Winkler, Helmut

Lebensdaten
1915 – 1980
Geburtsort
Kiel
Beruf/Funktion
Mineraloge
Konfession
evangelisch
Namensvarianten

  • Winkler, Helmut Gustav Franz
  • Winkler, Helmut G. F.
  • Winkler, Helmut
  • Winkler, Helmut Gustav Franz
  • Winkler, Helmut G. F.

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Zitierweise

Winkler, Helmut, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142891.html [22.03.2026].

CC0

  • Winkler, Helmut Gustav Franz

    | Mineraloge, * 3.4.1915 Kiel, † 10.11.1980 Göttingen. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Arthur, Lotse am Ks.-Wilhelm-Kanal;
    M Martha Auguste Hedwig Rhinow;
    1942 Ursula Wichmann;
    1 S, 2 T.

  • Biographie

    W. besuchte seit 1921 die Oberrealschule in Kiel, wo er sich bereits in den letzten Jahren seiner Schulzeit für Geowissenschaften interessierte. Seit 1934 studierte er Mineralogie, Geologie und Chemie an der Univ. Rostock; hier beeinflußte ihn Carl Correns (1864–1933). Er wechselte 1935 an die Univ. Tübingen und 1937 an die University of St Andrews (Schottland), wo er an der „St Andrews-University Iceland Expedition“ teilnahm und im Anschluß zwei Artikel über die Entstehung der Fjorde Islands und der Glazialbildungen im Nordwesten Islands publizierte. 1938 wurde er bei Correns in Göttingen mit einer Arbeit über die Thixotropie von Mineralpulvern zum Dr. phil. promoviert.

    Seit Nov. 1938 leistete er Militärdienst, ehe er im Juli 1944 u.k.-gestellt wurde. Auf Vermittlung von Correns arbeitete W. als Forschungsassistent an der Univ. Göttingen und untersuchte die Zusammenhänge zwischen Strukturen und physikalischen Eigenschaften von Kristallen, z. B. von Eukryptit und verwandten Verbindungen. Im April 1948 für Mineralogie habilitiert, wurde er im selben Jahr als Gastwissenschaftler an die Univ. Leeds (England) eingeladen. W.s kristallographische Arbeiten führten 1949 zur Berufung zum o. Professor und Direktor des neugegründeten Instituts für Kristallographie an die Univ. Göttingen. 1951 wechselte er als Professor für Mineralogie an die Univ. Marburg; Rufe an die Univ. Saarbrücken (1951) und die TU München (1951) lehnte er ab. 1962 wurde er Correns’ Nachfolger in Göttingen (em. 1976).

    W., der seine kristallographischen Forschungen in dem Buch „Struktur und Eigenschaften der Kristalle“ (1950, ²1955) zusammenfaßte, beschäftigte sich in Marburg besonders mit den Eigenschaften keramischer Tone und ihrer Verwendung in der Industrie. 1955 unternahm er eine Vorlesungsreise in die USA, wo er die neuentwickelten Hochdruckapparaturen kennenlernte und deren Potential für die experimentelle Erforschung von metamorphen Mineralen bei hohen Temperaturen und Drücken erkannte. In seinen letzten Jahren in Marburg und dann in Göttingen wandte er sich ganz diesem neuen Forschungsgebiet zu und wurde Pionier der experimentellen Petrologie in Europa. Seine ersten veröffentlichten Experimente zur Metamorphose von kalk|haltigen, kalkfreien und NaCl-haltigen Tonen machten ihn zum führenden europ. Wissenschaftler auf diesem neuen Gebiet. Anstelle von bis dahin untersuchten Drei- und Vier-Stoff-Systemen benutzte er komplexere natürliche Gesteine für seine Versuche. Die Entstehung granitischer Schmelzen aus metamorphen Ausgangsgesteinen, bis dahin umstritten, wurde von ihm experimentell bewiesen. Die Zusammenfassung seiner Erkenntnisse „Die Genese der metamorphen Gesteine“ (1965, ²1967) wurde zum Standardwerk dieser Forschungsrichtung; die letzte von ihm selbst verfaßte 5. Ausgabe in engl. Sprache „Petrogenesis of metamorphic rocks“ datiert von 1979 (⁶1994, franz. 1966, russ. 1969, span., portugies.). Zu W.s Schülern zählt Karl Heinz Nitsch (1938–2020).

  • Auszeichnungen

    |Ehrenmitgl. d. Geological Soc. of America (1961), d. Soc. Géologique Belgien (1974) u. d. Geological Soc. London (1975);
    Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Göttingen (1966) u. d. Geolog. Ges. Finnland;
    korr. Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (1969);
    assoziiertes Mitgl. d. Soc. Géologique Frankr. (1976);
    Abraham-Gottlob-Werner-Medaille d. Dt. Mineralog. Ges. (1977);
    Hans-Stille-Medaille d. Dt. Geol. Ges. (1977);
    Dr. h. c. (Univ. Karlsruhe 1980);
    Friedrich-Becke-Medaille d. Österr. Mineralog. Ges. (1981);
    – Mineral Helmutwinklerit (1979, vgl. Helmutwinklerite, in: Handbook of Mineralogy, hg. v. J. W. Anthony u. a., online);
    Winklergletscher in d. Arktis.

  • Werke

    Weitere W u. a. Synthese u. Kristallstruktur d. Eukryptits, in: Acta Crystallographica 1, 1948, S. 27–34;
    Bedeutung d. Korngrößenverteilung u. d. Mineralbestandes v. Tonen f. d. Herstellung grobkeram. Erzeugnisse, in: Berr. d. dt. keram. Ges. 31, 1954, S. 337–43;
    Über d. Frostbeständigkeit v. Dachziegeln, in: Abhh. d. Internat. Keram. Kongresses 6, 1958, S. 417–28;
    Genese v. Graniten u. Migmatiten aufgrund neuer Experimente, in: Geol. Rdsch. 51, 1961, S. 347–64;
    Temperaturen u. Drücke b. d. regionalen Metamorphose, ebd. 65, 1976, S. 874–85;
    Der Prozeß d. Anatexis, Seine Bedeutung f. d. Genese d. Migmatite, in: Tschermaks mineralog. u. petrograph. Mitt. 11, 1966, H. 3/4, S. 266–87;
    New Aspects of Granitic Magmas, in: Neues Jb. f. Mineral./Mh. 1978, S. 463–80.

  • Literatur

    |K. H. Nitsch, in: American Mineralogist 67, 1982, S. 410–12 (W, P);
    H. Krahnke, Die Mitgll. d. Ak. d. Wiss. z. Göttingen, 1751–2001, 2001, S. 261;
    M. Reich, A. Gehler u. T. R. Stegemann, Eine Chron. d. Göttinger geowiss. Inst. u. Slgg., 2014;
    I. Auerbach, Cat. Professorum Akademiae Marburgensis, Die akad. Lehrer d. Philipps-Univ. in Marburg v. 1910 bis 1971, Bd. 2, 1979;
    Pogg. VII a;
    Göttinger Gel., S. 660 f. (P);
    Complete DSB;
    Qu Matrikel d. Univ. Rostock.

  • Autor/in

    Rupert Hochleitner
  • Zitierweise

    Hochleitner, Rupert, "Winkler, Helmut Gustav Franz" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 244-245 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142891.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA