Lebensdaten
1901 bis 1978
Geburtsort
Hannover
Sterbeort
Düren-Lendersdorf
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe ; Religionswissenschaftler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118732943 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mensching, Gustav

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Zitierweise

Mensching, Gustav, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118732943.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav (1869–1906), Landwirt, später Kaufm. in H., S d. Johann Hermann Ludolf (1843–1918), Klosteramtmann, u. d. Elisabeth Henriette Anna Vogler;
    M Johanna Schubart (1874–1956);
    1927 Erika Dombrowski (1898–1978);
    2 S Gerhard (1932–92), Dozent d. Germanistik in Bochum, Bühnen-, Roman- u. Kinderbuchautor, Puppeniilmproduzent (s. Kürschner, Lit.-Kal. 1988), Günther (* 1942), Prof. d. Philos. in H.

  • Leben

    M. studierte ev. Theologie und Philosophie in Göttingen (1920/21) und Marburg (seit 1921), wo er bei Rudolf Otto und Friedrich Heiler auch Religionsgeschichte hörte. Nach Studien in Berlin (1923/24) bei Johannes Witte legte er 1924 das Lizentiat in Marburg ab. Seine Privatassistenz bei Rudolf Otto endete 1927 mit den theologischen Abschlußprüfungen und seiner Habilitation für Religionsgeschichte in Braunschweig. 1927 folgte er einem Ruf für dieses Fach an die Universität in Riga, wo er auch als Pfarrer tätig war. Über Kiel (Vertretung für Systematische Theologie 1935/36) gelangte er 1936 nach Bonn. Hier war er zunächst Lehrbeauftragter und 1942-69 Professor des neuerrichteten Lehrstuhls für vergleichende Religionswissenschaft (o. Prof. 1955). Aufgrund seiner Mitgliedschaft im NS-Dozentenbund wurde M. 1946 die Lehrerlaubnis entzogen, die er aber 1948 nach seiner Rehabilitierung zurückerhielt.

    Neben R. Otto und F. Heiler haben vor allem W. Dilthey, E. Husserl, M. Weber, J. Wach|und H. Frick das Denken M.s beeinflußt. Im Anschluß an Otto faßte er die Religion in Abgrenzung zum Rationalismus als irrationale Größe auf. Seine Religionsdefinition lautet: „Religion ist erlebnishafte Begegnung mit dem Heiligen und antwortendes Handeln des vom Heiligen bestimmten Menschen“. Das allen Religionen Gemeinsame, das ihren Vergleich ermöglicht, war für ihn das Erlebnis des Heiligen. Auf der Grundlage der Wesensphänomenologie (Husserl), Hermeneutik (Dilthey) sowie der Idealtypenlehre (M. Weber) versuchte M. für jede Religion deren spezifische „Lebensmitte“ zu bestimmen. Davon ausgehend, suchte er Grundstrukturen der Religion (Volks- und Universalreligion) herauszuarbeiten und eine umfassende Religionstypologie (z. B. Mystik und Prophetie) aufzustellen. Als Vertreter einer verstehenden Religionswissenschaft wollte M. durch das Einschalten geschichtlicher Tatsachen in das „eigene Leben“ deren „inneres Leben“ zu Bewußtsein bringen. Dieses lebensphilosophische Vorverständnis gestattete ihm zugleich das Erkennen von „Lebensgesetzen der Religion“ („Anfangsverbundenheit“, Dogmatisierung, Untergang). M. wandte seine typologische Forschung vorwiegend auf dem Gebiete der Allgemeinen Religionsgeschichte, der Vergleichenden Religionswissenschaft, der Religionssoziologie und bei der Behandlung von Einzelproblemen an (u. a. Toleranz, Personalismus in der Religion). Seine besonderen Verdienste liegen in dem Bestreben, Unabhängigkeit und Eigenständigkeit der Religionswissenschaft zu verteidigen, sowie in seinen Leistungen als Systematiker, der die Ergebnisse der religionsgeschichtlichen Forschung einer typologischen Strukturierung unterzog und seine Einsichten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte.|

  • Auszeichnungen

    Dr. sc. rel. h. c. (Marburg 1951).

  • Werke

    Das hl. Schweigen, 1926;
    Die Idee d. Sünde, ihre Entwicklung in d. Hochreligionen d. Orients u. Okzidents, 1931;
    Zur Metaphysik d. Ich, 1934;
    Das hl. Wort, 1937;
    Vergleichende Rel.wiss., 1938, 21949;
    Volksrel. u. Weltrel., 1938;
    Allg. Rel.gesch., 1940, 21949;
    Gut u. Böse im Glauben der Völker, 1941, 21950;
    Soziologie d. Rel., 1947, 21968 (franz. 1951);
    Gesch. d. Rel.wiss., 1948 (franz. 1955, japan. 1970);
    Toleranz u. Wahrheit in d. Rel., 1955 (holländ. 1957, japan. 1965, engl. 1971);
    Die Rel., Erscheinungsformen, Strukturtypen u. Lebensgesetze, 1959 (engl. 1976);
    Soziologie d. großen Religionen, 1966;
    Die Weltreligionen, 1972;
    Buddha u. Christus – e. Vergleich, 1978;
    Der offene Tempel, Die Weltreligionen im Gespräch miteinander, 1974. – Hrsg.: Das lebendige Wort, Texte aus d. Religionen d. Völker, 1952;
    Buddhist. Geisteswelt, Vom hist. Buddha zum Lamaismus, Texte, ausgew. u. eingel., 1955;
    Leben u. Legende d. Religionsstifter, Texte, 1955;
    Die Söhne Gottes, Aus d. hl. Schrr. d. Menschheit, 1958.

  • Literatur

    Festschrr. u. Bibliogrr.: Rel. u. Religionen, 1967 (P);
    H.-J. Klimkeit (Hrsg.), G. M., Topos u. Typos, Motive u. Strukturen rel. Lebens, Ges. Btrr. z. Vgl. Rel.wiss., 1971;
    U. Vollmer, Das wiss. Schrifttum G. M.s 1971-75, in: Anthropos 71, 1976, S. 602-04. – E. Hirschmann, Phänomenol. d. Rel., Diss. Groningen 1940;
    W. Lohff, G. M.s Religionswiss. d. Verstehens, in: Zs. f. Rel.- u. Geistesgesch. 2, 1949/50, H. 1, S. 75-81;
    L. Richter, Studienbücher z. Rel.wiss., in: Theol. Lit.ztg. 78, 1953, Nr. 11;
    Z. Czarnecki, G. M., in: Euhemer, Przeglad religiznawczy 3, 1959, S. 534-42;
    T. Margul, Sto Lat Nauki O Religiach Swiata, 1964;
    K. Rudolph, Die Problematik d. Rel.wiss. als akadem. Lehrfach, in: Kairos 9, 1967, S. 21-42;
    H. Röhr, Buddhismus u. Christentum, in: Zs. f. Rel.- u. Geistesgesch. 25, 1973, S. 289-03;
    U. Tworuschka, Religionsbewertung als Problem u. Aufgabe, Die Haltung G. M.s z. Rel.messung, ebd. 27, 1975, S. 122-40;
    ders., Begegnung u. Antwort, G. M. u. d. Rel.wiss., in: Anthropos 71, 1976, S. 579-601;
    St. Rink, Liebe statt Überlegenheit? Das Heilige u. seine Beziehungen zu Rasse, Masse u. Klasse, in: Spirita, Zs. f. Rel.wiss. 1988, Nr. 2, S. 14-18; Bausteine z. M.-Forschung, hg. v. H. R. Yousifi, R. A. Mall u. Klaus Fischer, 2001 ff.

  • Autor/in

    Wolfgang Gantke, Peter Parusel
  • Empfohlene Zitierweise

    Gantke, Wolfgang; Parusel, Peter, "Mensching, Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 86 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118732943.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA