Lebensdaten
1855 bis 1917
Geburtsort
Waldheim (Sachsen)
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Bismarck-Forscher ; Historiker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118991140 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kohl, Horst

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Zitierweise

Kohl, Horst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118991140.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Robert (1813–81), Anstaltspfarrer in W., seit 1859 Sup. in Chemnitz, Kirchenrat, S d. Kantors Joh. Gottfried in Freiberg u. d. Joh. Karoline Neumann;
    M Bertha (1824–98), T d. Rittergutsbes. Samuel Gottfried Meurer in Dittmannsdorf b. Görlitz u. d. Marianne Erdmuthe Auguste v. Leyser;
    B Max (1853–1908), Fabr. v. opt. u. physikal. Apparaten, bes f. Unterrichtszwecke (s. L);
    - Stradow b. Spremberg 1880 Martha (1858-n. 1922), T d. Rittergutsbes. Arthur Meurer in|Radeweise u. d. Helene v. Berndt;
    4 S (1 früh †), 1 T;
    N Hans, Gen.dir. d. Herkuleswerke AG in Budapest, Armin, Dr. iur., Bgm. v. Taucha b. Leipzig, Vf. e. Kommentars zum Scheckgesetz.

  • Leben

    K. studierte in Leipzig und Berlin Philologie und Geschichte, absolvierte 1876 Staatsexamen und Promotion und lehrte seit 1878 Deutsch, Latein und Geschichte, erst an der Realschule, dann am Gymnasium Chemnitz, seit 1903 am Königin-Carola-Gymnasium in Leipzig, dem er – zuletzt als Studienrat und Konrektor – bis zu seinem Tode angehörte. Vom Schuldienst unbefriedigt, betätigte er sich als Herausgeber historischer Quellenwerke. Bekannt wurde er durch seine Ende der 80er Jahre einsetzende Beschäftigung mit der Person Otto von Bismarcks. Begünstigt war er darin durch freien Zugang zum Hause des Fürsten, der ihm im November 1891 die Zusendung seiner „Bismarck-Regesten“ eröffnet hatte. Um die Jahreswende von 1891 zu 1892 wurde er von Cotta beauftragt, die Reden Bismarcks herauszugeben, seit 1894 erschien sein „Bismarck-Buch“, und 1898 betraute ihn Cotta mit der Herausgabe der „Gedanken und Erinnerungen“ (2 Bände, 1898). Schon in den 90er Jahren galt er als Autorität in Bismarckfragen, doch entsprach dem keineswegs seine Stellung in Friedrichsruh. Bismarck, in seiner nachamtlichen, publizistischen Tätigkeit auf äußerste Diskretion bedacht, hielt ihn kühl auf Distanz. K.s Arbeiten unterlagen strenger Zensur, und für gelegentliche Fehlleistungen wurde er grob gerüffelt. Auch zu Bismarcks Sohn Herbert, der K. nach dem Tode des Vaters als brauchbare Feder weiter benutzte, war K.s Verhältnis nicht frei von Reibungen. Zeitweise erwog K. ernstlich, die Bismarckforschung aufzugeben, und 1900 ließ er in der Tat das „Bismarck-Jahrbuch“ einschlafen, doch erschien noch im selben Jahr das Register, im Jahr darauf der „Anhang zu den Gedanken und Erinnerungen“. 1905, ein Jahr nach Herberts Tod, gab K. die Volksausgabe der „Gedanken und Erinnerungen“ heraus, entzweite sich darüber jedoch mit Herberts Witwe, der Fürstin Marguerite von Bismarck. K.s Publikationen erschienen in den folgenden Jahren ohne Unterstützung durch Friedrichsruh. Lediglich seine immense Sachkenntnis und seine Verbindungen zu Sibylle Gräfin von Bismarck, der Nichte und Schwiegertochter Bismarcks, ermöglichten ihm die Fortsetzung der Arbeit bis zu seinem Tode. – Sein Hauptvorzug waren sein ungeheurer Fleiß und Sammeleifer, weniger die schöpferische Kraft. Nur wenige, zumeist kleine Arbeiten stammen ganz aus seiner Feder, sein editorisches Werk hingegen besticht durch Umfang – allein zum Thema „Bismarck“ fast zwei Dutzend Titel in knapp 50 Bänden – und Akribie. Gewisse Eigenmächtigkeiten in der Textbehandlung und, mehr noch, die einst von Bismarck und seinen Erben ausgeübte Zensur, mahnen zur Vorsicht, doch sind seine Arbeiten jedem, der sich mit Bismarck befaßt, bis heute unentbehrlich.

  • Werke

    Weitere W u. a. Zehn J. Ostgot. Gesch. vom Tode Theoderichs d. Gr. b. z. Erhebung d. Vitigis 526-36, 1877;
    Ann. d. dt. Gesch. im MA, Von d. Gründung d. Fränk. Reiches b. z. Untergang d. Hohenstaufen, Abt. 2 u. 3, 1885-98 (mit G. Richter);
    Fürst Bismarck-Gedenkbuch, 1888, 31899;
    Dreißig J. preuß.-dt. Gesch. 1858-88 in amtl. Kundgebungen, 1888;
    Fürst Bismarck, Regg. zu e. wiss. Biogr. d. 1. Dt. Reichskanzlers, 2 Bde., 1891;
    Die pol. Roden d. Fürsten Bismarck 1847–97, Hist.-krit. Gesamtausg., 14 Bde., 1892-1905, Neudr. 1969 f.;
    Bismarck-Gedichte d. Kladderadatsch, 1894;
    Bismarck-Jb., 6 Bde., 1894-99;
    Bismarcks Briefe an d. Gen. Leopold v. Gerlach, 1896;
    Bismarckbriefe 1836–72, 81900;
    Bismarckreden 1847–95, 1898, 71915;
    Denkwürdige Tage a. d. Leben d. Fürsten Bismarck, 1898;
    Wegweiser durch Bismarcks Gedanken u. Erinnerungen, 1899;
    Register zu Fürst Bismarcks Gedanken u. Erinnerungen, 1900;
    Briefe d. Gen. Leopold v. Gerlach an Otto v. Bismarck, 1912;
    Bismarck-Kal. auf d. J. 1913, 1914, 1915, 1912-14;
    Fürst Bismarcks Briefe an s. Braut u. Gattin, hrsg. v. Fürsten Herbert Bismarck, Erll. u. Reg. v. K., 41914, 91930;
    Briefe Ottos v. Bismarck an Schwester u. Schwager Malwine v. Arnim, geb. v. Bismarck, u. Oskar v. Arnim-Kröchlendorff 1843–97, 1915;
    Mit Bismarck daheim u. im Felde, 1915.

  • Literatur

    LIZ, Nr. 3855, Bd. 148 v. 17.5.1917, S. 666 f. (P);
    HV 18, H. 3, 1917, S. 345;
    M. Hank, Kanzler ohne Amt, Fürst Bismarck n. s. Entlassung, 1977, S. 107 ff., 242 ff.;
    DBJ II (Tl.);
    Dt.GB 33. - Zu B Max:
    Max Kohl AG, Festschr., 1926.

  • Autor/in

    Manfred Hank
  • Empfohlene Zitierweise

    Hank, Manfred, "Kohl, Horst" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 421 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118991140.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA