Weydemeyer, Joseph

Lebensdaten
1818 – 1866
Geburtsort
Münster
Sterbeort
Saint Louis, Mo.
Beruf/Funktion
Offizier ; Journalist ; Sozialist ; Arbeiterführer ; Redakteur ; Arbeiterführer ; Leutnant
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 1051215226 | OGND | VIAF: 266145857865123020714
Namensvarianten

  • Weydemeyer, Joseph Arnold Wilhelm
  • Weydemeyer, Joseph
  • Weydemeyer, Joseph Arnold Wilhelm
  • Weydemeyer, G.
  • Weydemeyer, Josef

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Zitierweise

Weydemeyer, Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1051215226.html [12.03.2026].

CC0

  • Weydemeyer, Joseph Arnold Wilhelm

    | Offizier, Journalist, Sozialist, Arbeiterführer, * 2.2.1818 Münster, 26.8.1866 Louis (Missouri, USA).

  • Genealogie

    V Caspar Anton Theodor (1788–1858), preuß. Reg.beamter in M., S d. Johann Heinrich ( 1794), Famulus in M., u. d. Anna Gertrud Bau(e)r ( 1822);
    M Caroline Albertina Wilhelmina (* 1795), T d. Johann Dietrich Arnold Smiths (Schmitz) (1762–1837), Gutsbes., Bgm. v. Welver-Meyerich (Kr. Soest), u. d. Maria Christine Franziska v. Michels (1766–1848);
    1847 Luise (1822–68), T d. Johann Friedrich Lüning (1780–1856), Pastor in Gütersloh, später in Schildesche, u. d. Johanna Luisa Amalia Velhagen, T e. Amtmanns aus d. Stift Quernheim b. Diepholz;
    1 S Otto (* 1849), lebte in Pittsburgh, übers. Werke v. K. Marx u. J. Most ins Engl., Mitgl. d. Internat. Labor Union, 1 T Laura (* 1850, Max Livingston, 1845–1906, aus Hagen, emigrierte 1861 in d. USA, Untern., mit seinem B Julius Gründer d. Fa. Livingston Bros. f. d. Raffinieren v. Erdöl, n. Übernahme durch Standard Oil Dir. d. Werke in Pittsburgh, 1884 Gen.dir. d. Atlantic Refining Company in Point Breeze b. Philadelphia, Pennsylvania, Mitgl. d. Engineer’s Soc. of Western Pennsylvania, Schachspieler);
    Schwager Otto Lüning (1818–1868), Dr. med., Arzt, sozialist. Publ., Pol. in Rheda (s. L).

  • Biographie

    W. besuchte die Preuß. Kriegsakademie in Berlin und wurde 1839 Artillerieleutnant. 1842 kam er in Kontakt mit der oppositionellen „Rheinischen Zeitung“, deren Redaktionsleiter zeitweise Karl Marx (1818–1883) war. 1845 schied W. aus dem Militär aus und begann seine publizistische Tätigkeit für die linksdemokratische bzw. sozialistische Monatsschrift „Das Westphälische Dampfboot“, die sein Schwager Otto Lüning 1845–48 herausgab. 1846 besuchte W. für zwei Monate seine späteren langjährigen Freunde Marx und Friedrich Engels (1820–1895) in Brüssel und wurde Mitglied des Kommunistischen |Korrespondenz-Komitees. Im Verlauf der Revolution 1848/49 organisierte W. Arbeitervereine und nahm im Juni 1848 am ersten Demokratenkongreß in Frankfurt/M. teil. 1848–50 war er mit Lüning verantwortlicher Redakteur der „Neuen Deutschen Zeitung“, die dem äußersten linken Flügel der Nationalversammlung nahestand. Außerdem war W. im Frankfurter Arbeiterverein und im „Bund der Kommunisten“ aktiv.

    Nach dem Verbot der Neuen Dt. Zeitung floh W. 1851 mit seiner Familie über die Schweiz nach New York City (US-Staatsbürger 1858), wo er seine publizistische Tätigkeit wieder aufnahm, u. a. für die „Turn-Zeitung“. Im ersten Heft der von ihm 1852 herausgegebenen Zeitschrift „Die Revolution“ (nur 2 Hh. ersch.) veröffentlichte W. erstmals Marx’ Schrift „Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“. 1853/54 arbeitete er mit Adolph Cluss (1825–1905) für die von Gottlieb Theodor Kellner (1819–1898) herausgegebene Zeitung „Die Reform“. Außerdem gründete er mit Mitstreitern im März 1853 den Amerik. Arbeiterbund, der allerdings sein Ziel verfehlte, eine gewerbeübergreifende Arbeiterorganisation über ethnische Grenzen hinweg zu bilden.

    Aus Geldnot zog W. 1856 nach Milwaukee, arbeitete als Landvermesser, war aber auch politisch und publizistisch aktiv. Ohne seine sozialistischen Überzeugungen aufzugeben, wandte er sich wie viele andere 48er der Republikanischen Partei zu, die gegen die Ausbreitung der Sklaverei kämpfte, und engagierte sich im Präsidentschaftswahlkampf 1860 für Abraham Lincoln. Nach Beginn des Amerik. Bürgerkriegs trat W. in die Unionsarmee ein, beteiligte sich in Missouri in verschiedenen Funktionen am Kampf gegen die Konföderierten und informierte Engels in Briefen über den Kriegsverlauf. Gleichzeitig schrieb er Aufsätze für die in St. Louis erscheinenden Zeitungen „Westliche Post“ und „Neue Zeit“, in denen er sich u. a. für den Achtstundentag und das Wahlrecht der befreiten männlichen Sklaven einsetzte. 1865 wurde W. zum Auditor in der Finanzverwaltung von St. Louis County gewählt.

    W. erwarb sich mit seinem Wirken besondere Bedeutung für die Geschichte der dt. Arbeiterbewegung in den USA. Sein langjähriger Briefwechsel mit Marx und Engels ist teilweise im Rahmen der Marx-Engels-Gesamtausgabe („MEGA“) veröffentlicht. W.s eigene Publikationen bilden eine wichtige Quelle für die Geschichte des Sozialismus in Deutschland und den USA.

  • Auszeichnungen

    |J. W. Kriegsschiff d. US-Flotte (1944);
    W.-Str., Chemnitz u. Berlin (1963).

  • Literatur

    |H. Schlüter, Die Anfänge d. dt. Arbeiterbewegung in Amerika, 1907;
    K. Obermann, J. W., Pioneer of American Socialism, 1947 (P);
    ders., J. W., Ein Lb., 1818–1866, 1968;
    ders., W. in Amerika, Neues z. Biogr. v. J. W. (1854–60), in: Internat. Review of Social Hist. 25, 1980, H. 2, S. 176–208;
    W. Pospelowa, in: E. P. Kandel (Red.), Marx u. Engels u. d. ersten proletar. Revolutionäre, 1965, S. 261–97;
    H. Brims, Das westphäl. Dampfboot, Eine pol. Zs. d. „wahren“ Sozialismus, Diss. Augsburg 1983;
    N. Diekmann, J. W., ein Führer d. amerik. Arbeiterbewegung, aus Münster gebürtig, in: Btrr. z. westfäl. Fam.forsch. 41, 1983, S. 364–67;
    Ph. S. Foner u. D. R. Roediger, Die Achtstundenbewegung, Art. J. W. in d. „Westl. Post“ (St. Louis), in: Marx-Engels-Jb. 7, 1984, S. 321–34;
    G. Frick-Lemmer, Das westphäl. Dampfboot, 1990;
    B. Levine, The Spirit of 1848, 1992;
    D. Nagel, Von republikan. Deutschen zu dt.-amerik. Republikanern, 2012;
    A. C. Efford, German Immigrants, Race, and Citizenship in the Civil War Era, 2013;
    Biogr. Lex. Arbeiterbewegung;
    Lex. sozialist. Lit.;
    Teilnachlaß: Internat. Inst. f. Soz.gesch. Amsterdam (auch im Internet), Archiv d. soz. Demokr. d. Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn;
    zu Otto Lüning: G. Wierichs, Zu progressiv f. d. Prov.? O. L., d. „Rhedaer Kr.“ u. d. „Westphäl. Dampfboot“, in: „Jede Umwälzung trägt d. Charakter ihrer Zeit“, Ostwestfalen-Lippe 1848/49, hg. v. H. W. Blanke, 1999, S. 93–120;
    Lex. sozialist. Lit. (Art. Westphäl. Dampfboot), S. 524 f.;
    Biogr. Lex. Burschenschaft;
    Westfäl. Autorenlex.;
    NDB 15.

  • Porträts

    |Photogr. (W. in d. Uniform d. Unionsarmee), Abb. in: K. Obermann, J. W., 1947.

  • Autor/in

    Daniel Nagel
  • Zitierweise

    Nagel, Daniel, "Weydemeyer, Joseph Arnold Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 5-6 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1051215226.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA