Lebensdaten
um 1409 bis 1442
Geburtsort
Prag
Sterbeort
Raab (Ungarn)
Beruf/Funktion
deutsche Königin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 136846505 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Elisabeth von Luxemburg
  • Elisabeth von Ungarn
  • Elisabeth
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Zitierweise

Elisabeth, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136846505.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Kaiser Sigmund ( 1437);
    M Barbara v. Cilli ( 1425-1457, s. NDB I);
    19.4.1422 Hzg. Albrecht V. v. Österreich, später Kg. Albrecht II. ( 1439, s. NDB I);
    3 S (2 als K †), Ladislaus (Postumus) ( 1451), Kg. v. Böhmen u. Ungarn;
    2 T Anna ( Hzg. Wilhelm III. v. Sachsen, 1482), Elisabeth ( Kg. Kasimir IV. v. Polen, 1427–92).

  • Leben

    Als Erbtochter des Kaisers brachte E. ihrem Gemahl die Anwartschaft auf Böhmen und Ungarn in die Ehe mit. Zusammen mit Albrecht wurde sie am 1.1.1438 in Stuhlweißenburg zur ungarischen Königin gekrönt. Bis zum frühen Tod Albrechts II. ist E. wenig hervorgetreten, dann aber begann für die Königin, die ein Kind, den erhofften Erben ihrer Länder, erwartete, eine ununterbrochene Kette von Schwierigkeiten. In Böhmen wurde ihr Erbrecht nicht anerkannt, in Ungarn wurde sie im Januar 1440 von den Ständen, die Hilfe gegen die Türken benötigten, gezwungen, einer Heirat mit König Wladislaw von Polen zuzustimmen. Es gelang E. aber, sich durch ihre Kammerfrau Helene Kottanerin der Stephanskrone zu bemächtigen. Auf der Reise nach Preßburg gebar sie am 22.2.1440 in Komorn den Thronerben Ladislaus, der dann am 15.5. in Stuhlweißenburg durch den Erzbischof von Gran gekrönt wurde, nachdem Wladislaw die Wahl zum König von Ungarn schon angenommen hatte. E. nahm den Kampf mit Hilfe der Grafen von Cilli, böhmischer Söldnerführer und der deutschen Bürger der oberungarischen Städte auf. Mit ständigen Geldschwierigkeiten kämpfend, verweilte sie meist in Preßburg, ihren Sohn und die Krone mußte sie König Friedrich IV. übergeben, der die Vormundschaft über Ladislaus in Österreich führte, sie aber in Ungarn nicht unterstützte. Als König Wladislaw fast ganz Ungarn für sich gewonnen hatte, vermittelte die Kurie im Interesse der Türkenabwehr durch Kardinal Julian Cesarini zwischen den Parteien. Im November 1442 traf sich E. mit Wladislaw in Raab, es kam zum Ausgleich, dessen nähere Bestimmungen nicht bekannt sind, da die Königin drei Tage nach der Abreise Wladislaws einem Frauenleiden erlegen ist. In ihrer Politik schwankend, den Einflüssen ihrer Umgebung ausgesetzt, hat E. doch unentwegt und zäh unter den schwierigsten Umständen die Rechte ihres Kindes verteidigt.

  • Literatur

    ADB VI; St. Endlicher, Denkwürdigkeiten d. Helene Kottanerin, 1846;
    A. Huber, Gesch.Österr. III, 1888;
    V. Fraknói, Cesarini Julián, in: A magyar egyháztört. nagy alakjai [Große Gestalten aus d. ungar. KG], Budapest 1890;
    Th. Ortvay, Gesch. d. Stadt Preßburg III/IV, 1894/1912;
    W. Wostry, Kg. Albrecht II., 2 Bde., Prag 1906/07;
    R. Durst, Kgn. E. v. Ungarn u. ihre Beziehungen zu Österr., in: Jberr. d. Staatsgymnasiums Böhm.-Leipa 1907, 1908 u. 1910;
    K. Schalk, Aus d. Zeit d. österr. Faustrechtes, in: Abhh. z. Gesch. u. Qu.kde. d. Stadt Wien III, 1917;
    V. Lépes, Küzdelem a koronaért, királyválasztás 1440ben [Der Kampf um d. Krone, d. Königswahl v. 1440], Budapest 1921;
    B. Bretholz, Gesch. Böhmens u. Mährens II, 1922;
    J. Dambrowski, Wladyslaw I. Jagiellonczyk na Węgrzech [Der Jagjellone Wladislaw I. in Ungarn], Warschau 1922;
    M. Vancsa, Gesch. Ober- u. Niederösterr.s II, 1927;
    Uhlirz I;
    B. Hóman, Magyar történet [Ungar. Gesch.] III, Budapest 1935; Wurzbach VI (unter Habsburg).

  • Portraits

    Steinfigur ehem. Westfassade d. Stephansdoms, heute Wien, Städt. Slgg., Zuschreibung unsicher (Österr. Kunsttopogr. 23, 1931, Abb. 659);
    Bronzestatue am Grabmal Kaiser Maximilians I., Innsbruck, Hofkirche (Guß 1530);
    Zeichnung (16. Jh.) in: Icones avorum Maximiliani I imperatoris pictae (Nat.bibl. Wien, Cod. Vind. Palat. 8329, fol. 42 [16. Jh.]).

  • Autor/in

    Hans Wagner
  • Empfohlene Zitierweise

    Wagner, Hans, "Elisabeth" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 441 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136846505.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Elisabeth, Tochter Kaiser Sigismunds, des Luxemburgers, und Barbara's v. Cilli (s. d.), geb. um 1409, 19. Decbr. 1442. In freudenloser Jugend herangewachsen, wie dies der dauernde eheliche Zwist der Eltern begreiflich erscheinen läßt, ja ums Jahr 1419 genöthigt, mit der verstoßenen Mutter das Loos längerer Verbannung auf einer ostungarischen Pußta zu theilen, blieb sie doch auf der andern Seite der Gegenstand väterlicher Sorge und Hoffnung, da Sigismund eines Sohnes entbehrte und in E. die Erbtochter sah. Bereits im J. 1411 mit Herzog Albrecht V. von Oesterreich verlobt (s. I. Bd. S. 227 ff.), dem drei Kronen vom Geschicke bestimmt waren, wurde sie den 19. April 1422 die Gattin des Habsburgers, nachdem bereits 1418 die Ehepacten abgeschlossen erscheinen. Als Gattin Albrechts V. oder Kaiser Albrechts II., wie wir ihn seit 1438 schreiben müssen, tritt E. nicht in den Vordergrund der Ereignisse. Ihren Gemahl beschenkte sie mit zwei Töchtern: Elisabeth und Anna, deren erstere in der Folgezeit den Polenkönig Casimir, die zweite den Sachsenherzog Wilhelm ehelichte. Als ihr Gatte noch in besten Mannesjahren zum Schaden Oesterreichs, Ungarns und zum Nachtheile Deutschlands aus dem Leben schied (27. Octbr. 1439), befand sich die Wittwe gesegneten Leibes und blickte sorgenvoll der nahenden Geburt eines Sprößlings entgegen, denn die Geschicke zweier Reiche und des österreichischen Stammherzogthums hingen davon ab, ob ein Sohn oder eine Tochter zur Welt käme. Zu Komorn harrte die|Königswittwe der verhängnißvollen Stunde. Schon als E. von der Kronfeste Vyssegrad (Plintenburg) 1439 nach Ofen kam, hatte sie alle Mühe, das stürmische Drängen jener ungarischen Ständepartei abzuwehren, welche darauf bestand, daß sich die Königswittwe mit dem jugendlichen Polenherrscher Wladislaw II. vermähle und angesichts der Türkengefahr eine Personalunion der beiden Karpathenreiche zu Stande komme. Sie wies den Antrag entschieden zurück, ließ sich aber bestimmen, eine bedingte Genehmigung zu ertheilen, wonach mit dem Jagellonen über dessen Wahl auf den Thron Ungarns verhandelt werden dürfe, unter der Voraussetzung, daß E. keines Sohnes genese. Alle bezüglichen Vereinbarungen wären null und nichtig, sobald ein männlicher Sprößling, als allein berechtigter Reichserbe zur Welt käme. Mit dem Vorgefühle, Mutter eines Sohnes zu werden, hielt E. eifrige Besprechungen mit ihrem Anhange, zu welchem in erster Linie ihre Vettern, die Grafen v. Cilli (s. d.), sodann die Gara's, der Wojwode Niklas Ujlaky und der Cardinalprimas Dionys Szécsy von Gran gerechnet werden müssen. Mit frauenhafter List sorgte die Königswittwe für die Entführung der Reichskrone aus den festen Gewölben der Plintenburg durch die Kammerfrau Helene Kottanerin und einen ungarischen Edelmann, wie uns das Tagebuch der genannten Hofbediensteten naiv lebendig erzählt, — um Alles für die Entscheidung bereit zu halten. Bald darauf (22. Febr. 1440) genas die Königin zu Komorn eines Knaben, Ladislaus des „Nachgeborenen“ (Posthumus). Die Partei der Jagellonen ließ sich aber in dem Abschlusse des Wahlvertrages mit Wladislw auch durch die Gegenbotschaft der Königin nicht beirren. So stand ein unvermeidlicher Thronkrieg in Aussicht. Denn E. als Mutter des vorberechtigten Thronfolgers in zwei Reichen und Erben des Landes Oesterreich bot alles auf, um vor allem mit Hülfe der Cillier und böhmischen Söldnerhaufen, unter Jiskra's Führung, dem Kinde die Krone Ungarns zu sichern. So bald als es thunlich war, begab sie sich mit ihm nach Stuhlweißenburg, woselbst die Krönung Ladislaus' (VI.) vor sich ging. Als nun der Jagellone ins Land kam und gleichfalls gekrönt werden sollte, bemerkte seine Partei zu nicht geringem Aerger, E. habe die Reichskrone nur zum Scheine auf die Plintenburg zurückschaffen lassen. In der That behielt E. sie in Händen. Der Thronkrieg zu Gunsten des Sohnes erfüllte nun ihr ganzes Sein, wurde jedoch für sie eine Quelle bitterer Erfahrungen und Nothlagen. Schon mit dem durch die Hausordnung und ständische Zustimmung bestellten Vormunde ihres Sohnes, Herzog Friedrich V. von Osterreich, als Kaiser Friedrich III. (IV.), zerfiel sie bald, nachdem sie zur Aufbringung der Kriegskosten genöthigt war, Gelddarlehen gegen Verpfändung des ganzen Witthums und verfügbarer Kleinodien bei ihm zu machen und es geschehen lassen mußte, daß der Vormund das Söhnlein sammt der ungarischen Reichskrone in Empfang nahm und von der Mutter getrennt zunächst auf der Feste Forchtenstein am ungarischen Gemärke unter der Obhut des Pottendorfers verwahren ließ. E. zerfiel auch mit dem Vormunde und näherte sich dessen Bruder Albrecht VI., den es sehr nach der Gerhabschaft gelüstete. Auch die Sachlage in Böhmen machte der Königswittwe Sorgen, da eine starke Partei der Utraquisten der Erbfolge Ladislaus' widerstrebte. Schwer traf die Königin der allmähliche Abfall ihrer nächsten Verwandten, der Cillier, die sich zu einem Ausgleiche mit den Jagellonen bequemten (19. April 1441). E. setzte den Kampf fort, den jedoch nur ein Parteigänger, der Söldnerhauptmann Johann Jiskra v. Brandeis, im oberungarischen Lande mit unerschütterlicher Ausdauer führte. Die Septembertheilung zwischen E. und Wladislaw von Polen zerschlug sich; vom Sommer des nächsten Jahres setzte der Cardinallegat Julian Cesarini alle Hebel in Bewegung, um die streitenden Parteien zu Gunsten eines Kreuzzuges auszusöhnen. Endlich schien die isolirte, kampfesmüde Königswittwe dem Vergleiche geneigt, der die Anerkennung des Jagellonen, seine Vermählung mit E. und das Thronfolgerecht ihres Sohnes erster Ehe nach Wladislaws Tode im Auge hatte. Aber noch bevor alles ins Reine gekommen war, starb E. eines plötzlichen Todes, dessen man die Gegenpartei ohne Grund verdächtigte, überlebt von der eigenen Mutter, der Kaiserswittwe Barbara.

    S. oben die Art. König Albrecht II. (V.) und Cilli. Birk's urkundl. Studie in den Quellen und Forsch. zur vaterl. Gesch. Wien 1849. (Zur Geschichte Elisabeths und ihres Sohnes.) Aus den Denkwürdigkeiten der Helene Kottanerin (H. v. Endlicher). Leipzig 1846. G. Voigt, Enea Piccolomini und seine Zeit I. Lichnowsky, Gesch. des H. Habsburg VI. Palacky, Gesch. Böhmens III. 3. Teleky, Hunyadiak Kora Magyarocszágon (das Zeitalter der Hunyadi in Ungarn).

  • Autor/in

    Krones.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krones, Franz von, "Elisabeth" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 9-11 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136846505.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA