Zillig, Wolfram

Lebensdaten
1925 – 2005
Geburtsort
Trier
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Chemiker ; Biochemiker
Konfession
-
Namensvarianten

  • Zillig, Wolfram

Vernetzte Angebote

Verknüpfungen

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Zillig, Wolfram, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143037.html [27.03.2026].

CC0

  • Zillig, Wolfram

    | Chemiker, Biochemiker, * 31.5.1925 Trier, † 23.4.2005 München, ⚰ Gauting, Waldfriedhof.

  • Genealogie

    V Hermann (1893–1952, kath.), aus Würzburg, Dr. phil., Oberreg.rat, Dir. f. Weinbau an d. Biol. Reichsanstalt f. Land- u. Forstwirtsch. in T., seit 1926 in Bernkastel-Kues, Weinbauwiss. (s. Wi. 1935; Gerber, Persönlichkeiten Land- u. Forstwirtsch.; Trierer Biogr. Lex.), S d. Peter (1855–1929), aus Staffelstein, Lehrer in Kirchahorn, Amberg u. Würzburg, Päd., Mitarb. d. „Enzyklopäd. Hdb. d. Päd.“ (1894), Mitgl. d. Bayer. Landeslehrerrats (s. Maria Zillig, P. Z.s Lebenswerk, 1930; Staffelsteiner Lb., 2000) u. d. Karoline Renner ( 1929);
    M Gertrud (ev.), T d. Carl Niemand u. d. Charlotte Fischer;
    Ov Winfried (1905–63), Privatschüler v. A. Schönberg, Komp., Musikschriftst., Kapellmeister in Oldenburg, Düsseldorf, Essen, Po|sen, Dirigent d. Sinf.orch. d. Hess. Rundfunks, Leiter d. Hauptabt. Musik b. Norddt. Rundfunk (s. L);
    Tante-v Paula, Dr. phil., Gymn.lehrerin in Dinslaken/Niederrhein, Maria (1896–1983), Dr. phil., Volksschullehrerin, Kinder- u. Jugendpsychol., Doz. an d. Univ. Würzburg (s. Wi. 1935);
    2 B Gernot (* 1926), Eckart (1930–2011), Dipl.-Ing. in Stuttgart;
    Erika Hahn.

  • Biographie

    Nach dem Besuch der Volksschule in Bernkastel-Kues 1931–35 und anschließend der Oberschule in Bernkastel, Wittlich und Traben-Trabach (Notabitur 1943), dem Kriegsdienst und der Gefangenschaft studierte Z. seit 1946 Chemie an den Universitäten Bonn und Tübingen; hier wurde er 1952 bei Adolf Butenandt (1903–1995) am MPI für Biochemie zum Dr. rer. nat. promoviert. Um die Vorgänge in der Zelle chemisch zu verstehen, wechselte er in die von Butenandts Assistenten Gerhard Schramm (1910–1969) im Aufbau befindliche Abteilung für Virusforschung, wo er die Methode der Phenolextraktion der RNA des Tabakmosaikvirus entwickelte. Diese schonende Methode zur Reindarstellung der Nukleinsäuren wird bis heute verwendet.

    Nach einem Aufenthalt am McArdle Laboratory for Cancer Research in Madison (Wisconsin) 1955–56 kehrte Z. an das Tübinger Institut zurück, das im selben Jahr nach Martinsried b. München umzog, und baute eine eigene Forschungsgruppe für Arbeiten zur Translation (Proteinbiosynthese) auf. Er isolierte Komponenten des Proteinexpression und fügte sie im Reagenzglas (in vitro) wieder zu einem funktionstüchtigen System zusammen, womit er ein weltweit erstes DNA-abhängiges zellfreies Proteinsynthese-System erhielt. 1963 an der Univ. München mit „Untersuchungen zur Biosynthese der Proteine“ für Biochemie habilitiert, wurde er 1966 Wissenschaftliches Mitglied des MPI für Biochemie und 1972 zum Abteilungsdirektor ernannt (em. 1993). Zu seinen Schülern und Schülerinnen zählen Walter Doerfler (* 1933), Hans Kössel (1934–1995), Hans-Peter Klenk, Felicitas Pfeifer und Sonja-Verena Albers.

    Seit den 1950er Jahren galt Z.s Interesse der strukturellen und funktionellen Organisation der DNA-abhängigen RNA-Polymerase, die er in ihre Untereinheiten auftrennte und zum aktiven Enzym rekonstituierte. Ein Vergleich der Struktur der RNA-Polymerasen zwischen Bakterien und Eukaryonten zeigte große Unterschiede, während die Transkriptionsapparate der Archaea mit denen der Eukaryonten unerwartet große Homologien aufwiesen. Damit rückten die Archaea in den Mittelpunkt von Z.s Forschungsinteresse, denn es schien möglich, die Hypothese Carl Woeses experimentell zu beweisen, wonach die ersten Eukaryonten – also die ersten Lebewesen mit Zellkernen – das Produkt einer urzeitlichen Zellfusion waren. Auf der Suche nach den zu den Eukaryonten am nächsten verwandten Archaea, auch Extremophile genannt, unternahm Z. zahlreiche Exkursionen an exotische Plätze, bevorzugt zu heißen Quellen in der Nähe von Vulkanen. Aufgrund der enormen Fortschritte bei den molekularbiologischen Methoden, insbesondere die DNA-Sequenzierung, gilt heute die Woese-Z.-Hypothese als erwiesen. Z. steht wie kaum ein anderer für die Entwicklung der Organischen Chemie hin zur Molekularbiologie, von Liebigs Postulat, wonach jeder Naturstoff durch chemische Vollsynthese zu charakterisieren sei, hin zur Aufklärung der Biosynthese von Naturstoffen innerhalb lebender Zellen. Angesichts seiner vielen grundlegenden Erfolge wird Z. als „Vater der Molekularen Genetik“ (E.-M. Diehl) bezeichnet.

  • Auszeichnungen

    |Mitgl. d. Leopoldina (1987).

  • Werke

    Weitere W Über Begleitstoffe d. Puparisierungshormons d. Insekten, 1952 (Diss.);
    Investigations on the Biosynthesis of Proteins, 1–4 in: Hoppe-Seylers Zs. f. physiol. Chemie 314, 1959, S. 262–75 u. 318, 1960, S. 100–14 (mit D. Schachtschnabel u. W. Krone);
    Nucleic Acid-Dependent Incorporation of Leucine in Chromatographically Fractionated Extracts of Escherichia coli, in: Biochimica et Biophysica Acta 76, 1963, S. 633–35 (mit W. Dörfler, P. Palm u. E. Fuchs);
    Archaebacteria and Eukaryotes Possess DNA-Dependent RNA Polymerases of a Common Type, in: The EMBO Journ. 2, 1983, S. 1291–94 (mit J. Huet, R. Schnabel u. A. Sentenac);
    Eukaryotic Traits in Archaebacteria, Could the Eukaryotic Cytoplasm Have Arisen from Archaebacterial Origin?, in: Ann. of the New York Ac. of Sciences 503, 1987, S. 78–82;
    Archaebacterial Viruses, in: Advances Virus Research 34, 1988, S. 143–88 (mit W. D. Reiter u. P. Palm);
    The Phylogenetic Relations of DNA-Dependent RNA Polymerases of Archaebacteria, Eukaryotes, and Eubacteria, in: Canadian Journ. of Microbiology 35, 1989, S. 73–80 (mit H. P. Klenk u. a.);
    Archaebacterial DNA-Dependent RNA Polymerases Testify to the Evolution of the Eukaryotic Nuclear Genome, in: Proceedings of the Nat. Ac. of Sciences of the USA 86, 1989, S. 4569–73 (mit G. Pühler u. a.);
    Component H of the DNA-Dependent RNA Polymerases of Archaea is Homologous to a Subunit Shared by the three Eucaryal Nuclear RNA Polymerases, ebd. 89, 1992, S. 407–10 (mit H. P. Klenk, P. Palm u. F. Lottspeich);
    Transcription in Archaea, Similarity to that in Eucarya, ebd. 92, 1995, S. 5768–72 (mit D. Langer, J. Hain u. P. Thuriaux);
    Comparative Biochemistry of Archaea and Bacteria, in: Current Opinion Genetics and Development 1, 1991, S. 544–51;
    RNA Polymerases and Transcription in Archaebacteria, in: Biochemical Soc. Symposium 58, 1992, S. 79–88 (mit P. Palm u. a.).

  • Literatur

    |W. Baumeister, in: Jb. d. MPG 2005, S. 188 f. (P);
    C. Schlepper u. H. P. Klenk, in: Biospektrum, Sonderh. 2005, S. 248;
    F. Pfeifer u. H. P. Klenk, ebd., S. 249 (P);
    E.-M. Diehl, Pressemitt. d. MPI f. Biochemie Martinsried (online);
    Qu Archiv d. MPG, Berlin;
    – zu Winfried: Kürschner, Biogr. Theater-Hdb., 1956;
    Kulturlex. Drittes Reich;
    MGG²;
    New Grove;
    BMLO;
    P. Gradenwitz, W. Z., e. Wegbereiter, in: Arnold Schönberg u. seine Meisterschüler, 1998, S. 43–55;
    Ch. Lemmerich, W. Z., Komp. unter wechselnden Vorzeichen, 2012.

  • Porträts

    |Photogrr. (Archiv d. MPG, Berlin).

  • Autor/in

    Manfred Kröger
  • Zitierweise

    Kröger, Manfred, "Zillig, Wolfram" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 696-698 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143037.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA