Zürn, Jörg
- Lebensdaten
- um 1583 oder 1584 – um 1635 oder 1638
- Geburtsort
- Waldsee
- Beruf/Funktion
- Bildhauer
- Konfession
- katholisch
- Namensvarianten
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- Zürn, Jörg
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Zürn, Jörg
| Bildhauer, * um 1583/84 Waldsee, † um 1635/38 Überlingen/Bodensee. (katholisch)
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Genealogie
V →Hans d. Ä. (s. 1);
M Barbara Näth (Späth?);
B →Martin (s. 3), →Michael d. Ä. (s. 4);
– ⚭ 1607 Ursula Reichart (⚭ 1] →Virgil Moll, um 1560/70–1606, Bildhauer in Salem, Hechingen u. Jungingen, s. ThB; AKL);
1 S →Johann Georg (* 1609), 3 T Barbara (* 1607), Barbara Catharina (* 1610), Maria Jacoba (* 1614);
N →Michael d. J. (s. 5). -
Biographie
Nach der Ausbildung bei →Virgil Moll in Überlingen und wohl auch bei →Hans Morinck (um 1555–1616) in Konstanz arbeitete Z. seit 1606 in Überlingen und war seit 1607 Bürger und Meister. Erste große Aufträge waren im dortigen Münster der Marienaltar der Familie →Betz (1607/10) und das steinerne Sakramentshaus (1611), an dem er selbst nur einzelne Figuren übernahm.
Der Hochaltar im Überlinger Münster (1613/16), ein Hauptwerk der dt. Plastik der Zeit, wurde Z. verakkordiert. Ihm schreibt man die wichtigsten Teile zu: die Szene des Schreins und die seitlichen Figuren sowie die Predella. Der viergeschossige, mit 23 großen und über 50 kleinen Figuren besetzte Altar folgt im Aufbau den Retabeln in der Schloßkirche Haigerloch (Virgil Moll, 1606/09) und in St. Ulrich und Afra in Augsburg (→Hans Degler, 1612/14). Er überbietet die Vorbilder mit durchbrochenen Säulen und der von Stichwerken angeregten Ornamentik, v. a. aber mit lebensgroßen vollrunden Figuren in einem nach hinten offenen Bühnenraum, wenngleich noch nicht szenisch-dramatische Verdichtung erreicht wurde. Durch kräftige Formen, expressive Gebärden, markante, teils bis ins Drastische getriebene Physiognomien suchte Z. gesteigerten Ausdruck; alles ist gespannt, betont artifiziell und demonstrativ.
Wohl auch um die brillante Schnitztechnik zu zeigen, also aus eher ästhetischen als Kostengründen, ist auf eine Farbfassung verzichtet.
Obwohl sich an dem Hochaltar sein Monogramm und auf der Visierung sein Name findet, muß Z. nicht unbedingt als Entwerfer und weitgehend alleiniger Bildhauer angesehen werden, er könnte auch lediglich als Unternehmer verantwortlich gewesen sein. Dem Bildhauer der Hauptteile am Altar, wenn es denn Z. war, und dessen Werkstatt kann man u. a. auch zuweisen: die Figuren des ehemaligen Hochaltars in Orsingen (1619/20), Fragmente anderer mittelgroßer Altäre, drei Kruzifixe und vier aufwendigere Epitaphien; doch erreicht nichts davon den Rang des Überlinger Hochaltars. Dieser bliebe Z.s wichtigstes Werk; zugleich ist es das bedeutendste der Familie, denn an ihm waren laut der Zuschreibungen der Vater →Hans d. Ä. (Kruzifix) und die Brüder →Martin und→ Michael (Marienkrönung u. hl. Rochus; hll. Sebastian u. Nikolaus), ferner für die übrigen Figuren zwei offenbar nicht zur Familie gehörende, anderswo ausgebildete Schnitzer beteiligt.
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Autor/in
, Christoph Bellot -
Zitierweise
Bellot, Christoph, "Zürn, Jörg" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 774 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143065.html#ndbcontent