Lebensdaten
1874 – 1937
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Fürstenzell (Niederbayern)
Beruf/Funktion
Diplomat ; Reichsaußenminister ; Politiker ; Beglaubigungsschreiben ; Botschafter
Konfession
evangelisch-uniert
Normdaten
GND: 116622067 | OGND | VIAF: 15524825
Namensvarianten
  • Rosenberg, Frederic Hans von
  • Rosenberg, Frederic von
  • Rosenberg, Frederic Hans von
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Rosenberg, Frederic von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116622067.html [29.09.2022].

CC0

  • Kritische Würdigung

    Frederic von Rosenberg war 1917/18 enger Mitarbeiter von Staatssekretär Richard von Kühlmann (1873–1948) bei den Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk. Als Reichsaußenminister bereitete er 1922/23 in schwieriger innen- und außenpolitischer Situation die Erleichterung der alliierten Reparationsforderungen vor.

    Lebensdaten

    Geboren am 26. Dezember 1874 in Berlin
    Gestorben am 30. Juli 1937 in Fürstenzell (Niederbayern)
    Grabstätte Friedhof in Fürstenzell
    Konfession evangelisch-uniert
    Frederic von Rosenberg, BArch / Bildarchiv (InC)
    Frederic von Rosenberg, BArch / Bildarchiv (InC)
  • Lebenslauf

    26.·Dezember 1874 - Berlin

    - 1894 - Königsberg

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Wilhelmsgymnasium

    1894 - 1897 - Bonn; Genf; Berlin

    Jura-Studium (Abschluss: 1. Staatsexamen)

    Universität

    1897 - Jena

    Promotion (Dr. iur.); Eintritt in den preußischen Justizdienst

    Universität

    1897 - 1898 - Hofgeismar bei Kassel

    Einjährig-Freiwilliger

    Dragonerregiment Nr. 5

    1897 - 1903 - Kassel; Niederaula (Hessen); Hofgeismar; Grebenstein (Hessen); Potsdam; Berlin

    Referendar

    Oberlandesgericht Kassel; 1897–99 Amtsgerichte Niederaula, Hofgeismar und Grebenstein; 1899/1900 Landgericht Kassel; 1901 Amtsgericht Potsdam; 1901/02 Kammergericht Berlin

    1903 - Berlin

    Assessorexamen und Einberufung in den Auswärtigen Dienst

    1905 - 1906 - Antwerpen

    Vizekonsul

    Generalkonsulat

    1907 - 1910 - Berlin

    ständiger Hilfsarbeiter der Rechtsabteilung

    Auswärtiges Amt

    1911 - 1918 - Berlin

    Hilfsarbeiter in der Abteilung I A Politik, Leiter des Orientreferats

    Auswärtiges Amt

    1912 - Berlin

    Wirklicher Legationsrat und Vortragender Rat

    Auswärtiges Amt

    1914 - Berlin

    Freistellung vom Kriegsdienst

    Auswärtiges Amt

    1915 - Sofia

    Mitwirkung am Freundschaftsvertrag mit Bulgarien vom 6. September 1915

    1916 - Berlin

    Geheimer Legationsrat

    Auswärtiges Amt

    1917 - Berlin

    Außerordentlicher Gesandter und Bevollmächtigter Minister

    Auswärtiges Amt

    1917 - 1918 - Dünaburg; Brest-Litowsk; Bukarest

    Entsendung an die Ostfront; zeitweise Leiter der Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk; Vermittler zwischen der Türkei und Bulgarien

    Auswärtiges Amt

    1919 - 1920 - Berlin

    Dirigent der Abteilung I A Politik

    Auswärtiges Amt

    1920 - 1922 - Wien

    Geschäftsträger, Botschafter

    1922 - Kopenhagen

    Gesandter

    1922 - 1923 - Berlin

    Reichsminister des Auswärtigen

    1924 - 1933 - Stockholm

    Gesandter

    1933 - 1935 - Ankara

    Botschafter

    30.·Juli 1937 - Fürstenzell (Niederbayern)
  • Genealogie

    Vater Johann von Rosenberg 1844–1913 preußischer Generalmajor
    Großvater väterlicherseits Ernst Philipp Ludwig von Rosenberg 1799–1864 aus Drossen (heute Ośno Lubuskie, Polen); preußischer Generalmajor
    Großmutter väterlicherseits Henriette von Rosenberg, geb. von Winterfeldt 1805–1890
    Mutter Amy Emmeline von Rosenberg, geb. Brook 1849–1904 aus Birkby Lodge bei Huddersfield (Großbritannien)
    Großvater mütterlicherseits Frederic Smith Brook 1822–1858 aus Huddersfield; Kaufmann
    Großmutter mütterlicherseits Mary Brook, geb. Genn 1826–1885 aus Buttsgrove (Großbritannien)
    Onkel väterlicherseits Karl von Rosenberg 1828–1891 preußischer Generalleutnant
    Bruder Karl von Rosenberg 1876–1877
    Bruder Richard Max von Rosenberg 1878–1904 Leutnant der Kaiserlichen Schutztruppe; gest. in Okahandja (Deutsch-Südwestafrika, heute Namibia)
    Schwester Mary Elsa von Stillfried und Rattonitz, verw. von Eschwege, geb. von Rosenberg 1879–1945 in 1. Ehe verh. mit Arthur von Eschwege (gest. 1914); in 2. Ehe verh. mit Georg Graf von Stillfried und Rattonitz (1867–1941)
    Bruder Kurt von Rosenberg 1881–1917 Gutsbesitzer; Hauptmann der Reserve
    Bruder Joachim Georg von Rosenberg 1889–1915 Leutnant
    Schwester Donata Amy von Dörnberg, geb. von Rosenberg 1894–1935 verh. mit Hugo Max Friedrich Ludwig Freiherr von Dörnberg (1884–1963), Sohn des Rittergutsbesitzers und Mitglied des Preußischen Herrenhauses Hugo Freiherr von Dörnberg (1844–1930)
    Heirat 5./6.11.1900 in Kassel
    Ehefrau Marie Luise Henriette von Rosenberg, geb. Theremin 1880–1958 aus Hannover
    Schwiegervater Charles Philipp Theremin 1837–1924 aus Vandœuvres bei Genf; preußischer Generalleutnant
    Schwiegermutter Adele Theremin, geb. Binet 1845–1884
    Sohn Hans Karl Joachim von Rosenberg 1901–1983 Dr. iur.; 1930 verh. mit Ursula von Rosenberg, geb. Godeffroy (1908–1985), aus Hamburg
    Tochter Amy Adele von Spangenberg, geb. von Rosenberg 1904–1982 Dr. iur.; verh. mit Hans-Christoph Freiherr von Spangenberg (1898–1985)
    Tochter Mary Augusta von Rosenberg 1905–1983
    Tochter Armgard von Rosenberg 1906–1980
    Tochter Emanuele von Rosenberg 1911–1996
    Enkel Joachim von Rosenberg 1936–2016 Architekt
  • Biografie

    alternativer text
    Frederic von Rosenberg (im Hintergrund), BArch / Bildarchiv (InC)

    Aus einer Offiziersfamilie stammend, wurde von Rosenberg nach seinem Jurastudium und Assessorexamen 1903 auf Empfehlung seines Schwiegervaters in die Konsulatslaufbahn des Auswärtigen Amts (AA) aufgenommen. Hochmotiviert und talentiert, wurde er bereits 1905 Vizekonsul in Antwerpen, wo er besonders den Kontakt mit deutschen Kaufleuten pflegte. 1907 wechselte er als ständiger Hilfsarbeiter in die Rechtsabteilung des AA. Dort prägte ihn die strenge Amtsführung des Direktors Johannes Kriege (1859–1937). 1910 wurde von Rosenberg Leiter eines kleinen Orientreferats (Bulgarien, Türkei, Griechenland), das er mit wachsender Selbstständigkeit bis 1918 verwaltete. Von Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg (1856–1921) lobend beurteilt, wurde er 1912 zum Wirklichen Legationsrat ernannt. Er arbeitete an Vertragsentwürfen mit, die zur Entschärfung der wirtschaftspolitischen Rivalitäten mit Frankreich und England im Vorderen Orient beitragen sollten.

    Im August 1914 vom Kriegsdienst freigestellt, wurde von Rosenberg zur Vorbereitung des Freundschaftsvertrags mit Bulgarien (1915) herangezogen. Er vermittelte in den bulgarisch-türkischen Grenzstreitigkeiten und verhütete die zwischen den beiden Verbündeten drohende Entzweiung. In Kenntnis der Konsulatsberichte führte er als Orientreferent am 1. Oktober 1915 bei der türkischen Botschaft Beschwerde gegen die Verfolgung der Armenier und unterstützte zudem karitative Hilfsmaßnahmen. Ebenso wie Bethmann Hollweg war er vor das Dilemma gestellt, dass eine harte Reaktion auf die Verbrechen am armenischen Volk kaum Wirkung versprochen und das Bündnis mit dem Osmanischen Reich gefährdet hätte.

    Nachdem von Rosenberg als einer der ersten von den Waffenstillstandsgesuchen der Bolschewiki erfahren hatte, wurde er am 15. Dezember 1917 von Staatssekretär Richard von Kühlmann (1873–1948) ermächtigt, bis zu dessen Eintreffen in Brest-Litowsk die Vorverhandlungen mit der russischen Delegation zu führen. Er übernahm von dort die Information des AA sowie des Reichskanzlers Georg von Hertling (1843–1919) und vertrat die Position des Amts gegenüber der Obersten Heeresleitung (OHL). Auch an Kühlmanns rasch abgeschlossenen Friedensverhandlungen mit Rumänien war von Rosenberg beteiligt. Zudem konnte er dem Staatssekretär ein glaubhaftes internes Leumundszeugnis ausstellen, als dieser von der rechtsgerichteten Presse und der OHL wegen angeblicher Affären und nachlässiger Amtsführung diffamiert wurde.

    Von Rosenberg war Mitunterzeichner des von Staatssekretär Paul von Hintze (1864–1941) veranlassten „gutachtlichen Äußerung“ des AA vom 28. September 1918, dass eine Regierung auf breiter nationaler Grundlage gebildet und ein Friedensersuchen an den US-amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson (1856–1924) gerichtet werden solle. Diese illoyale Aktion wurde flankiert von einer ähnlichen Eröffnung der OHL an den amtierenden Reichskanzler und der Aufkündigung der Mitarbeit der Mehrheitsparteien gegenüber Hertling. Daraufhin wurde dessen Rücktritt unausweichlich. Wie Friedrich Naumann (1860–1919) gab sich von Rosenberg der Illusion hin, durch Einbeziehung der Sozialdemokraten in die Regierung eine „Volksmonarchie“ der Hohenzollern zu etablieren, die günstige Friedensbedingungen erreichen würde.

    Die Mitwirkung an der Einführung des parlamentarischen Regimes dürfte von Rosenbergs Wiederverwendung gefördert haben. Seit 30. Januar 1920 Geschäftsträger, bald darauf Botschafter in Österreich, nahm er Kontakte nach allen Seiten auf und setzte sich für die Erhaltung der guten kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen ein. Am 1. September 1920 konnte ein Wirtschaftsabkommen abgeschlossen werden, während eine Vereinigung mit Deutschland in weite Ferne rückte. Im Kabinett Wilhelm Cunos (1876–1933) amtierte von Rosenberg von November 1922 bis August 1923 als Reichsaußenminister. Als der passive Widerstand gegen die französisch-belgische Ruhrbesetzung nicht mehr durchzuhalten war, erwirkte er mit Härte und Verhandlungsgeschick, dass die USA und Großbritannien von der unnachgiebigen Politik Raymond Poincarés (1860–1934) abrückten. Die Reparationsfrage wurde als gesamteuropäisches wirtschaftliches Problem anerkannt und einem Gremium internationaler Finanzexperten überantwortet.

    Von Juni 1924 bis Oktober 1933 Gesandter in Stockholm, bemühte sich von Rosenberg mit großem Erfolg, angesichts nach dem Ersten Weltkrieg gewachsener frankophiler Neigungen im Lande die traditionellen Sympathien für Deutschland zu festigen. Die auf den deutsch-schwedischen Handelsvertrag von 1926 folgenden Differenzen fanden ihn nicht auf der Seite des deutschen Agrarprotektionismus. Er sah durch die NS-Propaganda in Schweden das gute Verhältnis zur sozialdemokratischen Regierung gefährdet und wollte um seinen Abschied einkommen, wurde aber am 13. September 1933 zum deutschen Botschafter in der Türkei ernannt. Er warb um Respekt gegenüber dem gewandelten Staatswesen Kemal Atatürks (1881-1938), in dem er einschneidende Neuerungen beobachtete. Am 8. Juni 1935 berichtete er abschließend über die außenpolitische Lage der Türkei und deren „ehrliche Sympathie für das neue Deutschland und seinen Führer“.

    Von Rosenberg erkannte den Schaden, den der Nationalsozialismus dem empfindlichen Geflecht der Diplomatie zufügte, nicht in seiner ganzen Tragweite, wirkte ihm aber als Gesandter in Schweden trotz äußerer Loyalitätsbekundungen entgegen. Er identifizierte sich bis zuletzt mit dem Auftrag des AA, Deutschland „unbeirrt durch Zeitströmungen und Gunst oder Ungunst der öffentlichen Meinung“ zu dienen. Seit seiner Zeit in Ankara schwer herzkrank, verbrachte von Rosenberg seine letzten beiden Lebensjahre auf dem Holzhamerhof bei Fürstenzell in Niederbayern.

  • Ehrungen, Auszeichnungen und Mitgliedschaften

    1900 Leutnant, später Rittmeister der Reserve
    1933 Großkreuz des schwedischen Nordsternordens
    • Quellen

      Nachlass:

      Privatbesitz. (Hauptnachlass)

      Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, N 2250. (Teilnachlass) (weiterführende Informationen)

      Weitere Archivmaterialien:

      Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Berlin: RZ 201/22842 (Handakten v. Rosenberg. Akten betr. Waffenstillstandsverhandlungen in Brest-Litowsk, 1917); RZ 201/28138k-28143k (Büro Reichsminister. Akten betr. Reparation, September 1922–Oktober 1923); RZ 201/R 28587 (Büro Reichsminister. Akten betr. Dänemark und Schleswig, 1920–1935); RZ 201/28590 (Büro Reichsminister. Akten betr. Türkei, 1929–1935); RZ 201/28628 (Büro Reichsminister. Akten betr. Schweden, 1923–1935); ferner RZ/201 (Akten Schweiz Politik 1918–1919, Österreich Politik 1920–1921, Dänemark Politik 1920–1923, Schweden Politik 1920–1933, Türkei Politik 1913–1916, 1925–1935).

      Gedruckte Quellen:

      Werner Hahlweg (Bearb.), Der Friede von Brest-Litowsk. Ein unveröffentlichter Band aus dem Werk des Untersuchungsausschusses der Deutschen Verfassunggebenden Nationalversammlung und des Deutschen Reichstages, 1971.

      Winfried Becker (Hg.), Frederic von Rosenberg. Korrespondenzen und Akten des deutschen Diplomaten und Außenministers 1913–1937, 2011.

    • Werke

      Die Haftung für Reallasten Rückstände, 1897. (Diss. iur., unveröffentlicht).

      Erinnerungen des Botschafters Frederic von Rosenberg (unveröffentlicht), abgedruckt in: Winfried Becker, Frederic von Rosenberg (1874–1937). Diplomat vom späten Kaiserreich bis zum Dritten Reich, Außenminister der Weimarer Republik, 2011, S. 237–312.

    • Literatur

      Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945, hg. v. Auswärtiges Amt, Bd. 3, bearb. v. Gerhard Keiper/Martin Kröger, 2008, S. 726 f. (P)

      Winfried Becker, Frederic von Rosenberg (1874–1937). Diplomat vom späten Kaiserreich bis zum Dritten Reich, Außenminister der Weimarer Republik, 2011. (P)

    • Onlineressourcen

  • Autor/in

    Becker, Winfried (Passau)

  • Zitierweise

    Becker, Winfried, „Rosenberg, Frederic von“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2022, URL: https://www.deutsche-biographie.de/116622067.html#dbocontent.

    CC-BY-NC-SA