Withego

Lebensdaten
gestorben 1293
Beruf/Funktion
Bischof von Meißen
Konfession
katholisch
Namensvarianten

  • Withego von Furra
  • Withego von Fura
  • Withego von Meißen
  • Withego
  • Withego von Furra
  • Withego von Fura
  • Withego von Meißen

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Zitierweise

Withego, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142912.html [25.03.2026].

CC0

  • Withego von Furra (Fura)

    |Bischof von Meißen, † 6.3.1293, Dom zu Meißen.

  • Genealogie

    Aus thür. Ministerialgeschl., das sich n. Groß- oder Kleinfurra (Wuor) b. Sondershausen nannte;
    Stammsitz wohl d. Wasserburg in Großfurra;
    V Hermann (?) (erw. zw. 1198 u. 1253);
    M N. N.;
    B Walther v. Furra ( 1291).

  • Biographie

    W. war ab spätestens 1250 Kanoniker der Kollegiatstifte St. Marien in Erfurt (dort 1255 auch Kantor) und Heiligkreuz in Nordhausen, wo er 1254 als Propst erscheint. Vielleicht war er auch Kanoniker im Kollegiatstift St. Stephan zu Mainz (Güterschenkung für sein Seelenheil 1284).

    W. diente Mgf. Heinrich dem Erlauchten von Meißen (um 1215–88), der sich 1264 endgültig als Landgraf von Thüringen durchsetzte, höchstwahrscheinlich als Urkundenschreiber und war seit Anfang 1263 Leiter (Protonotar) der Kanzlei des Wettiners (zu unterscheiden von dem gleichnamigen W., der als Notar des thür. Lgf. Heinrich Raspe 1240–47 nachweisbar ist). Durch die Förderung Mgf. Heinrichs dürfte er auf den Bischofsstuhl von Meißen gelangt sein. Gleichwohl geriet W. 1275 in langwierige Streitigkeiten mit dem Markgrafen um die bischöfliche Münzhoheit sowie Gerichts- und Zehntrechte im Hochstiftsgebiet, weshalb er die Markgrafschaft Meißen|wiederholt mit dem Interdikt belegte; 1284 wurden die bischöflichen Rechte im Wurzener Land vertraglich festgeschrieben. Die Markgrafen von Brandenburg als Herren im Bautzener Land (Oberlausitz) hatten W. bereits um 1276 den Schutz des dortigen Hochstiftsbesitzes zugesichert. Dabei ging es W. insbesondere darum, gegenüber den weltlichen Landesherren die „libertas ecclesiae“ zu behaupten. Der Hochstiftsbesitz wurde von W. gesichert, aber kaum erweitert. 1274 erhielt er vier Dörfer vom Kloster Sittichenbach; Burg und Stadt Pirna, 1291 erworben, wurden schon 1294 an den böhm. Kg. Wenzel II. verkauft. Daß W. 1274 am Hoftag zu Regensburg teilnahm und 1287 sowie 1288 thür. und mitteldt. Landfriedensbündnissen beitrat, zeigt, daß er in dieser Zeit noch eigenständig als Reichsfürst agierte.

    Über das geistliche Wirken W.s ist nur wenig bekannt. Diözesansynoden sind 1285 und 1286 belegt. Mehrfach urkundete er in Pfarreiangelegenheiten (1267 Belgern, 1268 Börtewitz, 1275 Wurzen, 1276 Leisnig, 1284 Dresden), ebenso in solchen des Domkapitels (1278 z. B. über die termingerechte Verteilung der Domherrenbezüge) und der Archidiakonate (Nisan 1268). In W.s Amtszeit wurden 1268 die Klöster Seußlitz (Klarissen) und Neuzelle (Zisterzienser) gegründet, ferner das Augustinerchorherrenstift Zschillen 1278 in eine Deutschordenskommende umgewandelt. Streitigkeiten über die Diözesangrenzen mit den Bistümern Lebus und Brandenburg konnten 1274 im päpstlichen Auftrag geregelt werden. Mit den Nachbarbischöfen in der Kirchenprovinz Magdeburg verabredete W. 1286 ein gemeinsames Vorgehen bei der Exekution von Kirchenstrafen. Nur wenige Weiheakte sind belegt (Kloster Altzelle 1281, Meißner Dom 1284). In der Amtszeit W.s wurden im Dom die Heiligenfeste der Märtyrerin Margaretha (1268), des Apostels Andreas (1269) und des Franziskus von Assisi (1272) eingeführt. Zu den Höhepunkten seines Pontifikats gehörten sicher die Teilnahme am II. Konzil von Lyon 1274 und am Nationalkonzil in Würzburg 1287. Die in Lyon 1274 beschlossene Kreuzzugssteuer wurde in Meißen wie in der gesamten Kirchenprovinz Magdeburg vom Klerus nur schleppend und unvollständig erhoben, weshalb W. zeitweilig vom päpstlichen Kollektor exkommuniziert wurde.

    Auch über den bischöflichen Hof und die Herrschaftspraxis W.s ist wenig bekannt. Er verfügte über einen Notar, der durch eine Pfründe im Domkapitel finanziert wurde. Als Ausstellungsort bischöflicher Urkunden erscheint überwiegend Meißen. Der Einsatz W.s für die Fortsetzung des Domneubaus wird mehrfach deutlich, doch nahmen nicht nur er, sondern auch das Domkapitel Einfluß darauf, besonders der Kustos Konrad v. Boritz.

    Bald nach 1268 dürfte der Planwechsel erfolgt sein, das Langhaus als Hallenkirche zu errichten. Das Querhaus muß um 1290 vollendet gewesen sein. Im Chor wurden die um 1265 geschaffenen, überlebensgroßen Skulpturen Ks. Ottos I. und Adelheids, der Bistumsgründer, sowie der Bistumspatrone Johannes Evangelista und Donatus eingebaut (daß es sich bei Donatus um ein Kryptoporträt W.s handelt, ist eine unbeweisbare These). Um 1270 ließ W. die Gebeine Bf. Bennos ( 1106) in eine Tumba inmitten des Langhauses der Domkirche umbetten und gewährte 1285 den Besuchern des Grabes 40 Tage Ablaß, womit er die lokale Verehrung seines Amtsvorgängers förderte. In Lyon 1274 erreichte er, daß 14 Bischöfe zugunsten des Meißner Doms Ablässe gewährten, in Würzburg 1287 sogar 28 Bischöfe. 1290 kam eine Sammelindulgenz von 12 Kurienbischöfen hinzu.–W. fand seine letzte Ruhestätte zwischen den westlichen Vierungspfeilern im Übergang von Querhaus und Mittelschiff (die Grabplatte, die kein Bildnis des Bischofs zeigt, ist die älteste in der Domkirche erhaltene). Für sein Seelenheil hatte er bereits 1274 zwei Vikarien im Marienstift zu Erfurt gestiftet und 1284 dem Kollegiatstift St. Stephan in Mainz Grundbesitz geschenkt. Im Meißner Dom wurde sein Jahrtag am 21. März (1545) bzw. am 11. März (1553) begangen.

  • Quellen

    Qu Urk.buch d. Hochstifts Meißen, hg. v. E. G. Gersdorf, Bd. 1, 1864; Urkk. d. Markgrafen v. Meißen u. Landgrafen v. Thür., Bd. 5: 1248–1264, bearb. v. T. Graber u. M. Kälble, 2017.

  • Literatur

    |E. Machatschek, Gesch. d. Bischöfe d. Hochstiftes Meissen in chronol. Reihenfolge, 1884, S. 200–21;
    W. Schlesinger, Meißner Dom u. Naumburger Westchor, Ihre Bildwerke in geschichtl. Betrachtung, 1952;
    ders., KGesch. Sachsens im MA, Bd. 2, ²1983, S. 97–105;
    F. P. Sonntag, Das Kollegiatstift St. Marien zu Erfurt v. 1117–1400, 1962, S. 218;
    W. Rittenbach u. S. Seifert, Gesch. d. Bischöfe v. Meißen 968–1581, 1965, S. 170–94;
    H. Magirius, Das Baldachingrab d. Bf. Benno u. seine Bedeutung f. d. Bau- u. Kunstgesch. d. Meißner Doms, in: Denkmalpflege in Sachsen 1894–1994, T. 2, 1998, S. 241–58;
    M. Donath, Die Baugesch. d. Domes zu Meißen 1250–1400, 2000, S. 301–04 u. ö.;
    C. Volkmar, Die Heiligenerhebung Bennos v. Meißen (1523/24), Spätma. Frömmigkeit, landesherrl. Kirchenpol. u. reformator. Kritik im albertin. Sachsen in d. frühen Ref.zeit, 2002;
    S. Finke, Der Hof d. Bischöfe v. Meißen v. 12. bis 14. Jh., in: Monumenta Misnensia 6, 2003/04, S. 53–61;
    Die Grabmonumente im Dom zu Meißen, hg. v. M. Donath, 2004, S. 217 f.;
    A. Wand, Das Reichsstift „Zum Heiligen Kreuz“ in|Nordhausen u. seine Bedeutung f. d. Reichsstadt 961–1810, 2006, S. 424;
    M. Wejwoda, Kirche u. Landesherrschaft, Das Hochstift Meißen u. d. Wettiner im 13. Jh., 2007;
    ders., Der Bf. unterwegs in Diözese u. Hochstift, Aufenthaltsorte u. Urk.ausst. d. Bischöfe v. Meißen bis 1293, in: Monumenta Misnensia 8, 2007/08, S. 18–32;
    ders., Exkommunikation, Ein unterschätztes Mittel geistl. Pol. u. Herrschaftspraxis? Zur pol. Wirksamkeit d. Sanktionspraxis d. Bischöfe v. Meißen im 12. u. 13. Jh., in: ZSRGK 93, 2007, S. 182–219;
    Urkk. d. Markgrafen v. Meißen u. Landgrafen v. Thür., Bd. 5 (s. o.), S. XXXVIII f.;
    Ein Schatz nicht v. Gold, Benno v. Meißen, Sachsens erster Hl., Albrechtsburg Meissen, Ausst.kat. hg. v. C. Kunde u. A. Thieme, 2017;
    Gatz IV.

  • Porträts

    P W. in Pontifikalgewändern, in d. Händen Stab u. Buch, auf e. Faldistorium sitzend, spitzovales Bf.siegel an mehreren Urkk. (Sächs. HStA Dresden).

  • Autor/in

    Enno Bünz
  • Zitierweise

    Bünz, Enno, "Withego von Furra (Fura)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 307-309 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142912.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA