Lebensdaten
1885 bis 1964
Geburtsort
Memmingen
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Maler ; Graphiker
Konfession
-
Normdaten
GND: 118803484 | OGND | VIAF: 113172444
Namensvarianten
  • Unold, Max

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Zitierweise

Unold, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118803484.html [14.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Leonhard (1859–1944), Schuhmacher, städt. Spitalverseher in Memmingen;
    M Susanna Hermanna Büchele ( 1943);
    München 1924 Margarete (Grete) Heinzel (1879–1958), aus Römerstadt (Rýmařov, Mähren), Tänzerin, Schw d. Hans Gillmann (1886–1959), 1919–49 Mitarb. d. Genossenschaft Dt. Bühnen-Angehöriger in Berlin (beide s. Dt. Bühnen-Jb. 68, 1960, S. 102).

  • Leben

    Nach der Gymnasialzeit am St. Anna-Kolleg in Augsburg (Abitur 1904 als Jahrgangsbester) studierte U. 1904–06 zunächst Klassische Philologie an der Univ. München; seit 1906 besuchte er die Private Zeichenschule Moritz Heymanns (1870–1937), um anschließend bis 1911 bei Hugo v. Habermann (1849–1929) an der Münchner Kunstakademie zu studieren. Ein früher Paris-Aufenthalt 1907 hinterließ keine größeren Spuren; nach einem zweiten Besuch in Frankreich 1911 wurde die Kunst Manets und Cézannes bedeutsam für sein Werk. Zugleich erzielte er mit Holzschnittillustrationen zu Rabelais’ „Gargantua“ erste Aufmerksamkeit; es folgten Illustrationen zu Voltaires „Candide“ (1912) und zu „Alten deutschen Schwänken“ (1914). Seit 1912 verarbeitete U. in seinem Werk Einflüsse van Goghs; er beteiligte sich an der Frühjahrsausstellung der Münchner Secession und gewann hier 1913 mit seiner lebensgroßen „Dame im blauen Kleid“ (Mus. Memmingen) eine Goldmedaille. Im selben Jahr Gründungsmitglied der „Neuen Münchener Secession“ (NMS), nahm er in der Folge regelmäßig an deren Ausstellungen teil und wurde über Jahrzehnte zu einer prägenden Figur der Münchner Kunstszene; 1913 unternahm er eine zweite Reise nach Südfrankreich. Seine Malerei war in dieser Zeit von einer Synthese aus Spätimpressionismus (Nabis und v. a. Cézanne) und Realismus geprägt, mitunter gab es direkte Anlehnungen an van Gogh, wie im „Französischen Café“ (1914). Mit „Mutter mit Kind“ (1911; 1945 verbrannt) erreichte er im biederen Sujet eine klassisch zu nennende Monumentalität, „Im Klubsessel“ (1911; München, Bayer. Staatsgem.slgg.) atmete eine selbstgewisse Ruhe – in diesen Bildern verschmolzen Moderne und kunstgeschichtliche Tradition.

    1914 wurde U. wegen eines Auftrags für Mosaikdekorationen in der Eingangshalle des Neuen Museums Wiesbaden vom Militäreinsatz zurückgestellt. Seit Juli 1916 nahm er am 1. Weltkrieg teil, zunächst in Frankreich und nach einem Lazarettaufenthalt im Okt. seit Ende 1916 an der Ostfront (Przemys ´l), wo er bis Kriegsende in einem Steinbruch für Grabsteine tätig war. Die eigene künstlerische Tätigkeit konnte U. erst 1917 wieder aufnehmen; seit Aug. 1918 war er in Schlesien eingesetzt und befehligte Steinbrucharbeiter. Auch bei U. bewirkte der Krieg einen Wandel der Bildsprache, die stark vereinfacht wurde. Kräftige Konturlinien schlossen Figurengruppen zusammen und setzten sie von einem immer flächiger gedeuteten Bildraum ab. In Zeichnung und Graphik wurden die Bildkompositionen durchgespielt und erprobt.

    Spätestens seit Anfang 1919 lebte U. wieder in München. Vereinzelt wandte er sich dem zeitgenössischen Thema der Großstadt zu, malte im künstlerischen Austausch mit Alexander Kanoldt (1881–1939) und Richard Seewald (1889–1976) Stilleben und zeigte die einfache Arbeitswelt der Fischer und Bauern. 1921 setzte seine Karriere mit einer ersten Einzelausstellung bei Thannhauser in München wieder ein, Wilhelm Hausenstein widmete ihm eine Monographie in der Reihe „Junge Kunst“. U. näherte sich der Zeitströmung der Neuen Sachlichkeit an, ohne aber den atmosphärisch-malerischen Duktus seiner Bilder völlig aufzugeben. In den frühen Weimarer Jahren reiste er u. a. nach Stettin und an die Ostsee sowie nach Sizilien. 1927 erhielt er den Professorentitel, er veröffentlichte Zeitungsartikel (1939 gesammelt publiziert) und realisierte mehrere dekorative – darunter auch religiöse – Aufträge, u. a. Fresken und Mosaiken für den Luxusdampfer „Europa“ (1929/30). Seit 1935 (?) war U. Präsident der „Neuen Münchener Secession“; vor deren Auflösung durch die Nationalsozialisten 1936 wurden seine Wohnung durchsucht und Unterlagen der NMS beschlagnahmt. Seine Werke blieben jedoch weitgehend unbeanstandet und fanden verschiedentlich sogar Anklang bei den neuen Machthabern. Dabei mußte sich U. nicht einmal den Umständen anpassen, sondern konnte den Mitte der 1920er Jahre eingeschlagenen Pfaden folgen. Er erhielt mehrere offizielle bzw. öffentliche, nur z. T. realisierte Aufträge, z. B. für Fresken in der Industrie- und Handelskammer in München, einen Wandteppich für das Mannheimer Rathaus oder den dt. Pavillon in Paris 1937; auch verfaßte er die Einleitung zu einer Kubin-Monographie (Abenteuer einer Zeichenfeder – Alfred Kubin, 1941/42). Das Atelier in München wurde 1944 durch Bomben zerstört, dabei gingen insbesondere frühe Werke verloren. Nach 1945 als Kunstfunktionär in Bayern tätig, kehrte U. 1951 nach München zurück und erhielt zahlreiche Ehrungen. Das Spätwerk war von Repliken eigener Arbeiten aus den frühen 1920er Jahren bestimmt, wobei keine de Chirico vergleichbare ästhetische Strategie der Kopie, sondern eine ‚Übersetzung‘ in ein halbabstraktes Nachkriegsidiom zu beobachten ist. Auch öffentliche Aufträge,|wie z. B. Altarbildentwürfe für die Frauenkirche in Memmingen oder ein Ehrenmal in Augsburg gingen wieder an U., der bis zu seinem Tod tätig blieb.

  • Auszeichnungen

    A Präs. d. Berufsverbandes bildender Künstler in München u. Oberbayern u. Präs. d. Landesberufsverbände bildender Künstler in d. Bundesrep. (1945–59); Gründungsmitgl. d. Münchener Neuen Gruppe (1946) u. Mitgl. d. Vorstands; Mitgl. d. Bayer. Senats (1947–57); Delegierter d. Exekutivausschusses d. Unesco (1950); Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Schönen Künste (1950); Gr. BVK (1955); Bayer. Verdienstorden (1959).

  • Werke

    Weitere W Kartoffelstilleben, 1910;
    Unterhaltung 1911 (beide Memmingen, Privatslg.);
    Der Hohlweg, 1913;
    Marsch in die Stellung, 1917;
    Singende Soldaten, 1917;
    Im Restaurant, 1919;
    Blumentöpfe 1921 (alle Mus. Memmingen);
    Knaben im Boot, 1922 (Grand Rapids Art Mus./Michigan);
    Straße im Frühling, 1922 (Verbleib unbek.);
    Die blaue Stube, 1925 (Mus. Memmingen);
    Nach d. Bad (violetter Schlafrock), 1926 (1945 verbrannt);
    Knaben am Meer, 1928/47;
    In Erwartung e. Ferngesprächs, um 1930 (beide Mus. Memmingen);
    Porträt Frau Dr. Oberzimmer, 1931 (Johannesburg, Privatslg.);
    Ruhestunde (Gattin d. Malers), 1931 u. 1930er Jahre (Mus. Memmingen);
    Pflüger im unteren Allgäu, 1932 (Stadt Kempten);
    Ochsenfuhrwerk im Schnee, 1937 (Rostock, Privatslg.);
    Masken, 1939;
    Heimkehrende Fischer, 1945;
    Fischer am Hafenkai, 1947;
    Straßengedränge, 1957 (alle Mus. Memmingen);
    Schrr.: Zwischen Atelier u. Kegelbahn, Besinnl. Betrachtungen, mit vielen Zeichnungen d. Vf., 1939;
    Über d. Malerei, 1948, 21953, mehrere Aufll., ital. u. serbokroat. Überss.;
    schriftl. Nachlaß (Mss., Korr., Skizzen): Bayer. Staatsbibl., München.

  • Literatur

    L W. Hausenstein, M. U., 1921;
    H. Seyboth, in: Die Zeitenwende 2, 1, 1926, S. 327 ff;
    U. Christoffel, in: Dt. Zs. 47, 1933/34, S. 639 ff.;
    B. Kroll, in: Kunst- u. Antiquitätenrdsch. 42, 1934, S. 97 ff.;
    M. U., Werke aus vier J.zehnten, Ausst.kat. Memmingen 1950;
    W. Petzet, Der Maler M. U., in: Die Kunst u. d. schöne Heim 49, 1951, S. 216 ff.;
    M. U., Ausst.kat. Memmingen 1967;
    M. U., Ausst.kat. Memmingen 1985;
    G. Ruck, M. U. (1885–1964) u. d. Münchner Malerei, 1992 (W- u. L-Verz.);
    Bayer. Senat (L, P); – Nachrufe:
    SZ v. 19. 5. 1964 u. FAZ v. 20. 5. 1964;
    ThB;
    Vollmer;
    Klimesch (P).

  • Portraits

    P Selbstporträt, 1917 (Stadtmus. München); Selbstporträt, 1924 (Mus. Memmingen); Selbstbildnis, 1932 (Verbleib unbek., ehemals Kronprinzenpalais Berlin); Doppelbildnis (mit Selbstbildnis), 1932 (Bayer. Staatsgem.slgg. München), Abb. in: Ruck (s. L), Tafeln 6, 81, 83 u. 84

  • Autor/in

    Olaf Peters
  • Empfohlene Zitierweise

    Peters, Olaf, "Unold, Max" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 644-646 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118803484.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA