Zimmerli, Walther

Lebensdaten
1907 – 1983
Geburtsort
Schiers (Prättigau, Kanton Graubünden)
Sterbeort
Oberdiessbach bei Thun (Kanton Bern)
Beruf/Funktion
reformierter Theologe
Konfession
reformiert
Namensvarianten

  • Zimmerli, Walther Theodor
  • Zimmerli, Walther
  • Zimmerli, Walther Theodor
  • Zimmerli, Walter
  • Zimmerli, Walter Theodor

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Zitierweise

Zimmerli, Walther, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143038.html [01.03.2026].

CC0

  • Zimmerli, Walther Theodor

    | reformierter Theologe, Alttestamentler, * 20.1.1907 Schiers (Prättigau, Kanton Graubünden), † 4.12.1983 Oberdiessbach bei Thun (Kanton Bern), Bern.

  • Genealogie

    V Jakob (1860–1918, 1] Anna Günthardt, 1856–1904, aus Adliswil, Kt. Zürich), 1886–94 ref. Pfarrer in Gebenstorf (Kt. Aargau), 1894–1918 Dir. d. ev. Lehranstalt in Sch., S d. Gottlieb (1826–1901), Schneidermeister in Oftringen (Kt. Aargau), u. d. Elisabeth Dätwyler (1830–1887) aus Boniswil (Kt. Aargau);
    M Lilly (1872–1956), T d. Robert Frey (1844–1906), Apotheker in Zürich (s. C. C. Keller, Zürcher. Apotheken u. Apotheker, 1893), u. d. Wilhelmine Usteri (1846–1927);
    1 B Ernst (1908–75), Dr. phil., Realschullehrer in Liestal (Kt. Basel-Landschaft), 1 Schw Lilly (1910 – um 1990, Hans Steffen Wittwer, 1911–2003, Methodistenprediger), Krankenschwester, 8 ältere Stief-Geschw;
    Schwerin 1951 Irmgard (1908–88), Päd., Kindergärtnerin, T d. Theodor v. der Ropp (1880–1953), Jur. in Mitau, u. d. Helene v. Fircks (1884–1956);
    3 S Wolf Dietrich (* 1934), Chirurg in O., Traugott (* 1935), Dr. sc. nat., Physiker am Laboratorium f. Kernphysik d. ETH Zürich u. an d. Eidgenöss. Materialprüfungs- u. Forsch.anstalt in Uster u. St. Gallen, Walther Christoph (* 1945), Prof. f. Philos. an d. TU Braunschweig u. an d. Univ. Bamberg, Erlangen-Nürnberg, Marburg u. Witten/Herdecke, an d. FH Wolfsburg u. an d. TU Cottbus (s. Kosch, Lit.-Lex.³, W, L), 3 T Elisabeth (* 1938), Schausp., Journ. in Freiburg (Br.), Ursula (1939–2021), Physiotherapeutin in Affoltern am Albis u. Chur, Ruth (* 1942), Anästhesistin in Zürich.

  • Biographie

    Z. wuchs im vorderen Prättigau (Kt. Graubünden) auf und absolvierte das Gymnasium in Schiers. Seit 1925 studierte er Ev. Theologie und Altoriental. Sprachen an der Univ. Zürich, im Sommer 1927 in Berlin und danach, um seine systematisch-theologische Schulung zu vertiefen, in Göttingen, wo ihn der Pädagoge Herman Nohl (1879–1960) beeinflußte. Nach dem Examen 1929 in Göttingen absolvierte er das praktische Jahr in der Schweizer. Anstalt für Epileptische in Zürich und besuchte die Rekrutenschule in St. Gallen. Seit 1930 war Z., zuvor in diesem Jahr im Aargau ordiniert, Assistent bei Alfred Rahlfs (1865–1935) und Johannes Hempel (1891–1964) an der Univ. Göttingen, erlangte 1931 mit einer alttestamentlichen Arbeit den Grad eines Lic. theol. und wirkte 1932/33 als Inspektor des neugegründeten theol. Sprachenkonvikts. Nach der NS-Machtübernahme 1933 kehrte er als Pfarrer in Aarburg in den Kt. Aargau zurück und wurde 1935 als Nachfolger Jakob Hausheers (1865–1943) zum Extraordinarius, 1938 zum Ordinarius für Altes Testament, Religionsgeschichte und Oriental. Sprachen an die Univ. Zürich berufen. Z. gründete 1940 in Zürich ein ref. Theologenhaus, dem später ref. Studentenhäuser in Zürich folgten.

    Während der NS-Zeit vertrat Z. gegenüber den Dt. Christen die Unverzichtbarkeit des Alten Testaments für die christlichen Kirchen, betonte die Schweizer Neutralität und nahm Stellung gegen Euthanasie und Verfolgung der Juden. 1940–51 versah er zudem das Amt eines Feldpredigers. Nach Kriegsende setzte er sich nach Reisen durch Westdeutschland in der Schweiz für die Not in Deutschland (Was geht uns d. Not in Dtld. an?, Vortrag am 17. 11. 45, gedr. 1946) ein, war Vorstandsmitglied und Präsident der Zürcher Kommission für Deutschlandhilfe (1945–50) und übernahm 1947–50 Gastprofessuren an der Berliner Kirchlichen Hochschule sowie an der HU Berlin und besuchte weitere ostdt. Fakultäten. Die Gründung des|Staats Israel 1948 führte bei Z. zu einem selbstkritischen theologischen Umdenken, in dessen Folge er die christliche Schuld gegenüber dem Judentum betonte, das Gespräch zwischen Juden und Christen forderte und mehrfach nach Israel reiste. 1951 wurde Z. als Nachfolger Gerhard v. Rads (1901–71) o. Professor für Altes Testament an der Univ. Göttingen (vierfacher Dekan, Rektor 1964–66). In dieser Zeit avancierte er zu einem der angesehensten Vertreter seines Fachs, der – international weit vernetzt–Mitherausgeber wichtiger fachwissenschaftlicher Zeitschriften (u. a. Vetus Testamentum, 1960–74) war und häufig im Ausland lehrte. Rufe nach Heidelberg (1956) und Basel (1960) lehnte er ab. In Göttingen initiierte Z. 1964/65 die erste Europ. Rektorenkonferenz (Vors. d. Niedersächs. Rektorenkonf. 1966/67), der er ebenso als Präsident vorstand wie der International Organization for the Study of the Old Testament (seit 1974), und war 1965–75 Mitglied im Board der Weltrektorenkonferenz.

    Nach seiner Emeritierung 1975 versah er zahlreiche Gastprofessuren und übernahm 1977 die Organisation und die Präsidentschaft beim Göttinger Alttestamentler-Kongreß.

    Z.s besonderes Interesse galt der theologischen Auslegung des Alten Testaments. Als wichtigstes Werk seiner Zürcher Zeit erschien 1943 seine Auslegung der Urgeschichte (1. Mose 1–11, ⁴1984). Unter seinen zahlreichen späteren Publikationen gilt sein Kommentar des Buchs Ezechiel (2 Bde., 1955/69, 2. verbesserte Aufl. 1979) als Haupt- und Referenzwerk. Zudem kommentierte Z. das Buch des Predigers Salomo (Kohelet, 1962, ³1981) und das erste Buch Mose (Kap. 12–25) (1976) für einen größeren Leserkreis. Weite Verbreitung fand sein „Grundriß der alttestamentlichen Theologie“ (1972, ⁷1999), in der er vom Namen Jahwes als perspektivischem Fluchtpunkt ausging: Gottes Selbstoffenbarung stelle die „Mitte“ des Alten Testaments dar. Mit diesem Konzept legte er einen Gegenentwurf zu v. Rad vor, der sich darauf beschränkte, die einzelnen alttestamentlichen Zeugnisse nachzuzeichnen.

    In den hermeneutischen Debatten der frühen Nachkriegszeit vertrat Z. das Modell von „Verheißung und Erfüllung“, zu dem er auch in den Sammlungen „Gottes Offenbarung“ (1963, ²1969) und „Studien zur alttestamentlichen Theologie und Prophetie“ (1974) wichtige Aufsätze publizierte. Z.s Artikel „Biblische Theologie 1, Altes Testament“ in der TRE (6, 1980, S. 426–55) bietet neben einer profunden geschichtlichen Darstellung eine Zusammenfassung von Z.s Theologie. Zu Z.s Schülern zählen Claus Westermann (1909–2000), Rudolf Smend (* 1932) und Ed Noort (* 1944).

  • Auszeichnungen

    |Dr. h. c. (Göttingen 1946, Zürich 1965, Edinburgh 1969 u. Straßburg 1969);
    Mitgl. d. Göttinger Ak. d. Wiss. (1962, Präs. 1970–78) u. d. Konf. d. dt. Akademien d. Wiss.;
    Senator d. DFG (1964–83);
    Ehrenmitgl. d. Soc. of Biblical Literature (1968) u. d. Internat. Soc. of Old Testament Stud. (1969);
    Burkitt Medal for Biblical Studies d. British Ac. (1972);
    Gr. Verdienstkreuz d. Niedersächs. Verdienstordens (1978).

  • Werke

    Weitere W Gesch. u. Tradition v. Beerseba im AT, 1932 (Teildr. d. Diss.);
    Die Weisheit d. Predigers Salomo, 1936;
    Das AT als Anrede, 1956;
    Das Buch d. Predigers Salomo, übers. u. erklärt v. W. Z., in: Sprüche, Prediger, Das Hohe Lied, Klagelieder, Das Buch Esther, übers. u. erklärt v. H. Ringgren, W. Z. u. O. Kaiser, 1962, ³1981, S. 123–251;
    Das Gesetz u. d. Propheten, 1963, ²1969;
    Was ist d. Mensch? (Rektoratsrede), 1964;
    Der Mensch u. seine Hoffnung im AT, 1968;
    Die Weltlichkeit d. AT, 1971;
    Ezechiel, Gestalt u. Botschaft, 1972;
    1. Mose 12–25. Abraham, 1976;
    Bibliogr.: S. Wüst, in: Btrr. z. Alttestamentl. Theol., FS f. W. Z. z. 70. Geb.tag, hg. v. H. Donner u. a., 1977, S. 559–80;
    J. Motte, 1995 (s. L), S. 208–11;
    Nachlaß: Privatbes. Wolf Dietrich Zimmerli, Oberdiessbach (Kt. Bern).

  • Literatur

    |L. Perlitt, in: Zs. f. d. alttestamentl. Wiss. 96, 1984, S. 1 f.;
    In memoriam W. Z., Gedenkfeier am 12. Mai 1984 in d. Aula d. Georg-August-Univ. Göttingen, 1984;
    J. H. Schmid, Bibl. Theol. in d. Sicht heutiger Alttestamentler [ … ], 1986, S. 148–86 u. 239–44;
    R. Smend, Dt. Alttestamentler in drei Jhh., 1989, S. 276–98 u. 328 f.;
    J. Motte, Bibl. Theol. n. W. Z., Darst. u. Würdigung d. alttestamentl. Theol. W. Z., u. d. sich aus ihr ergebenden Perspektive z. NT in systemat.-theol. Sicht, 1995 (W);
    K. Grünwaldt, in: Das wiss. Bibellex. im Internet, 2007 (Internet);
    BBKL 14 (W, L);
    LThK³;
    Personenlex. Protestantismus;
    Göttinger Gel. (P);
    Th. K. Kuhn, in: HLS.

  • Autor/in

    Thomas Konrad Kuhn
  • Zitierweise

    Kuhn, Thomas Konrad, "Zimmerli, Walther Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 699-700 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143038.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA