Lebensdaten
1907 – 1995
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Literaturwissenschaftler ; Komparatist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118770853 | OGND | VIAF: 76354620
Namensvarianten
  • Wais, Kurt Karl Theodor
  • Wais, Kurt
  • Wais, Kurt Karl Theodor
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Wais, Kurt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118770853.html [19.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    Aus württ. Bürgerfam.;
    V Gustav (1883–1961), Red. u. Hg., u. a. b. d. ,,Stuttgarter Morgenpost“ u. b. „Neuen Tagbl.“, 1936 aus pol. Gründen Berufsverbot, seit 1945 Leiter d. Württ. Landesamts f. Denkmalpflege, Prof., zahlr. Publl. z. württ. Kunstgesch. (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1950–1961), S d. Karl (1841–1916), in Diensten d. württ. Marstalls in St.;
    M Elisabeth (1883–1954), T d. Karl August Ludwig Witte (1845–1913), Reichsbankbeamter;
    1) Berlin-Wilmersdorf 1932 Marta Holl (1908–59), Dr. phil., Päd., 2) Werdohl 1960 Karin Bergeder (* 1933), Dr. phil., Lit.wiss.;
    3 S aus 1) u. a. Roland (* 1940), Math., Ulrich (1947–88), Dr. rer. nat., Dr. habil. med., Biochemiker, Kinderarzt, 1 T aus 1) Silvia Rosenboom (1933–2000), Jur., 1 S aus 2) Wolfgang (* 1961), Dipl.-Physiker, 1 T aus 2) Rotraut (* 1966).

  • Biographie

    W. wurde durch seinen Vater früh mit Theater und Oper sowie den bildenden Künsten bekannt gemacht. Am humanistischen Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart legte er 1925 das Abitur ab. Anläßlich eines Schüleraustauschs erlernte er das Rumänische. W. studierte seit 1925 in Tübingen Anglistik, Germanistik und Romanistik und lernte hier Italienisch, Spanisch und später auch Portugiesisch (1. Staatsexamen 1931 in Englisch u. Französisch; 2. Dienstprüfung 1932). 1931 wurde er bei Hermann Schneider (1886–1961) im Hauptfach Germanistik und Nordistik mit einer Arbeit über ,,Henrik Ibsen und das Problem des Vergangenen im Zusammenhang mit der gleichzeitigen Geistesgeschichte“, die von W.s Kenntnissen des Norwegischen zeugt, zum Dr. phil. promoviert. Den komparatistischen Ansatz seiner Dissertation führte W. in „Henrik Ibsens Wirkung in Spanien, Frankreich, Italien“ (1933) fort. Seine Überzeugung, daß die Komparatistik am besten auf der Grundlage einer bestimmten Philologie gedeihen würde, bewegte ihn dazu, sich bei Gerhard Rolfs (1892–1986) im Fach „Romanische Philologie und Vergleichende Literaturgeschichte“ in Tübingen zu habilitieren. Die Habilitationsschrift „Das antiphilosophische Weltbild des französischen Sturm und Drang 1760–1789“ (1934) war ein bahnbrechendes Plädoyer für eine „pluralistische“ Literaturgeschichte, die eine alleinige Hauptströmung infrage stellte.

    W. begann seine akademische Laufbahn 1932 als Studienassistent, dann als Privatdozent in Tübingen. 1934 wurde er ao. Assistent, dann o. wiss. Assistent. Nach einer Lehrstuhlvertretung in Halle/ Saale 1936 / 37, kehrte er 1939 als ao. Professor zurück. Im selben Jahr als Übersetzer zum Kriegsdienst eingezogen, konnte er die Professur in Straßburg nicht ausfüllen, auf die er 1941 berufen wurde. Nach dem Krieg ging der vom Staatskommissariat für politische Säuberung als „unbelastet“ eingestufte W. (kein NSDAP-Mitgl.) nach Tübingen zurück, übernahm hier, in Stuttgart und Bamberg Lehraufträge, war in Tübingen 1952–54 Gastprofessor, dann 1954–61 ao. Professor (Dekan 1959 / 60) und bereitete die zweite Auflage seines Werks „Mallarmé, Ein Dichter des Jahrhundert-Endes“ (1938, ²1952 u. d. T.Mallarmé, Dichtung, Weisheit, Haltung“) vor. W.s opus magnum ist eine souveräne Kombination von intellektueller Biographie, Textanalyse, Literatur-, Geistes- und Kulturgeschichte.

    Bald nach dem Krieg knüpfte W. Kontakte ins Ausland. So organisierte er 1950 in Tübingen eine internationale Tagung für Literarhistoriker, deren Beiträge in dem von W. herausgegebenen viel beachteten ersten Band der Schriftenreihe „Forschungsprobleme der vergleichenden Literaturgeschichte“ (1951–79, 2. F., hg. v. F. Ernst u. K. W., 1958) erschienen. Hoch angesehen unter internationalen Kollegen, war W. auch in der „International Comparative Literature Association“ (ICLA, Vizepräs. 1955–61) und der „Fédération Internationale des Langues et Littératures Modernes“ (FILLM, Vizepräs. 1954–57) führend tätig. Trotz der Verleihung der akademischen Rechte eines o. Professors am 27. 9. 1954 wurde er erst am 25. 4. 61 für dieses Amt in Tübingen ernannt (em. 1975). Seine Veröffentlichungen umspannten seither die breiten Gebiete der Komparatistik sowie der franz., ital., span. und südamerik. Literaturen.

    Ein bedeutender Markstein der mediävistischen Komparatistik ist W.s „Frühepik Westeuropas und die Vorgeschichte des Nibelungenliedes“ (Bd. 1, 1953). Der Band war als erste Stufe einer umfassenden Untersuchung gedacht, an der W. bis zu seinem Tod 1995 arbeitete, die er aber nicht abschloß. Zu W.s Schülern zählen u. a. Richard Beilharz, Werner Bleyhl, Peter Brockmeier, Hans-Peter Endress, Horst Hina, Johannes Hösle, Egon Huber, Dieter Janik, Hartmut Köhler, Karin v. Maur, Chetana Nagavajara, Dieter Rall, Werner Sohnle und Wolfgang Theile.

  • Werke

    Weitere W Das Vater-Sohn-Motiv in d. Dichtung, 2 Bde., 1931;
    Symbiose d. Künste, Forsch.grundlagen z. Wechselberührung zw. Dichtung, Bild- u. Tonkunst, 1936;
    Die Gegenwartsdichtung d. europ. Völker, 1939 (Hg.);
    Zwei Dichter Südamerikas, Gabriela Mistral, Rómulo Gallegos, 1955;
    Franz. Marksteine v. Racine bis Saint-John Perse, 1958;
    An d. Grenzen d. Nat.literaturen, Vergleichende Aufss., 1958;
    Der Erzähler Italo Svevo, Werke u. Rezeption,|1965;
    Der arthurische Roman, 1970 (Hg.);
    Europ. Lit. im Vgl., Ges. Aufss., 1983, – Bibliogr.: Internat. Bibliogr. zu Gesch. u. Theorie d. Komparatistik, hg. v. H. Dyserinck gemeinsam mit M. S. Fischer, 1985, Autorenreg.-Nr. 456, 497, 509, 731, 821, 840, 975, 1004, 1088, 1616, 2124 u. 2429;
    Nachlaß: DLA Marbach/ Neckar.

  • Literatur

    |J. Roos, in: Yearbook of Comparative and Gen. Lit. 8, 1959, S. 38–40;
    U. Weisstein, Introduction to K. W., The Symbiosis of the Arts, ebd. 31, 1982, S. 76 f.;
    M.-F. Guyard, La Littérature Comparée, ³1961, S. 11;
    H. Dyserinck, Komparatistik, Eine Einf., 1977, S. 39;
    W. Hempel, Roman. Forsch. 107, H. 3 / 4, 1995, S. 420–22;
    F.-R. Hausmann, „Vom Strudel d. Ereignisse verschlungen“, Dt. Romanistik im „Dritten Reich“, 2000;
    W. Theile, Dt. Romanistik im „Dritten Reich“, Zwei Fallstud., F.-R. Hausmann u. K. W., in: Romanistik in Gesch. u. Gegenwart 10,2, 2004, S. 139–68;
    Ch. Nagavajara, K. W., A Centenary Appraisal, in: Manusya, Journ. of Humanities, Sonderh., Nr. 11, 2006, S. 1–34, Wiederabdr. in: ders., Bridging Cultural Divides, 2014, S. 333–402;
    ders., K. W. (1907–1995), Pionier d. dt. Komparatistik, in: Weimarer Btrr. 54, 2008, H. 3, S. 448–51, erneut in: ders., Auf d. Suche n. e. grenzüberschreitenden Wiss.kultur, 2013, S. 41–48.

  • Porträts

    |Photogrr., 1958 (Univ.bibl. Tübingen).

  • Autor/in

    Chetana Nagavajara
  • Zitierweise

    Nagavajara, Chetana, "Wais, Kurt" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 267-268 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118770853.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA