Lebensdaten
1902 – 1965
Geburtsort
Anholt (Westfalen)
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Dominikaner ; Sozialethiker ; Theologe
Konfession
katholisch
Namensvarianten
  • Welty, Franz Matthias Bernhard (eigentlich)
  • Welty, Eberhard
  • Welty, Franz Matthias Bernhard (eigentlich)
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Zitierweise

Welty, Eberhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz140384.html [25.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1872–1965?), aus Jülich, seit 1922 Schneidermeister in A., S d. Mathias (* 1834), aus Bergheim/Erft, u. d. Sibilla Lugg (Sugg?);
    M Henriette Stevens (1878–1975), aus A., n. 1965 b. ihrer T Elisabeth Roebrock in Biemenhorst b. Bocholt;
    10 jüngere Geschw u. a. B Eduard, Hauptlehrer, 1965 Schulrektor in Wesseling-Keldenich, Ehrenring d. Stadt Wesseling (1979), Schw Elisabeth Roebrock.

  • Biographie

    Nach dem Besuch der Rektoratsschule in Anholt wechselte W. auf das von Dominikanern geleitete Gymnasialkolleg in Vechta, wo er 1922 das Abitur bestand (die Prüfungen wurden am staatl. Gymnasium in Emmerich abgenommen) und in den Predigerorden eintrat. W. absolvierte sein Noviziat in Venlo (Profeß 1923) und phil.-theol. Studien im Ordensstudium in Düsseldorf. Im Anschluß an die 1929 in Köln empfangene Priesterweihe lehrte er seit 1930 als Lektor für Ethik und Moraltheologie an der in das Kloster Walberberg verlegten Ordenshochschule. Zudem fungierte er als Studentenmagister (1933–37), Prior (1937–39) und Studienregens (1937–54). Ein Zusatzstudium an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Univ. Köln schloß W. 1934 mit der Promotion zum Dr. rer. pol. ab. Im „Dritten Reich“ publizierte er politisch Unverfängliches; das Kloster diente seit 1939 als Lazarett und wurde später von der Gestapo beschlagnahmt.

    1941 stieß W. zur Widerstandsgruppe „Kölner Kreis“ und arbeitete Grundlinien einer künftigen christlich-rechtsstaatlichen „Gesamtlebensordnung“ aus, die, gleich nach Kriegsende veröffentlicht, die „Kölner Leitsätze“ vom Juli 1945 und die v. a. im Kloster Walberberg vorbereitete Gründung der rhein. „Christlich-Demokratischen Partei“, der späteren CDU, beeinflußten (Was nun? Grundsätze u. Hinweise z. Neuordnung im dt. Lebensraum, 1945, erw. Fassung u. d. T. Die Entscheidung in die Zukunft, Grundsätze u. Hinweise z. Neuordnung im dt. Lebensraum, 1946). Trotz der Ablehnung seines Konzepts eines „christlichen Sozialismus“ durch neoliberale Pragmatiker wie Ludwig Erhard (1897–1977) blieb W. Ideengeber und Berater der CDU, v. a. der „Sozialausschüsse“, aber auch Gesprächspartner von SPD-Politikern wie Kurt Schumacher (1895–1952), Willi Eichler (1896–1971), Wilhelm Mellies (1899–1958), Herbert Wehner (1906–90) und Erich Ollenhauer (1901–63). Als Diskussionsforum dienten ihm u. a. die 1946 von ihm gegründete Zeitschrift „Die Neue Ordnung“ und das 1951 mit Provinzial Laurentius Siemer (1888–1956) und (Unternehmer-)Freunden ins Leben gerufene, seit 1984 in Bonn ansässige „Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg“, die bis heute W.s sozialethisches Vermächtnis wahren.

    W. entwarf mit seiner Albertus Magnus gewidmeten Dissertation „Gemeinschaft und Einzelmensch, Eine sozialmetaphysische Untersuchung, Bearbeitet nach den Grundsätzen des Hl. Thomas von Aquin“ (1935) eine systematische Sozialphilosophie und logisch stringente Prinzipienlehre, auf die er zeitlebens zurückgriff. Auf der Basis einer aristotelischthomistischen Anthropologie entfaltet er Wesen, Wirklichkeit und Aufbauprinzipien menschlichen Gemeinschaftslebens, nicht ohne teils wertphilosophische, teils soziologische (Leopold v. Wiese [1876–1969], Joseph| T. Delos OP [1891–1974]), teils nomenklatorische Anleihen (z. B. Ferdinand Tönnies [1855–1936] Unterscheidung von Gemeinschaft und Gesellschaft) bei modernen Denkern zu machen.

    W. eröffnete einen Mittelweg zwischen dem die Gemeinschaft hypostasierenden Universalismus Othmar Spanns (1878–1950) und einem die Realität der Societas leugnenden Individualismus. Einerseits werden die Gemeinschaftsglieder nicht zu bloßen „Anlagen“ degradiert, andererseits wird die Societas nicht als blanke Summe der Glieder mißverstanden. Diese Beziehungswirklichkeit der Gemeinschaft bildet die Grundlage seines dem Subsidiaritätsprinzip nahekommenden „Grundsatzes der Selbstverwaltung“. W.s Kurzschlüsse auf eine „berufsständische Gesellschaftsordnung“ und überhaupt von Prinzipien auf die soziale Wirklichkeit, auch manche dezidiert kath. Position, etwa zum religiösen Erziehungsrecht und zur Religionsbeschimpfung, brachten W. von verschiedener Seite Kritik: Die kommunistische Kölner „Volksstimme“ unterstellte ihm 1946 eine „faschistische Gesinnung“, den Marktwirtschaftlern in der CDU galt er als zu „links“. Zu seinen „Schülern“ zählen Edgar Nawroth OP (1912–2010) und Dozenten der Walberberger Hochschule, die sich der von W. inspirierten sozialen Erwachsenenbildung (für d. KAB, d. Arbeitnehmerflügel d. CDU u. d. DGB) widmeten. Auch W.s zeitweiliger Assistent Heinrich Basilius Streithofen OP (1925–2006) und Wolfgang Ockenfels OP (* 1947) waren von W.s Ideen beeinflußt.

  • Auszeichnungen

    |Mag. in Sacra Theologia d. Ordens d. Dominikaner (1948).

  • Werke

    |Vom Sinn u. Wert d. menschl. Arb., Aus d. Gedankenwelt d. hl. Thomas v. Aquin, 1946;
    Verantwortung u. Mitverantwortung in d. Wirtsch., Was sagt d. kath. Ges.lehre über Mitwirkung u. Mitbestimmung?, hg. v. J. Kard. Frings, 1949 (Red. E. W.);
    Herders Soz.katechismus, Ein Werkbuch d. kath. Soz.ethik in Frage u. Antwort, In vier Hauptt., 3 Bde., 1951–58 (Ms. d. 4. Bd. im Nachlaß);
    Mater et magistra, Die Soz.enzyklika Papst Johannes XXIII. über d. jüngsten Entwicklungen d. gesellschaftl. Lebens u. seine Gestaltung im Licht d. christl. Lehre, Mit e. ausführl. Komm. u. e. Einf. in d. Soz.lehre d. Päpste v. Leo XIII. bis zu Johannes XXIII. v. E. W., ²1962;
    Nachlaß: Inst. f. Ges.wiss. Walberberg, Bonn.

  • Literatur

    |H.-B. Streithofen, Das Inst. f. Ges.wiss. Walberberg, E. W., Arthur F. Utz, in: Arthur F. Utz, Ethik u. Pol., hg. v. H. B. Streithofen, 1970, S. 13–31;
    W. Ockenfels, in: Zeitgesch. in Lb. 4, 1980, S. 240–49 (P);
    ders., in: LThK³;
    ders., Der Walberberger Kr., Zur soz.eth. Bedeutung d. Dominikaner in Dtld., in: Die Neue Ordnung, Sonderh. Nov. 2011, S. 1–33 (v. a. S. 7–15);
    L. Schwering, Frühgesch. d. Christl.-Demokrat. Union, 1963;
    G. Corman, Ein Prediger d. kath. Soz.lehre, in: Die Neue Ordnung 19, 1965, S. 302 f.;
    R. Uertz, Walberberg u. Die Neue Ordnung, Vor 60 J., Laurentius Siemer u. E. W., ebd. 60, 2006, S. 133–39;
    ders., Christentum u. Sozialismus in d. frühen CDU, 1981;
    ders., Gesellschaftl.-pol. Ordnungsdenken, Thomist. Tradition b. E. W., A. F. Utz u. Fr.-M. Schmölz, in: Wort u. Antwort 56, 2015, S. 126–31;
    R. Jackels, ebd., S. 132–35;
    J. Aretz, Katholizismus u. dt. Soz.demokratie 1949–1963, in: A. Langner (Hg.), Katholizismus im pol. System d. Bundesrep. 1949–1963, 1978, S. 61–81;
    Th. Brehm, SPD u. Katholizismus, 1957 bis 1966, J. d. Annäherung, 1989, S. 61–63;
    V. Bücker, Der Kölner Kr. u. seine Konzeption f. e. Dtld. n. Hitler, in: Hist.-pol. Mitt. 2, 1995, S. 49–82;
    A. Langner, Wirtsch.ethik im Kontext d. Nachkriegszeit, Wirtsch. Ordnungsvorstellungen im dt. Katholizismus 1945–1963, in: ders., Kath. u. ev. Soz.ethik im 19. u. 20. Jh., 1998, S. 467–548;
    BBKL 18;
    Biogr. Lex. KV III;
    Lex. Christl. Demokratie;
    Internat. Soziologenlex.;
    Nordrhein-Westfalen;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L).

  • Autor/in

    Wolfgang Hariolf Spindler
  • Zitierweise

    Spindler, Wolfgang Hariolf, "Welty, Eberhard" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 759-760 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz140384.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA