Lebensdaten
1879 bis 1973
Geburtsort
Reval
Sterbeort
Tutzing/Starnberger See
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Erzähler ; Lyriker ; Essayist ; Übersetzer ; Jurist ; Kunsthistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118756249 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Taube von der Issen, Otto Adolf Alexander Freiherr von
  • Taube, Otto Freiherr von
  • Taube von der Issen, Otto Adolf Alexander Freiherr von
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Zitierweise

Taube, Otto Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118756249.html [18.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Otto (1833–1911, auf Jerwakant, S d. Otto (1800–73, auf Jerwakant, Rr.sekr., u. d. Sophia v. Patkul (1812–95;
    M Helene (1845–1929, Hoffräulein d. Gr.fürstin Helene Pawlowna, T d. Alexander Gf. v. Keyserling(k) (1815–91), auf Rayküll, Forsch.reisender, Geol., Zool., Kurator d. Univ. Dorpat, WGR, Kammerherr d. Gfn. Helene v. Rußland, estl. Rr.schaftshptm., enger Freund Bismarcks (s. Pogg. III–IV; Dt.balt. Biogr. Lex.), u. d. Zénaide Gfn. v. Cancrin (1821–85);
    2 Schw Marie (1882–1955, Thilo v. Trotha, 1873–1947, Kpt. z. See), Helene Charlotte (1883–1912;
    1918 Marie (1891–1961, T d. Ferdinand Frhr. v. Dörnberg (1833–1902, preuß. Gen.lt. (s. BJ VII, S. 67 u. Tl.; Priesdorff IX, S. 290 f., Nr. 2886), u. d. Marie v. Behr a. d. H. Schmoldow (1859–1911);
    1 S Otto (1919–45 ⚔), 1 T Maria (* 1922), Sekr. v. T. (s. W, L); Vt 2. Grades Hermann Gf. v. Keyserling (1880–1946, Philos. (s. NDB XI; W).

  • Leben

    Nach dem politisch motivierten Verkauf des Landsitzes Jerwakant bei Reval 1890 lebte T.s Familie zunächst in Reval, dann seit 1892 in Kassel. Hier besuchte T. das Gymnasium, bevor er 1895 auf das Gymnasium in Weimar wechselte. Anschließend an das Abitur 1898 studierte er ein Semester Naturwissenschaften in Genf und meldete sich als Einjährig-Freiwilliger zum Wehrdienst (Königsberg). Seit 1899 studierte er Rechtswissenschaft in Göttingen, Berlin und Leipzig und wurde 1902 in Leipzig mit einer erbrechtlichen Arbeit promoviert. Nach Referendariaten an mehreren Gerichten und in der Verwaltung (Hermsdorf/Schlesien, Naumburg/Saale, Lüneburg) studierte er 1906–10 Kunstgeschichte in Leipzig, Berlin, Jena und Halle. Zu seinen Lehrern zählten Adolph Goldschmidt und Heinrich Wölfflin. 1910 wurde T. in Halle bei Goldschmidt mit einer ikonographischen Dissertation zum Dr. phil. promoviert. Nach dem Studium arbeitete er im Goethe-Museum in Weimar, wo er die Bekanntschaft Elisabeth Förster-Nietzsches machte, und setzte seine früh begonnene Reisetätigkeit fort, die zu ersten Gedichtpublikationen führte. Seit 1912 lebte T. als freier Schriftsteller in München. Während des 1. Weltkriegs wurde er an der Ostfront eingesetzt, im Winter 1916 /17 beim Generalstab in Berlin. 1921 übersiedelte er nach Gauting.

    T.s Erstlingswerk, der form- und traditionsbewußte Gedichtband „Verse“ (1907), ist vom Ästhetizismus und der Lebensphilosophie der Jahrhundertwende beeinflußt. Seit 1903 bestanden Verbindungen zu Henry van|de Velde sowie Alfred und Helene v. Nostitz. Seit der Gründung des Inselverlags 1901 – für den T. bedeutende Autoren aus dem roman. und russ. Sprachraum ins Deutsche übersetzte – entwickelten sich Freundschaften mit Alfred Demel sowie Anton und Katharina Kippenberg. Auch mit Rudolf Alexander Schröder war T. lebenslang befreundet. Einfluß auf sein Werk hatten zudem Rudolf Kassner, Benno Geiger und v. a. die Schriften Hugo v. Hofmannsthals.

    Die starke Betonung eines aristokratisch verstandenen Individualismus verband T. mit antimodernen Tendenzen der Jahrhundertwende. Auf die Rationalisierungsprozesse der Moderne reagierte er mit einer Verklärung des Ständestaats. Mit Blick auf die 1920er Jahre läßt sich T. der „Konservativen Revolution“ zurechnen. Von der Entschiedenheit, mit der er eine Alternative zu zeitgenössischen gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen suchte, zeugen seine Romane „Der verborgene Herbst“ (1913) und „Die Löwenpranke“ (1921), in denen er vor dem Hintergrund der Kalokagathia, einem aus der altgriech. Adelsethik abgeleiteten Bildungsideal, den Adel seiner Zeit kritisierte, weil dieser keine gestalterische Funktion in der Gesellschaft übernehme. Kritik im Sinne eines epigonalen, aber selbstbewußten Antimodernismus entfalten auch die Romane „Das Opferfest“ (1926) und „Die Metzgerpost“ (1936, Nachdr. 1962). Während in ersterem germanophile Haltungen ohne „inneren Adel“ dargestellt werden, idealisiert „Die Metzgerpost“ die Ständegesellschaft des 17. Jh. am Beispiel des Handwerkerstands.

    T. unterstützte Hitler früh publizistisch (Mein Anschluß an d. Nat.sozialisten, in: Der Türmer 25, H. 3, Dez. 1922, S. 184 f.). Nachdem er sich – u. a. von Ludwig Wolde und Paul v. Thun beeinflußt – bis Mitte der 1930er Jahre der christl. Weltanschauung geöffnet hatte, arbeitete er während der NS-Zeit als Lektor der Ev. Landeskirche in Bayern und war seit 1936 Mitglied des Eckart-Kreises. T.s Publikationen dieser Zeit blieben nicht frei von Konzessionen an das politische System, wie die „Geschichte unseres Volkes“ (2 Bde., 1938/42) zeigt. Der christl. Tenor tritt besonders deutlich in der späten Lyrik hervor. Die Freundschaft mit Werner Bergengruen und anderen Vertretern der christl. orientierten Literatur nach 1945 vertiefte die humanistischen Fundamente seines Werks, auch wenn T. seine antirationalistische Haltung beibehielt. Das zeigen z. B. „Doktor Alltags phantastische Aufzeichnungen“ (1951), in denen mythische und mystische Elemente eines autonomen Literaturverständnisses gegen die engagierte Literatur der Nachkriegszeit gesetzt werden. Die Rezeption T.s war stark an die Kreise der „Inneren Emigration“ gebunden. Heute wird er, nicht zuletzt aufgrund der autobiographischen Schriften, v. a. im Kontext der dt.-balt. Literatur wahrgenommen.

  • Auszeichnungen

    A Dr. theol. h. c. (Erlangen 1949); Dichterpreis d. Stiftung z. Förderung d. Schr.tums in München (1952); Mitgl. d. westdt. PEN-Zentrums (seit 1952); Komturkreuz d. Rep. Italien (1958), Gr. BVK (1959); o. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Künste (1949); Bayer. Verdienstorden (1961); Tukan-Preis (1965); – O.-v.-T.Gymnasium Gauting (seit 1975).

  • Werke

    Gedichte u. Szenen, 1908;
    Neue Gedichte, 1911;
    Wanderlieder u. a. Gedichte, 1937;
    Der Fluch über Luhsen, 1939;
    Im alten Estland, 1944 (Autobiogr.);
    Das Buch d. Keyserlinge, 1944;
    Vom Ufer da wir angestoßen, 1946;
    Wanderjahre, 1950 (Autobiogr.);
    Ausgew. Werke, 1959;
    Minotaurus, 1959;
    Begegnungen u. Bilder, 1967;
    Stationen auf d. Wege, Erinnerungen an meine Werdezeit vor 1914, 1969 (Autobiogr.);
    Briefwechsel O. v. T. u. Carl Jacob Burckhardt, in: Ensemble 6, 1975, S. 98–123;
    K. E. Bohnenkamp u. W. Fromm, Hugo v. Hofmannsthal u. O. v. T., Briefe 1907–1929, in: Jb. d. Hofmannsthal-Ges. 14, 2006, S. 147–237 (P);
    Bibliogr.:
    O. Frhr. v. T., Sein Werk, Eine Bibliogr., zus.gest. v. Maria v. Taube u. R. Lemp, 1969;
    Nachlaß:
    Monacensia, Lit.archiv d. Stadt München.

  • Literatur

    H. v. Arnim, Christl. Gestalten neuerer dt. Dichtung, 1972, S. 90–116;
    O. v. T. z. 100. Geb.tag, hg. v. d. Stadtbibl. München, 1979;
    R. C. Mosbach, O. v. T. (1879–1973, Visionismus zw. Kunstautonomie u. Engagement, 1995;
    dies., Europa als Lebensform, Heimat u. Wanderschaft b. O. v. T., in: F.-L. Kroll (Hg.), Flucht u. Vertreibung in d. Lit. nach 1945, 1997, S. 89–102;
    dies., Die Ohnmacht d. Verzweiflung, „Innere Emigration“ am Beispiel O. v. T.s, in: F.-L. Kroll (Hg.), Die totalitäre Erfahrung, Dt. Lit. u. d. Dritte Reich, 2003, S. 55–74;
    M. Rosteck, „Diese leidige Zeit“, Stud. z. Werk d. baltendt. Dichters O. v. T., 1996;
    Maria v. Taube, Von Bayern u. Balten, 1998;
    G. Schmolze, „Vom Ufer, da wir abgestoßen“, O. v. T. zw. Ks.reich u. NS, in: F.-L. Kroll (Hg.), Dt. Autoren d. Ostens als Gegner u. Opfer d. NS, Btrr. z. Widerstandsproblematik, 2000, S. 385–401;
    F.-L. Kroll, Eine preuß.balt. Dichterbegegnung, Albrecht Schaeffers Briefe an O. v. T., in: F.-L. Kroll (Hg.), Ostpreußen, Facetten e. lit. Landschaft, 2001, S. 67–89;
    K. E. Bohnenkamp, Rudolf Kassner u. O. v. T., Eine Dok. aufgrund d. Briefe Kassners an T., in: Jb. d. Hofmannsthal-Ges. 14, 2006, S. 239–367;
    C. L. Gottzmann u. P. Hörner, Lex. d. dt.sprach. Lit. d. Baltikums u. St. Petersburgs, 2007, Bd. 3, Sp. 1271–80 (W, L);
    Mann für Mann;
    RGG4;
    Kulturlex. Drittes Reich;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex. 3 (W, L);
    Munzinger;
    zur Fam.:
    E. Wentscher, Ahnentafel d. Dichters O. Frhr. v. T., in: Archiv f. Sippenforsch. 6, 1929, S. 201–03;
    B. Taube, Släkten T., förut kallad Tuve, Familjebok, 1939;
    Geneal. Hdb. d. balt. Rr.schaften, II/1: Estland, 1930, S. 386.

  • Portraits

    A. Mechtel, Alte Schriftst. in d. Bundesrep., 1972, S. 108.

  • Autor/in

    Waldemar Fromm
  • Empfohlene Zitierweise

    Fromm, Waldemar, "Taube, Otto Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 799-801 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118756249.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA