Lebensdaten
1843 – 1915
Geburtsort
Frankfurt/Oder
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Maler ; Illustrator ; Kunstpolitiker
Konfession
mehrkonfessionell
Normdaten
GND: 118932756 | OGND | VIAF: 13106560
Namensvarianten
  • Werner, Anton Alexander von
  • Werner, Anton von
  • Werner, Anton Alexander von
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Biografische Lexika/Biogramme

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Zitierweise

Werner, Anton von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118932756.html [26.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich Alexander (1814–74), Tischlermeister in F., S d. Anton Friedrich (1777–1818), preuß. Lt., u. d. Charlotte Luise Chabrisi (1784–1863);
    M Maria Magdalena Kayser (1804–67);
    Karlsruhe 1871 Malvina Ottilie (1847–1901), T d. Adolph Schroedter (1805–75), aus Schwedt/Oder, Maler in Düsseldorf u. Frankfurt/M., zuletzt in Karlsruhe, Prof. (s. ADB 32; Dict. of Art), u. d. Alwine Heuser (1820–92), aus Gummersbach, Blumenmalerin;
    3 S Fritz (1878–1906), Paul (1881–1902), Hans Anton (1881–1922), Architekt in B., 3 T (1 früh †) Hildegard (1873–1925), Adeline Lilli (1874–1947).

  • Biographie

    W., einer verarmten ostpreuß. Adelsfamilie entstammend, wuchs in kleinbürgerlichen Verhältnissen auf. 1857 begann er eine Lehre als Stubenmaler, 1860 bezog er die Berliner Akademie. Der Unterricht dort bot ihm jedoch nicht viel Neues – am meisten verdankte er August v. Kloeber (1793–1864), dem Leiter der Kompositionsklasse.

    In einer Phase künstlerischer Neuorientierung wurde der Maler und Graphiker Adolph Schroedter zum Vorbild. Dessen vom Hang zur Arabeske geprägtem Werk war W. 1861 in der Sammlung des Konsuls Joachim Heinrich Wilhelm Wagener (1782–1861) begegnet. 1862 wechselte W. zu Schroedter nach Karlsruhe, wo er in eine weitgehend liberal gesonnene Gesellschaft eingeführt wurde; neun Jahre später heiratete er die Tochter Schroedters. Den künstlerisch größten Einfluß übten der Historienmaler Carl Friedrich Lessing (1808–80) und der Dichter Victor v. Scheffel (1826–86) auf ihn aus, deren beider Werk den Reichseinigungsgedanken durch Bezug auf frühere Jahrhunderte typologisch vorwegnahm. Insbesondere Scheffels Prinzip der atmosphärischen Verdichtung historischer Stoffe, die durch Quellenstudium akribisch erschlossen wurden, machte sich W. zu eigen. Gelegenheit dazu erhielt er in dem regen Gedankenaustausch, der seine Illustrierung der Dichtungen Scheffels begleitete. Prägend für W. wurden zudem mehrere Parisreisen ab 1865 und ein einjähriger Italienaufenthalt 1869 als Stipendiat der Berliner Akademie.

    Scheffels Beziehungen zum bad. Hof ist es zuzuschreiben, daß W. 1870 den Feldzug gegen Frankreich als Bildberichterstatter mitmachen konnte. Er fand Zugang zum dt. Generalstab und traf hier auf die militärischen Protagonisten, die er noch Jahrzehnte später in immer neuen Bildfindungen feiern sollte. Der Krieg gegen Frankreich und die daraus resultierende Reichseinigung legten den Grundstein für W.s Karriere. Am 18. 1. 1871 nahm er an der Kaiserproklamation teil, woraus sich die irrige Annahme ergab, alle seine Darstellungen des Krieges basierten auf eigener Anschauung. „Die Proklamierung des Deutschen Kaiserreiches“ existiert in verschiedenen, politisch unterschiedlich gewichteten Versionen; am bekanntesten sind die (kriegszerstörte) Fassung im Berliner Schloß (1877) und die dritte Fassung von 1885 im Bismarck-Museum Friedrichsruh. Zum Siegeseinzug der dt. Truppen in Berlin entstand das Velarium „Kampf und Sieg“ (Verbleib unbek.), das die Straße Unter den Linden schmückte. W. war im Frühjahr 1871 in die|neue Reichshauptstadt übergesiedelt, vorausahnend, welche Fülle an Aufträgen hier auf ihn wartete. Der Erfolg des Velariums führte zum Auftrag für den „Siegesdenkmalfries“ der Siegessäule. 1877–80 folgten der Saarbrücker Rathauszyklus (dort magaziniert) und 1882 das „Sedanpanorama“ am Berliner Alexanderplatz (Verbleib unbek.). W. suchte stets, für historische Ereignisse der jüngsten Geschichte eine den Moment betonende und doch überzeitlich anmutende Darstellungsform zu finden. Mit zunehmendem zeitlichem Abstand verlieren sich seine Kompositionen jedoch in einem nostalgischen Sentiment, das vor dem Hintergrund innen- und außenpolitischer Krisen den Glanz von 1870 / 71 beschwören soll. Ein ausgesprochener Schlachtenmaler war W. nicht, sein Hang zum Genre ließ ihn immer wieder menschliche Episoden des Krieges betonen. Seine Bildaussage zielt nicht auf eine Erniedrigung des Gegners, sondern auf eine Heroisierung, teils auch Trivialisierung von Personen und Vorgängen.

    Am 6. 4. 1875 wurde W. zum Direktor der kgl. akademischen Hochschule für die bildenden Künste in Berlin ernannt. So sehr er sich anfangs Verdienste bei der Reorganisation der Akademie erwarb – etwa in Bezug auf eine Verbesserung der handwerklichtechnischen Ausbildung –, so verkrustete der Lehrbetrieb im Laufe der Jahre. In seinen Ansprachen an die Studenten suchte er seine künstlerische und kunstpolitische Mission pädagogisch umzusetzen, wobei er die Ideen der künstlerischen „Moderne“ als staatszersetzend ablehnte. Dagegen entsprach es seiner persönlichen Überzeugung und seiner Vorstellung von den Pflichten eines Staatsbeamten, nationale, patriotische und monarchistische Werte zu vermitteln. 1887–1907 war W., von kurzen Unterbrechungen abgesehen, Vorsitzender des Vereins Berliner Künstler, den er zu einer effektiven Standesvertretung ausbaute. In seine Amtszeit fiel 1892 die „Munch-Affäre“, ausgelöst durch die vorzeitige Schließung einer Ausstellung des norweg. Malers im Vereinshaus.

    Skandale wie die Präsentation traditionell akademischer dt. Kunst auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis (Missouri, USA) oder der „Fall Tschudi“ 1908, in deren Verlauf der der „Moderne“ zuneigende Direktor der Nationalgalerie Hugo v. Tschudi (1851–1911) durch Wilhelm II. (1859–1941) suspendiert wurde, werfen einen Schatten auf W., der in all diese Vorgänge involviert war. Autoritärer Führungsstil, Ämterhäufung und Intrigantentum bei gleichzeitiger Unterwürfigkeit unter kaiserliche Wünsche wurden auch von der zeitgenössischen Karikatur aufgenommen. Dagegen steht W.s liberale – parteipolitisch nationalliberale – Haltung, sein gesellschaftlicher Umgang mit Gelehrten, Künstlern und Kunstfreunden sowie sein freundschaftliches Verhältnis zum liberal gesonnenen Kronprinzenpaar.

    Seine „Villa VI“, die er sich 1873 / 74 an der Potsdamer Straße in Tiergarten hatte errichten lassen, führte W. als gastfreundliches Haus. Die von ihm selbst entworfene malerisch-dekorative Ausgestaltung läßt Rückschlüsse auf sein Harmoniebedürfnis, aber auch sein Bestreben nach Repräsentation zu.

    Dekorative Aufträge, v. a. für die Villen von Rudolf Pringsheim (1821–1906) und Rudolf Mosse (1843–1920) wie auch für das Café Bauer Unter den Linden stellen einen gewichtigen Seitenstrang von W.s Œuvre dar. Hier feierte eine historistische Geschichtsauffassung wahre Triumphe. So wie W. sich im Roten Salon seiner Villa eine Künstler-Ahnengalerie mit Raffael, Velazquez u. a. an die Wände malte, posierten auf Tafelbildern großbürgerliche Familien in Kostümen der Renaissance und des Barock, und die Besucher des Café Bauer sahen sich in eine antike Idealwelt versetzt. W. nutzte auch die Form barocker Schützenstücke, um politisch-zeremonielle Höhepunkte des Kaiserreiches festzuhalten. Hervorzuheben sind hier der „Berliner Kongreß“, vollendet 1881 (Berliner Rathaus), und die – in mehreren Fassungen ausgeführte – „Eröffnung des Reichstags durch Wilhelm II.“ (vollendet 1893, Stiftung Preuß. Schlösser u. Gärten Berlin-Brandenburg). Seiner Prominenz verdankte er den Auftrag zur Gestaltung der Glasfenster im Altarraum und der Kuppelmosaiken des Berliner Doms (um 1900). Die Darstellung von Hoffestlichkeiten pflegte er als eigenständiges Genre. Der Zugang zu diesen Veranstaltungen stand ihm als „Hofmaler“ – ein Titel, den es allerdings offiziell nicht gab – jederzeit offen. Wie Adolph v. Menzel (1815–1905) verstand sich W. als Beobachter, doch während jener die Ikonographie von der äußeren Realität löste, rückte W. das konkrete Detail in den Vordergrund.

    Auf besondere Weise mit den politischen Umständen seiner Zeit verwoben, widmete W. seine Schaffenskraft fast ausschließlich den historischen Glanzpunkten seines Landes. Weniger als Chronist denn als Historiograph hinterließ er eine „Geschichte in Bildern“, nicht von Anfang an zyklisch angelegt, aber zum Schluß den Bogen von der Reichsgründung bis zum Wilhelminismus spannend. Dabei gelang es ihm, auch weniger malerische Ereignisse so treffend zu veranschau-| lichen, daß sich seine historischen Darstellungen bisweilen stärker ins Bewußtsein eingeprägt haben als die Geschichte selbst.

  • Auszeichnungen

    |Medaille d. Weltausst. in Wien (1873);
    Roter Adler-Orden IV. Kl. (1873, II. Kl. 1895, mit Stern 1902, mit Band 1912);
    o. Mitgl. d. Ak. d. Künste zu Berlin (1874);
    Offz.kreuz d. ital. Kronen-Ordens (1875);
    Rr.kreuz I. Abt. d. ghzgl. sächs. Ordens v. weißen Falken (1877);
    Rr.kreuz I. Kl. d. bad. Zähringer Löwen-Ordens (1877);
    Rr.kreuz d. hohenzollern. Hausordens (1877);
    Kommandeur-Kreuz d. brasil. Bolivar-Ordens (1878);
    Offz.kreuz d. franz. Ehren-Legion (1878);
    preuß. Kronen-Orden III. Kl. (1879, II. Kl. 1888, mit Stern 1901, I. Kl. 1902);
    Gr. goldene Medaille I. Kl. d. internat. Kunst-Ausst. in München (1879);
    ao. Mitg. d. Ak. d. Bauwesens, Berlin (1880);
    Gr. goldene Medaille f. Kunst in Düsseldorf (1880);
    Ehzg. Carl Ludwig Protekt. Medaille (1887);
    bayer. Maximilians-Orden f. Kunst u. Wiss. (1887);
    Gr. goldene Medaille f. Kunst in Melbourne (1888);
    Kommandeur-Kreuz I. Kl. d. dän. Danebrog-Ordens (1892);
    Medaille f. Kunst in Chicago (1893);
    Komthur-Kreuz d. preuß. Haus-Ordens v. Hohenzollern (1896) u. d. Franz Joseph-Ordens mit d. Stern (1887);
    Komthur-Kreuz mit Stern d. schwed. Nordstern-Ordens (1896 / 97);
    Centenarmedaille (1897);
    Ehrendipl. d. Dt. Ausst. in London (1904);
    Wirkl. Geh. Oberreg.rat I. Kl. (1905);
    Mitgl. d. Kunstak. in Venedig (1876), Caracas (1878), Wien (1878), Dresden (1882), München (1882), Kopenhagen (1882), Rom (1895), Stockholm (1902) u. Antwerpen (1905);
    WGR;
    Exzellenz.

  • Quellen

    |u. a. Berlin, Archiv d. Hochschule d. Künste; Berlin, Archiv d. Nat.gal. (Schriftwechsel bzgl. d. provisor. Ltg. d. Nat.gal. durch W.); Berlin, Geh. StA Preuß. Kulturbes. (Akten d. Kgl. Geh. Civil-Cabinetts u. d. Kultusmin., Nachlaß); Berlin, Staatsbibl. Preuß. Kulturbes. (Kopierbücher); Frankfurt/ O., StadtA (Korr.).

  • Werke

    |e. zeitgenöss. W-Verz. listet mehr als 4000 Arbb. verschiedener Techniken auf (StadtA Frankfurt/ O.);
    e. Verz. d. Gem. einschließl. d. Ölstudien v. D. Bartmann, A. v. W., 1993 (s. L) umfaßt 572 Nummern;
    bed. Werke in öff. Slgg.: Berlin, Ak. d. Künste;
    Alte Nat.gal.;
    Dt. Hist. Mus.;
    Geh. StA Preuß. Kulturbes.;
    Hochschule d. Künste;
    Kupf.kab.;
    Staatsbibl. Preuß. Kulturbes.;
    Stadtmus. Berlin;
    Berlin. Gal.;
    Düsseldorf, Stadtmus.;
    Frankfurt / O., Mus. Viadrina;
    Frankfurt/M., Mus. f. Kommunikation;
    Friedrichsruh, Bismarck-Mus.;
    Hannover, Niedersächs. Landesmus.;
    Karlsruhe, Staatl. Kunsthalle;
    Kiel, Kunsthalle;
    Potsdam, Preuß. Schlösser u. Gärten;
    Saarbrücken, Saarland-Mus.;
    Breslau, Muzeum Narodowe;
    Schrr.: Erinnerungen an Josef Victor v. Scheffel, in: Die Gegenwart 29, 1886, S. 293–95 u. 312–15;
    Ansprachen u. Reden d. Dir. A. v. W. an d. Studierenden d. Kgl. akad. Hochschule f. d. bildenden Künste zu Berlin u. Verz. d. Lehrer, Beamten u. Schüler derselben seit 1875, o. J. (1896);
    Zur Jubelfeier 1696–1896, Kgl. akad. Hochschule f. d. Bildenden Künste zu Berlin, 1896;
    Erlebnisse u. Eindrücke 1870–1890, 1913;
    Briefe v. Josef Victor v. Scheffel an A. v. W. 1863–1886, Mit Anmm. versehen u. hg. v. d. Empfänger, 1915;
    – Jugenderinnerungen (1843–1870), hg. v. D. Bartmann, komm. v. K. Schrader, 1994.

  • Literatur

    |B. Jähner, A. v. W. als Maler u. Kunstpol., Dipl.arbeit f. d. Fach Kunstwiss. an d. Humboldt-Univ. zu Berlin, 1974;
    E. Mai, Die Berliner Kunstak. im 19. Jh., Kunstpol. u. Kunstpraxis, in: Kunstverw., Bau- u. Denkmal-Pol.im Ks.reich., hg. v. E. Mai u. St. Waetzoldt, 1981, S. 31–479;
    P. Paret, Die Berliner Secession, Moderne Kunst u. ihre Feinde im Ksl. Dtld., 1981;
    D. Bartmann, A. v. W., Zur Kunst u. Kunstpol. im Dt. Ks.reich, 1985;
    ders. (Hg.), A. v. W., Gesch. in Bildern, Ausst.kat. Berlin Mus. u. Dt. Hist. Mus., 1993 (ausführl. Bibliogr., P);
    N. Teeuwisse, Vom Salon z. Secession, Berliner Kunstleben zw. Tradition u. Aufbruch z. Moderne 1871–1900, 1986;
    Th. W. Gaehtgens, A. v. W., Die Proklamierung d. Dt. Ks.reiches, Ein Historienbild im Wandel preuß. Pol., 1990;
    L. Koschnick, Ks.proklamation im Spiegelsaal v. Versailles, in: Zeitzeugen, Ausgew. Objekte aus d. Dt. Hist. Mus., hg. v. R. Beier u. G. Korff, 1992, S. 180 f.;
    DBJ I, S. 177–82 u. Tl.

  • Porträts

    |Selbstbildnis, Aquarell, 1862 (Schweinfurt, Mus. Georg Schäfer), Abb. in: Bartmann, 1993 (s. L), S. 188;
    Selbstbildnis, Bleistift, 1877 (Privatbes.), Abb. ebd., S. 2;
    Selbstbildnis, Öl/ Lwd., 1885 (Frankfurt/ O., Mus. Viadrina), Abb. ebd., S. 189;
    Selbstbildnis, Öl/ Lwd., 1905 (Stadtmus. Berlin), Abb. ebd., S. 190.

  • Autor/in

    Dominik Bartmann
  • Zitierweise

    Bartmann, Dominik, "Werner, Anton von" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 819-821 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118932756.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA