Lebensdaten
1669 bis 1728
Geburtsort
Stralsund
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Baumeister ; Offizier ; Diplomat
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11868499X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eosander Freiherr Göthe, Johann Friedrich Nilsson
  • Eosander, Johann Friedrich (bis 1713)
  • Eosander, Johann Friedrich Nilsson (bis 1713)
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Zitierweise

Eosander Freiherr Göthe, Johann Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11868499X.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Nils Israel E., schwedischer Generalquartiermeisterleutnant;
    M Gertrud Warneke ( 1683/86);
    Berlin 1713 Maria Charl. (1691–1753, zuletzt kath.), T des preußischen Geh. Amtskammerrats u. Baurechnungsrevisors Carl Gustav Merian ( 1707, B des Verlegers Matthäus v. Merian d. J. , 1687); 4 od. 5 K.

  • Leben

    E. verbrachte seine Kindheit in Stralsund, vielleicht auch in Holstein und Dänemark. 1683 wurde sein Vater nach Riga kommandiert und nahm seine Familie mit dorthin. Dort war E. 1685 in der Lehre. In den folgenden Jahren stand er als Festungskondukteur in schwedischem Dienst in Stettin, reiste 1697 für kurze Zeit nach Stockholm. 1699 wurde E., wohl auf Empfehlung des Grafen Niels Bielke, für den er 1695/96 ein Landhaus in Kabelwisch Kreis Randow (nicht erhalten) erbaut hatte, an den Berliner Hof berufen. Hier führte er zunächst die Dekorationen der Oper aus und begann Umbau und Erweiterung des Grumkauschen Hauses (späteren Schlosses) in Schönhausen bei Berlin. Im folgenden Jahr – 1700 – unternahm er eine Studienreise nach Paris. Nach seiner Rückkehr war er mit den Vorbereitungen für die Krönungsfeierlichkeiten in Königsberg (Schmuck der Schloßkirche) beschäftigt. 1702 wurde E. zum Baudirektor ernannt, im gleichen Jahr begannen die Erweiterungsarbeiten am Schloß Lützenburg (1705 in Charlottenburg umbenannt) bei Berlin, die bis 1713 unter seiner Leitung standen. Auf E.s Pläne gehen neben der Vergrößerung des Baues (Dreiflügelanlage, Erweiterung des Corps de Logis, westlicher Flügel mit Orangerie – der östliche Flügel infolge des Todes Friedrichs I. nicht mehr ausgeführt –, Kuppelturm, Vorhof) auch große Teile der Innenausstattung (zum Teil im Theatrum Europaeum in Stichen veröffentlicht), ein Gartenplan, außerdem ein Entwurfsplan für die Stadt Charlottenburg (1705) zurück. 1703/04 hielt E. sich in diplomatischem Auftrag in Stockholm auf und setzte sich dort wohl auch mit der schwedischen Hofkunst und den Werken Nikodemus Tessins des Jüngeren auseinander. Nach seiner Rückkehr scheint es in Berlin auch zu einer Begegnung mit J. B. Fischer von Erlach gekommen zu sein. Während der nächsten Jahre leitete er die Vergrößerung des Schlosses Oranienburg, erbaute das Schlößchen Favorite im dortigen Park (1706–09), baute für den Graf Wartenberg den Mittelteil des Schlosses Monbijou in Berlin (später Hohenzollernmuseum). Seit 1707 war E. in der Nachfolge Schlüters auch die Leitung des Berliner Schloßbaues übertragen; die westliche Verlängerung der Schlüterschen Flügel und der Westflügel mit dem Portal – über dem ein geplanter hoher Turm (100 m) nicht ausgeführt wurde – sind sein Werk. E. war auch hier an der Innenausstattung beteiligt (Silberbuffet im Rittersaal, 1703; Ausschmückung der Bildergalerie). Seit seiner Ernennung zum Oberbaudirektor führte E. die Aufsicht über alle zivilen und militärischen Bauten. An den Dekorationen für das Leichenbegängnis Friedrichs I. war er noch beteiligt, schied im Herbst 1713 dann aus allen Ämtern aus und trat als Generalquartiermeister, später Generalmajor in den Dienst Karls XII. von Schweden. Bei der Einnahme Stralsunds 1715 geriet er in preußische Kriegsgefangenschaft, kam 1716 nach Spandau, siedelte dann bald nach Frankfurt/Main über. Dort erschien nach seinem Tode sein Werk „Der geübte Soldat…“ (1744). 1722 trat E. als Generalleutnant in kursächsische Dienste. Er lebte die letzten Jahre in Dresden. Das 1724-26 für Graf Flemming erbaute Schlößchen Uebigau bei Dresden ist E.s letzter Bau. – E.s Stil ist einerseits an der Pariser Hofkunst orientiert – unter anderem führte er den französischen Flügelbau in Norddeutschland ein –, andererseits an den Stockholmer Bauten, besonders am Werk Nikodemus Tessins dem Jüngeren, durch dessen Vermittlung er wohl auch den Einfluß der römischen Barockkunst erfuhr. Dazu kam noch eine Auseinandersetzung mit den Projekten Fischer von Erlachs. E.s Bemühen, bei Umbauten durch Angleichung an das Werk seiner Vorgänger die Einheit des Baues zu wahren, ließ ihn doch nicht auf die Durchführung eigener Pläne verzichten. Seine Werke sind ein wesentlicher Teil der deutschen Kunst des 18. Jahrhunderts.

  • Literatur

    ADB IX (unter Göthe);
    v. Loen, Kleine Ges. Schrr., Frankfurt u. Leipzig 1749;
    M. Kühn, E. u. Tessin, Vortragsber., in: SB d. Kunstgesch. Ges. (Berlin) Febr. 1952 - Mai 1953, S. 24 f.;
    dies., Schloß Charlottenburg, 1955;
    R. Biederstedt, Mitt. z. Gesch. d. Fam. E., in: Personhistorisk Tidskrift, Stockholm 1958, H. 1, S. 32-38;
    ders., J. F. E., Grundzüge e. Biogr. (in Vorbereitung);
    Svenskt Biogr. Lex. XIV, Stockholm 1951;
    ThB (L).

  • Portraits

    Gem. v. A. Pesne, gestochen v. J. G. Wolfgang.

  • Autor/in

    Roswitha Beyer
  • Empfohlene Zitierweise

    Beyer, Roswitha, "Eosander Freiherr Göthe, Johann Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 545 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11868499X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Göthe: Johann Friedrich v. Eosandergen. G., geboren in Schweden, in Dresden 1729, taucht zuerst nachweislich 1692 am brandenburgischen Hofe auf, geht später auf kurfürstliche Kosten nach Italien und Frankreich und wird, zurückgekehrt, zu Anfang des J. 1699 zum Hauptmann und Hofarchitekten ernannt. Anfänglich drehte sich seine Thätigkeit zumeist um die Anordnung der Hoffestlichkeiten, es standen die Decorationen der Oper und 1701 der künstlerische Theil der Krönungsfestlichkeiten unter seiner Leitung, 1702 wurde er Generalquartiermeister-Lieutenant und Baudirector, 1705 Oberster. 1704 ging er mit Friedensvorschlägen zu Karl XII. in das Lager bei Warschau und als er dort nichts ausrichtete, zu gleichem Zweck nach Stockholm. In demselben Jahre noch begann der Bau des Schlößchens Schönhausen, 1705 die Erweiterungen von Charlottenburg (1696 von Schlüter errichtet), welche bis 1712 währten. Zu Ende des J. 1706 trat er an Schlüter's Stelle als Leiter des Berliner Schloßbaues, welchen Posten er bis 1713 behielt. Nebenher entstanden Bauten in Oranienburg, das Schlößchen Monbijou (ursprünglich für die Gräfin Wartenberg) u. A. 1712 war er von neuem in diplomatischer Sendung bei Karl XII. in Bender. In Folge der Beschränkung des Hofhaushaltes beim Regierungsantritte Friedrich Wilhelms I. ging er 1713 als Generalmajor in schwedische Dienste und fiel 1715 als solcher bei der Einnahme von Stralsund kriegsgefangen in preußische Hände. Nun siedelte er nach Frankfurt a. M. über, woher seine Gattin, die Erbin der Merian'schen Verlagshandlung, stammte. Hier erschien der erste Theil seiner „Kriegsschule oder der deutsche Soldat“, Fol. Als er aber allmälich durch eigene Schuld in Geldverlegenheiten gerieth, trat er 1723 als Generallieutenant in kursächsische Dienste, in denen er bis zu seinem Tode verblieb. In einem vielbewegten Leben gleichzeitig als Militär, Politiker,|Schriftsteller und Künstler thätig, vertritt G. in letzterer Beziehung in Berlin neben der mehr italienischen Sinnesweise Schlüter's die französisch-holländische Richtung. Wenn er auch keinen Vergleich mit seinem großen Genossen verträgt, so zeigen seine hinterlassenen Werke ihn doch als tüchtige Kraft, welche es versteht, anerkannte Vorbilder mit Geschick sich zu eigen zu machen, und als trefflichen Decorateur. Wenn auch sein Auftreten in der Münzthurmangelegenheit (s. Schlüter) nicht den Tadel verdient, mit welchem Nicolai ihn überhäuft, so bleiben Zeugnisse genug übrig, welche die Lauterkeit seines Charakters in Zweifel stellen. G. ist eine jener Abenteurernaturen, die, ohne sittlichen Ernst, mit Talent und praktischer Umsicht eine große Versatilität des Auftretens verbinden, wie sie das vorige Jahrhundert zahlreich emporkommen sah.

  • Autor/in

    Dohme.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dohme, Robert, "Eosander Freiherr Göthe, Johann Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 412-413 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11868499X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA