Lebensdaten
erwähnt 19./20. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Chemieunternehmer
Konfession
evangelisch
Namensvarianten
  • Vorster
  • Vorsther

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Zitierweise

Vorster, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz137697.html [24.04.2024].

CC0

  • Biographie

    Der aus einer in Hamm (Westfalen) ansässigen Papiermacherfamilie stammende Julius (1809–76) siedelte 1823 mit seinem Vater Johannes (um 1758–1852) nach Köln über. Dort absolvierte er eine Lehre in der Drogen- und Materialiengroßhandlung „W. A. Nierstras“, in der er anschließend 15 Jahre beschäftigt war. 1838 machte er sich selbständig und gründete mit Robert Friedrich Haarhaus (1810–74) eine Chemikalien- und Drogenhandlung. 1848 trennten sich Julius und Haarhaus. Julius handelte unter seinem Namen bis 1881 u. a. mit Bengalsalpeter, der zur Herstellung von Sprengstoff benötigt wurde. Er stand in Verbindung mit dem Chemiker Hermann Grüneberg (1827–94), der ein Verfahren zur Gewinnung von Kalisalpeter durch Zersetzen von Natronsalpeter mit Pottasche entwickelt und seit 1856 in einem Unternehmen in Alt-Damm bei Stettin angewandt hatte, und erwarb 1858 eine stillgelegte Eisengießerei in Kalk bei Köln, wo er mit Grüneberg die Firma „Vorster & Grüneberg“ gründete, die 1859 mit zehn Mitarbeitern die Herstellung von Kalisalpeter aufnahm. Julius hatte die kaufmännische, Grüneberg die technische Leitung. Nach weiteren Experimenten Grünebergs wurde 1861 die industrielle Produktion von Kaliumchlorid aus Abraumsalzen in Staßfurt aufgenommen, damit waren Julius und Grüneberg erste Großhersteller der dt. Kaliindustrie. Das Unternehmen kaufte zunächst neu entstandene Konkurrenten auf, mußte aber nach wenigen Jahren die gesamte Kaliproduktion aufgrund hoher Verluste verkaufen. Seit 1864 produzierte „Vorster & Grüneberg“ erstmals in Deutschland und in großem Umfang Stickstoff- und Phosphordünger für die Landwirtschaft. Die an mehreren Orten errichteten Ammoniakfabriken an Gasanstalten wurden bis Ende des 19. Jh. veräußert.

    Julius (1845–1932), Sohn des Unternehmensgründers, hatte eine kaufmännische Ausbildung, trat 1867 in das Unternehmen, 1872 in dessen Leitung ein und wandelte es mit seinem seit 1875 als technischer Leiter der Firma tätigen Bruder Fritz (1850–1912) nach dem Tod des Vaters in eine KG um; seit 1892 firmierte das Unternehmen als „Chemische Fabrik Kalk GmbH“ (CFK). 1878 wurde Carl Scheibler (1852–1920) Leiter der Düngemittelabteilung und ließ erfolgreich den Einsatz von Thomasschlacke als Düngemittel testen, was 1885 zur Gründung einer eigenen Tochtergesellschaft „C. Scheibler & Co.“ führte, die 1902 in der CFK aufging. CFK beschäftigte an allen Produktionsstandorten 1908 ca. 1200 Mitarbeiter, davon ca. 800 in Köln.

    Julius war 1899–1918 Mitglied des Preuß. Abgeordnetenhauses für die Freikonservative Partei im Wahlkreis Moers, Vorsitzender des Vereins der Industriellen in der Rheinprovinz und in nationalen Verbänden tätig. Er finanzierte Schriften des liberalen prot. Theologen Carl Jatho (1851–1913), war Geheimer Kommerzienrat und Gemeinderat in Oberkassel bei Bonn, wo er auch starb.

    Sein jüngerer Bruder Fritz studierte neben einer praktischen Ausbildung Chemie am Polytechnikum in Zürich und an der Gewerbeakademie Charlottenburg, setzte seine Ausbildung bei Unternehmen, u. a. in England, fort und brachte die dort erhaltenen Anregungen zur Rationalisierung seit 1875 in die Unternehmensleitung ein. Er war verantwortlich für die Modernisierung der Fabrik, die Umstellung der Handschmelzöfen auf rotierende Schmelzöfen (Revolverbetrieb), die Ausdehnung und 1901 Beendigung der Pottascheproduktion, den Bau einer Schwefelsäurefabrik und die Einführung der Sodaproduktion nach dem Solvay-Verfahren. Soda wurde in großen Mengen für die Fabrikation von Glas, Waschmittel, Zellstoff etc. benötigt. In Kalk vergrößerte Fritz das Fabrikgelände, die geplante Verlagerung des Unternehmens nach Godorf bei Köln wurde durch seinen Tod verhindert. Er war Kommerzienrat und unterstützte finanziell regionale soziale Projekte.

    In der dritten Generation lag die Unternehmensleitung bei den Söhnen von Julius, Julius (1895–1974), und von Fritz, Fritz (1884–1969) | und Alfred (1886–1960). Julius studierte 1914 in Oxford und nach dem 1. Weltkrieg in Bonn und Königsberg Chemie und war 1920–60 geschäftsführender Teilhaber. Fritz studierte an der ETH Zürich (Dipl.-Ing. 1906) und an der TH Dresden und war als technischer Leiter 1910–57 im Unternehmen. Er modernisierte und steigerte die Produktion und gliederte neue Verfahren und Produkte ein. 1924–29 war er für die DVP Stadtrat in Köln, Ehrenbürger der Univ. Bonn und 1929–45 Vorsitzender des Kölner Reit- und Fahrvereins. Er war verbandspolitisch tätig als stellv. , und Vorstandsmitglied des Arbeitgeberverbandes der chemischen Industrie. 1945 wurde er auf Beschluß der brit. Militärregierung für zwei Jahre seiner Posten enthoben.

    Sein Bruder Alfred absolvierte eine praktische Ausbildung in Düsseldorf, New York und Paris und war 1912–58 als kaufmännischer Leiter im Unternehmen. 1929 ließ er eine Anlage zur Herstellung von Ameisensäure errichten. Seit 1921 ging er eine Kooperation mit der Zeche Matthias Stinnes unter der Leitung von Alfred Pott (1882–1951) zur Weiterverarbeitung von Ammoniak zu Düngemitteln ein; 1930 brachte CFK den Stickstoff-Phosphor-Dünger „Kamp“ auf den Markt. 1938 arbeiteten ca. 1600 Mitarbeiter bei der CFK, während des 2. Weltkriegs waren bis zu 400 Zwangsarbeiter beschäftigt. Das Werk wurde zu 65 % zerstört, der Wiederaufbau zog sich bis 1952 hin. Als nicht NS-belasteter Unternehmer wurde Alfred im Mai 1945 von den US-amerik. Besatzungstruppen mit der Neubildung der IHK Köln beauftragt, deren Vizepräsident er 1946 wurde. 1952 wurde die „Salzdetfurth AG“ mit 25 % stiller Teilhaber der CFK, mit der sie eine Volldüngerfabrik errichtete und 1953 den Dreikomponentendünger KAMPKA auf den Markt brachte. 1958 verkaufte die Familie den Hauptteil ihrer Anteile an dem Unternehmen mit ca. 2400 Mitarbeitern an die „Salzdetfurth AG“, die bis 1966 alle GmbH-Anteile übernahm. 1971 fusionierte Salzdetfurth mit anderen Unternehmen zur „Kali + Salz GmbH“ (später K + S AG), die als BASF-Tochterunternehmen 1988 die Düngerproduktion in Köln einstellte und 1993 die CFK stillegte. Unter diesem Namen existiert heute eine Handelsgesellschaft für Düngemittel der K + S AG.

  • Literatur

    |50 J. Chem. Fabrik Kalk, 1908;
    100 J. Chem. Fabrik Kalk, 1858–1958, 1958;
    Rhdb.;
    Kölner Personenlex. (P);
    Qu Rhein.-Westfäl. Wirtsch.archiv, Chem. Fabrik Kalk GmbH (Abt. 114).

  • Autor/in

    Ulrich S. Soénius
  • Zitierweise

    Soénius, Ulrich S., "Vorster" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 118-119 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz137697.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA