Wolfgang
- Lebensdaten
- erwähnt 17./18. Jahrhundert
- Beruf/Funktion
- Handwerker- und Künstlerfamilie in Augsburg, Berlin und Gotha
- Konfession
- evangelisch
- Namensvarianten
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- Wolffgang
- Wolfgang
- Wolffgang
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Wolf(f)gang
|Handwerker- und Künstlerfamilie in Augsburg, Berlin und Gotha. (evangelisch)
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Biographie
Der aus Chemnitz stammende →Georg Andreas d. Ä. (1631–1716) erhielt zunächst eine Ausbildung als Goldschmied und lernte anschließend in Augsburg als Schüler von →Matthäus Küsel (1621–1682) das Handwerk der Kupferstecher. Er arbeitete im Stil der Küsel und war v. a. seit dem dritten Viertel des 17. Jh. als Kupferstecher an der Bebilderung religiöser Literatur beteiligt, die Augsburger für Landshuter und Münchener Verleger veröffentlichten. Er stach die Illustrationen für mehrere, von Benediktinern verfaßte Werke, z. B. von →Karl Stengel (1581–1663) und →Ägidius Ranbeck (1608–1692), führte aber auch 1690 die Stiche in der Publikation der Emblemata für den Einzug Ks.→ Leopolds in Augsburg 1690 aus oder 1694 die von →Johann Andreas Thelott (1655–1734) entworfenen Illustrationen von Bd. I in „Neu-eröffnete Ottomanische Pforte“. Auch an der Bebilderung der Augsburger „Friedensgemälde“, den ab 1650 jährlich erscheinenden Erinnerungsblättern an den Frieden von 1648, war er beteiligt (1675, 1676, 1677). Vor 1673 waren die später bekannten Kupferstecher →Christoph Weigel (1654–1725) und →Elias Christoph Heiß (1660–1731) seine Lehrlinge. Angeblich war Georg Andreas der erste, der in Augsburg Schabkunstblätter ausführte, die von den Zeitgenossen jedoch eher kritisch beurteilt wurden.
Seine beiden Söhne →Andreas Matthäus (1660–1736) und →Johann Georg (1664–1744) waren ebenfalls Kupferstecher. Nach erstem Unterricht bei ihrem Vater gingen sie zu weiterer Ausbildung 1684 nach Amsterdam. Bei der Rückfahrt von einer kurzen Reise nach England gerieten beide in Gefangenschaft, als alger. Piraten ihr Schiff überfielen und sie als Sklaven nach Algier verschleppten. Erst 1688 (1691?) kamen sie wieder frei, nachdem ihr Vater ein Lösegeld für sie bezahlt hatte. Andreas Matthäus war v. a. für den Augsburger Verleger →Jeremias Wolff (1663–1724) tätig und 1715 an der Ausführung der von →Cosmas Damian Asam (1686–1739) für die „Fortitudo Leonina“ (München 1715) entworfenen Stichen beteiligt. Johann Georg blieb in der Werkstatt des Vaters, bis er 1696 in Augsburg die aus einer ev. Pfarrersfamilie stammende →Maria Barbara Lomer ehelichte. Als sein wichtigstes Werk aus dieser Zeit gelten die für den Verleger →Johann Kaspar Bencard (1649–1720) ausgeführten Kupferstichtafeln in dem umfangreichen Emblemwerk „Symbolographia“ (Dillingen 1701) des →Jakob Bosch (Jacobus Boschius, 1634–1704).
In dieser Zeit erhielt Johann Georg den Auftrag, die Königskrönung Friedrichs I. von 1701 in einer Reihe von Stichen darzustellen. 1704 wurde er in Berlin gleichzeitig mit Elias Christoph Heiß zum Hofkupferstecher ernannt und damit beauftragt, an der neuerrichteten Akademie der Künste zu unterrichten, der er bis zu seinem Tod angehörte. Nach anfänglichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten erhielt Johann Georg seit 1705 eine jährliche Zuwendung von 200 Talern; 1706 wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. Bis zu seinem Tod blieb er im Dienst dreier preuß. Könige: →Friedrichs I. (1657–1713), →Friedrich Wilhelms I. (1688–1740) und →Friedrich II. d. Gr. (1712–86). Stark an franz. Vorbildern orientiert, arbeitete er v. a. als Porträtist, besonders der ev. Geistlichkeit in Augsburg, aber auch bekannter Autoren wie z. B. →Georg Wolfgang Wedel (1645–1721) oder →Eberhard Gockel (1636–1703). Später führte er etliche Porträts nach Entwürfen von →Antoine Pesne (1683–466
→1757) aus, z. B. von →Eosander Frhr. Göthe (1669–1728). Von seinen beiden Söhnen war →Johann Georg (1699 – n. 1761) als Kupferstecher in Berlin tätig, →Georg Andreas (1703–45) reiste nach seiner ersten Ausbildung als Maler nach Italien, Deutschland, Frankreich und Holland. Er arbeitete kurze Zeit in Augsburg, war zeitweise in England tätig und wurde schließlich Hofmaler in Gotha. Von ihm sind zahlreiche qualitätvolle Porträts, z. B. Kaiserin →Maria Theresia, 1727 (Berlin, Kunsthandel), →Georg Friedrich Händel, um 1737 (London, Royal Collection) und Porträtminiaturen, z. B. von →Francesco Maria Niccolò Gabburri, einem ital. Diplomaten, Sammler und Kunsthistoriker, 1727 (Paris, Fondation Custodia/Collection Frits Lugt) bekannt.
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Literatur
|ADB 44;
Reisen u. wunderbare Schicksale zweyer in d. Algierische Leibeigenschaft gerathenen Brüder Andreas Matthäus u. Johann Georg Wolffgang [ … ], von d. Sohne e. derselben, [Augsburg], 1767;
Ausst.kat. Augsburger Barock, 1968, S. 417;
S. Appuhn-Radtke, Augsburger Buchill. im 17. Jh., in: Augsburger Buchdruck u. Verlagswesen, hg. H. Gier u. J. Janota, 1997, S. 735–90, hier S. 773, 779 u. 782;
W. Augustyn, Augsburger Buchill. im 18. Jh., ebd., S. 791–861, bes. S. 802, 811 f., 840–42 u. 849;
G. Ernst, Die Stadt Berlin in d. Druckgrafik 1570–1870, Bd. 1, 2009, S. 846;
E. Ruhe, Porträt d. Künstlers als Sklave, Zwei Augsburger Kupferstecher als Gefangene in Algier (1684–1688), 2017;
ThB. -
Autor/in
Wolfgang Augustyn -
Zitierweise
Augustyn, Wolfgang, "Wolf(f)gang" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 466-467 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142958.html#ndbcontent