Lebensdaten
um 1300 bis 1355
Geburtsort
Würzburg
Sterbeort
Würzburg
Beruf/Funktion
Chronist ; bischöflicher Protonotar
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118928074 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leone, Michael de
  • Michael de Erbipoli
  • Michael de Leone
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Zitierweise

Michael de Leone, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118928074.html [15.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus wohlhabender Fam.;
    V Konrad gen. d. Jude, aus Köln, zog um 1300 aus Mainz nach W., Mag. u. „advocatus curie herbipolensis“, wohnte im Kestelerhof b. Stift Neumünster;
    M N. N.;
    B Konrad|( 1345), Mag., Jurist, studierte um 1315/17 in Bologna, Peter; – ledig;
    N (S d. Peter) Jakob (1336–1400), erbte von M. d. „Löwenhof“.

  • Leben

    M., der in seinem Wappen drei Judenhüte führt, berichtet selbst nichts über Herkunft und Werdegang. Diese können u. a. aus zeitgenössischen Urkunden und späteren Darstellungen rekonstruiert werden. Johannes Trithemius (1462–1516) erwähnt ihn zuerst in den „Annales Hirsaugienses“, ausführlicher – mit im einzelnen nicht ganz zuverlässigen Angaben – geht später Lorenz Fries (1491–1550) in seiner Würzburger Bischofschronik auf M. und seine Herkunft ein.

    Als „Michael de Erbipoli“ wurde M. 1324 als Student der Rechte in die Universitätsakten von Bologna eingetragen. Er erwarb den Magistergrad und ist seit 1328 als „advocatus curie“ und als öffentlicher kaiserl. Notar in Würzburg nachweisbar. 1332 kaufte er den „Hof zum Großen Löwen“, der für M. und seine nächsten Verwandten den neuen Beinamen „de Leone“ abgab.

    Unter Bischof Otto v. Wolfskehl ( 1345) wurde M. spätestens 1336 Protonotar, also Leiter der bischöflichen Kanzlei. In Zusammenhang mit diesem Amt entstanden seine beiden historischen Werke, die Biographie Ottos v. Wolfskehl und die Chronik „temporum hominum modernorum“, die an die älteren „Annales Herbipolenses minores“ anschließt. Charakteristisch für M.s Darstellung ist eine enge räumliche Beschränkung auf die Würzburger Diözese, erst mit der Wahl Karls IV. (1346) rückt auch die Reichsgeschichte ins Blickfeld. Als Grundlage für diese Notizen benutzte M. den „Liber de ortu“, der nach S. Krüger Lupold v. Bebenburg zuzuschreiben ist. Als 1345 Albrecht v. Hohenlohe zum Nachfolger Ottos v. Wolfskehl gewählt wurde, versah M. die Amtsgeschäfte zunächst weiter; zwischen Oktober 1348 und Mai 1350 verließ er jedoch die bischöfliche Kanzlei und wurde Scholaster am Neumünsterstift, wo ihm vor allem die Aufsicht über die Stiftsschule oblag.

    Bereits seit 1343 war nach und nach das später so genannte „Manuale“ (Univ.bibl. Würzburg, M.p.misc.f.6) entstanden, in dem Texte aus der Kanzleitätigkeit M.s mit den erwähnten historischen Schriften und einer Gründungsgeschichte des Stifts Neumünster vereinigt wurden. Dazu kamen Werke fremder Autoren, u. a. Teile aus den Schriften Hermanns von Schildesche sowie zwei deutsche Bearbeitungen des „Ritmaticum“ Lupolds v. Bebenburg, ferner Gebete und medizinische Traktate. Inhaltlich teilweise parallel wurde um 1346 als zweite Mischhandschrift das – für den jeweiligen Besitzer des Löwenhofs bestimmte – sog. „Hausbuch“ oder „Leonebuch“ angelegt. Der erste Teil der ursprünglich zweibändigen Handschrift, welcher vor allem den „Renner“ Hugos von Trimberg in einer Bearbeitung M.s enthielt, ging bis auf wenige Fragmente verloren, der zweite Band mit dem Inhaltsverzeichnis des Gesamtwerks kam nach wechselvollem Schicksal in die Univ.bibl. München (2° Cod. ms. 731). Zu der Vielzahl der hier überlieferten Texte gehören u. a. Lieder Walthers von der Vogelweide und Reinmars des Alten, die der Sammlung die Bezeichnung „Würzburger Liederhandschrift“ eintrugen. Sie liefert ein eindrucksvolles Zeugnis für die weitgespannten Interessen eines gebildeten Laien aus der Mitte des 14. Jh. und erlangte vor allem für die germanistische Forschung große Bedeutung.

  • Literatur

    ADB 18 (unter „Leone“);
    Kunstdenkmäler v. Bayern, Reg.bez. Unterfranken u. Aschaffenburg, XII, Stadt Würzburg, hrsg. v. F. Mader, 1915, S. 317 (unveränd. Nachdr. 1981);
    S. Zeißner, Der Große Löwenhof in Würzburg, in: Mainfränk. Jb. f. Gesch. u. Kunst 5, 1953, S. 115 ff.;
    S. Krüger, Zum sog. liber privilegiorum d. Lupold v. Bebenburg, in: DA 10, 1953/54, S. 96-131, bes. S. 101-20 (weitere W);
    J. Kurz, M. de L., Diss. München 1955;
    P. Keyser, M. de L. ( 1355) u. seine literar. Slg., 1966;
    G. Kornrumpf u. P.-G. Völker, Die dt. ma. Hss. d. Univ.bibl. München, 1968, S. 66-107, 349;
    G. Lamping, M. de L., in: Fränk. Lb. IV, 1971, S. 87 ff.;
    Die Lieder Reinmars u. Walthers v. d. Vogelweide aus d. Würzburger Hs.Cod. ms. 731 d. Univ.bibl. München, I. Faks., Mit e. Einf. v. G. Kornrumpf, 1972;
    H. Brunner, Das Hausbuch d. M. de L. (Würzburger Liederhs. d. Univ.bibl. München 2° ms. 731), In Abb. hrsg., 1983;
    Die Würzburger Inschriften bis 1525, bearb. v. K. Borchardt, 1988, S. 48 f. mit Abb.;
    A. Wendehorst, Das Bistum Würzburg IV, Das Stift Neumünster, 1989;
    I. Glier (Hrsg.), Die dt. Lit. im späten MA (1250–1370), 2. T., in: Gesch. d. dt. Lit., begr. v. H. de Boor u. R. Newald, III, 2, 1987;
    Die Hss. d. Univ.bibl. Würzburg IV, Die Hss. d. kleinen Provenienzen u. Fragmente, bearb. v. H. Thurn, 1990, S. 31-47;
    G. Kornrumpf, in: Vf.-Lex. d, MA2 (Verz. d. erhaltenen W u. Hss., L);
    Lex. MA.

  • Autor/in

    Gerlinde Lamping
  • Empfohlene Zitierweise

    Lamping, Gerlinde, "Michael de Leone" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 421-422 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118928074.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Leone: Michael de L., war der Sohn des Konrad Jud oder Judde, aus einem bekannten Mainzer Patriziergeschlechte, eines Rechtsgelehrten, der in Würzburg heimisch geworden war, nannte sich aber nach seinem Hof zum Löwen in Würzburg. Nach fünfjährigen Studien in Bologna wurde er Canonicus am Neumünster und Protonotar der Bischöfe Otto von Wolfskehl (1333—1345) und Albrecht von Hohenlohe (1345—1372), starb aber selbst schon am 3. Jan. 1355. Sein Andenken hat sich erhalten durch die von ihm hinterlassenen Sammelbände, welche u. a. auch deutsche Gedichte und geschichtliche Aufzeichnungen enthalten. Noh in Stil und Sprache, enthalten sie doch werthvolle Nachrichten über das Würzburger Bisthum, besonders den von ihm gerühmten Bischof Otto, und über Ereignisse seiner Zeit; er ist eifriger Anhänger Karls IV. und fanatischer Feind der Juden. Auch die angebliche Grabschrift Walthers von der Vogelweide hat er aufgezeichnet. Nachdem Gropp 1741 in der Collectio Scriptt. Wirceb. seine Aufzeichnungen benutzt und größtentheils abgedruckt hatte, sind sie von Boehmer, Fontes. I, 451—479, vgl. Vorr. S. XXXIV, nach der Handschrift berichtigt und leichter zugänglich gemacht.

    • Literatur

      Vgl. Ottokar Lorenz. Deutschlands Geschichtsquellen (2. Aufl.) I, S. 128—131. — A. Ruland: 1) Die Würzburger Handschrift der königl. Universitäts-Bibliothek zu München. Archiv des Historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg. Bd. XI. Heft 2 und 3, S. 1—108, und 2) Beschreibung der sogen. Ebracher Handschrift des Michael de Leone ebendas. Bd. 13. An erster Stelle hat Ruland die Polizeiordnungen des B. Otto von Wolfskehl abdrucken lassen.

  • Autor/in

    Wattenbach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wattenbach, Wilhelm, "Michael de Leone" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 299 unter Leone [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118928074.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA