Wilmowsky, Tilo von
- Lebensdaten
- 1878 – 1966
- Geburtsort
- Hannover
- Sterbeort
- Essen
- Beruf/Funktion
- Verwaltungsjurist ; Verbandsfunktionär ; Industrieller ; Landrat ; Jurist ; Unternehmer
- Konfession
- keine Angabe
- Normdaten
- GND: 118919946 | OGND | VIAF: 37715218
- Namensvarianten
-
- Wilmowsky, Adolf Karl Tilo Freiherr von
- Wilmowsky, Tilo von
- Wilmowsky, Adolf Karl Tilo Freiherr von
- Wilmowsky, Thilo von
- Wilmowsky, Thilo Karl Adolf von
- Wilmowsky, Tilo Karl Adolf, Freiherr von
- Wilmowski, Thilo, Freiherr von
- Wilmowsky, Adolf Carl Tilo Freiherr von
- Wilmowsky, Thilo Carl Adolf von
- Wilmowsky, Tilo Carl Adolf, Freiherr von
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Wilmowsky, Adolf Karl Tilo Freiherr von
| Verwaltungsjurist, Verbandsfunktionär, * 3.3.1878 Hannover, † 28.1.1966 Essen, ⚰ Essen-Bredeney. (evangelisch)
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Genealogie
Aus Skotschau (Hzgt. Teschen) stammender Fam., d. mit →Johannes (Hans) Skoczowsky, hzgl. teschen’scher Amtmann zu Freistadt, 1553 in d. poln. Adelsstand erhoben u. 1561 e. böhm. Wappenbrief mit d. Prädikat „v. Koykowitz“ erhielt;
→Johann (Hans) Leopold Skoczowski, gen. Willamowsky, auf Miendziswietz, wurde 1732 in d. böhm. Freiherrenstand erhoben;
V →Kurt (1850–1941), aus Merseburg, 1895 Chef d. Reichskanzlei, 1901 Oberpräs. d. preuß. Prov. Schleswig-Holstein, 1906 d. Prov. Sachsen, 1908–21 Landeshptm. ders., S d. →Karl (Carl) (Wilmowski) (1817–93, preuß. Anerkennung d. Freiherrenstands 1888), auf Marienthal u. Lindenberg, 1869–88 Chef d. Zivilkab. v. Kg. bzw. Ks. →Wilhelm I., preuß. WGR, Geh. Kab.rat, u. d. Anna v. Seebach (1823–95);
M Auguste (1856–1939), T d. →Hermann v. Wilke (1827–96), Dipl., Gen.konsul in London, Wirkl. Geh. Legationsrat im Ausw. Amt (s. Biogr. Hdb. Ausw. Dienst), u. d. Sidonie Nuglisch (1829–1907);
Ov →Tilo (1847–91, ⚭ Emma v. Gaddum, 1859–1949), preuß. Geh. OberJR, vortragender Rat im Justizmin.;
B →Friedrich (1881–1970, ⚭ Mary, 1892–1975, T d. →Max[imilian] v. Poseck, 1865–1946, Gen.lt. u. Insp. d. Kavallerie), Gen.lt.;
– ⚭ Essen 1907 →Barbara (1887–1972), T d. →Friedrich Alfred Krupp (1854–1902), Großindustr. (s. NDB 13), u. d. Margarethe v. Ende (1854–1931);
2 S Friedrich (1911–88), Kurt (1916–40 ⚔), 4 T Ursula (1908–75, ⚭ →Rudolf [Rolf] v. Waldthausen, 1903–86, aus Stettin, Bergassessor, Bergwerksdir. in E.-B., S d. →Gottfried Wilhelm v. Waldthausen, 1873–1946, Bankier in E.), Renate (1914–2006, ⚭ →Richard Hansen, 1912–2001, Dr. agr., Gartenbauoberrat an d. Staatl. Lehr.- u. Forsch.anstalt f. Gartenbau in Weihenstephan, 1963 Hon.prof. an d. TH München, Pionier in d. Züchtung v. Blütenstauden, Landschaftsgestalter, s. Biogr. Hdb. Pflanzenbau; Gerber, Persönlichkeiten Land- u. Forstwirtsch.), Brigitte (1918–2005, ⚭ 1] Detloff v. Heyden, 1911–43 ⚔, Dipl.-Landwirt, Oberlt. d. Res., 2] →Bogislav v. Heyden, 1920–2008, auf Leistenow, Buschmühl u. Flemmendorf, Dipl.-Braumeister, Brauereidir. in Dortmund, Rechtsrr. d. Johanniter-Ordens), Reinhild (1925–2011, ⚭ →Wolfgang Huber, 1913–98, Dr. iur., Vorstandsmitgl. d. Raab-Karcher GmbH). -
Biographie
W. stammte aus einer Familie hochrangiger preuß. Beamter und wuchs in Berlin auf, wo er 1896 am Franz. Gymnasium das Abitur ablegte. Nach Jurastudium in Lausanne, München, Berlin, Göttingen und Halle/Saale trat er 1900 als Referendar in den Staatsdienst|ein und bestand 1906 das Assessorexamen. 1907 heiratete er →Barbara Krupp, die jüngere Schwester von →Bertha Krupp v. Bohlen und Halbach, der Inhaberin der „Fried. Krupp AG“. Seit 1910 saß W. im Aufsichtsrat, 1919–43 als stellv. Vorsitzender. 1925–34 versuchte er vergeblich, den 1923 vertraglich zwischen Krupp und der Sowjetunion vereinbarten agrarischen Konzessionsbetrieb Manytsch in der Sowjetunion zum Erfolg zu führen. 1913 wurde W. Landrat des Kreises Merseburg. Im 1. Weltkrieg war er Adjutant des dt. Generalgouverneurs von Belgien und ab Juli 1917 Chef von dessen Zivilkanzlei. 1916/17 wirkte er als Landrat am Aufbau der „Badischen Anilin- und Sodafabrik, Ammoniakwerk Merseburg (Leuna-Werke)“ mit. 1919 verließ W. den Staatsdienst. Er bewirtschaftete sein Gut Marienthal bei Naumburg, ein Familienerbe, wirkte als Politiker für die Dt.-Nationale Volkspartei (1925–30 Fraktionsvors. im sächs. Prov.Lt.) und engagierte sich in Agrarverbänden (u. a. Mitgründer u. 1920–30 Präs. d. Landbundes d. Prov. Sachsen, 1928–33 Vors. im Reichskuratorium f. Technik in d. Landwirtsch.). W. trat für einen Interessenausgleich zwischen Industrie und Landwirtschaft und die Modernisierung des Agrarsektors ein. Als exzellent vernetzter bürgerlich-konservativer Akteur kämpfte er im „Bund zur Erneuerung des Reiches“ („Lutherbund“, stellv. Vors. 1928–33) für eine Reichsreform mit Stärkung der Zentralgewalt. 1931–45 war W. Vorsitzender des Mitteleurop. Wirtschaftstags, hinter dem einflußreiche Gruppen der dt. Industrie standen und der die Wirtschaftsbeziehungen nach Südosteuropa verstärken wollte, wobei die Grenzen zwischen Austausch, Verständigung und geopolitischer Hegemonialstrategie fließend waren. W. lehnte das NS-Regime ab und blieb trotz NSDAP-Mitgliedschaft (1937) und herausgehobener wirtschaftspolitischer Positionen auf Distanz. Wegen persönlicher Kontakte zu führenden Männern des bürgerlichen Widerstands (u. a. →Carl Goerdeler, 1884–1945) wurde W. nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 verhaftet. Die KZ-Haft in Ravensbrück und Sachsenhausen und den „Todesmarsch“ nach Schwerin gegen Kriegsende überlebte er nur knapp.
Nach der Vertreibung von seinem Gut Marienthal und der Enteignung durch die sowjet. Besatzungsmacht lebte W. auf einem Forstbetrieb in Buchenau (Lkr. Fulda) und in Essen.
In autobiographischen Werken beschäftigte er sich selbstkritisch mit dem Versagen seiner Schicht, der national-konservativen Eliten, nach 1914. Zugleich wandte er sich in Veröffentlichungen dagegen, Unternehmen wie Krupp wegen ihres Verhaltens im „Dritten Reich“ pauschal zu verurteilen, und wies auf enge Handlungsspielräume hin. Das Urteil im Nürnberger Prozeß gegen seinen Neffen →Alfried Krupp v. Bohlen und Halbach (1907–67) sowie leitende Mitarbeiter hielt er für ungerecht. Nach wie vor engagierte er sich für einen volkswirtschaftlichen Ausgleich, so 1951/52 als Mitinitiator der Wiedergründung der „Verbindungsstelle Landwirtschaft-Industrie e. V.“ (Vors. 1952–56). Als Mittler, v. a. zwischen Industrie und Landwirtschaft, hatte er über mehr als 40 Jahre eminente Bedeutung.
Mit Erfolg bemühte sich W. in der Eigentümerfamilie und mit Hilfe seiner Netzwerke um den Fortbestand der Firma Krupp und eine Neunutzung der Villa Hügel, früheres Wohnhaus der Unternehmerfamilie, als Kultur- und Ausstellungszentrum; er war Gründungspräsident des Villa Hügel e. V. (1954–66). Im Unternehmen blieb er ein moralisches Gewissen.
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Auszeichnungen
|Dr. phil. nat. h. c. (Jena 1931);
preuß. Staatsrat (1930);
Gr. BVK (1953), mit Stern (1963);
Max-Eyth-Gedenkmünze (1956);
– T.-Frhr.-v.-W.-Medaille d. Kuratoriums f. Technik u. Bauwesen in d. Landwirtsch. (seit 1978). -
Werke
|Warum wurde Krupp verurteilt? Legende u. Justizirrtum, 1950, ³1962;
Erinnerungen, 1951;
Rückblickend möchte ich sagen …, 1961, ²1990 (P);
Der Hügel, 1962, ¹¹1980;
Villa Hügel wird Kulturstätte, in: Krupp Mitt. 45, 1961, Nr. 7, S. 53–55;
– Teilnachlässe: Hist. Archiv Krupp, Essen;
LandesA Sachsen-Anhalt, Standort Wernigerode. -
Literatur
|E. Neuß, Gesch. d. Geschl. v. W., 1938;
L. Gall (Hg.), Krupp im 20. Jh., 2002;
C. Freytag, Dtld.s „Drang n. Südosten“, Der Mitteleurop. Wirtsch.tag u. d. „Erg.raum Südosteuropa“ 1931–1945, 2012 (P);
ders., T. v. W. (1878–1966), 2023;
Rhdb. (P);
Wi. 1935;
GHdA 68, Frhrl. Häuser B VII, 1978, S. 464–69;
Lilla, Preuß. Staatsrat. -
Porträts
|Lith. n. e. Zeichnung v. E. Stumpp, 1937 (Essen, Hist. Archiv Krupp);
Büste v. J. Sprenger, um 1955 (Essen, Villa Hügel);
Photogrr., u. a. Atelier Elvira, München, um 1907 (Essen, Hist. Archiv Krupp). -
Autor/in
Ralf Stremmel -
Zitierweise
Stremmel, Ralf, "Wilmowsky, Adolf Karl Tilo Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 205-206 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118919946.html#ndbcontent