Lebensdaten
1839 bis 1901
Geburtsort
Torgau
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Bankier ; Bankdirektor ; Direktor der Deutschen Bank in Berlin
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118797093 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Siemens, Georg (bis 1899)
  • Siemens, Georg von
  • Siemens, Georg (bis 1899)
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Siemens, Georg von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118797093.html [17.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Georg S. (1805–79), auf Wendisch-Ahlsdorf b. Schönwalde, Dr. iur., JR in B., preuß. Rettungsmedaille am Bande, S d. Johann Georg (1764–1827), Verw., dann Pächter d. v. Branconischen Guts in Langenstein b. Halberstadt, Oberamtmann in Hayn (Stolberg), u. d. Sophie Friederike Henriette Barkhausen (1776–1808);
    M Marie (1819–1902), T d. Georg Christian Karl v. Sperl (1786–1825), auf Paschwitz b. Eilenburg, u. d. Christiane Dorothea Rennert (1795–1832);
    Ur-Gvv Johann Georg Heinrich (1735–1805), Domänenverw., Amtsrat (s. Gen. 1);
    Mainz 1872 Elisabeth (Elise) (1850–1938), T d. Joseph Görz (1810–1900), Dr. iur., RA, Jur., Oberlandesger.präs. in Mainz, 1. Präs. d. II. Kammer d. hess. LT, WGR, Dr. iur. h. c. (s. MdL Hessen; RT-Abg. Liberale), u. d. Barbara Stumpf (1824–85);
    6 T u. a. Elisabeth (Lili) (1875–1946, ⚭ Ferdinand Kurlbaum, 1857–1927, Prof. d. Physik an d. TH Charlottenburg, preuß. Geh. Reg.rat, s. NDB 13), Maria (Mariele) (1876–1960, ⚭ Theodor Wiegand, 1864–1936, Dr. phil., Archäol., Geh. Reg.rat, Dir. d. Antikenabt. d. Berliner Museen, 1932–36 Präs. d. Dt. Archäol. Inst., Dr. iur. h. c., Dr. med. h. c., s. Archäologenbildnisse), Charlotte (Lotte) (1880–1974, ⚭ Hans Schrader, 1869–1948, o. Prof. d. klass. Archäol. in Frankfurt/M., s. NDB 23), Anna (Annette) (1886–1965, 1] Hans Frhr. v. Müffling gen. Weiß, 1878–1914 ⚔, ksl. Legationsrat, preuß. Oberlt., 2] Karl Helfferich, 1872–1924, Dr. iur., Nat.ök., 1908–15 Dir. d. Dt. Bank, Staatssekr. d. Reichsschatzamtes, dann d. Reichsamtes d. Inneren, Reichsvizekanzler, Prof., s. NDB VIII), Dorothea (Dora) (1892–1972, ⚭ Gottfried Aschmann, 1885–1941, Dipl. im Ausw. Amt); Schwager Hermann Görz (1861–1930), Elektroing., Leiter d. Filiale v. Siemens & Halske in St. Petersburg, dann Betriebsleiter in B., hess. Geh. Baurat, Dr.-Ing. E. h. (s. NDB VI); Schwägerin Anna Sabine Görz (1852–85, ⚭ Ferdinand Springer, 1846–1906, Verl. in B., s. NDB 24, Fam.art.).

  • Leben

    Nach ersten Schuljahren in Zeitz (preuß. Prov. Sachsen) besuchte S. seit 1847 das Franz. Gymnasium in Berlin, wohin seine Familie im Vorjahr übergesiedelt war. Nach dem Abitur (1857) begann S. ein Jurastudium in Heidelberg und wurde 1875 bei Johann Caspar Bluntschli (1808–81) zum Dr. iur. promoviert. 1858/59 Einjährig Freiwilliger in Berlin, legte er danach das erste Examen ab. Es folgte eine Referendarzeit an den Kreisgerichten in Jüterbog (bis 1862) und Zossen (1863/64) (dritte jur. Prüfung in Berlin 1865). Seit 1866 am Landgericht Aachen, bestand er nach seiner Kriegsteilnahme 1867 das mündliche Assessorexamen und übernahm noch vor der schriftlichen Prüfung für „Siemens & Halske“ die Verhandlungen über die indo-europ. Telegraphenlinie in London und Teheran. Er schloß diese 1869 mit einem vorteilhaften Vertrag für das Unternehmen seines Großcousins Werner Siemens ab, der ihn daraufhin als Syndikus einstellte. 1870 engagierte ihn Adelbert Delbrück (1822–90) für den Vorstand der neugegründeten Deutschen Bank in Berlin. Nach kurzem Kriegsdienst 1870/71 kehrte S. zurück in die Deutsche Bank, deren Entwicklung er fortan mit Hermann Wallich (1833–1928), seit 1873 auch mit Max Steinthal (1850–1940) und seit 1878 mit Rudolph v. Koch (1847–1923) bestimmte. S.s Position im Vorstand war dabei die des „Primus inter pares“. In rund zwei Jahrzehnten gelangte die Deutsche Bank an die Spitze des dt. Finanzwesens, wobei v. a. die lange dominierende „Disconto-Gesellschaft“ überflügelt wurde. S. entwickelte weitausgreifende Pläne, in den Anfangsjahren der Bank wurden diese jedoch durch den 24köpfigen Verwaltungsrat bzw. den aus seiner Mitte gewählten „Fünferausschuß“, der sich in die Tagesgeschäfte einmischte, stark behindert. Erst allmählich erlangte der Vorstand – unterstützt von der Aktienrechtsreform 1884 – größere Entscheidungskompetenzen. Die ersten Filialen entstanden in den beiden wichtigsten Außenhandelszentren Bremen (1871) und Hamburg (1872), der Aufbau der Auslandsvertretungen in Asien und den USA (1872), in London und Paris (1873) und Südamerika (1874) wurde zügig vorangetrieben. Im Inland erkämpfte sich die Bank eine Position im Konsortialgeschäft; mit der Einführung des Depositengeschäfts, das S. von den engl. Großbanken kannte und durch seine Bemühungen um die Entwicklung des Scheckverkehrs unterstützte, betrat die Deutsche Bank Neuland im dt. Bankwesen. Bis 1901 wurden weitere Filialen in Frankfurt/M., München und Leipzig gegründet und parallel dazu Interessengemeinschaften mit wichtigen Regionalbanken v. a. im rhein.-westfäl. und schles. Industrierevier abgeschlossen. Ende der 1880er Jahre wandte sich die Deutsche Bank unter S.s Führung dem Industriegeschäft, insbesondere der Elektroindustrie zu. Federführend organisierte die Bank 1887 die Kapitalerhöhung der „Deutschen Edison-Gesellschaft“, die zugleich in „Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft“ (AEG) umbenannt wurde. 1897 war die Bank auch an der Umwandlung von Siemens & Halske in eine AG beteiligt. 1895 wurde auf S.s Betreiben in Zürich die „Bank für elektrische Unternehmungen“ gegründet. Sehr engagiert war S. auch bei der Beteiligung der Deutschen Bank an der Finanzierung des nordamerik. Eisenbahnbaus, insbesondere der „Northern Pacific Railroad Company“. Nach deren Zusammenbruch 1893 errichtete S. mit John Pierpont Morgan (1837–1913) in New York ein Reorganisationskomitee für die Besitzer der Eisenbahnanleihen. Zum Schutz und zur Förderung dt. Investitionen in den USA hatte S. bereits 1890 die „Deutsch-Amerikanische Treuhand-Gesellschaft“ (seit 1892 Dt. Treuhand-Ges.) initiiert. Den Höhepunkt der großen Finanzgeschäfte, mit denen S. den internationalen Ruf der Deutschen Bank festigte, stellte der Eisenbahnbau im Osman. Reich dar, ein Geschäft, das S. durch den befreundeten Kilian v. Steiner (1833–1903) von der „Württembergischen Vereinsbank“ vermittelt worden war. Die von S. 1889 betriebene Gründung der „Anatolischen Eisenbahn-Gesellschaft“ war zugleich der Beginn der Orientinteressen der Deutschen Bank. Zunächst als rein unternehmerisches Engagement gedacht, gewannen nach und nach politische Implikationen größeren Raum, weshalb S. der Verlängerung der Bahn von Konia nach Bagdad bis zuletzt mit großer Skepsis gegenüberstand. Aus dem Vorstand der Deutschen Bank schied S. 1900 aus. Mit vielen großen Engagements seiner Bank war S. durch Aufsichtsratsmandate verbunden. Den Aufsichtsratsvorsitz übte er in sieben Unternehmen aus, darunter die Accumulatoren-Fabrik AG, die AEG, die Anatolische Eisenbahn-Gesellschaft und die Deutsche Treuhand-Gesellschaft, ferner war er stellv. Vorsitzender in vier Aufsichtsräten. Daneben engagierte er sich verbandspolitisch, u. a. im Verein Deutscher Banken, im Ausschuß des Deutschen Handelstages und im Verein Berliner Kaufleute und Industrieller. Abgeordneter des Dt. Reichstags war S. für die Nationalliberalen (1874–77), für die Dt.-Freisinnige Partei (1884–93) und zuletzt für die Freisinnige Vereinigung (1898–1901). Von politischen Grundsatzfragen hielt er sich fern, griff aber ein in Debatten um Börsen-, Finanz- und Währungsfragen; v. a. auf das Börsensteuergesetz von 1885 konnte er Einfluß nehmen. In seinem 1883 erworbenen großen Mietshaus in der Tiergartenstraße in Berlin wohnten zeitweise auch politische Freunde wie Friedrich Kapp (1824–84), Heinrich Rickert (1833–1902) und Theodor Barth (1849–1909).

  • Auszeichnungen

    E. K. II. Kl. (1871).

  • Werke

    Das Zettelbankwesen u. d. Bankgesetz-Entwurf, 1874;
    Die Lage d. Chequewesens in Dtld., 1883.

  • Literatur

    K. Helfferich, G. v. S., Ein Lb. aus Dtld.s großer Zeit, 3 Bde., 1921–23 (P);
    Elise v. Siemens, Jugenderinnerungen (1850–1872), [1925] (P);
    E. G. v. Stauß, G. v. S., Ein Gedenkbl. zu seinem 100. Geb.tag, 1939 (P);
    Ernst W. Schmidt, Männer d. Dt. Bank u. Disconto-Ges., 1957, S. 78–81 (P);
    F. Seidenzahl, 100 J. Dt. Bank, 1970 (P);
    L. Gall, Die Dt. Bank v. ihrer Gründung b. z. Ersten Weltkrieg 1870–1914, in: ders. u. a. Die Dt. Bank 1870–1995, 1995, S. 1–135 (P);
    Biogr. Hdb. Preuß. Abg.haus I;
    RT-Abg. Liberale;
    Qu
    Hist. Inst. d. Dt. Bank, Frankfurt/M.

  • Portraits

    Ölgem. v. P. Marten, 1901, nach Original v. M. Koner, 1897 (Frankfurt/M., Hist. Inst. d. Dt. Bank).

  • Autor/in

    Martin L. Müller
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller, Martin L., "Siemens, Georg von" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 375-376 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118797093.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA