Lebensdaten
1875 – 1955
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Unternehmer ; Kulturpolitiker
Konfession
evangelisch
Namensvarianten
  • Wanner, Theodor Gustav
  • Wanner, Theodor
  • Wanner, Theodor Gustav

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Zitierweise

Wanner, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz139009.html [28.02.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Otto Heinrich (1841–1913), Kaufm., Teilh. u. Inh. d. Fa. Rominger in St., Gen.agent f. Vers.- u. Auswanderungsangelegenheiten, 1890–1912 Vorstand d. Ev. Ges. (s. Friedhöfe in Stuttgart, V, 1994, S. 195 f.), S d. Friedrich Otto (* 1816), aus Warmbronn, Kaufm. in St., u. d. Rosine Friederike Springer (* 1816);
    M Lydia (1849–82), aus Esslingen, T d. Johannes Rominger (1815–91), Kaufm. in St., Inh. e. Glas-, Porzellan- u. chem.-pharmazeut. Utensilienhandlung, Vors. d. Ver. z. Ausbildung d. Evangeliums in Italien, württ. Hoflieferant, u. d. Rosine Margarethe Günther (1810–89, 1] Florian Görner, Kaufm. in St.), aus Esslingen;
    Ur-Gvv Gottlob August Wilhelm, kgl. Revierförster in Bebenhausen, seit 1835 in Waldenbuch;
    4 B;
    1) 1909 Jessie Hutchins (* 1860), aus London, 2) Köln 1910 Daisy (1880–1960), aus London, T d. Henry Martin Hutchins (* 1855), aus London, u. d. Marguerite (Margaret) Blaylock (* 1856), 5 T aus 2) Elsbet Baatz (* 1911), Dora Hedwig (* 1912), Irene Bopst (* 1914), Hertha Johanna (* 1917), Ruth Gerda (* 1922);
    E Klaus-Rainer Bopst, Betriebswirt in Bietigheim-Bissingen.

  • Biographie

    W. besuchte Schulen in Stuttgart, Davos und Neuchâtel und begann nach dem Abitur 1893 sowie anschließenden Reisen, die ihn u. a. nach Warschau führten, eine selbständige|kaufmännische Tätigkeit in London. 1899 folgten Reisen in die USA und in den Sudan. Er erwarb dabei, ebenso wie über das väterliche Geschäft, internationale Kontakte und auslandskundliches Wissen. Sein Vater, dessen Stuttgarter Generalagentur für Auswanderungsangelegenheiten bis zum 1. Weltkrieg ein gut gehendes Unternehmen darstellte, vermittelte ihm wichtige Geschäftskontakte mit großen Schiffsreedereien wie dem „Norddeutschen Lloyd“, der „HAPAG“ und anderen Gesellschaften der Passagierschiffahrt. Nach dem Tod des Vaters übernahm W. dessen Agentur.

    Seine Interessen und Erfahrungen brachten W. dazu, sich an der Förderung des 1882 vom „Württembergischen Verein für Handelsgeographie und zur Förderung deutscher Interessen im Ausland“ eingerichteten Stuttgarter Linden-Museums für Völkerkunde zu beteiligen und dessen 1. Vorsitzenden, Gf. Karl v. Linden (1838–1910), zuzuarbeiten. An der Förderung des Museums und dem Ausbau der Sammlungen beteiligte sich W. seit 1900 mit viel Geschick. Er sorgte durch eigene Beiträge und Kollektenreisen für einen Neubau des Museums, der 1911 eröffnet wurde, engagierte sich auch bei Industrieausstellungen sowie bei der Förderung der Stuttgarter Gemäldegalerie und anderen Sammlungen.

    Sein Interesse an Auslandskunde war aber auch wirtschaftlich motiviert. Als Mitglied des Stuttgarter Bürgerausschusses suchte er schon vor 1913 in der Stadt mehr Aufgeschlossenheit für neue Auslandsmärkte zu wecken, was infolge des Kriegsausbruchs 1914 zunächst nicht zur Auswirkung kam. 1915 / 16 arbeitete W., der über ausgezeichnete Fremdsprachenkenntnisse verfügte, beim Gefangenenaustausch des dt. Heeres in Aachen. Auf seine Initiative wurde im neuen Linden-Museum in Stuttgart 1915 / 16 eine Ausstellung über das Auslandsdeutschtum gezeigt, die 1914 im Rahmen des viel beachteten Kongresses „Deutsche Geisteskultur und Deutschtum im Ausland“ in Leipzig präsentiert worden war. Der Erfolg dieser Schau veranlaßte W., den Plan zu einem „Museum und Institut zur Kunde des Auslanddeutschtums“, seit 1918 „Deutsches Ausland-Institut“ (DAI), mit Sitz in Stuttgart zu entwerfen, das 1917 eröffnet wurde. Es sollte die Kontakte zu den Auslandsdeutschen verbessern, sie für eine Friedensvermittlung zwischen dem Reich und den Feindstaaten gewinnen und war hauptsächlich vom Reichsamt des Innern, daneben auch vom Staat Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart finanziert.

    Das neue Institut, dessen Vorsitz W. 1917–33 innehatte, sollte – nicht nur im Krieg – „den Auslandsdeutschen die Treue halten, die sie uns bewahrten“ (W.). Nach 1918 trat der museale Aspekt des Instituts jedoch zurück. W. wurde 1918 / 19 in den Beirat des Reichsamts des Innern für Einwanderungs-, Rückwanderungs- und Auswanderungsfragen berufen und war Berater des Auswärtigen Amts auf diesem Gebiet.

    Er spielte 1923 / 24 eine wichtige Rolle bei der Gründung des „Süddeutschen Rundfunks“ (SR), dessen Gesellschafter er war, sowie der „Reichs-Rundfunk-Gesellschaft“. 1924 / 25 konnte er sowohl den SR als auch das DAI in dem von Paul Schmitthenner (1884–1972) umgebauten Gebäude des ehemaligen Stuttgarter Waisenhauses unterbringen, so daß das nötige Bauvolumen für eine große Einrichtung, v. a. für das DAI, erreicht wurde. Bei der Einweihung des Gebäudes am Charlottenplatz 1925 hielt Reichsaußenminister Gustav Stresemann (1878–1929) eine richtungweisende Rede, in der er eine veränderte Orientierung der dt. Außenpolitik zeichnete, wobei die Rolle der Kultur- und der Wirtschaftspolitik stärker betont und in diesem Zusammenhang dem DAI eine bedeutsame Aufgabe zugewiesen wurde.

    Das DAI leistete in den Jahren der Weimarer Republik eine schwierige, von W. mit dem Auswärtigen Amt im Allgemeinen gut abgestimmte erfolgreiche Auslandsarbeit. W. legte dabei großen Wert auf gute Kultur- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen Inlands- und Auslandsdeutschen. Als Parteifreund Stresemanns (DVP-Mitgl. seit 1920) geriet er in das Visier der Nationalsozialisten, die ihn nach schweren Mißhandlungen durch die SA im März am 20. 6. 1933 aus dem Vorsitz des DAI entfernten, nicht zuletzt deshalb, weil er auch jüd. oder als solche angesehene Mitarbeiter und Korrespondenten beschäftigt hatte.

    W. und seine Familie überlebten die Jahre der NS-Gewaltherrschaft. Das von ihm gegründete DAI und der von ihm wesentlich mitgeschaffene SR wurden nach 1945 wieder in Funktion gesetzt und nach demokratischen Wertmaßstäben neu konzipiert. W. beteiligte sich an den Beratungen, die 1949 zum neuen „Institut für Auslandsbeziehungen“ (IfA) in Stuttgart führten, allerdings ohne, von einer kurzen Phase 1949 abgesehen, noch einmal Leitungspositionen zu übernehmen. Er wurde 1951 zum Ehrenvorsitzenden des IfA gewählt.

  • Auszeichnungen

    A schwed. Gen.konsul (1909);
    Dr. phil. h. c. (Tübingen 1919);
    belg. Konsul (1912, zurückgegeben 1914);
    Ehrensenator d. Univ. Tübingen (1927);
    KR.

  • Werke

    |Die Auslandsdt. u. d. Reich, Ansprache d. Vors. d. D.A.I., in: Mitt. d. D.A.I., Jg. II, Nr. 3, März 1919, S. 41 f.;
    jährl. Berr. in d. Zs. „Der Auslanddeutsche“, bis 1932.

  • Quellen

    |Restbestände d. im 2. Weltkrieg verlorenen Archivs d. DAI/ IfA, Stuttgart; Landesarchiv Baden-Württ., HStA Stuttgart, Findbuch EA (Rundfunkangelegenheiten); Archiv d. Ev. Landeskirche, Stuttgart; StadtA Stuttgart; Preuß. Standesamt Köln, Fam.reg. 145, 492 u. Bescheinigung d. kirchl. Eheschließung z. 2. Ehe v. 1910 durch d. Ev. Gde. Köln (im Bes. d. Enkels Klaus-Rainer Bopst, Bietigheim-Bissingen).

  • Literatur

    |Mitt. d. IfA, H. 1 / 2, 1955 (zum 80. Geb.tag, P);
    E. Ritter, Das Dt. Ausland-Inst. in Stuttgart 1917–1945, 1976;
    K. Düwell, Dtlds. ausw. Kulturpol. 1918–1932, 1976;
    B. Lovisa, Italien. Waldenser u. d. prot. Dtld. 1655 bis 1989, 1994, S. 140–43;
    E. Michels, Von d. Dt. Ak. z. Goethe-Inst., Sprach- u. ausw. Kulturpol. 1923–1960, 2005;
    F. Trommler, Kulturmacht ohne Kompass, Dt. ausw. Kulturbeziehungen im 20. Jh., 2014;
    K.-J. Maaß (Hg.), Kultur u. Außenpol., Hdb. f. Wiss. u. Praxis, ³2015;
    Munzinger.

  • Porträts

    |Photogrr. (Archiv d. Inst. f. Auslandsbeziehungen, Stuttgart, u. im BA, Bildarchiv).

  • Autor/in

    Kurt Düwell
  • Zitierweise

    Düwell, Kurt, "Wanner, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 412-414 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz139009.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA