Zürn

Lebensdaten
erwähnt 16. – 18. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Bildhauerfamilie in Oberschwaben, Bayern, Oberösterreich und Mähren
Konfession
katholisch
Namensvarianten

  • Zirn
  • Zihrn
  • Zürn
  • Zirn
  • Zihrn

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Zitierweise

Zürn, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143063.html [16.02.2026].

CC0

  • Zürn (auch Zirn, Zihrn)

    |Bildhauer in Oberschwaben, Bayern, Oberösterreich und Mähren. (katholisch)

  • Biographie

    Die Z. widmeten sich über vier Generationen, zwischen dem späten 16. und dem frühen 18. Jh. der Bildhauerei, überwiegend in Holz, seltener in Stein. Die 17 bekannten Mitglieder der Familie arbeiteten teils über längere Zeit in einer Werkstatt oder an einzelnen Aufträgen zusammen, teils jeweils allein. Berühmtheit erlangten sie zu Lebzeiten und erneut seit der „Wiederentdeckung“ des Barock im späten 19. Jh. durch verschiedene Werke, v. a. durch den herausragenden Hochaltar im Überlinger Münster (1613/16). Er ist mit dem Namen von Jörg (um 1583 – v. 1638, s. 2) verbunden, weshalb dieser als wichtigster Vertreter der Familie angesehen wurde und wird; doch ist eine exponierte Stellung innerhalb der Familie nicht wirklich erweisbar. Über keinen der Z. weiß man Näheres, nicht einmal die genauen Lebensdaten, allenfalls Daten von Heirat, Taufen, Einbürgerung und Meistergerechtigkeit des einen und anderen, von einzelnen Aufträgen oder auch Streitfällen mit Konkurrenten.

    Nachdem nur wenige Werke für einzelne Mitglieder durch Quellen oder Signaturen bezeugt sind, lassen sich die meisten mit der Familie in Verbindung gebrachten, ausschließlich sakralen Ausstattungsstücke allein durch Stilkritik bestimmten Personen zuschreiben.

    Relativ spät, von Hans Möhle (1903–1976) in den 1930er Jahren und eingehend 1969 von Claus Zoege v. Manteuffel (1926–2009), wurde auch der Komplex der Z.-Werkstätten untersucht; seither werden die Attributionen – zumindest für die beiden ersten Generationen – weitgehend anerkannt. Da die Familie in handwerklicher Tradition verankert war und diese nie aufgab, wäre eine generelle Beurteilung aus der Perspektive des genial-individuellen Künstlertums unangemessen, doch übertrafen Jörg, Martin (1585/95 – n. 1665,|s. 3) und Michael d. Ä. (v. 1598 – n. 1651, s. 4) sowie Michael d. J. (1654–98, s. 5) die anderen an künstlerischen Fähigkeiten weit. Mit der Wanderung der zweiten und dritten Generation von Schwaben nach Bayern, Oberösterreich und Mähren hatten die Z. auch teil an der für die Zeit typischen Künstlermigration.

    Hans d. Ä. (n. 1555 – n. 1631, s. 1) und seine sechs, alle von ihm ausgebildeten Söhne kamen von der Kunst des dt. Südwestens in der zweiten Hälfte des 16. Jh. her; nur geringe Wirkung hatte die Münchner und Augsburger Kunst für fürstliche Höfe mit ihren ital. Elementen. Bei Jörg erkennt man Spuren des Manierismus nur, soweit die niederl. Prägung des Hans Morinck (um 1555–1616) auf seine frühen Arbeiten wirkte. Vielmehr entwickelten die Z. aus Eigenem und Rezipiertem eine spezielle Variante des frühen Barockstils, die keineswegs der allgemeinen Stilhaltung entsprach, vom ital. bestimmten Barock aus betrachtet zwar rückständig erscheinen kann, doch innerhalb des süddt. Horizonts von eigenem Charakter und durchaus originell ist.

    Am stärksten bildete Jörg einen individuellen Stil aus, wozu die großen Überlinger Werke Anlaß boten. Die Brüder folgten Jörgs Manier kaum, sondern entwickelten auf der gemeinsamen stilistischen Grundlage eine jeweils in Grenzen eigene Art, wie etwa Martin mit den Heiligen vom Wasserburger Altar. In der dritten Generation waren die Söhne von David d. Ä. (1598–1666) ebenfalls alle Bildhauer; sie wurden in Wasserburg geboren und beim Vater ausgebildet: Franz d. Ä. (1630/31–1707) war Bürger und Meister in Olmütz sowie 1665–70 Zunftgeschworener, Abraham (1637 – n. 1677) ist ebenfalls in Olmütz und 1673 bis 1677 in Augsburg nachgewiesen, u. a. als Geselle bei Jakob Heim. Über die weiteren Söhne ist wenig bekannt, über Sebastian (1642–68) gar nichts; David d. J. (1646–94) arbeitete zuletzt in Rosenheim, Georg (* 1652) ist 1660 in Kempten genannt, Michael d. J. (1654–98, s. 5) nahm u. a. in Olmütz eine eigene Entwicklung. Außer von Franz, der mehrfach mit dem Bildhauer Franz Leblas im Streit lag und u. a. Figuren für die Wallfahrtskirche auf dem Hl. Berg bei Olmütz fertigte, kennt man nur von Michael eine größere Zahl an Werken.

    Von den Söhnen Franz’ d. Ä., die in vierter Generation alle in Olmütz geboren wurden, scheint man Franz d. J. (v. 1661 – n. 1714), Anton (* 1661) und Udalrich (* 1663) keine Arbeiten verläßlich zuschreiben zu können.

    David Johann (1665 – n. 1724), nach Wanderjahren u. a. in der Steiermark Geselle bei Bartholomäus Pluemberger (1645–1703) in Eibiswald, ab 1707 Meister in Olmütz, 1715 Zunftgeschworener, ist der letzte Bildhauer der Z. Er stellte Skulpturen für die Fassade der Olmützer Jesuitenkirche (um 1715) und eine Kapelle in Kokor sowie in teils schwungvoll-barocken, teils einfachen Formen Mariensäulen und steinerne Heiligenfiguren für Olmütz, Sternberg und mähr. Landgemeinden her.

    Besonders Michael d. J. und – in der vierten Generation – David Johann überwanden die stilistische Eigenart der Familie und nahmen Formen des Hochbarock auf. In ihren großen Aufträgen schlossen sie sich der allgemeinen, ital. bestimmten Entwicklung an und schufen bedeutende Beiträge zur Kunst in Oberösterreich und Mähren.

    An dem Familienverband der Z. lassen sich über mehrere Generationen die Bedingungen für Kunst, eine breite Wirkung mit mittleren und „Meisterwerken“ und zuletzt der Anschluß an den in Europa vorherrschenden Stil exemplarisch beobachten.

  • Autor/in

    , Christoph Bellot
  • Familienmitglieder

  • Zitierweise

    Bellot, Christoph, "Zürn (auch Zirn, Zihrn)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 772-775 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143063.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA