Wilmanns, Gustav
- Lebensdaten
- 1881 – 1965
- Geburtsort
- Bremen
- Beruf/Funktion
- Chemiker ; Erfinder
- Konfession
- -
- Namensvarianten
-
- Wilmanns, Gustav Friedrich
- Wilmanns, Gustav
- Wilmanns, Gustav Friedrich
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Wilmanns, Gustav Friedrich
| Chemiker, Erfinder, * 8.10.1881 Bremen, † 14.11.1965 Schönberg (Taunus).
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Genealogie
Aus brem. Kaufm.- u. Gel.fam., d. 1582 in Bielefeld nachweisbar ist;
V →Franz Rudolph Florenz August (1843–1931), aus Jüterbog, Großkaufm. in B., 1869 Teilh. d. Fa. Julius Hildebrand u. Co. in Durango (Mexiko), Mitgründer d. Fa. „Constancia“ ebd., Teilh. e. Fa. in Honolulu, Mitgründer u. Gesellschafter d. Fa. Buchenau &
Co. in Torreón (Mexiko), S d. →Franz Wilman(n)s (1799–1885), aus Halle, preuß. Baurat, u. d. Josephine Anna Marie Ei(c)kenbusch (1812–1882);
M Elise Bernhardine Ottilie (1848–1938), T d. →Anton Heinrich Delius (1807–1896), Textiluntern. in Mexiko, Gutsbes. auf d. Caldenhof b. Versmold, u. d. Eleonore Henriette Sophie Auguste Spiekerkötter;
Ur-Gvv →Peter Gustav (1757–1829), preuß. Accise-Insp. in Halle, später Postdir. u. Bgm. ebd.;
Gr-Ov →Karl Wilhelm (1790–1860), Landger.dir. in Halle, 1835 Ger.dir. in Hattingen, 1835–58 in Dortmund, 1854 preuß. GJR;
Ov →Hilmar (1847–1912), Kaufm. in Durango, Rentier in Freiburg (Br.);
4 B (1 früh †) →Karl (1873–1945, ⚭ Elisabeth Johanna Maria Adolpha Meyer, 1885–1969), Dr. med., Prof. f. Irrenheilkde. in Heidelberg, 1833 Arzt in B. (s. Drüll, Heidelberger Gelehrtenlex. I), →Rudolf Otto (1884–1918), Kaufm. in Mexiko, →Hans Rudolf (* 1889), Studienrat in B., 8 Schw (2 früh †) →Maria Josephine Auguste (* 1875), Lehrerin in B., Maria Helene Emilie (1877–1931, ⚭ 1] Karl [Carlos] Windisch, 1874–1906, 2] 1914 →Otto Wiedemann, Dr. med., prakt. Arzt in B.), →Margarethe Henriette (* 1878), Geigerin in B., Anna Elisabeth (* 1882, ⚭ →Karl Jordan, Dr. iur., Syndikus d. Handelskammer zu Villingen), Henriette Anna (* 1886, ⚭ →Christian Heinrich Metzger,* 1878, aus Urach, Dr. med., Arzt in Großsachsenheim, Württ.), Ottilie Hedwig (1887–1975, ⚭ Siegfried Seliger, Dr. med., Arzt);
– ⚭ Bonn 1906 Marie Charlotte (* 1883), aus Königsberg (Pr.), T d. →Paul Krüger (1840–1926), Dr. iur., o. Prof. d. Rechte 1872 in Innsbruck, 1874 in Königsberg (Pr.) (1883/84 Rektor) u. 1888 in Bonn, Hg. d. Institutionen Justinians u. d. Codex Iustinianus, 1890 GJR, 1910 Dr. phil. h. c. (Königsberg) (s. R. Domingo, Juristas universales, 2004; Portal Rhein. Gesch.; Hess. Biogr.), u. d. Selma Agnes Helene Marquardt;
1 S Paul Rudolf Wolfgang (* 1915), 2 T Lore Lotte (* 1907), Irmgard Helene (* 1909);
Vt →Ernst (1882–1960), Dr. phil., Oberstudiendir. in Barmen (s. Dt. Gesch.didaktiker d. 19. u. 20. Jh., hg. v. S. Quandt, 1978, S. 304–26; Rhein. Lb. XI, 1988, S. 317–41). -
Biographie
Nach dem Abitur 1899 in Bremen begann W. eine Ausbildung als preuß. Bergbaubeflissener auf der Grube „Eiserne Haardt“ in Siegen, die er aufgrund gesundheitlicher Probleme im Jan. 1900 vorzeitig beenden mußte. W. studierte seit April 1900 an den Universitäten in Bonn, u. a. bei →Richard Anschütz (1852–1937), und in Heidelberg, u. a. bei →Theodor Curtius (1857–1928) sowie an der TH Hannover Chemie (Verbandsexamen 1902). 1904 wurde er an der Univ. Heidelberg bei Curtius, →Georg Hermann Quinke (1834–1924) und →Arthur Rosenheim (1865–1942) zum Dr. phil. rer. nat. promoviert. →Franz Oppenheim (1852–1929), Geschäftsführer der Berliner „Agfa“, verlangte vor W.s Einstellung eine einjährige Assistenzzeit bei →Otto Wallach (1847–1931) an der Univ. Göttingen, die W. bereits Ostern 1905 abbrach, um als Farbchemiker in die „Agfa“ einzutreten, wo er u. a. auf dem Gebiet der Azofarben arbeitete. Auf eine einjährige Einarbeitungszeit in der Agfa-Plattenfabrik in Berlin folgte 1910 eine Beschäftigung als photographischer Chemiker in der neu erbauten großen Filmfabrik der „Agfa“ in Wolfen, wo er die Emulsionsfabrik, Begießerei, Prüfung und Freigabe der Fabrikation leitete. 1914 erhielt er die Handlungsvollmacht und 1918 Prokura, ehe er im Jan. 1923 zum Direktor aufstieg, der die gesamte Fabrikationsabteilung Photo verantwortete.
Nach Umstrukturierungen–Wolfen war zur größten europ. Filmfabrik aufgestiegen–übernahm W. 1929 die Leitung der Technisch-Wissenschaftlichen Laboratorien. Mit seinem Team aus hochqualifizierten Chemikern|forschte er u. a. auf dem Emulsionsgebiet zu Reifkörper, Stabilisatoren, Sensibilisatoren und zu hochempfindlichen Emulsionen im Kochverfahren. 1935 entwickelte er mit →Wilhelm Schneider (1900–1980) und →Alfred Fröhlich (1903–1981) den ersten diffusionsfesten Mehrschichtenfarbfilm, der 1936 als „Agfacolor Neu“ auf den Markt kam. In den folgenden Jahren wurde dieses Verfahren über das Negativ-Positiv-Verfahren bis zur Entwicklung farbiger Bilder weiter ausgebaut und komplettiert. Drei übereinander gelagerte, lichtempfindliche Schichten aus gelben, roten und blauen Pigmenten, die je nach Farbgebung des Motivs unterschiedlich belichtet werden, ermöglichten preiswerte Farbfilme für eine breite Masse an Hobbyphotographen und erste Kinofarbfilme sowie die Aussicht auf farbige Papierbilder.
Neben dem Radio wurde der „Agfacolor Neu“, als der „dt. Farbfilm“ zum bedeutendsten Propagandamittel im 3. Reich; auf farbige „Wochenschau“ -Aufnahmen folgten u. a. mit „Frauen sind doch bessere Diplomaten“ (1941), „Münchhausen“ (1943) und dem Durchhaltefilm „Kolberg“ (1945) insgesamt neun große Spielfilme. Die Wolfener Agfa Filmfabrik wurde neben dem US-amerik. Unternehmen Kodak zum Marktführer für den universell einsetzbaren Farbfilm; 1941, in dem Jahr mit der größten Film- und Photoproduktion, stellte das Werk 12, 2 Mio. m² Schwarz/Weißund Color-Filme her. Als Leiter und Organisator der Technisch-Wissenschaftlichen Laboratorien war W. an mehreren hundert Patentanmeldungen seiner Mitarbeiter beteiligt; allein das Verfahren zum „Agfacolor Neu“ wurde mit 278 Patenten abgesichert. Aufgrund anhaltender gesundheitlicher Probleme ging W. 1941 vorzeitig in Pension und verbrachte seinen Lebensabend in Schönberg (Taunus).
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Auszeichnungen
|Goldene Medaille b. d. Weltausst. Paris (1937) u. v. d. Photogr. Ges. Wien (1941);
Oskar-Messter-Gedenkmünze (1942);
Ehrenmitgl. (1958) u. Kulturpreis (1961, mit J. Eggert, H. Pabel u. A. Sander) d. Dt. Ges. f. Photogr. -
Werke
|Agfacolor, Neu, in: Veröff. d. Wiss. Zentral-Laboratoriums d. Photogr. Abt.-Agfa 5, 1937, S. 29–36 (mit W. Schneider);
Über chromogene Farbenphotogr., in: Photogr. Korr. 78, 1942, H. 1–6. -
Literatur
|R. Sperling u. H. Berger, Dr. G. W. 80 J., 25 J. Agfacolor, in: Photogr. Korr. 97, 1961, H. 8, S. 122–25 (P);
Nachruf, in: Photo, Technik u. Wirtsch., 1966, H. 1, S. 35;
G. Koshofer, Farbfotogr., 2. Bd., 1981, S. 30–54 (P);
M. Heitling (Hg.), Zeitprofile, 30 J. Kulturpreis Dt. Ges. f. Photogr. 1959–1988, Kat. d. Mus. Ludwig Köln, 1988 (P);
R. Karlsch u. P. W. Wagner, Die Agfa-ORWO-Story, Gesch. d. Filmfabr. Wolfen u. ihrer Nachf., 2010 (P);
E. Finger, In Farbe, Die Agfa-ORWO Farbfotogr., 2012 (P);
Arb.geberverband Nordostchemie e. V. (Hg.), Chemiker v. A-Z, e. biogr.-lexikal. Übersicht über d. Chemie u. ihre bedeutendsten Vertr. in Ostdtld., 2003, S. 71 (P);
–Qu Archiv d. Ind.- u. Filmmus. Wolfen (P). -
Porträts
|Ölgem. v. E. Rhein, 1941 (verschollen);
Bronzerelief, 1942 (Ufa, Babelsberg, verschollen). -
Autor/in
Manfred Gill -
Zitierweise
Gill, Manfred, "Wilmanns, Gustav Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 204-205 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142881.html#ndbcontent