Weyer, Willi
- Lebensdaten
- 1917 – 1987
- Geburtsort
- Hagen (Westfalen)
- Beruf/Funktion
- Sportfunktionär ; Politiker ; Funktionär
- Konfession
- evangelisch
- Normdaten
- GND: 128558032 | OGND | VIAF: 57667944
- Namensvarianten
-
- Weyer, Wilhelm
- Weyer, Friedrich Wilhelm Ludwig
- Weyer, Willi
- Weyer, Wilhelm
- Weyer, Friedrich Wilhelm Ludwig
- Weyer, Willy
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Weyer, Friedrich Wilhelm Ludwig (Willi)
| Sportfunktionär, Politiker, * 16.2.1917 Hagen (Westfalen), † 25.8.1987 Insel Juist. (evangelisch)
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Genealogie
V →Wilhelm (1886–1974), Oberamtsanwalt, Mitgl. d. Stadtvertretung in H. (DDP), S d. Friedrich u. d. Ida Treppmann;
M Emma (1893–1967), aus H., T d. Louis Schütz, Gastwirt in H., u. d. Maria Bechmann;
⚭ 1943 Leni Feisel († 2016);
2 S →Reinhard (* 1949, ⚭ Dorothee Becker), Dr. med., Orthopäde, Chefarzt am Sportkrankenhaus Hellersen, Udo-Willi († 2005, ⚭ Brigitte Heermann gen. Böckelühr, RA), 1 T Bärbel (⚭ Jochen Mischke), Dr. -
Biographie
Nach dem Abitur am Reform-Realgymnasium in Hagen 1936 studierte W., der ein begeisterter Schwimmer und Wasserballsportler bei „Hagen 94“ war, Jura und Volkswirtschaft in Bonn, Jena und München. 1940 legte er das 1. iur. Examen ab und absolvierte anschließend sein Referendariat in Hagen. 1942 nahm er eine Tätigkeit als Assistent an der Akademie für Dt. Recht in München auf (NSDAP-Mitgl. seit 1937). Nach dem Krieg nach Hagen zurückgekehrt, war er hier 1946–54 Syndikus des Einzelhandelverbands Südwestfalen. Zugleich wirkte W. 1948–54 als Stadtverordneter und Stellvertreter des Hagener Oberbürgermeisters und späteren Ministerpräsidenten →Fritz Steinhoff (1897–1969).
Bereits 1945 war W. der FDP beigetreten. 1946 wurde er zum westfäl. Landesvorsitzenden der Dt. Jungdemokraten (DJD) in der brit. Besatzungszone gewählt, 1950 zum stellv., 1956 zum Landesvorsitzenden der FDP (bis 1972). Seit 1952 war W. Mitglied des Bundesvorstands der FDP, 1963–67 stellv. Bundesvorsitzender. 1950–54 und 1958–75 zählte er zu den Abgeordneten des nordrhein-westfäl. Landtags; 1953/54 hatte er ein Mandat im Bundestag. Anfang 1956 gehörte W., der 1954 im CDU-geführten Kabinett Arnold das Amt des Ministers für Wiederaufbau übernommen hatte, zu den „Jungtürken“, die erfolgreich den Koalitionswechsel der FDP zur SPD forderten. In der neuen SPD-geführten Regierung →Steinhoff war er 1956–58 Finanzminister und Stellvertreter des Ministerpräsidenten. Für die Kabinette Meyers (CDU) und →Kühn (SPD) amtierte er 1962–75 als Innenminister und abermals als stellv. Ministerpräsident, bevor er mit Rücksicht auf seine kurz zuvor erfolgte Wahl zum Präsidenten des Dt. Sportbunds (DSB) zurücktrat und →Burkhard Hirsch (1930–2020) sein Nachfolger als Innenminister wurde.
In seiner landespolitischen Laufbahn wurde W. als Pragmatiker geschätzt. Als Innenminister setzte er Akzente durch die Organisation der Verkehrspolizei („Autobahn-Willi“) und verantwortete im Mai 1968 die Polizeimaßnahmen gegen die Demonstrationen aus Anlaß der Notstandsgesetzgebung. In W.s Amtszeit fällt auch die Gebietsreform 1966–75, in der die Anzahl der Kommunen von 2277 auf 396 verringert wurde.
W.s Laufbahn als Sportfunktionär begann 1957 mit seiner Wahl zum Präsidenten des Landessportbunds Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam mit →Frieder Roskam (1929–1993) war er führend an der Gründung der „Internationalen Vereinigung Sport- und Freizeitein|richtungen“ (IAKS) beteiligt, deren erster Präsident er 1965–84 war. Anfang der 1970er Jahre zählte er zu den Mitgliedern des Organisationskomitees für die Olymp. Sommerspiele in München 1972. 1974 wurde er als Nachfolger →Wilhelm Kregels (1909–1994), dem er bei der Präsidentenwahl 1970 noch unterlegen war, zum Präsidenten des DSB gewählt.
In seiner bis zum Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen 1986 währenden Amtszeit baute W. den DSB zur größten gesellschaftlichen Organisation in der Bundesrepublik aus, der über 60 000 Vereine angehörten und die eine Mitgliederzahl von rund 20 Mio. erreichte. Mitverantwortlich für diese Entwicklung war W.s Förderung des Trimmsports, der zu einer Öffnung der Vereine für den Breitensport führte. Eine wegweisende Entscheidung war der auf W.s Initiative 1977 getätigte Verzicht des DSB auf Millionenzahlungen des Bundes, der die Unabhängigkeit des Sports vom Staat garantierte. W., der sich als „politischer Präsident“ des DSB verstand, versuchte die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik sowie DDR und Sowjetunion in sportlicher Hinsicht zu verbessern, u. a. durch offizielle DSB-Besuchsreisen in die DDR und die Unterzeichnung eines Protokolls für die dt.-sowjet. Sportbeziehungen 1977. Allerdings trug er auch nach anfänglichen Bedenken den Boykott der Olymp. Spiele 1980 in Moskau mit.
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Auszeichnungen
|Dieselring d. Verbands d. Motorjournalisten (1964);
Dr. h. c. (1973) u. Ehrenbürger d. Dt. Sporthochschule Köln (1987);
Gr. BVK mit Stern u. Schulterband (1973);
Verdienstorden u. Sportplakette d. Landes NRW;
Aufnahme in d. Hall of Fame d. dt. Sports (2008) u. d. IAKS (2015);
– W.-W.-Sportschule d. Landessportbunds NRW, Sundern-Hachen, seit 1984 (seit n. 1987 unter diesem Namen);
W.-W.-Ak. d. Dt. Sportbunds, Berlin, seit 2003 Köln (seit 1988 unter diesem Namen, gegr. 1968);
W.-W.-Bad, Hagen (bis 2010);
mehrere W.-W.-Strr. in NRW. -
Werke
|Die Funktionalreform, Inhalt, Weg, Ziel, 1972 (P); - ausgew. Reden als Präs. d. Dt. Sportbunds 1974–86, in: W. W., hg. v. Dt. Sportbund, 1987 (P);
–Qu Die Kabinettsprotokolle d. Landesreg. v. NRW 1966–70, hg. v. Ch. Nonn u. a., 2006;
dass. 1970–75, hg. v. F. M. Bischoff u. a., 2009;
– Nachlaß: Prof. Dr. Reinhard Weyer, Hagen;
– Qu Landesarchiv NRW, Abt. Rheinland;
StadtA Hagen. -
Literatur
L W. W., hg. v. Dt. Sportbund, 1987 (P);
W. Penner, in: Soz.demokrat. Pressedienst v. 28.8.1987;
H. Hansen, W. W. gibt’s nur einmal! [1987], in: Dt. Sportbund 1986–1990, Ber. d. Präsidiums, 1990, S. 158–60;
W. R. Krabbe, Parteijugend in Dtld., Junge Union, Jungsozialisten u. Jungdemokraten, 2002, S. 65;
V. Mörth, Die Trimm-Aktionen d. Dt. Sportbundes z. Bewegungs- u. Sportförderung in d. BRD 1970 bis 1994, 2005;
Munzinger;
– Internetpräsenz d. Hall of Fame d. dt. Sports (P) u. d. nordrheinwestfäl. LT (P). -
Porträts
|Bronzerelief, n. 1987 (W.-W.-Sportschule d. Landessportbunds NRW, Sundern-Hachen).
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Autor/in
Stefan Jordan -
Zitierweise
Jordan, Stefan, "Weyer, Friedrich Wilhelm Ludwig (Willi)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 8-9 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128558032.html#ndbcontent