Lebensdaten
1879 bis 1958
Geburtsort
Schloß Schönburg bei Pocking (Niederbayern)
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
Schriftstellerin
Konfession
katholisch?
Normdaten
GND: 118572601 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Arco-Zinneberg, Mechthilde Gräfin (geborene)
  • Arco-Zinneberg, Mechthilde von und zu
  • Lichnowsky, Mechthild
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Zitierweise

Lichnowsky, Mechtilde Fürstin, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118572601.html [29.07.2016].

CC0

Lichnowsky, Mechtilde, geborene Gräfin von Arco-Zinneberg

Schriftstellerin, * 8.3.1879 Schloß Schönburg bei Pocking (Niederbayern), 4.6.1958 London.

  • Genealogie

    V Maximilian Gf. v. Arco-Zinneberg (1850–1916), auf Sch., S d. Maximilian (1811–85), Modell f. „Gf. Egge“ in Ganghofers Roman „Schloß Hubertus“, u. d. Leopoldine Gfn. v. Waldburg-Zeil-Trauchburg; M Olga (1853–1937), T d. preuß. Gesandten Karl Frhr. v. Werther (1809–92) u. d. Mathilde Gfn. Oriola; Ov Ludwig ( 1882), Politiker u. Bauernführer (s. NDB I); Schw Helene ( 1899 Hans-Albrecht Gf. v. Harrach, 1873–1963, Bildhauer, s. ThB; Vollmer), Anna ( Rudolf Gf. Marogna-Redwitz, 1886–1944, Oberst, Widerstandskämpfer); - 1) München 1904 Karl Max Fürst Lichnowsky (s. 1), 2) London 1937 Sir Ralph Harding Peto (1877–1945), großbrit. Major; 2 S, 1 T aus 1).

  • Leben

    Nach einer glücklichen Kindheit, die sie im Kreise ihrer Geschwister auf Schloß Schönburg und im Münchener Palais ihres Vaters verlebte, erhielt L. eine strenge Erziehung in der Sacré-Cœur-Klosterschule Riedenburg (Vorarlberg). 1899 freundete sie sich mit Wilhelm Frhr. Schenk v. Stauffenberg an, dem sie entscheidende geistige Anregungen verdankte. Die Verlobung mit Ralph Harding Peto, dem Militärattaché an der engl. Gesandtschaft in München, wurde noch im selben Jahr aus familiären Rücksichten aufgelöst. Nach der Heirat mit Karl Max Fürst Lichnowsky lebte L. als Schriftstellerin in Schlesien und in Berlin, 1912-14 in London. Spätestens seit 1917 verband sie mit Karl Kraus eine bis zu dessen Tod dauernde Freundschaft. 1937 begegnete sie ihrem einstigen Verlobten wieder und heiratete ihn. Bei Ausbruch des Krieges hinderte man sie, obwohl mittlerweile brit. Staatsbürgerin, an der Ausreise aus Deutschland. Sie war nicht der Reichsschrifttumskammer beigetreten und erlegte sich selbst, aus Loyalität mit ihrem letzten Verleger Fischer, Publikationsverbot auf. 1945 aus Schlesien vertrieben, war sie seit 1946 in London ansässig.

    Das Werk L.s – Romane, Erzählungen, Essays – ist dem Verständnis des heutigen Lesers schwer zugänglich; die Form ihrer „eisgehärteten“ Prosa abweisend und streng. Mit extremer Empfindlichkeit reagiert L. auf den Bruch zwischen individueller Bildung und allgemeinem Kulturverfall. Ludwig v. Ficker behielt von der Dichterin den Eindruck einer „Weltflüchtigen“. Gerade auf Grund dieser Sensitivität gewinnt das Werk jedoch eine analytische Kraft, welche besonders in dem berühmt gewordenen „Kampf mit dem Fachmann“ (1924, Neuausg. 1978) zum Ausdruck kommt. Dem „Fachmann“ ist die Sprache ein Instrument der Herrschaft über Menschen, nicht der geistvollen Verständigung zwischen Menschen. L., deren Prosa ebenso leidenschaftlich wie genau ist, bezeichnete sich gern als „Naturforscher“; ihr schwebte das Ideal einer Sprache vor, welche fähig wäre sowohl zur Beschreibung der Natur, des „Fleisches“, als auch zum Ausdruck des Erfahrungsgehaltes, der Geschichte, des „Wortes“: „La chair faite verbe“ heißt ein unveröffentlichter, französisch geschriebener Roman. Von dieser Utopie der gelungenen Sprache leben die „Gespräche in Sybaris“ (1946) – ein Buch, das als Vermächtnis der Dichterin gelten darf.

  • Werke

    Weitere W. u. a. Romane: Geburt, 1921;  An d. Leine, 1930 (Neuausg., hrsg. v. F. Kemp, 1979);  Kindheit, 1934 (Neuausg., hrsg. v. dems., 1979);  Delaide, 1935 (Neuausg., hrsg. v. dems., 1980);  Der Lauf der Asdur, 1936 (Neuausg., hrsg. v. dems., 1982). -  Erzz.: Der Stimmer, 1917;  Das Rendezvous im Zoo, 1928 (Neuausg., hrsg. v. F. Kemp, 1981). -  Essays: Worte üb. Wörter, 1949;  Zum Schauen bestellt, 1953 (u. Prosa);  Heute u. Vorgestern (u. Erzz.), 1958. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Marbach, Dt. Lit.-Arch.

  • Literatur

    H. Fliessbach, M. L., Eine monograph. Studie, Diss. München 1973 (vollst. W-Verz., L);  K. W. Jonas, Rilke u. M. L., in: Modern Austrian Literature 5, 1972, S. 58-69;  ders., Die Schriftstellerin M. L., in: Börsenbl. f. d. dt. Buchhandel 32, 1976, A72/A83;  Golo Mann, M. L., in: Neue Rdsch. 90, 1979, S. 554-60;  Kosch, Lit.-Lex.Kunisch;  Kindlers Lit.-Lex. III, S. 2448 (Delaide), IV, S. 3800 (Geburt);  Internat. Bibliogr. z. Gasch. d. dt. Lit. II, 2, 1972, S. 410.

  • Portraits

    Gem. v. O. Kokoschka, 1915, Abb. in: Das Kunstbl. 1, 1917, S. 295;  Phot., ca. 1910, in: H. Arens (Hrsg.), Die schöne Münchnerin, 1969, S. 94;  Altersbildnis (Phot.) in: ders., Unsterbl. München, 1968, b. S. 577.

  • Autor

    Holger Fliessbach
  • Empfohlene Zitierweise

    Fliessbach, Holger, "Lichnowsky, Mechtilde Fürstin" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 445 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118572601.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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