Zuegg, Louis
- Lebensdaten
- 1876 – 1955
- Geburtsort
- Lana bei Meran
- Sterbeort
- Bordighera (Ligurien)
- Beruf/Funktion
- Erfinder ; Unternehmer
- Konfession
- -
- Namensvarianten
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- Zuegg, Luis
- Zuegg, Alois Karl Louis
- Zuegg, Alois Karl Luis
- Zuech, Luis( bis 1904)
- Zuegg, Louis
- Zuegg, Luis
- Zuegg, Alois Karl Louis
- Zuegg, Alois Karl Luis
- Zuech, Luis( bis 1904)
- zuech, luis
- Zuegg, Alois Carl Louis
- Zuegg, Alois Carl Luis
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Zuegg, Alois Karl L(o)uis (bis 1904 Zuech)
| Erfinder, Unternehmer, * 26.4.1876 Lana bei Meran, † 14.1.1955 Bordighera (Ligurien), ⚰ Untermais, Meran.
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Genealogie
V →Ernst August Zuech (1835–1889), Bauer, Obsthändler in L.;
M →Elisabeth Maria Wegleiter (1846–1879);
seit 1880 Stief-M →Maria Anna Wegleiter (1855–1920), 13 Geschw u. Halbgeschw u. a. B →Josef (1879–1963), Ing., Industr., Mitarb. v. Z., →Ernst (1874–1934), Bauer, Bgm. v. L., →Carl Heinrich (1883–1950), Bauer, Obsthändler, Marmeladenproduzent in L., →Vigil (1884–1961), Bauer, Obsthändler, Marmeladenproduzent in L.;
Verwandter →Karl (1914–2005), Geschäftsführer d. Fruchtsaft- u. Marmeladenproduzenten Z. in L. -
Biographie
Nach dem Besuch der Volksschule in Lana und der Matura 1898 am Benediktinergymnasium in Meran belegte Z. an der TH Graz, wo er Lehrveranstaltungen in Chemie, Physik, Mechanik, Konstruktion, Maschinenbau und Verkehrswesen besuchte und schließlich Elektrotechnik studierte, ohne einen Abschluß zu erlangen. 1899–1900 veröffentlichte er →Albert v. Ettingshausens (1850–1932) Vorlesungen über Elektrotechnik und finanzierte so sein Studium; 1901–03 war er dessen wissenschaftlicher Assistent. 1903 nach Lana zurückgekehrt, erbaute Z. in der Gaulschlucht die Unterstufe eines Elektrizitätswerks, 1906 mit dem späteren Bürgermeister, dem Rechtsanwalt →Jakob Köllensperger, Großhändler →Martin Lösch, Teisswirt →Franz Stauder und Bauunternehmer →Anton Gurschelbauer eine elektrische Straßenbahn von Lana nach Meran, 1907/08 eine neue Holzstoffpappenfabrik, wo das Abfallholz zu Braunpappe verarbeitet wurde, 1912 mit seinem Bruder →Josef die sog. Oberstufe des Elektrizitätswerks in der Gaulschlucht und 1913 die Lokalbahn von Lana über Burgstall nach Oberlana. 1917 mußte Z. die Holzverarbeitung kriegsbedingt einstellen und begann stattdessen mit seinem Bruder →Ernst, das Obst der Familie zu Marmelade zu verarbeiten. Damit legten sie den Grundstock für die heute noch im Besitz der Familie befindliche „Zuegg S. p. A.“.
Z. hatte seit 1904 Erfahrungen bei der Errichtung von Materialseilbahnen gesammelt, die er bei dem Bau der Vigiljochseilbahn nutzte: Bei der Fertigstellung dieser 1912 eröffneten Personenschwebebahn durch die Mailänder Baufirma „Ceretti & Tanfani“ sowie den Schweizer Bauingenieur →Emil Strub (1858–|1909) und den Wiener →Walter Conrad traten Mängel und schwerwiegende Sicherheitsfehler auf, die Z. durch technische Änderungen und Umbauarbeiten behob. Hierbei entwickelte Z. klare Berechnungsmethoden für die Auslegung von Seilbahnen. Während des 1. Weltkriegs wurden über 4.000 Militärseilbahnen in den Alpen und auf dem Balkan gebaut, um Material, Nahrung und verletzte Soldaten zu transportieren. Die Brüder →Luis und Josef Z., als Landsturmingenieur bzw. Standschützenhauptmann an der Südfront eingesetzt, bauten eine große Anzahl solcher Bahnen, v. a. am Helm in den Dolomiten, am Ortler und Stilfser Joch, im Adamello-Presanella-Gebiet, im Ledrotal und bei Arco und Riva am Gardasee. Zur Vermeidung der häufigen Seilrisse und Drahtbrüche erhöhte Z. die Seilgrundspannung. Die höheren Grenzwerte für Seilbahnspannungen führten zu weniger Abnutzung und großen Spannweiten, erstmals bei der Kriegsseilbahn Franzenshöhe zur Ferdinandshöhe am Stilfser Joch im Herbst 1915 mit bis zu 2 600 Metern. Z. erfand 1917 das Seiltelefon in Feldseilbahnen und 1918 die Tragseilbremse.
Nach dem Krieg betrieb Z. in Meran ein Büro für Seilbahnkonstruktionen und baute 1921 eine Seilbahn für Lastentransporte durch die Gaulschlucht sowie 1923 eine Musterseilbahn für Personentransporte von Meran/Obermais nach Hafling, in der er seine Neuentwicklungen (große Spannweiten, Tragseilbremse, Entgleisungsschutz, Dämpfungsstrebe) präsentierte. Nachdem Z. zwischen 1923 und 1926 mit der erfolgreichen Seilbahn- und Förderanlagenfirma „Adolf Bleichert & Co.“ aus Leipzig einen Lizenzvertrag abgeschlossen hatte, fanden Z.s Erfindungen international Anwendung. Weltweit wurden 1923–55 75% aller Seilbahnen nach dem System „Bleichert-Zuegg“ errichtet, z. B. die österr. und bayer. Zugspitzbahn, die Rax-Seilbahn, die Kreuzeckbahn, die norweg. Krossobahnen, die Seilbahn auf den Tafelberg in Kapstadt (Südafrika), die Seilbahn auf den Kasprowy Wierch in Zakopane (Polen) und die Luftseilbahn Schwägalp-Säntis (Kt. Appenzell).
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Auszeichnungen
|Goldenes Verdienstkreuz mit d. Krone am Bande d. Tapferkeitsmedaille (1916);
Dr. h. c. (TH Graz 1948);
Ehrenmitgl. d. Ver. d. Techniker d. Prov. Bozen, Südtirol (1951) u. d. Bürgerkapelle Untermais (1953);
Cavaliere al Merito del Lavoro (1952);
Sternkreuzorden d. Hl. Stuhls;
Gedenkfeier d. Tiroler Handelskammer in Innsbruck (1967 u. 1976);
Gedenktafel an d. TU Graz (1980);
Straßenbenennungen in Lana, Bozen, Meran, Innsbruck u. Absam;
Landesberufsschule f. Handel, Handwerk u. Ind. in Meran „Dipl.-Ing. Luis Zuegg“;
Briefmarken d. Österr. Post (2015 u. 2016). -
Werke
W Patente Telefonie-System v. Kabine z. Kabine, AT 86108 u. 86109, 1917 u. 1918;
Streckenanzeiger u. Schalten d. Fahrt, AT 81009, 1918;
Tragseilbremse, AT 93611, 1918;
Hilfsseil, AT 85106, 1918;
Entgleisungsschutzvorrichtung, AT 86697, 1918;
Dämpfungsstrebe, AT 99058, 1923. -
Literatur
|A. Innerhofer u. R. Staffler, Stählerne Stege, d. Seilbahnpionier L. Z., 1996 (P);
A. Innerhofer, Hinauf in luftige Höhen, 100 J. Seilbahn Lana Vigiljoch, 1912–2012, 2012;
ders., Einsteigen, bitte, 100 J. Lokalbahn Lana Burgstall Oberlana, 1913–2013, 2013. -
Porträts
|Bronzebüste v. M. M. Zischg, 2010 (Z. Park, Oberlana).
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Autor/in
Albert Innerhofer -
Zitierweise
Innerhofer, Albert, "Zuegg, Alois Karl L(o)uis (bis 1904 Zuech)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 771-772 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143062.html#ndbcontent