Lebensdaten
erwähnt 1518, gestorben nach 1540
Geburtsort
Regensburg (?)
Beruf/Funktion
Drucker
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 122139984 | OGND | VIAF: 5806277
Namensvarianten
  • Carbo, Paul
  • Khol, Paul
  • Kholl, Paul
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Zitierweise

Kohl, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122139984.html [11.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    B (?) Hans (s. 1).

  • Leben

    Wahrscheinlich gehörte K. den Regensburger Kaufmannskreisen an; 1539 errichtete er eine Papiermühle auf dem oberen Werd, um 1540 wird er als Ratsmitglied genannt. Seit 1522 als Drucker nachweisbar, erwarb er die von Johann Pfeil ( um 1521, siehe Literatur) in Bamberg hinterlassene Presse, mit der dieser Regensburg mit liturgischen Drucken (Meßbuch 1518) und Almanachen (Wandkalendern) versorgt hatte. Anfangs druckte K. Wunderberichte und Lokalbeschreibungen aus Anlaß der Wallfahrten zur Schönen Maria von Regensburg, die in der religiös erregten Zeit seit 1519 florierten. Zugleich gab er unfirmierte Raubdrucke lutherischer Schriften heraus. Unter dem Einfluß des 1524 in Regensburg zur Abwehr der reformatorischen Bestrebungen gehaltenen Konvents oberdeutscher Reichsstände druckte er für die katholische Partei, unter anderem die Constitutio des päpstlichen Legaten Laurentius. 1525 veröffentlichte er wieder lutherische Erbauungsschriften (Johann Veler, Vergiß mein nit). Von den Bauernschriften druckte er unter anderem „Die gruntlichen vnd rechten haubt Artickel“ nach, ebenso aber auch die Schriften Luthers gegen Thomas Müntzer und die Bauern. Wahrscheinlich arbeitete er für fremde Buchführer. Nebenher gingen amtliche Drucke für den Rat und den Bischof. Originale Verlagswerke blieben die Ausnahme (Petrus Appianus, Declaratio et usus typi cosmographici, 1522; J. Freysleben, Das Salve regina, 1523; J. Volgs Traktat über die englische Schweißsucht, 1529). Die deutschsprachigen Drucke überwogen. Die Missaletypen und Initialen Pfeils verwendete er weiter. 1526 erwarb er neue Typen; als Brotschriften dienten ihm Gotisch und Schwabacher. Den Buchschmuck (Titeleinfassungen) zeichnete zum Teil der Maler Michael Ostendorfer aus Regensburg. Als K. 1530 einen Bericht von Hans Lutz über die Belagerung Wiens mit einem Spottgedicht über Mißstände in dieser Stadt druckte, mußte er diesem eine „Wahrhaftige Entschuldigung an eine ehrsame Bürgerschaft der Stadt Wien“ folgen lassen. Im selben Jahr endete seine Drucktätigkeit. Insgesamt sind 45 Drucke K.s bekannt.

  • Literatur

    zu 1) u. 2) ADB 16;
    M. Denis, Wiens Buchdruckergesch. bis 1560, 1782;
    J. A. Pangkofer u. J. R. Schnegraf, Gesch. d. Buchdruckerkunst in Regensburg, 1840;
    A. Mayer, Wiens Buchdrucker-Gesch. 1482-1882, I, 1883;
    K. Schottenloher, Das Regensburger Buchgewerbe im 15. u. 16. Jh., 1920;
    ders., Pfalzgf. Ottheinrich u. d. Buch, 1927;
    O. Clemen, Drei v. H. K. in Regensburg gedr. Epithalamien, in: Zbl. f. Bibl.wesen 59, 1942, S. 484-89;
    J. Sydow, Regensburger Buchdruckerkunst aus 6 Jhh., 1956;
    Benzing, Buchdrucker (auch f. J. Pfeil);
    E. Soltész, Unbek. Almanache v. Joh. Sinngriener u. H. K., in: Gutenberg-Jb. 1975, S. 136-41;
    H. Claus, Der dt. Bauernkrieg im Drutkschaffen d. J. 1524–26, 1375 (W, L z. Paul).

  • Autor/in

    Hans Lülfing
  • Empfohlene Zitierweise

    Lülfing, Hans, "Kohl, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1980), S. 421 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122139984.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kohl: Paul K. (Carbo), Buchdrucker zu Regensburg im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts. Nachdem der Sohn und Enkel des Bamberger Buchdruckers Albert Pfister (vgl. d.) zu Regensburg bis 1519 thätig gewesen waren, folgten denselben in der Ausübung der Kunst die beiden Kohl, Paul und dessen Sohn Hans (vgl. d.), mit welchen dieselbe den höchsten Glanz in dieser Stadt erreichte. Schon in der Druckerei des Franzosen Jenson und dann in der des Ch. Waldarfer in Venedig 1471 befand sich (Denis, Supplem. I, 6) ein Ludovicus Carbo als Corrector, den man für Pauls Vater hält. Ob ein um dieselbe Zeit in Regensburg lebender Bildschnitzer Bernard Kohl der Sohn oder Bruder Ludwigs gewesen, ist nicht zu entscheiden, doch scheint die Kunst des Bildschnitzens in der Familie der K. erblich gewesen zu sein. K. hat sich vielleicht in der Pfister’schen Officin zum Meister ausgebildet und nach des letzteren Tod die Druckerei 1519 fortgesetzt. Bald hatte er sich auch zu einem reichen Manne und angesehenen Bürger erhoben, denn schon lange vor 1542 erscheint er als Senator und aus einem der 32 vornehmsten Rathsgeschlechter, welche die unbedingte Ausübung der Religion nach der Lehre Luther's verlangten. Und als des Reformators Lehre in Regensburg eingeführt, der Gottesdienst darnach eingerichtet und die Frauenkirche zur schönen Maria als neue Pfarrei erklärt worden war, schenkte K. zum Bedarf einer neuen Uhrglocke die zwei Glocken seiner St. Thomas geweihten Hauskapelle, die im sog. Römling an seinem im|J. 1840 der Neubauer’schen Druckerei gehörigen Hause stand, damals noch in baulichem Zustande war und es vielleicht noch heute (1881) ist. In seinem Wohnhause stiftete K. sich durch den Bau eines Brunnens ein bis auf unsere Tage dauerndes Denkmal, welches sein und seiner Frau Wappen und das Distichon auf der steinernen Quadrateinfassung trägt: „De Pavli sitiens Carbonis liquore summe | Sed nepos sitias pocula sacra bide. Anno M. D. L.“ Sein Wappen, abgebildet bei Pangkofer (a. a. O. Tafel II) befindet sich auch über dem Fensterstocke des erwähnten Neubauer’schen Hauses zur ebenen Erde an der östlichen Ecke des Hauses. Der Eckthurm an jenem Römling, der von ihm der Kohl’sche Thurm hieß, wurde 1621 abgetragen. Was seine Frau betrifft, so ist es bis jetzt nicht möglich gewesen, die Familie derselben weder aus ihrem Wappen am Brunnen noch aus schriftlichen Dokumenten zu ermitteln, doch halten sie Regensburgische Gelehrte für eine geborene Pfister. Die Druckthätigkeit des K. fällt in die Jahre 1518—1525 und die Zahl seiner sämmtlich in deutscher Sprache veröffentlichten Erzeugnisse beläuft sich auf sechzehn. Zu Titelverzierungen derselben bediente er sich der Dienste des Kartenmalers Wolfgang Wißleutter, aber auch anderer damals zu Regensburg lebender Kupferstecher und Maler. Sein erster Druck führt den Titel: „Wie die New Kapell zu der schönen Maria in Regensburg erstlich auffkommen“, 1518, der letzte: „Nach dem zierlichen denkpliemel heysset man dieses ertlich (artlich) Büchel Vergisz mein nit. Ha. Jacob Veler“, 1525. Es ist dieses nicht zu verwechseln mit dem ähnlich betitelten von Matth. Schwach verfaßten Gebetbüchlein: „Vergiß mein nit. Ist mein Nam. Das ist, Leg mich nit vndern banck“, welches erst 1558 o. O. in 12. (wiederh. Nürnb. 1579. 12.) erschienen ist. Die Flugschrift „Die gründlichen und rechten Hauptartikel aller Bauerschafft ...“, 1525 soll nach Gemeiner, Reform.-Gesch. von Regensburg IV, 530 den Bauernaufruhr in Schwaben und Franken hervorgerufen haben. Andere seiner Drucke sind: „In diesem Büchlein sind begriffen die wunderb. Zeichen in Regensb. zur schönen Maria“, 1522; es werden 483 Wunderlichen aufgezählt und von ähnlichem Inhalte scheint auch das auf Pergament gedruckte Buch gewesen zu sein „Zeichen zu Poisenbürck“, 1522, von welchem jedoch, vermuthlich wegen der über dasselbe verhängten Confiscation kein einziges Exemplar mehr existirt. Nach 1525 ist bis jetzt kein Druck aufgefunden worden, der mit seinem Namen versehen wäre, und da bis dahin alle seine Produkte Anhänglichkeit an den katholischen Glauben bezeugen, so scheint die Reformation Einfluß auf das Erlöschen seiner Druckerthätigkeit geübt zu haben. Mit K. zugleich lebte ein Drucker Veit Aman aus Abensberg, der Vaterstadt Aventins, in Regensburg. Ihn nennt das „Bürgerbüchel" schon 1527 „Puchdrucker“. Noch im J. 1840 trug ein Gasthaus „zum Kugelbauer“ genannt, Aman's Namen. Da jedoch Druckwerke von ihm nicht bekannt sind, so ist es sehr wahrscheinlich, daß er zuerst bei Pfister und später bei K. in Arbeit gestanden und durch Vorschub Aventin's, der gerade damals in der Engelburggasse wohnte und 1533 starb, Bürger geworden und als solcher in Kohl's Officin oder auch in der seines Sohnes Hans fortgearbeitet habe.

    • Literatur

      Pangkofer, Buchdruckergesch. Regensburgs S. 25—29. Kirchhoff, Gesch. d. deutschen Buchhandels I, 146. Weller, Repertor (im Register).

  • Autor/in

    J. Franck.
  • Empfohlene Zitierweise

    Franck, Jakob, "Kohl, Paul" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 430-431 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122139984.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA