prix Montyon d. Inst. de France (1831).

  • Werke

    System d. chem. Physik, Entdeckungen u. Berichtigungen im Gebiete d. Chemie u. Physik, oder Grundlinien e. umfassenden Lehrgebäudes d. Chemie u. ihres physikal. Theils, Als Auszug u. Vorbereitung zu seinem noch unvollendeten Universal-System d. Elemente, 2 Bde., 1820–22;
    Ann. f. d. Universalsystem d. Elemente oder d. neuesten Entdeckungen in d. Physik, Heilkde. u. Chemie, 3 Bde., 1826–27;
    Dringende Aufforderung an d. Dt. Vaterland, in Beziehung d. oriental. Brechruhr, 1831;
    Weitere Entwicklung d. ( . . . ) Schutzmethode gegen d. Cholera u. d. Ansicht über ihren höchstwahrscheinl. Ursprung, 1831;
    Einige Belehrungen ( . . . ) über d. gegenwärtigen Zustand d. Heilkde. u. d. Naturwiss. ( . . . ), 1838.

  • Literatur

    E. Nolte, in: Archiv d. Pharmacie 79, 1842, S. 1–12;
    F. Krömeke, F. W. S., d. Entdecker d. Morphiums, Lb. u. Neudr. d. Original-Morphiumarbb., 1925 (P);
    H. Coenen, in: Westfäl. Lb. II, 1931, S. 128–41 (P);
    R. Schmitz, F. W. S. u. d. Morphinentdeckung, in: Pharmazeut. Ztg. 128, 1983, S. 1350–59 (P);
    K. Meyer, R.-D. Müller u. H. Säuberlich, F. W. S., Entdecker d. Morphiums, Ausst.kat. Paderborn u. Hameln, 1983 (P);
    K. Meyer, F. W. S.,|Apotheker u. Pharmazeut in Einbeck, 1996 (P);
    A. Piehler, Leben u. Werk d. F. W. S., Diss. Leipzig 1999;
    G. Schwedt, Berühmte Raths-Apotheker in Hameln, 2001, S. 59 ff. (P);
    Ch. Friedrich, Von d. pflanzl. Droge z. Arzneistoff, in: Zs. f. Phytotherapie 26, 2005, S. 106–12 (P);
    ders., H. Bettin u. W. Götz (Hg.), Der Briefwechsel v. Johann Bartholomäus Trommsdorff, 2006;
    M. R. Kesselmeier, F. W. S., Apotheker u. Forscher, Diss. Marburg 2006;
    BLÄ;
    Dt. Apotheker-Biogr.

  • Autor/in

    Christoph Friedrich
  • Empfohlene Zitierweise

    Friedrich, Christoph, "Sertürner, Friedrich Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 271-273 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118613421.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA