Lebensdaten
1738 bis 1822
Geburtsort
Moritzburg bei Dresden
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Herzog von Sachsen-Teschen ; Generalstatthalter der Niederlande
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118647652 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Albrecht (eigentlich)
  • Albert Kasimir von Sachsen-Teschen
  • Albert
  • mehr

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Albert Kasimir, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118647652.html [12.12.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich August II., Kurfürst von Sachsen, seit 1733 als König von Polen August III. (1696–1763);
    M Maria Josepha von Österreich, T Kaiser Josephs I.;
    Marie Christine, Erzherzogin von Österreich, T der Kaiserin Maria Theresia;
    Adoptiv-S Erzherzog Karl.

  • Leben

    A. wurde 1760 Generalleutnant, war 1765-80 Statthalter in Ungarn, 1780-92 Generalgouverneur der Niederlande, 1794 Oberbefehlshaber der deutschen Reichsarmee und Reichs-Generalfeldmarschall; 1795 trat er in den Ruhestand. Die Ehe mit Maria Theresias Lieblingstochter verschaffte dem schönen und hochgebildeten Wettiner nicht nur mit dem Herzogtum Teschen und ungarischen Gütern den größten Grundbesitz der österreichischen Monarchie, sondern auch in Ungarn und Belgien die Stellvertretung des österreichischen Herrschers, wobei er als überzeugter Vertreter der aufgeklärten theresianischen Reformen viel für die Hebung der Landeskultur, Armenfürsorge und ständische Befriedung tat. Die belgische Revolution vermochte er nicht zu meistern, ebensowenig hatte er als Führer der Reichsarmee gegen die Franzosen Glück. In seinen letzten Lebensjahren widmete er sich ganz der sozialen Arbeit - Bau von Wasserleitungen in Wien - und der Pflege künstlerischer Interessen. Seiner 1798 gestorbenen Gemahlin ließ er durch A. Canova ein Grabmal errichten. In der nach ihm benannten Albertina, die er als Fideikommiß dem von ihm adoptierten Erzherzog Karl vermachte, sind seine Sammlungen von Handzeichnungen und Kupferstichen und seit 1920 auch die Kupferstichsammlung der österreichischen Nationalbibliothek zu einer der hervorragendsten Sammlungen dieser Art vereinigt.

  • Literatur

    ADB I (unter Albrecht);
    A. v. Vivenot, Hzg. A. v. S.-T. als Reichs-Feldmarschall 1794, 2 Bde., 1864–66;
    F. Malcher, Hzg. A. zu S.-T. bis zu seinem Antritt d. Statthalterschaft in Ungarn 1738 bis 1766, 1894 (P);
    Ch. Meyer, Zur Biogr. d. Hzg.s A. v. S.-T., in: Wiss. Beil. d. Leipziger Ztg. 1895, S. 97-99;
    A. v. Schempp, Kompetenzstreit zwischen d. Schwäb. Kreis u. d. Reichs-General-Feldmarschall Hzg. A. v. S.-T. … im J. 1795, in: Beihh. z. Militär-Wochenbl. 1908, S. 371-96;
    U. Hoepli, Collection de beaux livres ayant appartenu au Duc Albert (Casimir) de Saxe-Teschen, fondateur du Musée Albertina à Vienne, Mailand 1930;
    H. Rössler, Österr.s Kampf um Dtld.s Befreiung, 1940;
    H. Kretzschmar, Vor 120 Jahren starb Hzg. A. v. S.-T, in: Lichtensteiner Anz. 1942, Nr. 30.

  • Portraits

    Ölgem. v. V. Weikert, 1778 (Schloß Moritzburg b. Dresden).

  • Autor

    Hellmuth Rößler
  • Empfohlene Zitierweise

    Rößler, Hellmuth, "Albert Kasimir" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 131 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118647652.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Albrecht Kasimir, Herzog von Sachsen-Teschen, geb. 11. Juli 1738, 10. Febr. 1822, ein Sohn des Königs Friedrich August III. von Sachsen-Polen und der Maria Josepha, einer Tochter Kaiser Josephs I. Als im siebenjährigen Kriege Sachsen von den Preußen besetzt wurde, trat Herzog A. zugleich mit seinem Bruder Clemens 1759 als Freiwilliger in die österreichische Armee ein, focht in den Treffen bei Maxen und Meißen, stellte sich 1760 dem kaiserlichen Hofe in Wien vor und erhielt von Maria Theresia ein Kürassierregiment und das Patent als Generallieutenant. Er zeichnete sich unter Daun bei Hohenfriedberg und Hennewalde aus und blieb auch nach dem Hubertsburger Frieden in österreichischen Diensten. 1766 (8. April) heirathete er die Erzherzogin Marie Christine, eine Tochter der Kaiserin, er nannte sich seit dieser Zeit, da Maria Theresia ihnen das Herzogthum Teschen als böhmisches Kronlehen abtrat, Herzog von Sachsen-Teschen. Von 1765 bis 1780 bekleidete A. die Stelle eines Statthalters von Ungarn und nahm wesentlichen Antheil an den Reformen, welche Maria Theresia in Ungarn einführte. 1778 während des bairischen Erbfolgekrieges commandirte er ein Reservecorps in Mähren. 1780 übertrug Maria Theresia dem Herzog A. und seiner Gemahlin das Generalgouvernement in den Niederlanden. A. erlebte daselbst die Aufhebung des Barrierevertrages, den Scheldestreit, die Josephinischen Reformen und die neue Organisation von 1787, welche ohne Einwilligung der Stände die alte föderalistische und feudale Verwaltung|der belgischen Provinzen in eine centrale, absolute Herrschaft umbilden sollte. In Folge der belgischen Revolution verließen die Generalgouverneurs 1790 das Land und kehrten erst 1792, als Kaiser Leopold II. das Land unterwarf und die alte Verfassung, restaurirte, zurück. Herzog A. commandirte im ersten französischen Kriege die belgisch-österreichische Armee, siegte bei Maubeuge, belagerte Lille verlor jedoch am 6. Nov. 1792 die Schlacht bei Jemappes, welche den Sturz der österreichischen Herrschaft und die Eroberung Belgiens durch die Franzosen zur Folge hatte. A. lebte in der nächsten Zeit in Dresden und Wien und unternahm 1794 im ersten Coalitionskriege als deutscher Reichsfeldmarschall das Commando über die deutsche Reichsarmee am Rhein. Er ging über den Rhein drängte die Franzosen bis an die Vogesen, mußte jedoch nach Mannheim zurück und vermochte, von den Preußen nur schwach unterstützt, den Rhein nicht mehr zu schützen. 1795 löste sich die Reichsarmee auf, Herzog A. nahm am 23. Mai seinen Abschied und trat vom öffentlichen Schauplatze ab. Er lebte hinfort als Privatmann in Wien, schrieb seine Memoiren und legte in seinem Palaste eine große Bibliothek und in der sogen. Albertina eine auserlesene Sammlung von Kupferstichen und Handzeichnungen an. Zu Ehren seiner Gemahlin, welche am 24. Juni 1798 gestorben war, ließ er 1805 das von Canova gearbeitete Grabdenkmal in der Augustinerkirche in Wien aufstellen. Er erlebte noch den Wiener Congreß und starb, 84 Jahre alt, in Wien.

    A. v. Vivenot, Herzog Albrecht von S.-T. als Reichsfeldmarschall. 3 Bde. 1864. Adam Wolf, Erzherzogin Christine, 2 Bde. 1863.

  • Autor

    A. Wolf.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wolf, Adam, "Albert Kasimir" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 319-320 unter Albrecht [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118647652.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA