Wilbrandt, Adolf von (seit 1884)
- Lebensdaten
- 1837 – 1911
- Geburtsort
- Rostock
- Sterbeort
- Rostock
- Beruf/Funktion
- Publizist ; Schriftsteller ; Theaterdirektor ; Schauspieler ; Literarhistoriker ; Dramatiker
- Konfession
- evangelisch
- Normdaten
- GND: 118807250 | OGND | VIAF: 50021760
- Namensvarianten
-
- Wilbrandt, Adolf (bis 1884)
- Palm, Hugo (Pseudonym)
- Wilbrandt, Adolf von (seit 1884)
- wilbrandt, adolf von
- Wilbrandt, Adolf (bis 1884)
- wilbrandt, adolf
- Palm, Hugo (Pseudonym)
- palm, hugo
- Wilbrandt, Adolf Johann Albrecht Frierich Enoch von
- Wilbrandt, A.
- Wilbrandt, Adolf Johann Albrecht Frierich Enoch
- Wilbrandt, Adolph
- b11
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Wilbrandt, Adolf von (bayerischer Personaladel 1884, Pseudonym Hugo Palm)
| Publizist, Schriftsteller, Theaterdirektor, * 24.8.1837 Rostock, † 10.6.1911 Rostock, ⚰ Rostock, Lindenpark. (evangelisch)
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Genealogie
V →Christian Ludwig Theodor W. (1801–67), Prof. f. Ästhetik u. Lit. an d. Univ. Rostock, 1846–48 Rektor, 1848 Mitgl. d. ersten bürgerl. Parl. in Meckl., n. dessen Auflösung amtsenthoben, 1853 verhaftet u. 2 J. in Unters.haft (s. ADB 42; Internat. Germanistenlex.; Kosch, Lit.-Lex.³; Cat. Professorum Rostochiensium), S d. →Peter Johann Christian (um 1752–1801), aus Schwerin, Pfarrer in Neukirchen b. Wittenburg (Meckl.-Schwerin), u. d. Sophia Magdalena Bühring (1762–1820);
M Charlotte (1807–78), aus Scharstorf b. Rostock, T d. →Carl Wilhelm Wendhausen (1772–1830), auf Scharstorf, u. d. Anna Catharina Evers;
Ur-Gvv →Johann Christoph Bühring (1703–80?), Pfarrer in Kieth (Meckl.);
Ov →Konrad W. (um 1791–1828), 1818 Seminarinsp. in Ludwigslust (Schwerin), 1815 Pfarrer in Groß-Laasch b. Ludwigslust, 1821 in Lübtheen (Meckl.), Om Carl Wilhelm Wendhausen (1812–1872), auf Scharstorf, Jur., 5 B →Conrad W. (1832–1921), Landwirt in Pisede b. Malchin, 1885–87 u. 1892/93 Mitgl. d. RT, →Heinrich W. (1834–89), Dr. med., Med. in R., →Christian W. (1835–1923), Landwirt, →Richard W. (1840–65), Kaufm., →Max W. (1845–1932), Hotelier, 3 Schw Luise W. (1831–1911, ⚭ N. N.), Bertha W. (1839–1892, ⚭ N. N.), Anna W. (1843–76);
– ⚭ Wien 1873 →Auguste (1843–1937), aus Zwickau, Schausp. in Leipzig u. am Burgtheater in Wien, Schriftst. (s. H. Richter, A. W.-B., Der Weg e. gr. Burgschausp., 1963; Wurzbach; Kosch, Lit.-Lex.³; Hist. Lex. Wien; Wedel, Autobiogrr. Frauen), Adoptiv-T d. →Karl Friedrich Baudius (1796–1860), Schausp. in Wien, Prag u. Leipzig (s. ÖBL);
2 S (1 früh †) →Robert W. (1875–1954), Dr. phil., Prof. f. Nat.ök. u. Finanzwiss. in Tübingen u. an d. TH Dresden (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1954; Kosch, Lit.-Lex.³; Professoren TU Dresden);
E →Dorothea W. (1900–74), Photogr. in Berlin, →Hans W. (1903–88), Agrarwiss., emigrierte 1934 in d. Türkei, dort e. Kontaktperson zw. US-amerik. Geheimdienst u. Kreisauer Kreis, 1953 wieder in Dtld. wiss. Mitarb. am Inst. f. Weltwirtsch., 1959 Prof. u. Gründungsdir. d. Inst. f. ausländ. Landwirtsch. an d. TH Berlin, 1963 in Göttingen Gründer d. Inst. f. ausländ. Landwirtsch. (s. BHdE II; BHdwE; Gerber, Persönlichkeiten Land- u. Forstwirtsch.), →Walther W. (1907–79, ⚭ 1] Renate [Twin] Rosenberg, 1912–72, Ärztin, T d. →Hans Rosenberg, 1879–1940, 1926 o. Prof. f. Astrophysik in Kiel, 1938 in Istanbul, s. NDB 22, 2] Timea Kalman), emigrierte in d. USA, 1936 in d. Schweiz, 1936 Assistant am Physiol. Inst. d. Univ. Bern, 1941 ao. 1946–77 o. Prof. d. Physiol. u. Pharm. in Bern, 1972–76 Präs. d. Schweizer. Ak. d. Med. Wiss., 1962 Mitgl. d. Leopoldina (s. Journ. of Membrane Biology 57, 1980, S. 83–85; Reviews of Physiology, Biochemistry and Pharmacology 89, 1981, S. 1–4; Verfolgte dt.sprachige Pharmakologen 1933–1945, hg. v. K. Löffelholz u. U. Trendelenburg, ²2008; DBE; HLS), →Lisbeth W. (1917–56), Dr. med., Ärztin, Helmut W. (1926–42 Suizid), Musikstudent, Soldat;
Ur-E →Hans-Robert W. (* 1931), Dr. med., Ophthalmol. Prof. in Indianapolis, →Rupert W. (* 1935), Dr. med., Internist, Prof. -
Biographie
W. wurde früh durch den liberal-demokratischen Geist seines Elternhauses politisch geprägt. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Rostock (Abitur 1856) nahm er hier auf Wunsch des Vaters ein Jurastudium auf, das er 1857 in Berlin fortsetzte. Dort schloß er enge Freundschaft mit dem Kunsthistoriker →Friedrich Eggers (1819–1872), der W. in die Berliner Kunstszene einführte. Mit seinem Freund, dem Maler →Hans Kugler (1840–1873), wechselte W. 1858 zum Geschichtsstudium nach München. Nebenbei redigierte er das von Eggers herausgegebene „Deutsche Kunstblatt“ und schrieb Abhandlungen für →Paul Heyses (1830–1914) „Literaturblatt zum deutschen Kunstblatt“. 1859 in Rostock ohne Dissertation zum Dr. phil. promoviert, war W. anschließend als Redakteur der national-liberalen „Süddeutschen Zeitung“ in München tätig. 1861 kehrte er nach Berlin zurück und|schrieb sein erstes Buch, die Biographie „Heinrich von Kleist“ (1863).
Kunstreisen führten W. 1862 über Dresden, Prag, Wien und Salzburg nach Italien. In Rom lebte er mit Kugler zusammen und pflegte Kontakte zu →Arnold Böcklin (1827–1901) und →Franz v. Lenbach (1836–1904). Die Besichtigung antiker Stätten und die ital. Landschaft inspirierten W. zur Bearbeitung griech. Tragödien (Sophokles’u. Euripides’ ausgew. Dramen, Mit Rücksicht auf d. Bühne übertr. v. A. W., 2 Bde., 1866/67), von denen das Meininger Hoftheater 1866 „Antigone“ und „König Ödipus“ aufführte. 1865 ging W. als Bühnenautor nach München zurück. Nachdem sein Lustspiel „Die Vermählten“ (1868) 1871 im Burgtheater in Wien uraufgeführt worden war, verlegte er seinen Wohnsitz dorthin, wurde bald mit der örtlichen Künstlerszene bekannt und arbeitete als freier Schriftsteller. Mit W.s Berufung zum Direktor des Burgtheaters 1881 gelangte erstmals ein Dichter an die Leitung dieses Hauses, von der W. – durch umfangreiche administrative Tätigkeit künstlerisch stark eingeengt–1887 zurücktrat. Getrennt von seiner Frau, zog er mit seinem Sohn Robert nach Rostock und nahm die schriftstellerische Arbeit wieder auf. 1889 entstand sein historistisches Stück „Der Meister von Palmyra“, das in der Uraufführung im Burgtheater 1892 zum großem Erfolg wurde.
In einigen Schlüsselromanen setzte sich W. mit zeitgenössischen Persönlichkeiten auseinander. In „Fridolin’s heimliche Ehe, Nach Erinnerungen und Mitteilungen erzählt“ (1875, Neuausg. 2010, engl. 1884) setze er seinem Freund →Friedrich Eggers ein Denkmal und schuf den ersten Roman zur Homosexualität mit glücklichem Ausgang. Der Roman „Hermann Ilfinger“ (1892) behandelt Leben und Schaffen der →Maler Hans Markart (1840–1884) und →Franz v. Lenbach sowie des Dichters und Kunsthistorikers →Adolf Friedrich Gf. v. Schack (1815–94). In „Die Osterinsel“ (1895) widmete sich W. →Nietzsches Philosophie, in „Hildegard Mahlmann“ (1897) der Dichterin →Johanna Ambrosius (1854–1939). Auch W.s meckl. Heimat wurde mehrfach Thema seines Schaffens.
W., der auch als Übersetzer tätig war (u. a. →Shakespeare, →Calderón), veröffentlichte mehr als 40 Romane und Novellen und ebenso viele dramatische Dichtungen und Lustspiele. Er lehnte die „neuen“ Strömungen des Naturalismus und Idealismus ab und war einer der meistgespielten Autoren seiner Zeit. Heute gilt er als exponierter Repräsentant des bürgerlich-epigonalen Theaters der Gründerzeit.
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Auszeichnungen
|Grillparzer-Preis (1875 u. 1890);
Schillerpreis (1878);
bayer. Maximiliansorden f. Wiss. u. Kunst (1884);
Orden d. Eisernen Krone (1887);
W.gasse, Wien (1919);
A.-W.-Str., Rostock u. Schwerin. -
Werke
|u. a. Geister u. Menschen, Ein Roman in drei Bdn., 1864;
Gracchus d. Volkstribun, Trauerspiel in fünf Aufzügen, 1872;
Arria u. Messalina, Trauerspiel in fünf Aufzügen, 1874;
Novellen aus d. Heimat, 2 Bde., 1882;
Die Rothenburger, Roman, 1896;
Ein Mecklenburger, Roman, 1901;
Erinnerungen, 2 Bde., 1905/07;
Hiddensee, Ein Roman, 1910, Neuaufl. hg. v. U. Fritsch, 2009;
– Bibliogr.: Archiv f. d. Gesch. d. Soziol. in Österr. (Internet) u. in: St. Siebert, A. W., 2013 (s. L), S. 171–95;
– Nachlaß: Österr. StA, Wien;
Bayer. Staatsbibl. München;
Staatsbibl. Berlin;
Inst. f. Medienkultur u. Theater d. Univ. Köln;
Heinrich-Heine-Inst. Düsseldorf;
Goethe- u. Schiller-Archiv/Klassik Stiftung Weimar;
Univ.bibl. Rostock. -
Literatur
|V. Klemperer, A. W., Eine Stud. über seine Werke, 1907;
A. W., Zum 24. Aug. 1907 v. seinen Freunden, 1907 (P);
E. Scharrer-Santen, A. W. als Dramatiker, 1912;
F. Horch, Das Burgtheater unter Laube u. W., 1925 (P);
K. Jacobs, Die Dramendichtung A. W.s in zeitgeschichtl. u. – krit. Darst., Diss. Köln 1929;
Robert Wilbrandt, Mein Vater A. W., 1937;
G. Köhler, A. W.s Dramen am Burgtheater, Diss. Wien 1970;
L. Kalbe, Rostocker Wilbrandts, in: Stier u. Greif 8, 1998, S. 10–17;
J. Grambow, „Ergänzung meines nord. Ich durch d. Süden“, Der Schriftst. A. W. als Intendant d. Wiener Burgtheaters, in: Mecklenburger im Ausland, hg. v. M. Guntau, 2001, S. 117–23 (P);
K.-H. Jügelt, Die „Weihe d. Wiss.“ f. d. Dichter A. W., Zum 100-j. Jub. d. ersten Dr.-Dipl. d. Univ. Rostock in dt. Sprache, in: Btrr. z. Gesch. d. Stadt Rostock 31, 2011, S. 200–10;
St. Siebert (Hg.), A. W., Ein lit. Leben zw. Rostock u. Wien, 2013 (P);
Gedenktage d. mitteldt. Raumes 1987, S. 152–54;
Mitteldt. Jb. 2011, S. 208–10;
W. Passig, Rostocker Porträts, 2017, S. 106–17 (P);
Wurzbach;
BJ 18, S. 243–60 u. 16, Tl.;
Killy;
Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
Biogr. Lex. Mecklenburg;
Grewolls, Meckl.-Vorpommern (P);
Hist. Lex. Wien (P). -
Porträts
|Ölgem. v. F. v. Lenbach, 1875 (Lenbachmus. Schrobenhausen);
Büste v. C. v. Zumbusch, um 1884 (Burgtheater Wien, nördl. Feststiege);
Photogr., 1907 (Univ.bibl. Rostock). -
Autor/in
Stefan Siebert -
Zitierweise
Siebert, Stefan, "Wilbrandt, Adolf von (bayerischer Personaladel 1884, Pseudonym Hugo Palm)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 121-122 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118807250.html#ndbcontent