Lebensdaten
1854 bis 1924
Geburtsort
Hollabrunn bei Wien
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Anthropologe ; Archäologe ; Ethnograph ; Professor der Anthropologie und Ethnographie in Berlin ; Direktor des Staatlichen Museums für Völkerkunde in Berlin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117319813 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Luschan, Felix von
  • Luschan, F. von
  • Luschan, Felice von
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Zitierweise

Luschan, Felix von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117319813.html [23.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Maximilian (1821–83), Hof- u. Gerichtsadvokat, S d. Lukas (österr. Ritter 1855, 1786-1867), Dr. iur., Oberlandesgerichtsrat in Graz, u. d. Anna Hutterstrasser;
    M Christine Hocheder (1833–79);
    Millstatt 1885 Emma (1864–1941), T d. Geologen Ferdinand Rr. v. Hochstetter (1829–84, s. NDB IX), u. d. Georgiana Bengough.

  • Leben

    Nach der Reifeprüfung 1871 studierte L. Medizin in Paris und Wien, wo er 1878 promoviert wurde und sogleich mit der österr. Armee zur Okkupation in Bosnien einrücken mußte. Neben seiner anschließenden Tätigkeit 1880-82 als Sekundararzt im Wiener Allgemeinen Krankenhaus begleitete er 1881 den Archäologen O. Benndorf nach Lykien, ebenso 1882, als es darum ging, aus Kleinasien das Heroon von Gjölbaschi-Trysa, einen monumentalen Grabbau, für Wien zu erwerben. 1882 folgte die Habilitation in Ethnographie. 1883 stieß er bei einer Orientreise in die Kommagene auf die Überreste von Sendschirli, der Hauptstadt des aramäischen Kgr. Sam'al, die später, auch unter seiner Leitung, in mehreren Grabungskampagnen freigelegt wurde. Reisen nach Südostanatolien und Syrien galten der anthropologisch-ethnologischen Erforschung kleinasiatischer Volksgruppen. 1885 wurde L. als Direktorialassistent an das Museum für Völkerkunde in Berlin berufen. 1888 promovierte er in München zum Dr. phil. Im selben Jahr habilitierte er sich für Anthropologie in Berlin. 1900 wurde er als ao. Professor an die Univ. Berlin berufen, 1904 am Museum zum Abteilungsdirektor (Afrika-Ozeanien) ernannt, eine Stellung, die er bald nach Erlangung der o. Professur (1909) aufgab. Es folgten Forschungsreisen, 1905 nach Südafrika, 1914 nach Neuseeland. Nach Ausbruch des Krieges weilte er bis 1915 in den USA.

    Bereits kurz nach dem Abitur hatte L. anthropologische und archäologische Studien publiziert. In seinen anthropologischen Forschungen legte er großen Wert auf die Kraniologie. Da diese Disziplin in Formalismus zu erstarren drohte, versuchte L., sie durch vergleichende Untersuchungen am Knochenbau Lebender und der in Grabungen freigelegten Skelette zu erweitern.

    Sein Streben nach den großen Zusammenhängen, bei aller Sorgfalt in der Behandlung der Objekte, tritt insbesondere in der mit Carl Humann und Otto Puchstein seit 1893 exemplarisch publizierten Grabung von ' Sendschirli hervor, mit der er weithin bekannt wurde. Die Analyse des archäologischen Materials wie auch seine anthropologischen und ethnologischen Studien, die auf Beobachtungen der sprachlichen Eigenheiten, Sitten, Gebräuche und der körperlichen Erscheinung gestützt waren, bewogen L. zwar zu einer heute überholten Auffassung, nach der sich im kleinasiat.-syrischen Gebiet eine kraniologisch definierbare Urrasse („Armenide“) ermitteln ließe, die man auch auf den Skulpturen von Sendschirli wiedererkennen könne. Einige seiner Analysen haben jedoch, trotz einer seinerzeit noch fehlenden genetischen Basis für eine biologische Rassenkonzeption, auch heute noch Bestand. L.s zahlreiche ethnologisch-historische Studien bleiben objektgebunden und zeichnen sich durch große Materialkenntnis aus. Seinem Organisationstalent verdankt das Museum für Völkerkunde in Berlin einen Großteil der Bestände, so vor allem die Sammlung Beninscher Altertümer, der L. ein 3bändiges Werk widmete. Seine Lehrtätigkeit als erster o. Professor für Anthropologie in Berlin trug wesentlich zur Verbreitung dieser Wissenschaft in Deutschland bei. Bezeichnend für L.s Vielseitigkeit sind etwa seine Mitteilungen über Zeremonialmasken aus Neuguinea, westsudan. Schnitzereien, Baumrindenboote, Bogen und Pfeile der Batwa am Kiwusee. L. hielt an einer monophyletischen Abstammung des Menschen fest und verstand die Abstraktion von Naturvorbildern in der Kunst als Ausdruck einer linearen kulturellen Evolution.|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (Athen 1912, Adelaide 1914).

  • Werke

    Reisen in Lykien, Milyas u. Kibyratien, 1889 (mit E. Petersen);
    Fremde Kultureinflüsse auf Africa, 1898;
    Einige türk. Volkslieder aus Nordsyrien u. d. Bedeutung phonograph. Aufnahmen f. d. Völkerkde., in: Zs. f. Ethnol. 36, 1904, H. 2;
    Entstehung u. Herkunft d. Ion. Säule, 1912;
    The Early Inhabitants of Western Asia, in: Annual Report of the Smithsonian Institution 1914, S. 555-77;
    Die Altertümer v. Benin, 3 Bde., 1919;
    Völker, Rassen, Sprachen, 1922, 21927;
    Ausgrabungen in Sendschirli, Bd. 1-5, 1893-1943. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Berlin, Staatsbibl. Preuß. Kulturbes.; Berlin, Dt. Archäolog. Inst.

  • Literatur

    O. Schlaginhaufen, in: Neue Zürcher Ztg. v. 15.2.1924;
    H. Virchow, in: Zs. f. Ethnol. 56, 1924, S. 112-17;
    F. Kiffner, in: Wiss. Zs. d. Humboldt-Univ., Math.-naturwiss. R. 10, 1961, S. 231-39;
    ders., in: Zs. f. Ethnol. 83, 1958, S. 285-95, 85, 1960, S. 118-21 (W-Verz., P), 87, 1962, S. 144-46;
    H. Grimm, in: FF 39, 1965, S. 362-66;
    H. Walter, Grundriß d. Anthropol., 1970, S. 14 f.;
    Enc. of the Social Sciences IX, 1933, S. 631;
    Reallex. f. Assyriol.;
    ÖBL;
    Enc. Jud., 1971.

  • Portraits

    Gipsmaske (Berlin, Dt. Staatsbibl.), Abb. in: E. Biebhahn, Kunstwerke d. Dt. Staatsbibl., 1961, S. 57. Nr. 232.

  • Autor/in

    Andreas Furtwängler
  • Empfohlene Zitierweise

    Furtwängler, Andreas E., "Luschan, Felix von" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 528-529 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117319813.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA