Witgar
- Lebensdaten
- gestorben 887
- Sterbeort
- Augsburg
- Beruf/Funktion
- Benediktiner ; Abt von Ottobeuren ; Kanzler Ludwigs des Deutschen ; Bischof von Augsburg ; Erzkaplan Karls III.
- Konfession
- katholisch
- Namensvarianten
-
- Witgarius
- Uuitgarius
- Witgar
- Witgarius
- Uuitgarius
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Witgar (Witgarius, Uuitgarius)
|Benediktiner, wohl Abt von Ottobeuren, Kanzler Ludwigs des Deutschen, Bischof von Augsburg, Erzkaplan Karls III., † 887 Augsburg, ⚰ Augsburg, Kirche Sankt Afra, heute Sankt Ulrich und Afra.
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Genealogie
Aus ost- oder mittelfränk. Adelsfam.
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Biographie
Erstmals belegt ist W. als oberster Kanzler →Ludwigs d. Dt. (um 806–76) in einer Urkunde vom 2.2.858. Gemäß seiner Grabinschrift könnte er Mönch, wohl Benediktiner, gewesen sein. Das Amt des kgl. Kanzlers hatte er bis mindestens Mai oder Juni, spätestens Sept. 860 inne. Während dieser Zeit sind insgesamt 16 Urkunden erhalten, die ihn in der Rekognitionszeile nennen. Von Kgn. →Hemma (um 808/12–76) erhielt W. einen wertvollen Gürtel geschenkt. Etwa ab 860 war er Abt einer nicht näher bezeichneten monastischen Gemeinschaft (erst im 13. Jh. identifizierte ihn die Chronistik Ottobeurens als einen Vorsteher ihres Klosters). Im Juni 860 nahm W. in Koblenz am Friedensschluß zwischen Ludwig d. Dt., →Lothar II. (um 835–69) und →Karl d. Kahlen (823–77) teil. Dort behandelte Lothar II. auch den Fall eines – wahrscheinlich mit dem Abt und Kanzler identischen–W., der einen unrechtmäßigen Tausch hinsichtlich verschiedener Güter bei Langres abgeschlossen hatte. W. hatte sich 859 in Gondreville gegen Beschuldigungen des Ebf. →Remigius von Lyon mit Hilfe →Karls von der Provence (um 845–63), Karls d. Kahlen und dem Verweis auf eine Bestätigung →Lothars I. (795–855) verteidigen können. In Koblenz konnte W. diese nicht vorweisen und verweigerte sich einer späteren Anhörung, so daß Remigius Recht gegeben wurde.
Über die näheren Umstände der Erhebung W.s zum Bischof von Augsburg ist nichts be|kannt – vermutlich wurde er schon 860 als Nachfolger →Lantos (reg. 833/40 – n. 852) eingesetzt. Diese Stellung hatte er frühestens 861, spätestens 863 inne, als er an einer Mainzer Synode unter Ebf. →Karl teilnahm. 867 oder 868 trat er als Zeuge für einen zwischen Ludwig d. Dt. und Karl d. Kahlen in Metz abgeschlossenen Vertrag auf und nahm im Mai 868 an der Synode von Worms teil. Für die folgenden Jahre gibt es über W. kaum Nachrichten. Lediglich die „Visio Caroli Magni“ erwähnt ihn als Gesandten Ludwigs d. Dt. in Rom.
Nach dem Tod Ludwigs d. Dt. 876 gehörte Augsburg zu dem anfänglich auf Alemannien konzentrierten Herrschaftsraum →Karls III. (839–88). In dessen ersten Jahren als eigenständiger Herrscher hatte W. das Amt des Erzkaplans inne und stand zudem an der Spitze der kgl. Kapelle und Kanzlei. Deren Leitung ging 878 an den im Kloster Reichenau ausgebildeten Kanzler →Liutward († 900/01) über, der W. spätestens 883 auch als Erzkaplan ablöste, nachdem ihm 880 das Bistum Vercelli übertragen worden war. Im Auftrag Karls schlichtete W. eventuell noch vor 879 einen Besitzstreit zwischen den Klöstern Ottobeuren und Kempten. Ferner erhielt er mit weiteren Erzbischöfen von Papst →Johannes VIII. im Aug. 878 das Mandat, die drei ostfränk. Könige →Ludwig III. († 882), Karl III. und →Karlmann († 880) zum Besuch der Synode in Troyes zu bewegen.
W. verfügte über eine hohe Bildung. Bf. →Hinkmar von Laon bat ihn um die Zusendung von Büchern – darunter des „Liber testimoniorum“ des Paterius. Wenig wahrscheinlich ist hingegen, daß auf W. die Augsburger Sendordnung zurückgeht und er Besitzer der Vorlage einer heute in Wien liegenden Handschrift (ÖNB, Cod. 691) mit Bibelkommentaren des Claudius von Turin war. Bf. →Salomo II. von Konstanz († 889) sandte wohl seinen Neffen →Waldo, später Bischof von Freising (reg. 883–906), zur weiteren Ausbildung zu W. Er wurde in der Pilgerkirche St. Afra in Augsburg, einem Vorgängerbau der heutigen Basilika St. Ulrich und Afra, beigesetzt. Das möglicherweise von W. selbst verfaßte Versepitaph, das ihn als Kanzler und Bischof benennt, wurde 1961/62 dort wiedergefunden.
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Quellen
Qu Die Regg. d. Bischöfe u. d. Domkap. v. Augsburg, Von d. Anfängen bis 1152, bearb. u. hg. v. F. Zoepfl u. W. Volkert, 1985, S. 37–44, n. 38–51; Die Konzilien d. karoling. Teilreiche 860–874, hg. v. W. Hartmann (MGH Conc. 4), 1998; Hinkmar v. Reims, Epistolae, Die Briefe Ebf. Hinkmar v. Reims, T. 2, hg. v. R. Schieffer n. Vorarbb. v. E. Perels u. N. Ertl (MGH Epp. 8,2), 2018.
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Literatur
|F. Zoepfl, Das Bm. Augsburg u. seine Bischöfe im MA, 1955;
J. Fleckenstein, Die Hofkapelle d. dt. Könige, 1. T.: Grundlegung, Die Karoling. Hofkapelle, 1959;
P. J. Geary, Der Münchner Cod. lat. 3851 u. llwangen im 10. Jh., in: DA 33, 1977, S. 167–70;
B. Bischoff, Die karoling. Inschrr.steine aus d. Krypta-Grabung 1961/1962, in: Die Ausgrabungen in St. Ulrich u. Afra in Augsburg 1961–1968, hg. v. J. Werner, 1977, S. 263–67;
W. Hartmann, Das Konzil v. Worms 868, 1977;
ders., Die Synoden d. Karolingerzeit im Frankenreich u. in Italien, 1989;
W. D. Lebek, Das Versepitaph d. Augsburger Bf. u. kgl. Kanzlers W. (gest. 887), in: Zs. d. Hist. Ver. f. Schwaben 75, 1981, S. 73–85 (Abb.);
B. Bigott, Ludwig d. Dt. u. d. Reichskirche im Ostfränk. Reich (826–876), 2002;
E. J. Goldberg, Struggle for Empire, Kingship and Conflict under Louis the German, 817–876, 2006;
ders., Regina nitens sanctissima Hemma, in: Representations of Power in Medieval Germany 800–1500, hg. v. B. Weiler u. S. MacLean, 2006, S. 57–95;
R. Deutinger, Kg.herrschaft im Ostfränk. Reich, Eine pragmat. Vfg.gesch. d. späten Karolingerzeit, 2006;
L. J. Dorfbauer, Der Genesiskommentar d. Claudius v. Turin, d. pseudoaugustin. Dialogus quaestionum u. das wisigotische Intexuimus, in: Revue d’histoire des textes 8, 2013, S. 269–306;
F.-A. Bornschlegel, Die Grabmäler d. Geistlichkeit im Augsburger Dom, Inschrr. zw. Demut, Konvention u. Extravaganz, in: Bischöfe u. ihre Kathedrale im ma. Augsburg, hg. v. Th. M. Krüger u. Th. Groll, 2019, S. 381–433;
Stadtlex. Augsburg. -
Autor/in
Johannes Kroh -
Zitierweise
Kroh, Johannes, "Witgar (Witgarius, Uuitgarius)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 306-307 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142911.html#ndbcontent