Lebensdaten
1888 bis 1957
Geburtsort
Brotterode Kreis Schmalkalden
Sterbeort
Berlin-Zehlendorf
Beruf/Funktion
preußischer Finanzminister
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119491184 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Klepper, Otto

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Zitierweise

Klepper, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119491184.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Martin (1858–1938), Geh. Justizrat, Oberlandesgerichtsrat in Hamm;
    M Karoline (1859–1942), T d. Otto Klingender (1817–87), Oberlandesgerichtsrat in Kassel, u. d. Emilie Noll; Vorfahre-m Joh. Heinrich Tischbein d. Ä. ( 1789), Maler;
    - Hamm 1917 Gertrud (* 1895), Norwegerin, Adoptiv-T d. Hermann Eickhoff (1853–1934), Gymnasialoberlehrer in Hamm, u. d. Helene Müller;
    1 S, 3 T (1 früh †).

  • Leben

    In der Tradition der Evangelischen Brüdergemeine (Pädagogium Niesky) erzogen, studierte K., Korpsstudent und von der christlich-sozialen Ideenwelt Stöckers beeinflußt, 1908-14 Rechts- u. Staatswissenschaften in Marburg, Berlin und Münster (Staatsexamina 1914/21). Nach dem Krieg schloß sich der Leutnant der Reserve vorübergehend der DNVP an. K. schied 1921 als Assessor aus dem Reichsausgleichsamt und trat als Leiter der Rechtsabteilung in den Dienst des Reformbundes der Gutshöfe (Bad Nauheim), einer Interessenvereinigung des größeren und mittleren Grundbesitzes. Als Geschäftsführer des Domänenpächterverbandes (Berlin), als Mitgründer und seit Oktober 1924 Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Pächterkreditbank (Domänenbank) machte sich K. in der Nachinflationszeit rasch einen Namen. In Zusammenarbeit mit dem preußischen Landwirtschaftsministerium und der preußischen Zentralgenossenschaftskasse (Preußenkasse) widmete er sich vor allem der Lösung der Kreditfrage der Domänenpächter. Durch eine betriebswirtschaftliche Beratung schuf er die Grundlage für eine optimale Verwendung der Gelder. Mit der Berufung an die Spitze der nahezu illiquiden Preußenkasse Anfang 1928 rückte K., von der DNVP als Renegat bekämpft, in den Mittelpunkt heftiger innenpolitischer Auseinandersetzungen. Es gelang ihm zwar, die Preußenkasse zu sanieren, aber seine Pläne zur Einleitung einer rigorosen Agrarreform durch staatliche Übernahme der hoffnungslos überschuldeten ostelbischen Großbetriebe scheiterten am Widerstand der Betroffenen und des preußischen Landwirtschaftsministeriums, das am konventionellen Konzept der inneren Kolonisation festhielt. Eine großzügige Bauernsiedlung im Osten, durch eine Denkschrift über die prekäre Lage des Großgrundbesitzes untermauert, wurde von rechts als „Agrarbolschewismus“ geschmäht. Zusammen mit A. Hermes konnte K., der neue Formen der Kreditorganisation (Registerpfandrecht) einführte, durch Gründung eines genossenschaftlichen Einheitsverbandes (1929/30) einen bedeutenden|politischen Erfolg verbuchen. Auf Anregung H. Weichmanns und mit Rückendeckung einflußreicher Kreise des Zentrums (H. Hirtsiefer, H. Lübke) übernahm K. am 7.11.1931 die Verantwortung für das Finanzressort. Die desolate Finanzlage Preußens erforderte eine straffe Sparpolitik, für deren Durchführung K. im Landtag jedoch eine Hausmacht fehlte. Mit großer Energie setzte sich der für dieses Amt noch relativ junge, von O. Braun offenbar nur widerwillig akzeptierte Außenseiter für die Wahrung der politischen, finanziellen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit des Landes ein. Das geradezu krankhafte Mißtrauen Brünings gegen K. scheint in dieser auf die Erhaltung der Eigenstaatlichkeit Preußens gerichteten Politik zu gründen, zumal der Finanzminister nicht vor offener Kritik an der Politik des Reichs zurückschreckte. Im zunehmenden Protektionismus erkannte K. das Grundübel der Wirtschaftskrise, der im Innern weniger durch eine staatliche Ankurbelung als durch ökonomisch-soziale Veränderungen (Verkürzung der Arbeitszeit, Reform der Arbeitslosenfürsorge, Agrarstrukturreform) begegnet werden sollte. Noch am 20.7.1932 scheint er für eine Politik des aktiven Widerstandes zur Abwehr des rechtswidrigen Übergriffs Papens votiert zu haben, wenn dies auch später Severing bestritten hat. Im Februar 1933 entzog er sich durch Flucht dem Zugriff der neuen Machthaber. In der Emigration in Finnland, China, USA, Mallorca, Frankreich (1937–42) und Mexiko (1942–47) reiften jene wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Vorstellungen, die K. besonders 1939/40 in der von W. Münzenberg nach seiner Trennung von der KPD begründeten Zeitschrift „Die Zukunft“ (Paris) sowie schon 1936 in „Das neue Tagebuch“ (Paris) und später in den „Deutschen Blättern“ (Santiago de Chile) entwickelte. Ob K. nach seiner Rückkehr aus China, wo er als Agrar- und Finanzberater gewirkt hatte, eine zentrale Rolle bei der Sammlung der freiheitlich-bürgerlichen Kräfte in der Deutschen Freiheitspartei gespielt hat, wie B. Gross, die spätere Lebensgefährtin K.s, schrieb, scheint nach der neueren Forschung unsicher. Die in der Emigration entwickelten politischen und wirtschaftlichen Überzeugungen konnte er, seit Sommer 1947 wieder in Deutschland, in die Leitsätze und Verlautbarungen der Wirtschaftspolitischen Gesellschaft von 1947 (Wipog) einbringen. Als Mitgründer und stellvertretender Vorsitzender dieser überparteilichen Organisation bekannte sich K., der jede Form des „Kollaborationismus“ verurteilte, aber für eine entschiedene Westbindung eintrat, zur „Verankerung der Freiheit im Gefüge der Ökonomie“.

    Die Wiedereingliederung in den Weltmarkt, eine Kommerzialisierung der Landwirtschaft und eine marktwirtschaftliche Orientierung der Wirtschaftspolitik standen für K. und die Gründungsväter der Wipog außer Frage. Durch eine solche „sozialökonomische Wendung“ glaubte man, „den Frieden zu gewinnen“. Besorgt beobachtete der parteilose Publizist, der in Frankfurt/Main als Anwalt und Notar zugelassen war und in kritischer Distanz zu Adenauer und K. Schumacher stand, die Wiederaufbaupolitik. Als stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats und alleiniger Geschäftsführer der von der Wipog mitbegründeten Frankfurter Allgemeinen Zeitung (1949/50) und als Herausgeber der Europäischen Illustrierten (1951) suchte er sich eine breitere publizistische Plattform zu verschaffen. Diese Erwartung erfüllte sich nicht. Als im Herbst 1951 K. angeblich von der Deutschen Partei als Außenminister ins Gespräch gebracht wurde, schätzte er seine Chancen realistisch ein und dementierte. Immer mehr widmete er sich grundsätzlichen Fragen, zumal sein ausgeprägtes und gelegentlich schroffes Individualbewußtsein einer politischen Karriere nach 1949 eher abträglich war. Die visionäre Hoffnung einer offenen Welt schärfte seinen Blick für die Bedeutung der Dritten Welt und der Entkolonialisierung.

  • Werke

    Aufsätze in d. Exilpresse vgl. L. Maas, Hdb. d. dt. Exilpresse 1933–45, 1976 ff.;
    Das Ende d. Republik, in: Die Gegenwart 2, Nr. 17/18 v. 30.9.1947, S. 20-22;
    Vorfragen d. Friedens, Die Kunst d. Möglichen, Zwei Aufsätze üb. d. Vorbereitung e. neuen dt. Pol. (1948) (Erstveröff. in: Dt. Bll., 1946): Die bittere Wahrheit, Nachdenkliches z. dt. Frage, 1952;
    Bildung u. Ethos als Voraussetzung d. pol. Handelns, 1952;
    weitere Gutachten u. Reden in Veröff. d. Wirtsch.pol. Ges. v. 1947.

  • Literatur

    O. K. z. Gedächtnis (Nachrufe v. R. Mueller, U. v. Pufendorf, A. Theile, F. Vilmar), in: Offene Welt Nr. 49 v. Mai/Juni 1957;
    O. K., Ansprachen (v. R. Mueller, H. Lübke, U. v. Pufendorf, W. Lehmann) aus Anlaß d. Gedächtnisfeier am 10.7.1957 im Haus d. Frankfurter Ges. f. Handel, Industrie u. Wiss., 1957. -
    E. Topf, Die grüne Front, Der Kampf um d. dt. Acker, 1933;
    W. Steffani, Die Unters.ausschüsse d. Preuß. Landtags z. Z. d. Weimarer Republik, 1960;
    Th. Trumpp, Franz v. Papen, 1963;
    J. Bay, Der Preußenkonflikt 1932/33, 1965;
    B. Gross, W. Münzenberg, Eine pol. Biogr., 1967;
    D. Hertz-Eichenrode, Pol. u. Landwirtsch. in Ostpreußen 1919–30, 1969;
    H. Barmeyer, A. Hermes u. d. Organisationen d. dt. Landwirtsch., 1971;
    K. D. Bracher, Die Auflösung d. Weimarer Republik, 51971;
    B. Bouvier, Die Dt. Freiheitspartei (DFP),|Diss. Frankfurt 1972;
    H.-P. Ehni, Bollwerk Preußen? Preußen-Regierung, Reich-Länder-Problem u. Soz.demokratie 1928–32, 1975;
    H. Schulze, Otto Braun, 1977;
    Dt.GB 54;
    Rhdb. (P);
    W. Sternfeld u. E. Tiedemann, Dt. Exillit. 1933–45, Eine Bio-Bibliogr., 21970;
    Biogr. Hdb. d. dt.sprachigen Emigration nach 1933, hrsg. v. W. Röder u. H. A. Strauss, 1979;
    H. Faust, Gesch. d. Genossenschaftsbewegung, 31977 (P).

  • Autor/in

    Martin Schumacher
  • Empfohlene Zitierweise

    Schumacher, Martin, "Klepper, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 49-51 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119491184.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA