Zweifel, Paul
- Lebensdaten
- 1848 – 1927
- Geburtsort
- Höngg bei Zürich
- Beruf/Funktion
- Mediziner ; Geburtshelfer ; Gynäkologe
- Konfession
- evangelisch
- Namensvarianten
-
- Zweifel, Paulus
- Zweifel, Paul
- Zweifel, Paulus
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Personen in der NDB Genealogie
- Alfred (1879 – um 1960)
- Appenzeller, Hans H.
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- Zweifel, Paul
- Zweifel, Paul Conrad
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Zweifel, Paul (Paulus)
| Mediziner, Geburtshelfer, Gynäkologe, * 30.6.1848 Höngg bei Zürich, † 13.8.1927 Leipzig. (evangelisch)
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Genealogie
Aus seit d. 17. Jh. in H. nachweisbarer →Fam.;
V →Heinrich (1810–89, ⚭ 2] Anna Frick, verw. Nötzli), prakt. Arzt in H., 1831 Divisionsarzt d. Artillerie, 1853 Adjunkt d. Bez.arztes, 1832 Mitgründer d. Bibl.-Ges. in H. (s. HBLS), S d. →Hans Jacob (1775–1859, ⚭ 1] Regula Appenzeller, 1771–1806), Gutsbes., Kirchenpfleger in H., u. d. →Anna Barbara Gujer (1776–1816);
M →Barbara (1815–68), T d. →Hans H. Appenzeller, Hptm., 1838 Erbauer d. Haus z. Limmatberg;
1 B (früh †), 3 Schw (1 früh †) u. a. →Barbara (* 1839, ⚭ →Johannes Wäckerling, aus Regensdorf, Arzt);
– ⚭ Erlangen 1878 →Theresia (1851–1924), T d. →Isaak Herrmann, aus Fürth, u. d. Sarah N. N.;
2 S Alfred (1879 – um 1960), Reg.rat in Leipzig, emigrierte n. 1933 n. England, →Erwin (1885–1949, ⚭ Elise Philippine Gabriele Meyer,* 1893), Dr. med. habil., Gynäkol. in Kairo, München, Jena, Würzburg u. Dublin, apl. Prof. in München, emigrierte n. 1933 über Jugoslawien in d. Schweiz, zuletzt in Brugg (Kt. Aargau) (s. Biogr. Enz. Med.);
Verwandte →Paul Conrad (1841–1895), dessen S →Paul (1872–1923) u. →Emil (1874–1938), gründeten 1898 e. Wein- u. Getränkehandel. -
Biographie
Nach dem Besuch des Humanistischen Gymnasiums und dem Abitur in Zürich studierte Z. an der dortigen Universität Medizin und nahm am dt.-franz. Krieg 1870/71 als freiwilliger Militärarzt teil. Als Assistent →Adolf Gusserows (1836–1906) in der Züricher Frauenklinik wurde er anschließend bei diesem 1872 mit der Arbeit „Über Ovariotomie“ zum Dr. med. promoviert. Als Gusserow der Berufung an die neugegründete Univ. Straßburg folgte, wurde Z. Assistent in Straßburg, wo er sich 1874 für Geburtshilfe habilitierte und sich im Physiologischen Institut von →Felix Hoppe-Seyler (1825–1895) intensiv mit dem Gasaustausch zwischen Mutter und Fötus beschäftigte. 1876 publizierte er seinen grundlegenden Aufsatz „Die Respiration des Fetus“ (Archiv f. Gynäkol. 9, 1876, S. 291–305), der ihn ab den 1880er Jahren zu einem der Väter der modernen perinatologischen Forschung machte.
Im selben Jahr wurde Z. als Nachfolger →Carl Schröders (1838–1887) zum Ordinarius für Geburtshilfe und Gynäkologie an die Univ. Erlangen berufen; hier gab er 1881 sein „Lehrbuch der geburtshülflichen Operationen“ (seit 1887 u. d. T. Lehrb. d. operativen Geb.hülfe) heraus. Von bleibender Bedeutung für das Fachgebiet war auch sein Beitrag „Die Krankheiten der äusseren Genitalien“ zum „Handbuch der Frauenkrankheiten“ (hg. v. Th. Billroth u. G. A. Lücke, 3. Bd., 1883) und die ab den 1890er Jahren sozialmedizinisch vieldiskutierte Schrift „Der Einfluss der ärztlichen Thätigkeit auf die Bevölkerungsbewegung“ (1887). 1887 trat Z. die Nachfolge →Carl Siegmund Franz Credés (1819–1892) auf dem Lehrstuhl für Geburtshilfe und Gynäkologie sowie als Direktor der Frauenklinik (Triersches Inst.) an der Univ. Leipzig an (Dekan d. Med. Fak. 1894/95, 1903/04 u. 1912/13, Rektor 1900/01, em. 1921). 1892 weihte er die von Credé geplante und vom Architekten →Arwed Rossbach (1844–1902) entworfene neue, hochmoderne Universitäts-Frauenklinik ein. Wie seine Vorgänger im Ordinariat, Credé und →Johann Christian Gottfried Jörg (1779–1856), entwickelte Z. die Leipziger Schule der Geburtshilfe und Gynäkologie weiter. Zu seinen Schülern gehörten u. a. →Albert Döderlein (1860–1941), →Heinrich Füth (1868–1951), →Bernhard Krönig (1863–1917), →Carl Menge (1864–1945) und →Wilhelm Zangemeister (1871–1930).
Z. arbeitete in mehr als 160 Beiträgen – seine Vorträge auf Kongressen und bei der Leipziger Gynäkologischen Gesellschaft wurden noch nicht untersucht–über Eklampsie, die Sauerstoffversorgung des Fetus, den Nachweis der Wirkung von Chloroform auf den Fetus, das Kindbettfieber, die Möglichkeiten und Grenzen der Beckenmessung sowie die Geburt bei engem Becken. Mit seinem Sohn →Erwin gab er das Lehrbuch „Grundriß der Gynäkologie“ (1927) heraus. Z. führte in den 1880er Jahren die von ihm systematisch untersuchte Symphysiotomie, einen heute nicht mehr gebräuchlichen operativen Eingriff, in Deutschland ein. Medizinhistorisch interessant ist der sog. Z.sche Handgriff bei atonischer Nachblutung, der heute noch gelegentlich als „Uterushalten“ mit dem „Uterusreiben“ als flankierender Teil der Notfalltherapie in den Kreissälen durchgeführt wird. Als erfolgreicher Myomoperateur erzielte er auch in der Bekämpfung des Uteruskarzinoms ungewöhnliche Therapieerfolge und wirkte an der Entwicklung der methodisch-technischen Grundlagen der operativen Gynäkologie systematisch mit. Z. entwickelte die Geburtszange weiter, die man in verschiedenen Positionen mit einer breiten Schraube fixiert (Gleit-Achsenschloß-Kombination) und mit Hilfe eines längeren Metallhakens zu einer Achsenzugszange erweitert werden konnte.
Dieses Zangenmodell kam wahrscheinlich seit Mitte der 1890er Jahre zum Einsatz. Z. war auch in der Aus- und Weiterbildung von Hebammen aktiv, wovon u. a. das mit →Chri|stian Leopold (1846–1911) herausgegebene „Lehrbuch für Hebammen“ (⁹1925) zeugt.
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Auszeichnungen
|Mitgl. d. Dt. Ges. f. Gynäkol. (Präs. u. Ehrenmitgl), d. Leopoldina (1892, Ehrenmitgl. 1925), d. Leipziger geb.hilfl. Ges. (Vors. u. Ehrenmitgl.) u. d. Mitteldt. Ges. f. Gynäkol. u. Geb.hilfe (Vors. u. Ehrenmitgl.);
Ehrenmitgl. d. Ges. f. Gynäkol. u. Geb.hilfe z. Berlin (1904);
Sächs. GR. -
Werke
Weitere W Über Ovariotomie, Nach Beobachtungen in d. Gynäkol. Klinik Zürich, 1872 (Diss.);
Lehrb. d. Geb.hilfe, 1887;
Vorll. über klin. Gynäkol., 1892;
Die Symphyseotomie, 1893;
Ätiol., Prophylaxis u. Therapie d. Rachitis, 1900;
Kurzer Rückblick über d. Entwicklung d. erklärenden Naturwiss. u. d. Medicin im XIX. Jh., Rede d. antretenden Rektors, 1900;
Die Frauenklinik (Triersches Inst.), in: Rektor u. Senat (Hg.), FS z. Feier d. 500j. Bestehens d. Univ. Leipzig, 1909;
Die Klinik d. bösartigen Geschwülste, 3 Bde., 1924–27 (mit E. Payr);
Ein neues Zangenmodell, in: Z.bl. f. Gynäkol. 50, 1926, S. 604 f. -
Literatur
|B. Schweitzer, in: Z.bl. f. Gynäkol. 51, 1927, S. 2585–93 (P);
A. Hommel, Die Univ.frauenklinik Leipzig (Triersches Inst.) v. d. Anfängen im J. 1810 bis 1945, ebd. 122, 2000, S. 507–13;
H. Sellheim, Rede am Sarge v. Prof. P. Z. am Dienstag, d. 16. Aug. 1927, in: Mschr. f. Geb.hilfe u. Gynäkol. 77, 1927, S. 153–56;
ders., Die wiss. Arb. P. Z.s, ebd. 78, 1928, S. 133–36;
H. Buess, Zum 100. Geb.tag d. Zürcher Geb.helfers P. Z. (1848–1927), in: Schweizer. med. Wschr. 78, 1948;
S. 700–02;
R. Frei u. G. Sibler, Die Fam. Z. v. Höngg, Mitt. d. Ortsgeschichtl. Komm. d. Verschönerungsver. Höngg 29, 1983 (P);
L. H. Bumm, Z., Kubli u. a., Beispiele d. akad. Verflechtung zw. d. Schweiz u. Dtld., in: Gynäkol.-Geb.hilfl. Rdsch. 41, 2001, S. 174–81;
G. Pretzsch, 200 J. Leipziger Univ.frauenklinik, in: Ärztebl. Sachsen 2011, H. 2, S. 71–76;
M. David u. A. D. Ebert, Geb.zange n. P. Z. (1848–1927), in: Geb.hilfe u. Frauenheilkde. 72, 2012 S. 586 f.;
BLÄ;
Erlanger Professoren II, HLS;
– Qu Archiv d. Leopoldina. -
Porträts
|Büste v. C. Seyffer, 1918 (Univ.-Frauenklinik Leipzig);
Abb. in: Zbl. f. Gynäkol. 51, 1927, S. 2585 u. R. Frei u. G. Sibler, Fam. Z. v. Höngg (s. L), S. 73. -
Autor/in
Andreas D. Ebert, Matthias David -
Zitierweise
Ebert, Andreas D.; David, Matthias, "Zweifel, Paul (Paulus)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 791-792 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143075.html#ndbcontent