Lebensdaten
1877 bis 1934
Geburtsort
Wien-Brigittenau
Sterbeort
Karlsbad
Beruf/Funktion
Schauspieler
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 11859138X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pallenberg, Maximilian
  • Pallenberg, Maximilian

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Zitierweise

Pallenberg, Max, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd11859138X.html [05.12.2016].

CC0

Pallenberg, Max(imilian)

Schauspieler, * 18.12.1877 Wien-Brigittenau, (Flugzeugabsturz) 26.6.1934 Karlsbad, Wien, Zentralfriedhof. (jüdisch)

  • Genealogie

    V Markus (* 1841), aus Beiz (Galizien), Branntweinschänker in W.; M Kressel (Therese) Orsower (* 1841), aus Brody (Galizien); B Isidor (* 1873), bis 1938 Kontrolleur im Dt. Volkstheater in W.; – 1) Preßburg 1903 ( 1917) Betty Franke, 2) 1918 Fritzi Massary (eigtl. Friederike Massaryk) (1882–1969, [⚮] 1] Bernhard Pollack, Augenarzt u. Pianist, s. NDB 14*), Operettensängerin, Schausp. (s. NDB 16; W); 1 T Elisabeth (1903–79, 1] Bruno Frank, 1887–1945, Schriftst., s. NDB V, 2] Leo Mittler, 1893–1958, Regisseur, s. NDB 17).

  • Leben

    P. absolvierte das Realgymnasium und trat danach eine Lehre in einem Textilgeschäft an. Nach harten Auseinandersetzungen mit dem Vater schloß er sich ohne vorangehenden Schauspielunterricht als Sechzehnjähriger einer Wanderbühne im nördlichen Bayern an, wo er als erster drastischer Komiker und Buffo agierte. In den folgenden Jahren spielte P. an zahlreichen Orten in Österreich-Ungarn. Über Linz 1902, Olmütz 1903/04 und Bad Ischl gelangte er schließlich durch Theaterdirektor Josef Jarno 1904 nach Wien an dessen Theater in der Josefstadt und an das 1905 angeschlossene Lustspieltheater. Nach einer kurzen Zeit als Operettenstar am Theater an der Wien unternahm er 1908 eine Gastspielreise nach Berlin. Einem Engagement am Deutschen Volkstheater in Wien 1910 folgte 1911 in München die Begegnung mit Max Reinhardt, der ihn den König Menelaus in Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ spielen ließ, eine Aufführung, die in Berlin an das Theater des Westens übernommen wurde. In den folgenden Jahren trat P. mit der Operettendiva Fritzi Massary an verschiedenen Berliner und Wiener Bühnen auf. 1914-19 war er im Ensemble Max Reinhardts in Berlin engagiert. Er wurde hier einer der bedeutendsten Charakterdarsteller Deutschlands und glänzte u. a. als Rappelkopf in Raimunds „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ (1914/15), in den Hauptrollen von Molieres „Der eingebildete Kranke“ (1916) und „Der Geizige“ (1917) sowie als Rentier Krüger in „Der Biberpelz“ von Hauptmann (1916), als Ergaste in „Die Lästigen“ von Molière/Hofmannsthal (1916), als Foldal in „John Gabriel Borkman“ von Ibsen (1916), als Bürger Jourdain in „Der Bürger als Edelmann“ von Molière/Hofmannsthal (1918), als Liliom in „Liliom“ von Molnár (1922/23), als Theaterdirektor in „Sechs Personen suchen einen Autor“ von Pirandello (1924), als Literat Sommersberg in „Der Marquis von Keith“ von Wedekind (1929), als Bankdirektor Norrison in „Eins, zwei, drei“ von Molnár (1929).

    In seiner Bühnenlaufbahn spiegelt sich auch die Vielfalt der Berliner Theaterszene während der Weimarer Republik. P. wirkte an allen bedeutenden Bühnen: am Komödienhaus und am Theater an der Königgrätzer Straße, in den Sommermonaten spielte er in Maximilian Sladeks Theater des Westens, 1922 bei Eugen Robert im Theater am Kurfürstendamm, 1923 bei Victor Barnowski an dessen Lessing-Theater. Ein fester Vertrag band ihn 1924/25 an Reinhardts neues Theater „Die Komödie“. 1925/26 und 1926/27 gehörte P. den Saltenburg-Bühnen an. In den Spielzeiten 1927/28 und 1928/29 banden ihn Gastspielverträge an das Metropol-Theater von Fritz Friedmann-Frederich und an Karl Rosen und Eric Charell, die das Große Schauspielhaus leiteten, an die Piscator-Bühne am Nollendorfplatz und wieder an das Lessing-Theater. 1929 holte ihn Gustav Härtung an das Renaissance-Theater und das Deutsche Künstlertheater. Der Weg führte ihn als Gast an die Volksbühne 1930/31 und 1931/32 wieder zurück zu den Reinhardt-Bühnen. 1933 mußte P. nach Wien zurückkehren.

    Der Improvisationskunst P.s wegen einzigartig in der Theatergeschichte blieb seine Gestaltung des „Eingebildeten Kranken“ in der Inszenierung Max Reinhardts auf Schloß Leopoldskron bei Salzburg 1923: P., der die Zuschauer im Foyer einzeln willkommen hieß, spielte sich allmählich auf die Bühne, wo er sich ermattet in seinen Krankensessel sinken ließ und mit dem Text Molières begann. Stilbildend wurde seine Darstellung des Schwejk in Erwin Piscators Inszenierung von J. Hašeks Stück „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ 1928 sowie seine unpathetische Auffassung des Mephisto in Reinhardts Inszenierung von Goethes Faust I (mit Paula Wessely u. Ewald Balser) in der Felsenreitschule in Salzburg 1933 (Bühnenbild: C. Holzmeister), die später Gustav Gründgens weiter ausbaute. P. konnte sein Talent zur Entfaltung bringen, weil er einem kongenialen Regisseur (Max Reinhardt) begegnete, dem seine Improvisationskunst, seine pantomimische Begabung und seine Fähigkeit, die enge Verbindung von Tragik und Komik unmittelbar deutlich zu machen, entgegenkam, sowie begeisterte Kritiker (Alfred Polgar u. Alfred Kerr) fand und ein für sein Temperament aufgeschlossenes Publikum.|

  • Auszeichnungen

    Der Ifflandring war P. von Albert Bassermann zugedacht.

  • Werke

    u. a. Offenbachs Humor, Aphorist. Skizze, in: Münchner Künstlertheater 1912; Der größenwahnsinnige Regisseur, in: Das Tagebuch, hg. v. St. Großmann u. L. Schwarzschild, 13.11.1920; Rückkehr nach Wien, in: Kunst u. Volk, 1923; Mein Geb.tagswunsch, in: BZ am Mittag, 18.12.1927; ich jammere Katz, in: Theaterztg. d. Münchener Volkstheaters, Jan. 1929; Shakespeare u. d. neue „Sachlichkeit“, in: Bad. Landestheater, Amtl. Theaterzettel, Febr. 1929; Carow, Karriere e. Wiener Volkskomikers, 1930, in: Slg. v. Prominentenurteilen üb. E. Carow, S. 84; Glückwunsch z. Reinhardt-Jubiläum am 30.5.1930, in: Der neue Weg, Halbmschr. für d. dt. Theater, 1.6.1930, S. 217; Die Welt ist ganz anders, Eindrücke auf gr. Fahrt (Ztg.ausschnitt ohne weitere Angaben, 1931, Berlin, Theaterabt. d. Märk. Mus.). – Schallplattenaufnahmen u. a.: als Josef in: „Madame Pompadour“ (Leo Fall), mit Fritzi Massary (Elektrola); als Bankdir. Norrison in: „Eins, zwei, drei“ (Molnár), Mitschnitt d. Berliner Rundfunks 1930 (Berlin, Dt. Bühnenarchiv, Kat.-Nr. C 187).

  • Literatur

    H. Wantoch, M. P., 1908; J. Bab, in: Kränze dem Mimen, 1926 (Neudr. 1954); R. Wilde, Der fünfzigj. P., 1927; H. Pfeiffer, Das Porträt, P. 1947; ders., Die Schauspielerei im Niemandsland, 20. Todestag M. P.s, 1954; W. Drews, Der gr. Stegreifspieler M. P., 1953; M. Lederer, In memoriam M. P., 1954; A. Polgar, Ja u. Nein, Darstellungen v. Darstellungen, Neudr. 1956; ders., Ausw., Prosa aus vier J.zehnten, hg. v. B. Richter, 1968; K. Tucholski, Ausgew. Werke, zus.gest. v. F. J. Raddatz, 1956; H. Jhering, Von Reinhardt bis Brecht, 1958; E. Piscator, Das pol. Theater, 1963; C. Fritsche, Die Kritiken A. Folgars, Diss. Wien 1964; A. Kerr, Die Welt im Drama, hg. v. H. Jhering, 21964; E. Ginsberg, Abschied, Erinnerungen, Theateraufss., 1965; M. Brod, Prager Sternenhimmel, 1966; R. Forster, Das Spiel – mein Leben, 1967; Max Reinhardt, Sein Theater in Bildern, hg. v. d. M. Reinhardt-Forsch.stätte, 1968; C. Zuckmayer, Als wär's e. Stück v. mir, 1968; U. Ahrens. M. P., Unterss. zu seinem Bühnenstil, Diss. 1972 (W- u. Rollen-Verz., L, P); I.-L. Schack, M. P., Ein gr. Schausp. v. Gnaden d. Natur, 1980; Carola Stern, „Die Sache, die man Liebe nennt“, Das Leben d. Fritzi Massary, 1998 (P); Kosch, Theater-Lex.; Enc. dello Spettacolo VII, 1960, Sp. 1538 ff.; H. Kindermann, Theatergesch. Europas. VIII, 1968; Theater-Lex., hg. v. H. Riechbieter, 1983; ÖBL; BHdE II; Hist. Lex. Wien.

  • Autor

    Ingeborg Liane Schack
  • Empfohlene Zitierweise

    Schack, Ingeborg Liane, "Pallenberg, Max" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 17 f. [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11859138X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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