Winkler, Hildegard

Lebensdaten
1913 – 2003
Geburtsort
Grimma
Beruf/Funktion
Verlegerin ; Buchhändlerin
Konfession
-
Normdaten
GND: 1222522098 | OGND | VIAF: 1767160728520310380002
Namensvarianten

  • Winkler, Augusta Else
  • Winkler, Hildegard
  • Winkler, Augusta Else

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Zitierweise

Winkler, Hildegard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1222522098.html [15.03.2026].

CC0

  • Winkler, Hildegard

    | Verlegerin, * 25.9.1913 Grimma, † 23.5.2003 Feldkirchen-Westerham. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Johannes (1879–1948), aus G., RA ebd., Lt. d. Res., zuletzt in Ostritz (Oberlausitz);
    M Albina Götze ( vor 1941), aus Braunschweig;
    ledig.

  • Biographie

    Zu W.s Schulbildung gibt es keine genauen Angaben. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Buchhändlerlehre und trat danach als Gehilfin in eine Berliner Buchhandlung ein. Anfang Nov. 1937 erwarb sie zusammen mit dem Verlagskaufmann Ernst Julius Burg (1902–47 KZ Buchenwald) von Wilhelm Föllmer und Paul G. Esser den wirtschaftlich angeschlagenen, nationalistisch ausgerichteten Frundsberg-Verlag. Im Okt. 1943 eröffnete sie ein Zweiggeschäft in Wien. 1944 zog W. von Berlin nach Coburg und gründete am 14.12.1945 den Winkler-Verlag, nachdem sie eine der ersten Verlagslizenzen erhalten hatte. Unterstützt wurde sie von Anfang an von dem Lektor der Dramaturgie am Berliner Schiller-Theater Otto Dickschat (1911 – n. 1986), den sie bereits in Berlin kennengelernt hatte und der 1947 Prokurist des 1948 nach München (Kaulbachstraße 85, dann Martiusstraße 8) übersiedelten Verlags wurde.

    Als eigenständige Verlegerin fokussierte sich W. auf anspruchsvolle Literatur. So erschienen in den ersten Jahren u. a. eine Biographie über die Medici von George Frederick Young (1946) und eine mit Federzeichnungen von Alfred Kubin (1877–1959) illustrierte Ausgabe von Gottfried August Bürgers „Münchhausen“ (1947, Neuaufl. 1966). Aus diesem literarischen Programm fielen die Ratgeber „Koche mit mir“ (1950) und „Für liebe Gäste und häusliche Feste“ (1951) von Erna Horn (1904–1981) heraus. Mit einer Auflage von 150 000 bzw. 100 000 Exemplaren dienten diese der Finanzierung der Buchreihe „Werke der Weltliteratur in Dünndruck-Ausgaben“, später „Dünndruck-Bibliothek der Weltliteratur“, die W. mit vier Ausgaben u. a. von Adalbert Stifter Anfang 1949 eröffnete. Die Verwendung von Bibeldruckpapier ermöglichte es, die umfangreichen Werke jeweils in einem handlichen Band herauszubringen. Als Verlagssignet wählte W. einen Kreis mit einer stilisierten Wiedergabe der berühmten Manesse-Miniatur des nachdenklich dasitzenden Walther von der Vogelweide.

    Der Bedarf an klassischer Literatur nach dem 2. Weltkrieg war groß und ermöglichte es W., ihren Verlag in kurzer Zeit erfolgreich auszubauen. Bis 1971 erschienen allein in der Dünndruck-Bibliothek der Weltliteratur rund 150 Titel, wobei sich die dt.sprachige Literatur (Goethe, Schiller, Lessing, Hölderlin, Kleist, Heine, E. T. A. Hoffmann, Raabe, Claudius, Keller, Uhland u. a. m.) und die Über|setzungen aus dem Engl., Franz., Ital. und Span. in etwa die Waage hielten. Größten Wert legte W. auf literarische Qualität, sorgfältige Übersetzungen und kritische, mit Anmerkungen versehene Editionen. Alle Bände wurden sowohl in Ganzleinen mit Büttenpapierumschlag als auch in einer Ganzleder-Ausgabe für ein bibliophiles Publikum angeboten. Etwa ein Drittel der Reihe wurde seit 1952 mit überwiegend historischen Abbildungen, meist aus der Entstehungszeit des Textes, illustriert. Einzelne Werke erschienen als Sonderausgaben auf Werkdruckpapier zu günstigen Preisen. Für die Herstellung verpflichtete W. häufig die Graphischen Betriebe Friedrich Pustet in Regensburg, mitunter arbeitete sie mit der Druckerei C. Brügel & Sohn in Ansbach und der Buchbinderei G. Lachenmaier in Reutlingen zusammen. 1964 initiierte W. u. d. T. „Die Fundgrube“ eine neue, numerierte Buchreihe mit literarischen Kostbarkeiten geringeren Umfangs in ebenfalls sorgfältiger Ausstattung mit Einführungen oder Nachworten. Neben zeitgenössischer Literatur erschienen ab 1970 Kommentarbände zu einzelnen Autoren und literarischen Epochen in der Reihe „Winkler Germanistik“.

    W., die keine Nachfahren hatte, verkaufte den Verlag 1971 an den Artemis-Verlag in Zürich, der die verlagsprägenden Reihen, die „Dünndruck-Bibliothek der Weltliteratur“ und die „Winkler-Germanistik“, fortführte. Einzig die Reihe „Die Fundgrube“ wurde 1976 mit Band 56 eingestellt. Der nachfolgend als „Artemis & Winkler“ firmierende Verlag wurde 1995 nach dem Rückzug des Schweizer Mäzens Dieter Bührle (1922–2012) an den Patmos Verlag, Düsseldorf, verkauft und gehört seit 2012 zum Bibliographischen Institut in Berlin. Die Dünndruck-Bibliothek der Weltliteratur wurde bis 2008 fortgeführt.

    W. gehört zu den wenigen Frauen wie z. B. Hildegard Grosche (1913–2006) und Ingeborg Stahlberg (1921–1985) in der Bundesrepublik Deutschland oder Leiva Petersen (1912–1992) in der Dt. Demokratischen Republik, die nach dem 2. Weltkrieg erfolgreich einen Verlag aufbauten.

  • Auszeichnungen

    |Mitgl. im Börsenver. d. Dt. Buchhandels e. V. (1946–71);
    Ehrenzeichen in Silber f. 25j. Mitgl.schaft im Börsenver. d. Dt. Buchhandels e. V. (1971);
    BVK (1980).

  • Werke

    |weitere Publl.: W. v. Niebelschütz, Die schönen Bücher, 1970;
    E. Zola, Die Rougon-Macquart, Natur- u. Soz.gesch. e. Fam. unter d. Zweiten Ks.reich, 20 Bde., 1974–77 u. 1981–83;
    Brüder Grimm, Kinder- u. Hausmärchen, vollst. Ausg. mit 184 Ill., 1984;
    G. Hay (Hg.), Dt. Abschiede, 1984;
    Übers.: u. a. H. de Balzac, Verlorene Illusionen, Aus d. Franz. übertr. v. U. Wolf, 1965;
    C. Goldoni, Komödien, Aus d. Italien., Venezian. u. Franz. übertr. u. mit e. Nachw. vers. v. H. Riedt, 1965;
    F. M. Dostojewskij, Der Jüngling, Aus d. Russ. übertr. v. M. Gras-Racic´, 1965.

  • Quellen

    Qu Akten im Verlagsarchiv v. Artemis (Zentralbibl. Zürich); Mitgl.akte d. Börsenver. (Dt. Buch- u. Schriftmus. d. Dt. Nat.bibl. Leipzig, (Bestand: Hist. Archiv d. Frankfurter Börsenver.bibl.); Mitgl.akte d. Börsenver. v. Frundsberg-Verl. im Sächs. StA Leipzig, Börsenver. d. Dt. Buchhändler zu Leipzig (I).

  • Literatur

    |e. wiss. Monogr. existiert bislang nicht;
    – H. F. Nöhbauer, Kein Platz f. Bestseller, Der Münchner Winkler-Verl. feiert seinen 20. Geb.tag, in: Abendztg. München v. 8.12.1965 (P);
    R. Lemp, Laudatio auf e. Verlegerin [Hildegard Winkler], in: Südbayer. Unternehmerinnen-Briefkasten H. 2, Jan. 1966, S. 5/6, 1966;
    Jahresgabe Winkler-Verl., 1966–70;
    W. Flemmer, Verlage in Bayern, Gesch. u. Geschichten, 1974, S. 222–26;
    C. Visel, Ein Schatzbehalter d. Buchill., Ill. Ausgg. in Winklers Dünndruckbibl. d. Weltlit., in: Imprimatur, N. F. 9, 1980, S. 112–31 (Abb.);
    Winkler-Wegweiser z. Weltlit., 1983;
    H. Panskus, Unvergängl. Lebenswerk, Zum 70. Geb.tag v. H. W., in: Börsenbl. f. d. dt. Buchhandel, 39, 1983, Nr. 77, S. 2019 f.;
    M. Roesler-Graichen, H. W. ist tot, ebd. 170, 2003, Nr. 23, S. 8 (P);
    K. Ude, 40 J. „Winkler-Verlag“, in: Münchner Stadtanz. v. 11. 4. 86;
    K. G. Saur, Weltrang, Verlegerin H. W. gestorben, in: SZ v. 2.6.2003;
    Kürschner, Lit.-Kal. 2004/2005 (Nekr.);
    C. Vinz u. G. Olzog, Dok. dt.sprach. Verlage, ⁶1977.

  • Autor/in

    Carola Staniek
  • Zitierweise

    Staniek, Carola, "Winkler, Hildegard" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 245-246 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1222522098.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA