Weydt, Günther
- Lebensdaten
- 1906 – 2000
- Geburtsort
- Frankfurt/Main
- Sterbeort
- Münster
- Beruf/Funktion
- Germanist ; Philologe ; Literarhistoriker
- Konfession
- evangelisch
- Normdaten
- GND: 118767577 | OGND | VIAF: 27137161
- Namensvarianten
-
- Weydt, Günther Philipp Wilhelm
- Weydt, Günther
- Weydt, Günther Philipp Wilhelm
- Weydt, Günter
- Weydt, Günther
- Weydt, Guenter
- Weydt, Guenther
- Weydt, Günther Philipp Wilhelm
- Weydt, Günter
- Weydt, Günter Philipp Wilhelm
- Weydt, Günter Philipp Wilhelm
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Weydt, Günther Philipp Wilhelm
| Germanist, * 2.5.1906 Frankfurt/Main, † 18.5.2000 Münster, ⚰Münster, Friedhof Hohe Ward. (evangelisch)
-
Genealogie
V →Georg (1859–1956), Dr. med., Sanitätsrat;
M Justine Loretz;
⚭ 1936 Margarethe Fricke;
1 S →Harald (* 1938), Dr. phil., Prof. f. Sprachwiss. in Frankfurt/Oder;
3 T Renate Henckel, Inge Riou, Regine Nachtmann. -
Biographie
Nach dem Abitur am Realgymnasium Musterschule in Frankfurt/M. 1925 studierte W. in Zürich (1925), München (1925/26), Florenz (Ferienkurse 1925/26), Berlin (1926/27), Davos (Hochschulkurse 1928), Frankfurt/M. (1928) und Paris (1928/29) Germanistik, Anglistik, Romanistik, Geschichte und Kunstgeschichte. 1929 wurde er in Frankfurt/M. bei →Franz Schultz (1877–1950) mit der Arbeit „Naturschilderung bei →Annette von Droste-Hülshoff und →Adalbert Stifter, Beiträge zum ,Biedermeierstil‘ in der Literatur des neunzehnten Jahrhunderts“ (1930, Nachdr. 1967) zum Dr. phil. promoviert.
1929–31 lehrte W. als Assistant Lecturer am Modern Language Department der Univ.|Aberdeen. Danach ohne Anstellung, führte er seine Studien 1931 in Frankfurt/M. und seit 1932 in Bonn weiter, seit 1934 als apl. Assistent für Dt. Literatur am dortigen Germanistischen Seminar, wo er sich 1935 bei →Oskar Walzel (1864–1944) und →Hans Naumann (1886–1951) mit „Wilhelm Meisters Wanderjahre, Individuum und Gemeinschaft“ (ungedr.) habilitierte. Danach war W. in Bonn als Privat- und Diätendozent tätig. Nach Kriegsdienst 1939–41 wurde er im Dez. 1941 Lektor der Dt. Akademie in Brüssel und im März 1942 Kommissarischer Lektoratsleiter der Dt. Akademie in Antwerpen (seit April 1942 auch zuständig für Lüttich und Brüssel). Seit Nov. 1942 leitete er die „Mittelstelle Belgien“ der Dt. Akademie sowie die Sprachenabteilung des Dt. Wissenschaftlichen Instituts. 1943 wurde W. zum apl. Professor an der Univ. Bonn ernannt. Nach einer Gastprofessur an der Univ. Gent 1944 und erneutem Militärdienst 1944/45 lehrte er als Privatgelehrter 1946/47 wiederum in Bonn, 1947–53 als apl. Professor. Einer Lehrstuhlvertretung 1953/54 in Kiel schloß sich 1955–59 eine Vertretung in Bonn an, wo er 1959 zum Wissenschaftlichen Rat und Professor ernannt wurde. Während er einen Ruf an die FU Berlin 1960 ablehnte, nahm er 1960/61 einen Ruf zum planmäßigen ao. Professor für Neuere dt. Literaturgeschichte an die Univ. Münster (o. Prof. 1964; em. 1974) an.
Mit seinen Studien in den frühen 1930er Jahren trug W. zur Etablierung des Biedermeier-Begriffs in der Literaturwissenschaft bei. Insbesondere seine Dissertation bildete die Basis für weitere Forschungen über →Annette v. Droste-Hülshoff (1797–1848). Seit den 1950er Jahren stand das Werk →Hans Jacob Christoffel v. Grimmelshausens (um 1622–76) im Mittelpunkt seiner Arbeit. In den Monographien „Nachahmung und Schöpfung im Barock, Studien um Grimmelshausen“ (1968) und „Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen“ (1971, ²1979) sowie in zahlreichen Aufsätzen stellte er neue Ergebnisse und Perspektiven vor. Er vertrat die Auffassung, daß der „Simplicissimus Teutsch“ gemäß den Einflußphasen der Planeten des ptolemäischen Weltbilds astrologisch strukturiert sei.
Die von W. zusammen mit →Peter Berghaus (1919–2012) organisierte Ausstellung aus Anlaß des 300. Todestags von Grimmelshausen, die in acht dt. Städten zu sehen war, fand 1976/77 große Resonanz. Der von ihm mitherausgegebene Ausstellungskatalog „Simplicius Simplicissimus, Grimmelshausen und seine Zeit“ (1976) gilt als herausragende Publikation über das Leben und literarische Schaffen des Barockautors. Die Beiträge zu dem von W. in diesem Zusammenhang durchgeführten Symposion gab er zusammen mit →Ruprecht Wimmer (* 1942) unter dem Titel „Grimmelshausen und seine Zeit“ heraus (in: Daphnis 5, H. 2–4, 1976).
Infolge der öffentlichen Debatte über die Rolle der Literaturwissenschaft im Nationalsozialismus mußte sich W. in seinen beiden letzten Lebensjahren gegen Vorwürfe verteidigen. Er hatte sich im Mai 1933 der SA angeschlossen und war 1937 der NSDAP beigetreten. Der 1933 erschienene programmatische Aufsatz „Die germanistische Wissenschaft in der neuen Ordnung“ (in: Zs. f. Dt. Bildung 9, 1933, S. 638–41) enthält Elemente der NS-Ideologie und skizziert die den Staat unterstützenden Aufgaben der Germanistik im „Dritten Reich“. Im 1947 durchgeführten Entnazifizierungsverfahren wurde W. als entlastet (Stufe V) eingestuft.
W. war 1936–43 Herausgeber der „Bonner Beiträge zur deutschen Philologie“ (14 Bde.) und 1979–86 des Jahrbuchs „Simpliciana“.
Zu seinen Schülern zählen →Hans Geulen (1932–2017), →Klaus Haberkamm (* 1938), →Walter Ernst Schäfer (1929–2014) und →Theodor Verweyen (* 1937).
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Auszeichnungen
|Westfalen-Medaille in Gold;
Grimmelshausen-Medaille in Gold;
– Mitgl. d. Dt. Germanistenverbands (1951), d. Internat. Germanistenverbands (1951–97) u. d. Stifter-Inst., Linz;
Vorstandsmitgl. d. Annette v. Droste-Ges. (1965);
Gründer u. erster Präs. d. Grimmelshausen-Ges., Münster (1977–86, seit 1986 Ehrenpräs.). -
Werke
Weitere W „Komm Trost der Nacht“, Christoph v. Grimmelshausens „Nachtigallenlied“, Seine Qu. u. sein Charakter, in: Dt. Barocklyrik, Gedichtinterpretationen v. Spee bis Haller, hg. v. M. Bircher u. A. M. Haas, 1973, S. 153–66;
Wirklichkeit u. Dichtung im „Simplicissimus“, in: Daphnis 5, 1976, S. 187–98;
Über d. Titel d. „Simplicius Simplicissimus“ u. d. fiktive Namengebung d. Autors u. Helden, in: Sagen mit Sinne, FS Marie-Luise Dittrich z. 65. Geb.tag, hg. v. H. Rücker u. K. O. Seidel, 1976, S. 281–90;
„Und sie bewegen sich [leider?] doch!“ Zu B. L. Spahrs – u. G. Lemkes–Zweifeln an d. Planetenstruktur d. „Simplicissimus“, in: Argenis 2, 1978, S. 3–17;
Vom wahren Ursprung d. „Bärenhäuters“, Zum Märchen-, Sagen- u. Aberglaubenproblem b. Grimmelshausen, in: Stud. z. dt. Lit. d. MA, hg. v. R. Schützeichel, 1979, S. 752–59;
Nochmals: Zur Planetenstruktur d. „Courage“, in: Simpliciana II, 1980, S. 37–42;
Die entscheidende erzähler. Qu. d. „Simplicissimus“ ? Scarron u. Grimmelshausen, ebd. III, 1981, S. 7–16;
Der Ständebaum, Zur Gesch. e. Symbols v. Petrarca bis Grimmelshausen, ebd. IV/V, 1983, S. 7–25;
Neues zu Grimmelshausen, ebd. VI/VII, 1985, S. 7–46;
Grimmelshausen u. Homer, Zum Lektürekanon d. Simplicissimus-Dichters, ebd. VIII, 1986, S. 7–17;
Nochmals z. Schreibort Grimmelshausens, Das dreifache Publi|kum, ebd. X, 1988, S. 331–48;
Jacques Callot als Anreger Grimmelshausens, oder Wie d. Bilder laufen lernten, ebd. XII, 1990, S. 291–321;
Chaosprodukt, Dom-Opera oder eigenständiges Kunstwerk? Betrachtungen z. „Ewig-währenden Kal.“ Grimmelshausens, ebd. XVI, 1994, S. 33–44;
Größe u. Rätsel d. Meisters, Paralipomena z. gesellschaftl. Status Grimmelshausens, ebd. XVIII, 1996, S. 13–27;
„Springinsfeld“, Hintergründe e. simplician. Gestalt, ebd. XX, 1998, S. 93–103;
Grimmelshausens Bildung, Mit e. Nachtrag: „Simplicissimus“ u. „Odyssee“, in: Kontroversen, alte u. neue, Akten d. VII. Kongresses d. Internat. Vereinigung f. german. Sprach- u. Lit.wiss., hg. v. A. Schöne, Bd. 7, 1986, S. 170–75;
„Rathstübel Plutonis“ u. „Treffen in Telgte“, Humanist. Gesprächsspiele b. Grimmelshausen u. Grass, in: „Daß e. Nation d. ander verstehen möge“, FS Marian Szyrocki zu seinem 60. Geb.tag, hg. v. N. Honsza u. H.-G. Roloff, 1988, S. 785–90;
Barocke Schenkung, Interpretation e. einzigen Absatzes d. „Simplicissimus Teutsch“ (Buch III, Kap. 16, Absatz 4), in: Critica Poeticae, Lesarten z. dt. Lit., Hans Geulen z. 60. Geb.tag, hg. v. A. Gößling u. St. Nienhaus, 1992, S. 35–40;
Macht u. Machtlosigkeit d. Worts, Zu d. Levin-Gedichten d. Annette v. Droste, in: Wahrheit u. Wort, FS Rolf Tarot z. 65. Geb.tag, hg. v. G. Scherer u. B. Wehrli, 1996, S. 519–36;
– Hg.: Hans Jakob Christoph v. Grimmelshausen, Lebensbeschreibung d. Erzbetrügerin u. Landstörzerin Courasche, 1971 (mit K. Haberkamm);
Annette v. Droste-Hülshoff, Sämtl. Werke, Nach d. Text d. Orig.drr. u. d. Hss., 2 Bde., 1973/78, ³1989 (mit W. Woesler);
Homer, Odyssea, Faks.druck d. Ausg. Augsburg 1537, 1986 (mit T. Sodmann);
– Bibliogr. bis 1972: Rezeption u. Produktion, 1972 (s. L), S. 635–38;
– Qu Univ.archiv Bonn, Personalakte;
Univ.archiv Münster, Personalakte. -
Literatur
L Rezeption u. Produktion zw. 1570 u. 1730, FS G. W. z. 65. Geb.tag, hg. v. W. Rasch u. a., 1972 (W,P);
K. Haberkamm, in: Simpliciana XXII, 2000, S. 517–20 (P);
D. Breuer, ebd., S. 521 f.;
P. Sturm, Lit.wiss. im Dritten Reich, Germanist. Wissensformationen u. pol. System, 1995;
L. Jäger, Seitenwechsel, Der Fall Schneider/Schwerte u. d. Diskretion d. Germanistik, 1998, S. 244–56;
K. Weimar, Schwerte/Schneider u. d. Germanistik u. Ludwig Jäger, in: Merkur 53, 1999, S. 445–53, hier S. 450–52;
G. Kaiser, Grenzverwirrungen, Lit.wiss. im NS, 2008, S. 154–61;
P. Gossens, in: Internat. Germanistenlex. (W, L). -
Autor/in
Peter Heßelmann -
Zitierweise
Heßelmann, Peter, "Weydt, Günther Philipp Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 6-8 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118767577.html#ndbcontent