Lebensdaten
1722 bis 1789
Geburtsort
Haina (Kloster)
Sterbeort
Kassel
Beruf/Funktion
Maler ; Radierer
Konfession
reformiert?
Normdaten
GND: 118758349 | OGND | VIAF: 45097819
Namensvarianten
  • Tischbein, Heinrich
  • Tischbein, Johann Heinrich
  • Tischbein, Johann Heinrich der Ältere
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Biografische Lexika/Biogramme

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Zitierweise

Tischbein, Heinrich der Ältere, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118758349.html [01.12.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Heinrich (1682/83–1764), Hospitalbäcker in H., S d. Johann Conrad (1647–1724), Bäcker in Marburg, später in H., u. d. Margarethe Seidler, aus Herborn;
    M Susanne Margaretha (1690/91–1772, ref.), aus Bingenheim, T d. Hermann Andreas Hinsing, Schlossermeister, u. d. Anna Margaretha Schwarz;
    B Johann Valentin (1715–67/68), Maler in Laubach, Maastricht u. Hildburghausen, Johann Jakob (1724/25–91), aus H., Maler in Hamburg, seit etwa 1775 in Lübeck (s. ADB 38, Fam.art.; ThB);
    1) Kassel 1756 Maria Sophia (1726–59), T d. Jean Stephan Robert, Sekr. d. franz. Kanzlei in K., StadtKommissar, Dir. d. Manufakturen ebd., 2) Kassel 1763 Julie Marianne Pernette (1738–64), Schw d. Maria Sophia Robert (s. o.);
    2 T aus 1) Amalie (1757–1838, David August v. Apell, 1754–1832, Komp., Theaterdir., Geh. Kammerrat in K.), Miniaturmalerin, Wilhelmine Ernestine Friederike (1759–1820, Jean Frederic Klingender, 1747–1829, Prediger d. franz. Gde. in K., Insp. d. franz. Gemeinden in Hessen-Kassel, Prof. am Collegium Carolinum in K., s. Meusel, Gelehrter Teutschland);
    N Friedrich (s. 2), Wilhelm (s. 3);
    Gr-N Albrecht (s. 4).

  • Leben

    Im Alter von 14 Jahren trat T. eine Lehre bei dem Tapetenmaler Johannes Zimmermann in Kassel an und erhielt später Zeichenunterricht bei dem Hofmaler Johann Georg van Freese (1707–75). Bereits 1741–44 unterstützte T. |seinen älteren Bruder Valentin bei der Ausführung von Porträtaufträgen für die gfl. Familie Solms-Laubach. 1742 machte er in Frankfurt/M. die Bekanntschaft des Reichsgf. Friedrich v. Stadion (1691–1768), der zu einem wichtigen Förderer seiner künstlerischen Laufbahn wurde und ihm mehrjährige Studienaufenthalte in Frankreich und Italien ermöglichte. Während seines langen Aufenthalts in Paris 1744–48 arbeitete T. im Atelier des Historienmalers Carle Vanloo und lernte die Porträtmalerei von Nicolas de Largillière kennen. Seit 1748 besuchte er in Venedig die berühmte Zeichenschule von Gian Battista Piazzetta und reiste über Bologna und Florenz nach Rom, wo er nicht nur die Antike unmittelbar studieren konnte, sondern auch deren künstlerische Rezeption durch Kontakte zu Pompeo Batoni, Anton Raphael Mengs (1728–79) und Johann Joachim Winckelmann (1717–68). Nach seiner Rückkehr verbrachte T. 1751 einige Zeit bei Gf. Stadion auf dessen Schloß Warthausen bei Biberach/Riß. Hier entstand vermutlich das beeindruckende Porträt des Grafen, das in mehreren Fassungen erhalten ist (u. a. Frankfurter GoetheMus.) und dessen Kolorit und Lichtführung den Einfluß der venezian. Malerei sowie der franz. Porträtkunst zeigt. Über Stadion fand T. Kontakt zu Lgf. Wilhelm VIII. von HessenKassel, der ihn 1753 zum Hofmaler ernannte. T. hatte diese Position ebenso unter dessen Nachfolgern, den Landgrafen Friedrich II. und Wilhelm IX., bis zu seinem Tode inne. Als Hofmaler war er sowohl als Porträtist der lgfl. Familie tätig wie auch maßgeblich für die Ausstattung der fürstlichen Wohn- und Repräsentationsräume verantwortlich. Zu seinen frühesten Aufträgen gehören die Historiengemälde „Verspottung des Anakreon“ und „Herkules und Omphale“ (Kassel, Staatl. Schlösser u. Gärten Hessen), die 1754 für die neue Gemäldegalerie des Landgrafen entstanden. Mitte der 1750er Jahre schuf T. zahlreiche Frauenbildnisse für die sog. Schönheitengalerie in Schloß Wilhelmsthal, darunter die Porträts seiner beiden Ehefrauen sowie Bildnisse der Töchter des Gf. Stadion, die seinen Ruf als exzellenter Porträtist festigten. Ebenfalls für Schloß Wilhelmsthal entstanden um 1756/58 zwölf Historiengemälde eines Telemachzyklus. Während der franz. Besatzungszeit 1756–62 hielt sich T. u. a. in Schleswig-Holstein, Arolsen und Braunschweig auf, wo er großformatige Gruppenbildnisse der regierenden Fürstenhäuser anfertigte. 1762 wurde er Professor an der neu gegründeten Akademie Collegium Carolinum in Kassel. Er hatte zudem maßgeblichen Anteil an der Entstehung der Kasseler Kunstakademie, zu deren Gründung er 1777 eine Allegorie anfertigte (Ölskizze, Mus.landschaft Hessen Kassel). In den 1760er Jahren wandte er sich zunehmend der Historienmalerei zu. 1763 entstand die „Auferstehung Christi“ für St. Michaelis in Hamburg (1906 verbrannt; Modello in d. Hamburger Kunsthalle), es folgten Kirchenausstattungen für die Lutherkirche (1765) und Elisabethkirche (1778) in Kassel (größtenteils Kriegsverlust) sowie Altarblätter für Stralsund (1787) und Haina (1788). Im Auftrag des Lgf. Friedrich II. entstand 1766–69 ein Gemäldezyklus zur Geschichte von Antonius und Kleopatra für Schloß Weissenstein (heute Schloß Wilhelmshöhe). In den 1770er Jahren war T. wiederholt in Pyrmont, um im Auftrag des Fürsten von Waldeck das monumentale Historiengemälde „Die Trophäen Hermanns“ auszuführen.

    T.s frühe Biographen rühmten gemäß dem akademischen Kanon der Kunstgattungen besonders seine Fähigkeiten als Historienmaler. Prägender erscheinen heute jedoch seine Leistungen als Porträtist. Seine frühen Werke strahlen ein heiteres Kolorit und virtuose Stofflichkeit aus. Diese Brillanz findet ihre Entsprechung in den erotisch-koketten mythologischen Sujets der frühen Historien. Die späten Historien dagegen lesen sich eher als Tugendexempel mit moralphilosophischem Kontext. T.s Werk reflektiert den kulturellen Wandel des 18. Jh., die Abkehr von höfischen Sujets und Emblemen zugunsten einer aufgeklärten bürgerlichen Kunstauffassung. Eindrucksvoll läßt sich das insbesondere anhand der zahlreichen überlieferten Selbstbildnisse des Künstlers nachvollziehen. Neben Johann Georg Ziesenis (1716–76) und Anton Graff (1736–1813) zählt T. zu den bedeutendsten dt. Porträtisten der Mitte des 18. Jh. Mit ihm befreundet waren neben Lessing und Klopstock (n. Engelschall) u. a. der Archäologe und Kunstagent Johann Friedrich Reiffenstein (1719–93), der Kunsthistoriker und Mineraloge Rudolf Erich Raspe (1736–94) sowie der Historiker Johann Wilhelm Christian Gustav Casparson (1729–1802).

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Freimaurerloge „Zum gekrönten Löwen“ u. d. Société des Antiquités, beide Kassel; Ehrenmitgl. d. Acc. Clementina, Bologna (1779).

  • Werke

    Weitere W u. a. Historien: Musenzyklen f. Schloß Wilhelmsthal u. Schloß Pyrmont, 1770er J.;
    Sokrates im Kerker, 1785 (Staatl. Schlösser u. Gärten Hessen, Schloß Wilhelmshöhe);
    Porträts: Lgf. Wilhelm VIII., 1753 (Hess. Hausstiftung, Schloß Fasanerie Eichenzell);
    Dr. Schmidt-Capelle, um 1754/60 (Mus.landschaft Hessen Kassel, Neue Gal.);
    Prn. Christine Charlotte v. Hessen-Kassel, 1765 (Hess. Hausstiftung, Mus. Schloß Fasanerie Eichenzell);
    Lgf. Friedrich II. v. Hessen-Kassel, um 1773 (Mus.|landschaft Hessen Kassel, Neue Gal.);
    Marie Therese Sophie Gfn. Spaur zu Burgstall (Staatl. Schlösser u. Gärten Hessen, Schloß Wilhelmsthal);
    Artemisia (Auguste Reuß zu Ebersdorf), 1775 (Verbleib unbek.);
    Gruppenbildnisse: Erbpr. Friedrich II. mit seiner Fam., 1754 (Staatl. Schlösser u. Gärten Hessen, Schloß Wilhelmsthal);
    Karl August Friedrich Fürst zu Waldeck u. Pyrmont mit Fam., 1757 (Stiftung d. Fürstl. Hauses Waldeck u. Pyrmont, Schloß Arolsen); Hzg. Friedrich Karl v. Schleswig-Holstein-Plön mit Fam., 1759 (Schloß Frederiksborg); Hzg. Carl v. Braunschweig mit Fam., 1762 (Staatl. Schlösser u. Gärten Hessen, Schloß Wilhelmshöhe); – Nachlaßverz.: Nachlaß d. im Aug. vorigen J. alhier verstorbenen Raths u. Professoris auch Directoris d. hiesigen Maler Academie Herrn J. H. T. (…), 1790 (Auktionskat.).

  • Literatur

    L ADB 38;
    Nachr. v. d. hist. Gemälden d. fürstl.-hessenkassel. Kab.malers, Herrn J. H. T., in: Dt. Mus., Jan.-Juni 1777, S. 362–72;
    J. Fr. Engelschall, J. H. T., ehem. Fürstl.-Hess. Rath u. Hofmaler, als Mensch u. Künstler dargest., nebst e. Vorlesung v. Casparson, 1797;
    H. Bahlmann, J. H. T., 1911;
    J. H. T. d. Ä. 1722 -1789 (Der Kasseler T.), Gem. u. Zeichnungen, Ausst.kat. Schloß Bellevue, Kassel 1964;
    J. H. T. d. Ä. (1722–1789), Ausst.kat. Staatl. Museen Kassel, Neue Gal., bearb. v. M. Heinz u. E. Herzog, 1989/90 (grundlegend, P);
    P. Tiegel-Hertfelder, „Historie war sein Fach“ – Bilder aus Mythol. u. Gesch. im Werk v. J. H. T. (1722–1789), 1996 (W-Verz. Historien, L);
    A.-Ch. Flohr, J. H. T. d. Ä. (1722–1789) als Porträtmaler, Mit e. krit. W-Verz., 1997 (W-Verz., Bibliogr., P);
    G. Baumbach, Die Schönheiten- u. Ahnengal. J. H. T.s d. Ä. in Schloß Wilhelmsthal, in: Frau u. Bildnis 1600–1750, hg. v. C. Bischoff, 2003, S. 209–43;
    3 x T. u. d. europ. Malerei um 1800, Ausst.kat. Staatl. Museen Kassel u. Mus. d. bildenden Künste Leipzig, 2005/06 (L, P);
    ThB;
    Hess. Biogr. (P);
    Kosch, Theater-Lex.;
    Dict. of Art; – zur Fam.: K. Luthmer, Die hess. Malerfam. T., Verz. ihrer Mitgll. u. e. Ausw. ihrer Werke, 1934.

  • Portraits

    P u. a. Selbstbildnisse: mit seiner ersten Frau am Spinett, Öl/Lwd., 1757 (Staatl. Museen zu Berlin, Preuß. Kulturbes., Gem.gal.); in mittleren J., Öl/Lwd., um 1760 (Mus.landschaft Hessen Kassel, Neue Gal.; mit seinen Töchtern, Öl/Lwd., 1774 (Niedersächs. Landesmus. Hannover), Abb. in: Ausst.kat. 1989/1990 (s. L), S. 20, 22 u. 24; im Alter, Öl/Lwd., 1782 (Mus.landschaft Hessen Kassel, Neue Gal.), Abb. in: 3 x T. (…), Ausst.kat. 2005/06 (s. L), S. 169.

  • Autor/in

    Karin Schrader
  • Empfohlene Zitierweise

    Schrader, Karin, "Tischbein, Heinrich der Ältere" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 300-302 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118758349.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA