Lebensdaten
1831 bis 1900
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
typographischer Unternehmer ; Experte für Wertpapier- und Kunstdruck
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118694790 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Giesecke, Hermann
  • Giesecke, Hermann (Drucker)
  • Giesecke, Hermann F.
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Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

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Zitierweise

Giesecke, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118694790.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Chrstn. Frdr. (1785–1850), gründete 1819 mit Gottfr. Schelter (1775–1841, 1839 aus Fa. ausgeschieden) d. Schriftgießerei J. G. Schelter & G., stellte 1846 die 1. Gießmaschine in s. Betrieb auf;
    M Albertine Louise Laitenberger ( 1894), aus Buchdruckerfam. in Merseburg;
    B Bruno (1835–1905), Gen.konsul v. Paraguay, 1867-76 in d. väterl. Fa. tätig, seit 1879 Mitinhaber, leitete die Wertpapierabt., bes. verdient um d. Ausbildung d. innerbetriebl. Kontrollsystems ( Leontine Roßbach, E d. Verlegers Benedikt Gotthelf Teubner, 1856);
    1854 Minna Hempel ( 1909);
    S Raimund (1856–1931), 1879-88 in d. väterl. Fa. tätig, wiederum seit 1899, Mitinhaber d. Fa.;
    N Georg (s. 1), (K d. Bruno) Alfred (1868–1945), v. G. B. Teubner, Johannes (1871–1913), seit 1900 Teilhaber, leitete d. maschinentechn. Betrieb u. d. Abt. f. Reproduktion, Charlotte (⚭ Alphons Devrient, 1899 [N d. Alphonse Devrient, 1821–78, Mitgründer d. Fa.]), seit 1879 in Fa. tätig, seit 1899 Teilhaber; Nachkommen v. Charlotte noch heute in d. in München wiederaufgebauten Fa.).

  • Leben

    G. ging im väterlichen Unternehmen Schelter & Giesecke in Leipzig in die Lehre, arbeitete 1846-49 bei Bernhard Tauchnitz, dann in der Osterriethschen Buchhandlung in Frankfurt/Main und in Paris. 1852 gründete er in Leipzig zusammen mit Alphonse Devrient, den er bei Tauchnitz kennengelernt hatte, das Typographische Institut „Giesecke & Devrient“. Das graphische Gewerbe in Deutschland war technisch und künstlerisch anderen Ländern gegenüber unterlegen; darin sahen die beiden Chance und Aufgabe für ihr Unternehmen. Das Bestreben nach äußerster typographischer Qualität führte sie rasch vom Kunst- und Buchdruck zum Druck von Wertpapieren. Die Voraussetzungen dafür waren durch die Angliederung einer Abteilung für Lithographie und einer Abteilung für Kupfer- und Stahldruck gegeben. Die Veränderung des Währungssystems nach 1871 brachte der Firma viele Aufträge. Seit 1876 kamen die ersten Bestellungen für Banknoten aus dem Ausland, nämlich der Schweiz. Aufträge für Peru, Argentinien, Siam, Portugal, Paraguay, Uruguay und später für die Türkei folgten (bis 1945 über 30 Länder). 1889 wurde eine Niederlassung in Berlin errichtet, um eine direktere Verbindung mit Banken, Versicherungsgesellschaften und so weiter zu pflegen. Der Sicherheit für die Auftraggeber wurde durch ständige Verfeinerung der technischen Verfahren zum Schutz vor Fälschungen und der Kontrollsysteme innerhalb der Firma Rechnung getragen. Hergestellt wurden alle Arten geldwerter Drucke (Banknoten, Aktien, Versicherungspolicen, Schecks, Lotterielose und so weiter). – Seit 1854 war dem Unternehmen auch ein Verlag angegliedert. Angeregt durch die aus den Verlagsarbeiten entstandenen Freundschaften mit A. Furtwängler (Meisterwerke der griechischen Plastik, 1893) und Georg Ebers (Papyrus Ebers, 1872 f.), machte G. Reisen nach Ägypten, Griechenland und Palästina. – Aus der kartographischen Abteilung ist vor allem die topographische Karte von Sachsen (später auch zahlreiche Meßtischblätter) zu erwähnen. Die Kupferstiche nach den Hauptwerken der Gemäldegalerie Dresden (178 Stück) wurden bis zum Aufkommen der photographischen Vervielfältigungsmethode vor dem 1. Weltkrieg immer wieder gedruckt. Max Klinger und Otto Greiner ließen ihre Radierungen und Lithographien in G.s Firma arbeiten. Der Codex Bibliorum Sinaiticus gilt als künstlerisch besonders gelungen.

    1931 wurde die Firma in eine Familien-AG umgewandelt, 1945 enteignet (VEB Deutsche Wertpapierdruckerei). Das 1948 in München von Nachkommen wieder aufgebaute Unternehmen mit dem gleichen Namen ist heute in Deutschland das einzige private Spezialunternehmen in Familienbesitz, das sich ausschließlich mit der Herstellung geldwerter Drucke beschäftigt.

  • Literatur

    [Raimund Giesecke], 75 J. G. & D., 1928 (P);
    G. & D. 50 J. in Berlin, 1940 (P).

  • Autor/in

    Marianne Leber
  • Empfohlene Zitierweise

    Leber, Marianne, "Giesecke, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 382 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118694790.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA