Lebensdaten
1853 bis 1907
Geburtsort
Freiburg im Breisgau
Sterbeort
Athen
Beruf/Funktion
Archäologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116878118 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Furtwängler, Johann Adolf Michael
  • Furthwängler, Adolf
  • Furtvängler, Adolfo
  • mehr

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Zitierweise

Furtwängler, Adolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd116878118.html [28.07.2017].

CC0

Furtwängler, Johann Adolf Michael

Archäologe, * 30.6.1853 Freiburg im Breisgau, 10.10.1907 Athen. (katholisch)

  • Genealogie

    V Wilhelm (1809–75), Theologe u. Archäologe, Gymnasialdir. in F., S d. Bartholomäus, Frachtfuhrmann u. Bauer in Gütenbach b. Furtwangen; M Christiane (1829–1901, ev.), T d. Rechnungsrats Joh. Mich. Schmidt aus Wertheim; Karlsruhe 1884 Adelheid (1862–1944, ev.), T d. Gymnasialrektors Gustaf Wendt in Karlsruhe (S d. Karl Heinr. W., 1803-59, preuß. Schulrat) u. d. Anna Dohrn (s. NDB IV*); 2 S, 2 T, u. a. Wilh. (s. 3), Märis Edith ( Max Scheler, 1928, Philosoph).

  • Leben

    F. studierte in Freiburg, Leipzig und München zuerst Philosophie, dann klassische Philologie und Archäologie. 1874 promovierte er in München bei Heinrich Brunn, der im Gegensatz zur damals herrschenden Richtung die Archäologie in erster Linie als Kunstgeschichte betrieb. Diese baute F. jedoch auf weit eingehenderer und umfassenderer Denkmälerkenntnis als sein Lehrer auf. Dazu verhalfen ihm Reisen als Stipendiat des Deutschen Archäologischen Instituts in Italien|und Griechenland (1876–78). Anschließend war er an der Ausgrabung von Olympia beteiligt. Seine Bearbeitung der dortigen Bronzefunde war richtungweisend für die Geschichte der archaischen Kunst, die gleichzeitig zusammen mit Georg Loeschcke durchgeführte Untersuchung der mykenischen Vasen eröffnete das Verständnis für die Kultur des 2. Jahrtausends vor Christus. 1879 habilitierte sich F. in Bonn, 1880 kam er an die Berliner Antikensammlungen, wo er Ordnung und Bearbeitung der Kleinkunst, Vasen, Gemmen, Bronzen und Terrakotten übernahm. Ankäufe für den Ausbau der Sammlungen im Handel und auf Auktionen verschafften ihm eine intime Kenntnis des Kunstmarktes und der Fälschungen, deren er eine Reihe entlarvte, ohne Scheu, selbst einmal getäuscht zu werden. Der Katalog der griechischen Vasen legte den Grund für die Vasengeschichte wie für die darauf aufgebaute Scheidung der Zeichner. Würdigung der Hauptstücke mit wirklich stilgetreuen Abbildungen in Zeichnungen von K. Reichhold gab später die „Griechische Vasenmalerei“ (1900 folgende). Der Katalog der Gemmen, eines wegen der vielen Fälschungen lange gemiedenen Gebiets, fand seine systematische Ergänzung in den „Antiken Gemmen“ (3 Bände, 1900), einem Werk, das, weit über das Spezialthema hinaus, auch schwierige Probleme der Geistes- und Religionsgeschichte angriff. Wesentlichen Anteil hat F. auch an dem Katalog der Berliner Skulpturensammlung. Noch in Berlin vollendete er die „Meisterwerke der griechischen Plastik“ (1893), für dieses Gebiet epochemachende Untersuchungen, in denen neben den Originalen die Kopien der Kaiserzeit als wichtigste Quelle unserer Kenntnis verwertet sind. Weitere Wirksamkeit in Berlin wurde F., seit 1884 außerordentlicher Professor, versagt. Dafür entschädigte reichlich die Berufung nach München 1894 als Nachfolger Brunns. Zu einer weit über die Fachkreise hinaus wirkenden Vorlesungstätigkeit, dem Ausbau des Abgußmuseums, der Verwaltung der Glyptothek kam eine ununterbrochene Reihe wissenschaftlicher Veröffentlichungen, vor allem in den Schriften der Bayerischen Akademie, deren ordentliches Mitglied F. seit 1895 war. Von der Glyptothek aus erwuchs ihm die Aufgabe, deren größten Schatz, die aeginetischen Bildwerke, neu zu untersuchen; das führte seit 1901 zu einer Nachgrabung an der Fundstätte, dem Aphaiatempel, und auf Grund dieser zu Neurekonstruktionen der Giebel. Weitere Grabungen an anderen Stätten Aeginas, in Orchomenos, Amyklai schlossen sich an.

    F. war unter den Begründern der neueren, kunsthistorisch orientierten Archäologie der bedeutendste, vorbildlich in Beherrschung des Materials, seiner Ordnung, seiner Auswertung und Deutung, darin auch von Gegnern, vom Ausland anerkannt, eine wahrhaft geniale Natur, darum auch fördernd, wo er irrte: das Recht der Hypothese durfte er in Anspruch nehmen. Sein Kerngebiet war die Kunst der Griechen, ihre Plastik, deren große Meister. Diese als Persönlichkeiten zu fassen, ihre Werke zusammenzuschauen, war er bestrebt, wobei die Erkenntnisse sich in logischen Beweisen, im Wort nur unvollkommen ausdrücken lassen. So legte er auch keinen Wert auf glänzende Formulierungen, auf Ausfeilung seines Vortrags, bei dem er doch den Hörer mitriß und überzeugte. Theorie lag ihm fern, wenn er auch zu kunsttheoretischen Arbeiten lebhaft Stellung nahm, vor allem, wenn deren Ergebnisse dem Tatsächlichen der antiken Kunst widersprachen. Auch die römische Kunstgeschichte verdankt ihm entscheidende Anregungen. Gediegene philologische Schulung ermöglichte ihm, auch in alter Geschichte, Mythologie und Religionswissenschaft neue Wege zu weisen. Anregungen anderer nahm er auf und führte sie weiter, auf persönliche und wissenschaftliche Gegnerschaft reagierte er temperamentvoll, übte aber auch an eigenen Ansichten scharfe Kritik. F. ging nicht darauf aus, eine streng nach ihm ausgerichtete Schule zu gründen, Menschen sehr verschiedener Art aus In- und Ausland wurden von ihm angezogen; Schüler war nicht nur, wer bei ihm promovierte, kein Archäologe seiner und der folgenden Generation, der nicht Wesentliches bei ihm gelernt hätte, auch wenn er es nicht wahrhaben wollte. Das wichtigste, was er erarbeitet hat, gehört auch heute zum festen Bestand seiner Wissenschaft.

  • Werke

    Weitere W Eros in d. Vasenmalerei, Diss. München 1874; Myken. Thongefäße, 1879 (mit G. Loeschcke); Myken. Vasen, 1886 (mit deins.); Slg. Sabouroff, 1883-87; Art. in: Roscher, Mythol. Lex., 1884 ff.; Beschreibung d. Vasenslg. Berlin, 1885; Olympia, Ergebnis d. Ausgrabungen IV, Die Bronzen, 1890; Intermezzi, 1896; Über Statuenkopien im Altertum, in: Abhh. d. Bayer. Ak. d. Wiss. München, 1896; Beschreibung d. Geschnittenen Steine, 1896; Slg. Somzée, 1897; Denkmäler griech. u. röm. Skulptur, Handausg., 1898 (mit H. L. Urlichs); Neuere Fälschungen v. Antiken, 1899; Beschreibung d. Glyptothek, 1900; Das Tropaion v. Adamklissi, 1903; Aegina, Das Heiligtum d. Aphaia, 1906; Die Sphinx v. Aegina, in: Münchner Jb. d. bildenden Kunst 1, 1906; Von e. geplanten griech. Kunstgesch. nur Einl., aus d. Nachlaß hrsg., in: Dt. Rdsch., 1908, S.231; Kleine Schrr., hrsg. v. J. Sieveking u. L. Curtius,|2 Bde., 1912 f. (nicht weiter geführt], darunter: Plinius u. s. Qu. üb. d. bildenden Künste, 1877/78, Die Bronzefunde v. Olympia, 1879, Der Satyr aus Pergamon, 1880, Der Goldfund v. Vettersfelde, 1883, Neue Denkmäler antiker Kunst I-III, 1897-1905.

  • Literatur

    H. Bulle, in: Beil. z. Allg. Ztg. v. 23./24.10.1907; S. Reinach, in: Chronique des Arts (Gaz. des Beaux-Arts, Suppl.), Paris 1907, S. 309; F. Hauser, in: Süddt. Mhh. 1908, S. 461; P. Wolters, ebd. 1910, S. 90 ff. (Gedächtnisrede in d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1909); J. Sieveking, in: Jber. f. Altertumswiss. 145, 1909, Nekr. S. 119 ff.; ders., in: BJ XII, S. 188-91; L. Curtius, in: Bad. Biogrr. VI, 1935, S. 672-85 (W, L); ders., in: Torso, zertreute u. nachgelassene Schrr., 1957, S. 213-24; W.-H. Schuchardt, A. F., Freiburger Rektoratsrede, 1956 (P); E. Buschor, in: Geist u. Gestalt, Biogr. Btrr. z. Gesch. d. Bayer. Ak. d. Wiss. I, 1959 (P edb. III).

  • Autor

    Georg Lippold
  • Empfohlene Zitierweise

    Lippold, Georg, "Furtwängler, Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 738-740 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116878118.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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