Lebensdaten
1782 – 1861
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Kaufmann ; Bankier ; Kunstsammler ; Gründer der Nationalgalerie in Berlin
Konfession
evangelisch
Namensvarianten
  • Wagener, Joachim Heinrich Wilhelm

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Zitierweise

Wagener, Joachim Heinrich Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz138077.html [26.02.2024].

CC0

  • Genealogie

    Aus franz.-ref. Fam.;
    V Heinrich Wilhelm ( 1820), gründete mit seinem Schwager Otto Heinrich Anhalt (s. u.) 1775 d. Handels- u. Speditionshaus „Anhalt u. Wagener“ in B., sammelte niederl. Kunst (s. L), S d. Samuel Christoph (1763–1845), aus Sandau/Elbe, luth. Feldprediger d. preuß. Leib-Karabiniers-Rgt., Leiter d. Ind.schule d. Garnison in Rathenow (Brandenburg), 1801 Mitgründer d. Opt. Industrie Anstalt ebd., 1801 Pfarrer u. 1817–25 Sup. in Altenplathow b. Genthin, Vf. v. Reisebriefen u. Aufklärungsschrr., u. a. „Briefe e. Feldpredigers auf d. Marsch n. u. in Schlesien 1790“, 1791, „Ueber d. Pfalz am Rhein u. deren Nachbarschaft (…)“, 1795, Nachdr. 1979, „Reise durch d. Harz (…)“, 1797, „Die Gespenster“, 4 T., 1799–1802, „Denkwürdigkeiten d. Churmärk. Stadt Rathenow“, 1803, mit K. F. Köppen Hg. e. „Universal-Lex. d. Völker- u. Ländergesch.“, 4 T., 1806 ff., Roter Adler-Orden 3 Kl. (s. E. Schneider, in: Jb. d. Inst. f. Dt. Gesch. 6, 1977, S. 81–130; Meusel, Gel. Teutschland; Killy; Reinalter I; G. Warnke, Die Theologen u. d. Technik, 1997; NDB IV in Art. Duncker, Joh. Heinr. Aug.), u. d. Charlotte Friederike Marie Kuhn (1772–1860);
    M Dorothea Augusta Wilhelmine, T d. Otto Joachim Anhalt (1705–n. 1782), preuß. Insp., erster Pastor zu Rathenow;
    Ur-Gvv Franz Ludwig (1735–93), Chirurg, preuß. Feldscher, Kämmerer in Sandau/ Elbe, oder Johann Chr. (1722–91), Zolleinnehmer in Sandau, Philipp Jacob Kuhn (* 1742), Prediger;
    Om Otto Heinrich Anhalt (1740–1820), gründete mit seinem Schwager Heinrich Wilhelm Wagener (s. o.) 1775 d. Handels- u. Speditionshaus „Anhalt u. Wagener“ in B.;
    Berlin 1808 Marianne (1788–1850), T d. Isaac Frederic (Friedrich) Bonte (1762–1829), aus Magdeburg, 1785–1811 Prediger d. franz.-ref. Gde. in Burg b. Magdeburg, unternahm 1816–22 e. Reise n. Sizilien, über die er e. Tagebuch führte, zuletzt in B. (s. Dt.GB 39, 1923), u. d. Marianne Lefèvre ( 1797);
    8 K (5 früh †) u. a. S Theodor (1819–91), Chemiker, Apotheker in B., vermachte seine Aquarellslg. ebenfalls d. Nat.gal. u. seine Autographenslg. d. German. Nat.mus. in Nürnberg, genehmigte z. Andenken an W. dem Juristen Eberhard Gaupp (* 1874), d. Namen Gaupp-Wagener zu führen, Richard (* 1822), Anton (1824–66), Bankier, leitete ab 1853 d. väterl. Bankhaus „Anhalt u. Wagener“, T Sophie (1815–48, Richard Brook, 1810 / 11–74, Kaufm. in Dessau, 1851 Teilh. v. „Anhalt u. Wagener“, 1866–74 Alleininh., GKR, S d. Bernhard Henry Brook, Ziviling. in Huddersfield, West Yorkshire, England);
    Gvm d. Ehefrau Abel Lefèvre, Kornhändler, Großschiffer, Hausbes. in Magdeburg, Gmm d. Ehefrau Christiane Dorothee Wagener;
    E u. a. Helen Brook (1846–72, Johann v. Rosenberg, 1844–1913, preuß. Gen.major, 2] Amy Emmeline Brook, 1849–1904, Cousine d. Helen Brook, s. o.);
    Ur-E Frederic (Friedrich Hans) v. Rosenberg (1874–1937), Dr. iur., Dipl., 1916 Mitgl. d. dt. Delegation b. d. Friedensverhh. mit Sowjet-Rußland in Brest-Litowsk u. mit Rumänien in Bukarest, Gesandter in Wien, Kopenhagen, Stockholm u. Ankara, 1922 / 23 Reichsaußenmin. (s. L);
    wohl Verwandter Johann Friedrich Bonte (* 1781), Maler, Bearb. d. Kat. v. W.s Gem.slg., 1828 (s. L).

  • Biographie

    W., dessen Vater ältere niederl. Meister sammelte, begann bereits als Knabe, sich für Kunst zu interessieren. Er besuchte das Gymnasium in Berlin (möglicherweise zum Grauen Kloster), absolvierte 1798–1803 eine kaufmännische Lehre und betrieb daneben Musik- und Zeichenstudien. Während eines England-Aufenthalts konnte er Galerien und Privatsammlungen besuchen und sein Kunstverständnis weiter bilden. Geplante Reisen nach Holland, Frankreich und Italien wurden durch den Kriegsausbruch 1806 vereitelt.

    1814 wurde W. Teilhaber des Familienunternehmens. Im Jahr darauf erwarb er das symbolreiche Bild „Gotischer Dom auf einem Felsen am Meer“ (1815) von Karl Friedrich Schinkel (1781–1841); dieser Kauf, auch angeregt vom patriotischen Aufschwung der Befreiungskriege, bildete das erste Gemälde der eigenen Sammlung. Ab 1820 Alleininhaber der Firma, erwarb er 1823 zwei Bilder von Caspar David Friedrich (1774–1840) „Der einsame Baum“ und „Mondaufgang am Meer“. Bei den folgenden Ankäufen dominierten zunächst die Bilder zeitgenössischer|Berliner Maler. Von Schinkel kamen vier eigenhändige Werke hinzu, von sieben weiteren ließ W., da sie nicht erreichbar waren, Kopien anfertigen. Ab den 1820er Jahren erstreckte sich seine Sammelleidenschaft auch auf die Münchner Schule, v. a. auf Domenico Quaglio (1786–1837) und Peter v. Hess (1792–1871), später, nachdem der gebürtige Berliner Maler Wilhelm Schadow (1788–1862) zum Direktor der Kunstakademie in Düsseldorf berufen worden war, auch auf die dortige Kunst. Zudem erwarb W. ausländische Kunst, franz. Kleinmeister und belg. Historienbilder. Der spektakulär modernen belg. Malerei konnte man damals nur bei W. in solchem Umfang begegnen. 1828 erschien das erste gedruckte Verzeichnis.

    Ab 1834 begann W. systematisch seinen Briefwechsel mit Künstlern zu sammeln. Im folgenden Jahr eröffneten Beratungen im Berliner „Verein der Kunstfreunde im Preußischen Staate“, dem neben Wilhelm v. Humboldt (1767–1835) und Schinkel auch W. angehörte, den langen Weg zur Gründung einer Nationalgalerie in Berlin. 1848 forderte ein Appell der Düsseldorfer Künstler an die Frankfurter Nationalversammlung die Schaffung einer dt. National-Galerie. Gleichlautende Ziele wurden auch in der Presse formuliert, etwa 1856 in den „Dioskuren“ (7, 1856, S. 340). Bereits seit Anfang der 1840er Jahre hatte W., gleich anderen Berliner Privatsammlern wie z. B. Gf. Atanazy (Athanasius) Raczyn´ski (1788–1874), seine Bilder als eine Vorform der geforderten nationalen Galerie interessierten Kunstfreunden gezeigt. Ein Teil seiner Sammlung war im Geschäftshaus in der Brüderstraße einmal in der Woche öffentlich zugänglich.

    1851 wurde W.s Schwiegersohn Richard Brook Teilhaber des Bankhauses. Er selbst zog sich 1853 von den Geschäften zurück und übergab diese dem Sohn Max Anton, um sich fortan ganz seinen Kunstinteressen zu widmen. 1859 verfaßte er sein Testament mit dem Wunsch, daß seine Gemäldesammlung „ungeteilt“ erhalten, in Berlin „in einem geeigneten Lokale aufgestellt und allen Künstlern und Kunstfreunden stets zugänglich gemacht werde.“ Wenige Wochen nach W.s Tod wurde die nunmehr 262 Bilder umfassende Sammlung von Kg. Wilhelm I. als Vermächtnis angenommen und die Einrichtung einer Nationalgalerie beschlossen. Am 22. März, dem Geburtstag des Königs, wurde die „Wagenersche und National-Galerie“ im Obergeschoß des Akademiegebäudes Unter den Linden feierlich eröffnet. 1876 konnte schließlich nach langer Bauzeit das von Friedrich August Stüler (1800–65) konzipierte Gebäude der Nationalgalerie auf der Museumsinsel fertiggestellt werden – die Giebelinschrift „Der Deutschen Kunst 1871“ verweist auf die Reichseinigung unter der Führung Preußens. In der Folgezeit verschwanden die unterdessen unmodern gewordenen Gemälde der Sammlung W. bis auf eine kleine Anzahl von Bildern bedeutender Maler nach und nach in das Depot. Erst 1976 hob eine Kabinettausstellung des Kustos Claude Keisch (* 1938), dem auch die genealogische Forschung zu danken ist, die historisch gewordene Sammlung wieder neu in das Bewußtsein der Öffentlichkeit.

  • Auszeichnungen

    |schwed.-norweg. Konsul in Berlin (1831);
    Ehrenmitgl. d. Berliner Ak. d. Künste (1831);
    Rr. d. schwed. Wasa-Ordens (1832).

  • Quellen

    |Lebenslauf W.s v. 6. Sept. 1831, Verfasst anlässl. d. Ernennung z. Ehrenmitgl. d. Kgl. Ak. d. Künste zu Berlin, Hist. Archiv d. Ak. d. Künste, Berlin; – Nachlaß: Staatl. Museen zu Berlin, Zentralarchiv; – Verz. d. Gem.-Slg. d. Kgl. Schwed. u. Norweg. Consuls J. H. W. W. zu Berlin, bearb. u. mit e. Vorw. versehen v. G. Fr. Waagen, 1850, mit hsl. Vermerken W.s (Staatl. Museen zu Berlin, Zentralarchiv); Verz. d. Gem.-Slg. d. am 18. Jan. 1861 zu Berlin verstorbenen kgl. schwed. u. norweg. Konsuls J. H. W. W., welche durch letztwillige Bestimmung in d. Bes. seiner Majestät d. Kg. übergegangen ist, bearb. u. mit e. Vorw. versehen v. G. Fr. Waagen, 1861 (mit Abdruck d. Testaments v. 1859 u. d. Annahmebescheids v. Kg. Wilhelm I.), Nachdr. in: Die Slg. d. Bankiers W., Die Gründung d. Nat.gal., hg. v. U. Kittelmann, B. Verwiebe, A. Wesenberg u. J. Kloss-Weber, 2012; Kat. d. Slg. v. Autographen u. hist. Dokumenten d. im J. 1861 verstorbenen Herrn J. H. W. W., Versteigerung b. Kunst-Auctions-Hause Rudolph Lepke, Berlin, 26. Febr. 1878; Sammelmappe mit Ergebnissen d. geneal. Forsch. (Bibl. d. Nat.gal.).

  • Literatur

    |Kat. d. Gem.-Slg. d. Kaufm. J. H. W. W. in Berlin, bearb. u. mit e. Vorw. versehen v. Johann Friedrich Bonte, 1828;
    Verz. d. Gem.-Slg. d. Kgl. Schwed. u. Norweg. Consuls J. H. W. W. zu Berlin, bearb. u. mit e. Vorw. versehen v. F. Kugler, 1838;
    Kataloge 1850 u. 1861 (s. o. Qu);
    Beschreibendes Verz. d. Kunstwerke in d. Kgl. Nat.gal. zu Berlin, bearb. v. M. Jordan, 1876 (erw. Nachaufll.);
    K. K. Eberlein, Vorgesch. u. Entstehung d. Nat.gal., in: Jb. d. Preuß. Kunstslgg. 51, 1930, S. 250–61;
    P. O. Rave, Die Gesch. d. Nat.gal. Berlin, 1968;
    C. Keisch, Die Slg. W., Ausst.kat. Nat.gal. (Ost) 1976;
    F. Forster-Hahn, Shrine of Art or Signature of a New Nation? The Nat. Gallery(ies) in Berlin, 1848–1968, in: The Formation of Nat. Collections of Art and Archaeology, Nat. Gallery of Art, Washington D. C., hg. v. G. Wright, 1996, S. 78–99;
    Die Slg. d. Bankiers W., Die Gründung d. Nat.gal., hg. v. U. Kittelmann, B. Verwiebe, A. Wesenberg u. J. Kloss-Weber, 2012 (P);
    Die Gründung d. Nat.gal. in Berlin, Der Stifter W. u. seine Bilder, hg. v. B. Verwiebe u. A. Wesenberg, 2013;
    zu Heinrich Wilhelm: H. Rachel u. P. Wallich, Berliner Großkaufleute u. Kapitalisten, III,|1967, S. 57–59;
    zu Frederic v. Rosenberg: Biogr. Hdb. Ausw. Dienst;
    W. Becker, F. v. R. (1874–1937), Dipl. v. späten Ks.reich bis z. Dritten Reich, Außenmin. d. Weimarer Rep., 2011;
    F. v. R., Korr. u. Akten d. dt. Dipl. u. Außenmin., 1913–1937, hg. u. eingel. v. W. Becker, 2011;
    zur Fam.: Dt.GB 125, 1959 u. 140, 1965.

  • Porträts

    |J. Schrader, Öl/ Lw., 1856 (Staatl. Museen zu Berlin, Nat.gal.), Abb. in: Die Slg. d. Bankiers W. (s. L), Nr. 221.

  • Autor/in

    Angelika Wesenberg
  • Zitierweise

    Wesenberg, Angelika, "Wagener, Joachim Heinrich Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 185-187 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz138077.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA