Lebensdaten
1737 bis 1806
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Weimar
Beruf/Funktion
Kupferstecher ; Maler ; Zeichner
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118715615 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kraus, Georg Melchior
  • Kraus
  • Kraus, G. M.
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Zitierweise

Kraus, Georg Melchior, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118715615.html [26.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Georg (1702–87), Weinschenk u. Weinhändler, S d. Gastwirts Georg in Brettheim b. Crailsheim;
    M Cornelia (1705–44), T d. Weinschenks Georg Heinrich Paulßen in F. u. d. Maria Hollmann;
    Ur-Gvv Bartholomäus Paulßen ( 1699), sachsen-weimar. Hofmaler u. Ratsherr in Jena;
    Groß-Om Joh Elias Paulßen (1678–1721), Hofmaler in Jena;
    Groß-Tante-m Clara Maria Paulßen ( François Roux, 1674–1750, sachsenweimar. Sekr., Lektor d. franz. Sprache u. Fechtmeister d. Univ. Jena);
    Om Heinrich Paulßen (1691–1755), Kauf- u. Handelsmann, Oberältester d. Kramerinnung in Jena, Joh. Christian Paulßen (1704–37), Maler in Jena; - ledig.

  • Leben

    K. lebte seit 1774 in Weimar. Die Nachrichten über ihn aus den vorangehenden Jahren sind relativ dürftig. Er war Schüler von Johann Heinrich Tischbeindem Älteren und studierte 1761-66 in Paris. Die frühesten Erwähnungen bezeichnen ihn als Genremaler (des Fürstbischofs von Würzburg Adolf Friedrich von Seinsheim). In seinen Genrebildern erweist sich K. noch als Vertreter des Rokoko französischer Schulung, wenn er auch stärker dessen deutsch-bürgerliche Variante pflegt. Die Genreszenen finden ihre Fortsetzung in zwei Folgen von Komödienfiguren, deren Entstehung allerdings schon in die Weimarer Zeit fällt. Nach verschiedenen Reisen in die Schweiz und nach Norddeutschland traf K. 1774 in Bad Ems mit Goethe und Lavater zusammen und verkehrte anschließend in der Familie vom Stein in Nassau, durch deren Vermittlung er dann nach Thüringen gelangt zu sein scheint. Im Dezember 1774 ist die Bezahlung eines Porträts der Herzoginmutter Anna Amalia von Sachsen-Weimar an K. belegt.

    Die Zugehörigkeit von K. zum engeren Weimarer Goethe-Kreis stand stets stärker im Mittelpunkt der Forschung als seine künstlerische Bewertung. Entsprechend wurden seine Bilder und graphischen Blätter meist unter ikonographischen und topographischen Gesichtspunkten betrachtet. Als Porträtmaler schuf K. Bildnisse Goethes (1775), des Herzogs Carl August (1791) und der Herzogin Luise von Sachsen-Weimar (um 1775/80), der Sophie von La Roche (1799) und ein Selbstbildnis (um 1775/80). Seit 1776 leitete er die Herzogliche Freie Zeichenschule in Weimar. Ihre Gründung geht auf die Initiative des Verlegers Friedrich Justin Bertuch zurück, der K. entscheidender Förderer wurde. Beide gaben gemeinsam seit 1786 das „Journal des Luxus und der Moden“ heraus, zu dem K. die kolorierten Modekupfer lieferte, die allerdings teilweise auf französische und englische Vorlagen zurückgreifen. Das „Journal“ informiert am besten über das graphische Oeuvre von K., da es regelmäßig Anzeigen und Besprechungen seiner Kupferstichfolgen, von denen die meisten in Bertuchs Verlag des Landes-Industrie-Comptoirs erschienen, veröffentlicht, die Ausstellungen der weimarer Zeichenschule bespricht und 1807 einen sehr ausführlichen, von Bertuch verfaßten Nachruf auf den Maler bringt.

    Drei Reisen, die K. von Weimar aus unternahm – 1784 mit Goethe in den Harz, 1793 nach Mainz und 1795 nach Oberitalien – erweisen ihn als sachlich-präzisen Landschaftszeichner. Sie sind künstlerisch belegt durch Harz-Zeichnungen, Darstellungen der Belagerung von Mainz durch die Franzosen und Ansichten von den oberital. Seen. Insgesamt wandte sich K. in seinen späteren Jahren stärker der Landschaftsmalerei zu, da der Klassizismus in der Figurendarstellung seinem künstlerischen Temperament kaum entsprach. Die Zahl der erhaltenen Landschaften in Öl ist gering. Seine Zeichnungen und kolorierten Kupferstiche, insbesondere die Ansichten aus dem Weimarer Park, erfreuten sich bei den Zeitgenossen großer Beliebtheit und zählen auch heute noch zu seinen meistbeachteten Arbeiten. Sie befinden sich vor allem in Weimar (Goethe-Nationalmuseum, Schloßmuseum, Landesbibliothek), Düsseldorf (Goethe-Museum) und Frankfurt/Main (Städel).

  • Literatur

    ADB 17;
    E. Frhr. Schenk zu Schweinsberg, Verz. d. Radierungen v. G. M. K., in: Jb. d. Slg. Kippenberg 7, 1927/28, S. 275-302;
    Ergg., ebd. 10, 1935, S. 316-18;
    ders., G. M. K., 1930 (P);
    Kat. d. Slg. Kippenberg, 3 Bde., 21928;
    C. Kröll, Heimliche Verführung, Ein Modejournal 1786-1827, Ausstellungskat. d. Goethe-Mus. Düsseldorf, 1978;
    W. Huschke, Der Maler G. M. K., Ein Frankfurter Landsmann Goethes in Weimar, Herkunft u. Fam.kreis, in: Festschr. f. H. F. Friederichs, 1980, S. 123-34 (L, P);
    ThB.

  • Portraits

    Selbstbildnis (Weimar, Schloßmus.), Abb. b. E. Schenk z. Sch., G. M. K., 1930;
    Kupf. v. C. Müller n. Gem. v. F. Jagemann, 1807, Abb. b. Huschke, s. L.

  • Autor/in

    Christina Kröll
  • Empfohlene Zitierweise

    Kröll, Christina, "Kraus, Georg Melchior" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 686 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118715615.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kraus: Georg Melchior K., Maler, Zeichner und Kupferstecher, ist am 26. Juli 1737 zu Frankfurt a. M. geboren. Nach ausreichender Vorübung im Zeichnen unter Anleitung von Johann Heinrich Tischbein in Kassel lebte er von 1761—1768 zu seiner weiteren Ausbildung in Paris, wo er in den Gemälden eines Boucher und Jean Greuze diejenigen Elemente fand, deren Einfluß auf seine künstlerische Selbsterziehung ihm ersprießlich schien. Nach einer Studienreise in die Schweiz und das nördliche Deutschland wurde seit dem Jahre 1774 der Verkehr mit Goethe für ihn von folgenreicher Bedeutung. Der junge Dichter emvfand in jener Zeit der inneren Bewegung den Trieb, dem Künstler, dessen weltfroher Sinn ihn erheiterte, sich anzuschließen. K. leitete Goethes sammelnde Kunstliebe zur praktischen Uebung an und verstand es durch Vorlage von Ansichten aus Weimarischen Landen und von Bildnissen hervorragender, dort lebender Persönlichkeiten die Berufung Goethe's nach Weimar zu erleichtern. In „Dichtung und Wahrheit“ (Buch XX) wird K. rühmend erwähnt: „Er bildete sich — sagt Goethe — an der Gesellschaft zur Gesellschaft und wußte gar zierlich häusliche freundschaftliche Vereine porträtmäßig darzustellen. Nicht weniger glückten ihm landschaftliche Zeichnungen, die sich durch reinliche Umrisse. massenhafte Tusche, angemessenes Colorit dem Auge freundlich empfahlen; dem inneren Sinne genügte eine gewisse naive Wahrheit und besonders dem Kunstfreunde sein Geschick, Alles, was er selbst nach der Natur zeichnete, sogleich zum Tableau einzuleiten und einzurichten. Er selbst war der angenehmste Gesellschafter ... der Thätigste und zugleich der Bequemste aller Sterblichen.“ Seit 1775 in Weimar ansässig, malte K. am 14. Juli 1776 das Bildniß Goethe's nach dem Leben, welches Chodowiecki radirte und darnach Schwerdgeburth stach. Er begleitete im J. 1784 seinen Freund auf einer zu landschaftlichen Darstellungen anregenden Harzreise. In seinem künstlerischen Wirkungskreise durch Goethe's willfährige Theilnahme stets gefördert, wurde K. im J. 1780 zum Director der neu begründeten herzoglichen freien Zeichnenschule in Weimar ernannt, eine der ersten Anstalten ihrer Art in Deutschland, welche auf die allgemeine Geschmacks- und Kunstbildung erheblichen Einfluß übte. Seine vielseitige Begabung verwerthete K. in zahlreichen Landschaften, Conversationsstücken und Bildnissen, in Oelgemälden wie in Aquarellen, in Zeichnungen und Radirungen. Häufig werden seine schweizerischen Bauernstuben und seine Darstellungen zu Wieland's Oberon (1788) erwähnt. Nach ihm haben A. Levasseur, A. de Buigne, F. Hubert. Voyez jr. u. A. in Kupfer gestochen. Am bekanntesten sind seine kleinen radirten und zum Theil colorirten Folgen von Ansichten und mehrere Einzelblätter, namentlich die Ansichten der Wartburg, des Parkes und Schlosses zu Weimar, des Jagdschlosses zu Wilhelmsthal bei Eisenach und der Umgegend von Jena, Ilmenau, Allstedt und Rudolstadt. Er zeichnete auch viele Porträts für Wieland's Teutschen Merkur und lieferte Abbildungen von deutschen und anderen Nationaltrachten in 6 Heften, bewährte sich gelegentlich auch als Decorateur für das Theater des Herzogs Karl August. Seit 1786 übernahm K. die Leitung des artistischen Theiles des von F. J. Bertuch begründeten Journals des Luxus und der Moden. In den letzten Lebenslagen durch die Plünderung und den Brand seines Hauses nach der Schlacht bei Jena schwer geschädigt und erschüttert, starb K. zu Weimar im Hause Bertuch's als herzoglich sachsen-weimarischer Rath und Mitglied mehrerer auswärtiger Akademien am 5. November 1806.

    • Literatur

      Vgl. Allg. Deutsche Bibliothek. 19. Bd., 1. Stück. 1776. — Journal des Luxus und der Moden. Januar 1807, mit Porträt F. Jagemann pinx. C. Müller sculp.
      Nagler's Künstler-Lexikon. —
      Weimars Merkwürdigkeiten einst und jetzt von A. Schöll. Weimar 1857. S. 92—93. —
      Goethe's Werke. 22. Thl. Dichtung und Wahrheit. Mit Einl. u. Anm. von H. v. Loeper, III. 417, 427; IV. 97 ff., 217—220. Berlin. G. Hempel. —
      Goethe und die freie Zeichnenschule zu Weimar von G. Th. Stichling in Weimarische Beiträge zur Literatur und Kunst. Weimar 1865. S. 32—49. —
      Kunst und Künstler in Frankfurt a/M. von Dr. Fr. Gwinner. Frankf. a/M. 1862. S. 323—325. — Die Goethe-Bildnisse von Dr. H. Rollett. Wien 1881. S. 51—54.

  • Autor/in

    v. Donop.
  • Empfohlene Zitierweise

    Donop, von, "Kraus, Georg Melchior" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 72-73 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118715615.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA