Zimmermann, Friedrich

Lebensdaten
1925 – 2012
Geburtsort
München
Beruf/Funktion
CSU-Politiker ; Bundesinnenminister ; Bundesverkerkehrsminister
Konfession
katholisch
Namensvarianten

  • Zimmermann, Friedrich

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Zitierweise

Zimmermann, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143042.html#indexcontent [24.07.2026].

CC0

  • Zimmermann, Friedrich

    | CSU-Politiker, Bundesinnen- und Verkehrsminister, * 18.7.1925 München, † 16.9.2012 Filzmoos (Salzburger Land). (katholisch)

  • Genealogie

    V Josef, Holzkaufm., Prokurist;
    M Luise Wenger;
    1) 1950 1967 Erika Mangge (1928–1984), 2) 1970 n. 1982 Christel Pratzat, 3) 1988 Birgit Kemmler (* um 1954), Arzthelferin;
    1 T aus 1) Andrea Rutscho, Dr. med., Anästhesistin in Weilheim, 1 T aus 2) Barbara.

  • Biographie

    Z. besuchte das Wittelsbacher-Gymnasium in München. 1943 trat er in die NSDAP ein und meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst (zuletzt Lt. d. Reserve). Nach dem Abitur 1946, dem Studium der Rechtswissenschaften und der Volkswirtschaftslehre in München, seiner Promotion zum Dr. iur. 1950 bei Heinrich Mitteis (1889–1952) und dem 2. jur. Staatsexamen 1951 wurde er Anwalts- und Gerichtsassessor und 1952 persönlicher Referent des bayer. Justizministers Josef Müller (1898–1979). Seine Laufbahn im bayer. Staatsdienst setzte sich beim Bund fort mit Z.s Anstellung als Staatsanwalt und 1954 als Regierungsrat beim Bevollmächtigten Bayerns.

    Beeindruckt durch die Persönlichkeit des Generalsekretärs Franz Josef Strauß (1915–1988) und des Parteivorsitzenden Müller trat Z. 1948 in die CSU ein, wo er rasch Karriere machte (1955 Hauptgeschäftsführer, 1956–63 Gen.sekretär, 1963–67 Landesschatzmeister). 1955–67 und 1976–89 gehörte er dem CSU-Parteivorstand an, 1979–89 war er stellv. Parteivorsitzender.

    Während Z.s Amtszeit als Generalsekretär wandelte sich die CSU, damals in Bayern in der Opposition, von einer Honoratiorenpartei in eine effektiv organisierte Massen- und Volkspartei. Gegen den Widerstand des konservativen Parteiflügels um Alois Hundhammer (1900–1974) modernisierte Z. den Parteiapparat, reorganisierte die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, stellte hauptamtliche Geschäftsführer in den bayer. Bundestagswahlkreisen an und trug mit dem Ausbau der Landesleitung zur Zentralisierung der Partei bei. Im Kampf um die politische Vorherrschaft in Bayern gelang es Z., die Bayernpartei (BP), deren Regierungsmitgliedern Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Spielbankkonzessionen vorgeworfen wurden, nachhaltig zu schwächen.

    Z.s eigene politische Karriere geriet in Gefahr, als er im Zuge der „Spielbankenaffäre“ 1960 in erster Instanz wegen fahrlässigen Falscheids zu einer viermonatigen Gefängnisstrafe verurteilt, 1961 jedoch aufgrund eines medizinischen Gutachtens (verminderte geistige Leistungsfähigkeit wegen Unterzuckerung z. Zeitpunkt d. Eides) in zweiter Instanz freigesprochen wurde. 1957–90 war Z. Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Landshut, ab 1972 stellv. CSU-Landesgruppenvorsitzender, 1976–82 Vorsitzender, zugleich Erster Stellv. Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Im Bundestag konzentrierte er sich anfangs auf ver|teidigungspolitische Fragen, 1965–72 als Vorsitzender des Verteidigungsausschusses. Im Nov. 1976 hatte er wesentlichen Anteil an der auf der Klausurtagung der Landesgruppe in Wildbad Kreuth beschlossenen Aufkündigung der Fraktionsgemeinschaft mit der CDU, wofür er sich bereits nach der Bundestagswahl 1972 ausgesprochen hatte; der Kreuther Beschluß wurde nach der Drohung der CDU, einen bayer. Landesverband zu gründen, zurückgenommen. 1979 überredete Z. im Zusammenspiel mit dem CSU-Generalsekretär Edmund Stoiber (* 1941) den Parteivorsitzenden und bayer. Ministerpräsidenten Strauß zur Übernahme der Kanzlerkandidatur für 1980 und verhalf ihm in der Bundestagsfraktion zur Mehrheit. Nach dem Bonner Regierungswechsel 1982 kühlte sich Z.s enges Verhältnis zu seinem Förderer Strauß ab, als er dessen Forderung nach sofortigen Neuwahlen aus Rücksicht auf den Koalitionspartner FDP nicht unterstützte.

    Im Okt. 1982 wurde Z. im Kabinett Helmut Kohls (1930–2017) Bundesinnenminister. Seine harte Linie auf dem Gebiet der inneren Sicherheit mit der Verschärfung der Sicherheitsgesetze und des Demonstrationsstrafrechts (Vermummungsverbot, Wiedereinf. d. Tatbestands Landfriedensbruch, Kronzeugenregelung) wurde vom Koalitionspartner FDP und in der Öffentlichkeit ebenso kritisiert wie seine Versuche, den Informationsaustausch zwischen Polizei und Nachrichtendiensten auszuweiten und den Gestaltungsspielraum des Bundesbeauftragten für den Datenschutz einzuschränken. 1983 erklärte das Bundesverfassungsgericht Teile des Volkszählungsgesetzes für verfassungswidrig; die Volkszählung wurde in modifizierter Form 1987 durchgeführt. Seine Forderung nach Novellierung des Ausländergesetzes (Senkung d. Zuzugsalters f. Fam.nachzug, Erleichterung d. Abschiebung) konnte Z. gegen die FDP nicht durchsetzen.

    Wegweisend waren Z.s umweltpolitische Maßnahmen: Gegen heftige Widerstände aus Wirtschaft und Politik erreichte er die Einführung des Katalysators und des bleifreien Benzins. Mit der Großfeuerungsanlagenverordnung 1983 und der Verschärfung der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft 1985 trug er zur Begrenzung der Schadstoffemissionen bei. Nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986 führte die Kritik an seinem Krisenmanagement zur Ausgliederung des Bereichs Umweltschutz aus dem Innenministerium und zur Gründung eines eigenen Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

    Im Zuge einer Kabinettsumbildung im April 1989 mußte Z. sein Ministerium an Wolfgang Schäuble (* 1942) abtreten und wechselte an die Spitze des Bundesverkehrsministeriums.

    Im Nov. 1989 stellten ihn die Delegierten seines Wahlkreises wegen seiner mangelnden Präsenz vor Ort nicht mehr für die kommende Bundestagswahl auf. Im Jan. 1991 legte Z. sein Regierungsamt nieder und beendete seine politische Karriere. Er wurde wieder als Anwalt aktiv und engagierte sich u. a. im Aufsichtsrat der „Lufthansa AG“.

  • Auszeichnungen

    |Gr. BVK (1975, mit Stern 1980 u. Schulterband 1985);
    Gr. Goldenes Ehrenzeichen am Bande f. Verdienste um d. Rep. Österr. (1984);
    Gr.kreuz d. Ordens v. Quetzal d. Rep. Guatemala (1988) u. d. Ordens „Ouissam Alaouite“ d. Kgr. Marokko (1988);
    Europ. Karlspreis d. Sudentendt. Landsmannschaft (1988).

  • Werke

    |Die elterl. Gewalt d. Frau unter bes. Berücksichtigung v. Art. 3 Abs. 2 d. Grundgesetzes, Diss. masch. 1951;
    Umweltpol. in Wort u. Tat, 1986;
    Reden z. Verkehrspol., 1990;
    Kab.stücke, Pol. mit Strauß u. Kohl 1976–1991, 1991.

  • Literatur

    |S. Krause-Burger, Wer uns jetzt regiert, Die Bonner Szene n. d. Wende, 1984, S. 59–71 (P);
    G. Bading, Gefragt: F. Z., 1986;
    Hanns-Seidel-Stiftung (Hg.), Gesch. e. Volkspartei, 50 J. CSU 1945–1995, 1995, S. 619–32 (P);
    E. Jesse, in: Kanzler u. Min. I, S. 770–75;
    M. Glos (Hg.), FS z. 80. Geb.tag v. F. Z., 2005;
    An d. Spitze d. CSU, Die Führungsgremien d. Christl.-Soz. Union 1946 bis 1955, hg. u. bearb. v. J. Balcar u. Th. Schlemmer, 2007, bes. S. 489–93;
    Wi. 2000/01;
    Internet: Konrad-Adenauer-Stiftung (P);
    Hanns-Seidel-Stiftung (P);
    Qu Hanns-Seidel-Stiftung, CSU-Archiv (Sitzungsprotokolle).

  • Porträts

    |Photogrr. (BA, Bilddatenbank).

  • Autor/in

    Volker Stalmann
  • Zitierweise

    Stalmann, Volker, "Zimmermann, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 709-710 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143042.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA