Lebensdaten
1889 bis 1938
Geburtsort
München
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Maler ; Graphiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11876179X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schrimpf, Georg Franz Xaver
  • Schrimpf, Georg
  • Schrimpf, Georg Franz Xaver

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Schrimpf, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11876179X.html [20.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Xaver (1852/53-88, kath.), Geschäftsreisender, S d. Franz Xaver (1823–90), Säcklermeister in Plattling, später in Passau, u. d. Aloisia Obermaier (1819–86), aus Passau;
    M Dorothea Henriette Scharre (1860–1931, ev.), T e. Hoteliers in Halle/Saale;
    1) Berlin 1917 Maria (1892–1918), Malerin (s. L), T d. Conrad Uhden, ghzgl. Baurat in Gotha, 2) München 1921 Hedwig (* 1896), T d. Otto Marschall (1857–1935), aus Breitensee Grabfeldgau, RA in Fürth, 1892-1918 Bgm. bzw. seil 1907 OB v. Landshut, bayer. HR (s. Wi. 1922), u. d. Anna Reel;
    1 S aus 1), 1 S aus 2).

  • Leben

    S. absolvierte 1901-04 eine Lehre als Zuckerbäcker in Passau. Es folgten Jahre der Arbeitssuche mit ständigen Wohnortwechseln (Düsseldorf, Antwerpen, Wien), bis er sich 1910 in München niederließ. Hier verkehrte S. – schon zuvor kurzzeitig Mitglied der SPD – in linksgerichteten, anarchistischen Kreisen und wurde Mitglied von Erich Mühsams „Gruppe Tat“. Seit 1911 beschäftigte sich S. als Autodidakt mit dem Zeichnen und der Malerei. Zwei Jahre später reiste er mit seinem Freund Oskar Maria Graf (1894–1967) ins Tessin und besuchte den Monte Veritá. 1914 zum Militärdienst eingezogen, wurde er 1915 aus Krankheitsgründen wieder entlassen. 1916, ein Jahr nach der Entstehung des ersten, noch expressionistisch geprägten Gemäldes (Kameraden, Berlin, Staatl. Mus./Nat.gal.), konnte S. erstmals – in Herwarth Waldens Berliner Galerie „Der Sturm“ – ausstellen; im Berliner Verlag „Freie Straße“ erschien eine Graphikmappe mit acht Holzschnitten. 1917 heiratete S. die Malerin Maria Uhden, die er über Walden kennengelernt hatte (sie starb bereits im folgenden Jahr kurz nach d. Geburt d. Sohnes Markus).

    Die Revolution 1918/19 erlebte S. in München; er beteiligte sich an Demonstrationen, unterhielt weiter Kontakte zu sozialistischen Kreisen und trat kurzzeitig der KPD bei. Als Gründungsmitglied des „Aktionsausschusses revolutionärer Künstler in München“ wurde er mehrere Wochen inhaftiert. 1920 fand die erste Einzelausstellung bei Hans Goltz statt; 1921 trat S. der Neuen Sezession bei. Seit dieser Zeit entstanden zahlreiche Bilder, die die traumatisch erfahrene Mutter-Kind-Thematik aufgreifen. Die anfänglich naiv stilisierten Werke stellen zunehmend originelle Synthesen aus spätmittelalterlichen Bildtypen und neusachlichen Stilprinzipien dar, wobei S. sich mit der italien. Pittura metafisica auseinandersetzt, die in München – vermittelt über die Kunsthandlung Goltz – präsent war. Von der gegenseitigen Wertschätzung zeugt u. a. eine kleine, von Carlo Carrà 1924 veröffentlichte S.-Monographie.

    In den frühen 20er Jahren entwickelte S. eine ruhige, in der Figurensprache monumental angelegte Spielart der Neuen Sachlichkeit. Die Arbeiten zeichnen sich durch einfache Themen, klare Zeichnung und teilweise unterkühlte Farbigkeit aus. Mit seinen neuen Bildern nahm S. 1925 an der legendären, von Gustav F. Hartlaub organisierten Mannheimer Ausstellung zum Stil teil. Die Bildwelten S.s sind von da an zunehmend von einer elegisch-idyllischen, häufig melancholisch gebrochenen Stimmung geprägt, die sich in einem weicheren Kontur, einer wärmeren Farbigkeit sowie neuen Bildthemen äußert. Das Fensterbild und insbesondere die Rückenfigur zitieren die Malerei der Romantik (Friedrich, Kersting); S. wurde mit Kollegen wie Heinrich Campendonk, Alexander Kanoldt, Franz Lenk und Franz Radziwill um 1930 in die Riege einer sog. ,Neuen Deutschen Romantik‘ eingruppiert. Sie konnte nach der Machtübernahme durch die NSDAP teilweise reüssieren; S. erhielt 1933 eine Professur an der Staatl. Kunstschule in Berlin-Schönefeld, nachdem er bereits 1926-33 Lehrer an der Städt. Westenrieder Gewerbeschule in München gewesen war. Nach Jahren des Arrangements bzw. der Kooperation mit den neuen Machthabern, die in einem unvollendet gebliebenen Großauftrag zum Thema der dt. Landschaft durch Rudolf Heß kulminierte, wurde S. Opfer seiner revolutionären Vergangenheit: 33 Werke wurden als ,entartet‘ beschlagnahmt. S., Ende 1937 seines Lehramts enthoben, starb wenige Monate später an Herzversagen.

  • Werke

    Weitere W Ich u. d. Stadt, 1917 (Verbleib unbek.);
    Marias Traum/Das Wunder, 1917 (Privatslg.);
    Besuch beim Kinde, 1918 (Heidelberg, Kurpfälz. Mus.);
    Bildnis Oskar Maria Graf, 1918;
    Stillende Mutter, 1919 (beide Privatslg.);
    Mittagsrast, 1922 (Düsseldorf, Kunstmus.);
    Stilleben mit Katze, 1923 (München, Bayer. Staatsgem.slg.);
    Ausschauende, 1924;
    Drei Kinder, 1926 (beide Privatslg.);
    Mädchen auf d. Balkon, 1927 (Basel, Kunstmus.);
    Winterlandschaft, 1927;
    Zwei Mädchen in Landschaft, 1930 (beide Privatslg.);
    Häuser vor Pasing, 1933 (Hannover, Sprengel Mus.);
    Staffelsee, 1933 (Privatslg.);
    Mangfalltal, 1937 (Verbleib unbek.);
    Zwei Mädchen im Wald, 1937;
    Nebellandschaft, 1938 (beide Privatslg.).

  • Literatur

    O. M. Graf, in: Cicerone 13, 1921, S. 573-81;
    ders., G. S., 1923 (= Junge Kunst, Bd. 37);
    L. Zahn, in: Dt. Kunst u. Dekoration 26, 1922/23, Bd. 51, S. 87-90;
    F. Roh, G. S. u. d. neue Malerei, in: Das Kunstbl. 7, 1923, S. 264-68;
    ders., in: Die Horen 2, 1926, S. 255-60: G. Carrà, G. S., 1924;
    C. Hohoff, in: Die Kunst 39, 1938, S. 289-93;
    M. Pförtner (d. i. E. Müller-Kamp), G. S., 1940;
    R. Hartleb, G. S., 1984;
    W. Storch, G. S. u. Maria Uhden, 1985 (W-Verz., P);
    Lenbachhaus München (Hg.), G. S., 1992;
    G. S., Ausst.kat. Frankfurt/M. 1992;
    Süddt. Freiheit, Kunst d. Rev. in München 1919, Ausst.kat. München 1993;
    U. Gerster, Kontinuität u. Bruch, G. S. zw. Räterep. u. NS-Herrschaft, in: Zs. f. Kunstgesch. 63, 2000, H. 4, S. 532-57;
    E. Zimmermann, Das Mädchen mit d. Lämmlein – die hl. Agnes, Ein Hinterglasbild v. G. S., in: Jb. d. Ver. f. Christl. Kunst München 22, 2004, S. 133-41;
    Vollmer;
    Lex. d. Kunst VI;
    Dict. of Art;
    zu Maria Uhden:
    Das Kunstbl. 2., 1918, S. 326;
    O. M. Graf, M. U., 1921|„… unwahrscheinlich u. wahr wie e. Traum“, M. U. (1892–1918), Briefe, Zeugnisse u. Verz. d. nachgelassenen Werke, hg. v. K.-L. Hofmann u. Ch. Präger, 1994 (P);
    J. Hauschild, „… denn alles hat seine Seele“, Ein unbek. gebliebenes Bild v. M. U., in: Weltkunst 70, 2000, H. 13, S. 2205-07;
    DBJ II, Tl.;
    ThB.

  • Portraits

    Selbstbildnis, 1918/19 (Münster, Westfäl. Landesmus.);
    Selbstbildnis, 1925 (Verbleib unbek.);
    Selbstbildnis mit Sohn, 1932 (Berlin, Staatl. Mus./Nat.gal.), alle abgeb. in: W. Storch (s. L).

  • Autor/in

    Olaf Peters
  • Empfohlene Zitierweise

    Peters, Olaf, "Schrimpf, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 549-551 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11876179X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA