Lebensdaten
1848 bis 1936
Geburtsort
Wiesentheid (Unterfranken)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Philosoph ; Psychologe ; Musikwissenschaftler ; Ethnologe
Konfession
-
Normdaten
GND: 118933299 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stumpf, Karl
  • Stumpf, Friedrich Karl
  • Stumpf, C.
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Zitierweise

Stumpf, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118933299.html [08.12.2016].

CC0

Stumpf, Friedrich Karl (Carl)

Philosoph, Psychologe, Musikwissenschaftler, Ethnologe, * 21.4. 1848 Wiesentheid (Unterfranken), 25. 12. 1936 Berlin, Parkfriedhof Berlin-Lichterfelde.

  • Genealogie

    V Eugen (1810–89), Bez.arzt in W., S d. Andreas Sebastian (1772–1820), Archivar, Hist. (s. Gen. 1); M Marie (1821–92), T d. Georg Adelmann (1777–1865), Ger.arzt; Ov Joseph Karl Rr. v. S. (s. 1); 3 B Alfred (1845–1908 /09?), bayer. Verw.ger.rat, Pleikardt (1850–1920), Brauereibes. in Lohr/Main, Adolf (1851–1920), Stadtbaurat in Würzburg, Oberreg.rat, 3 Schw u. a. Sophie (1846–1939, Konstantin Sibin, 1827–1905, Landger.dir. in Fürth?), Eugenie (1855–1940, Karl Block, 1857?–1919, Fabrikbes.); – 1878 Hermine (1849–1930), Lehrerin an e. Musikhochschule, T d. Karl Rudolf Biedermann (1802–79), Dr., wohl Bgm. in Göttingen; 2 S Rudolf (1881–1945), Kunstmaler, Zeichner, Radierer, Lektor an d. Univ. Berlin (s. Wi. 1935; ThB; P), Felix (1885–1970), Physiker, PD an d. TH Berlin-Charlottenburg, Oberreg.rat, Mitgl. d. Reichspatentamts in B. (s. Pogg. V, VI, VIII), 1 T Elisabeth (1891–1976).

  • Leben

    S. erhielt zunächst Privatunterricht, besuchte 1859/60 die Lateinschule in Kitzingen und danach Gymnasien in Bamberg und Aschaffenburg. Nach dem Abitur studierte er Philosophie, Theologie und Naturwissenschaften (v. a. Physik) in Würzburg und Göttingen, wo er 1868 bei Rudolf Hermann Lotze (1817–81) mit dem Thema „Verhältnis des Platonischen Gottes zur Idee des Guten“ promoviert wurde. 1870 habilitierte er sich dort mit einer Arbeit Über die Grundsätze der Mathematik“ für das Fach Philosophie und lehrte als Privatdozent. Prägend für S.s spätere Erkenntnislehre war Franz Brentanos (1838–1917) Habilitationsthese, daß die wahre Methode der Philosophie keine andere als die der Naturwissenschaften sei. 1873–78 war er o. Professor für Philosophie in Würzburg, 1878–85 hatte er eine Professur für Philosophie in Prag, 1885–89 in Halle, 1889–94 in München und danach in Berlin, wo er 1894 ein Psychologisches Seminar gründete, das 1900 in ein eigenes Institut umgewandelt wurde (1907/08 Rektor, 1921 em., hielt Vorlesungen bis Ende d. 1920er Jahre).

    S. zählt zu den Begründern der experimentellen Psychologie. Durch seine tonpsychologischen Untersuchungen und Arbeiten zur Musikethnologie ist er zudem von herausragender Bedeutung für die Etablierung der Musikwissenschaften in Berlin. Ebenfalls wirkmächtig waren seine Arbeiten „Erscheinungen und psychische Funktionen“ (1906) und „Richtungen und Gegensätze in der heutigen Psychologie“ (1907). In seinen experimentalpsychologischen Untersuchungen beschäftigte er sich mit der akustischen Wahrnehmung, wobei er mit tonpsychologischen Studien begann. Von besonderem Interesse war für S. dabei das Urteilsverhalten und seine Fehlerquellen. Spätere Forschungen beschäftigten sich u. a. mit der Frequenzbestimmung von Tönen und der experimentellen Analyse und Synthese von Vokalen, Konsonanten und Musikinstrumentalklängen. Diese Ergebnisse hatten Auswirkungen auf die Phonetik, die Rundfunktechnik und die Ohrenheilkunde. S. gründete 1900 in Berlin ein Phonogrammarchiv, das später von seinem Mitarbeiter Erich Moritz v. Hornbostel (1877–1935) weitergeführt wurde. Es gehört zu den umfangreichsten Sammlungen v. a. außereurop. Musik weltweit. Wesentliche theoretische Beiträge leistete S. zum Entwicklungsproblem (Evolution d. Psychischen, Kinderpsychologie, vergleichende Psychologie), zum Leib-Seele-Problem und zur Phänomenologie der Emotionen. Philosophisch sah sich S. als (kritischen) Realisten. Gründliche einzelwissenschaftliche Kenntnisse waren für ihn unabdingbare Voraussetzung für die Beschäftigung mit Philosophie. Das Resümee seiner phil. und wiss. Erkenntnisse bildet seine „Erkenntnislehre“ (2 Bde., 1939/40, hg. v. Felix Stumpf). Bedeutende Schüler S.s waren Wolfgang Köhler (1887–1967), Kurt Lewin (1890–1947) und Kurt Koffka (1886–1941), die zusammen mit seinem Mitarbeiter Max Wertheimer (1880–1943) die „Berliner Schule der Gestaltpsychologie“ gründeten. Eng befreundet war S. mit Franz Brentano, William James und Max Planck.

  • Auszeichnungen

    A Geh. Reg.rat (1902); Dr. med. h. c. (Berlin 1910); div. Orden u. a. preuß. Kronenorden II. Kl. (1918); Pour le mérite f. Wiss. u. Künste (1929); o. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1890, ausw. 1894), d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1895) u. d. Acc. dei Lincei (1923); Ehrenmitgl. d. Staatsinst. f. Musikwiss., Moskau (1924); Gedenktafel an d. Stelle d. Geb.hauses in Wiesentheid (1998).

  • Werke

    W Tonpsychol., 2 Bde., 1883–90; Erscheinungen u. psych. Funktionen, in: Abhh. d. Preuß. Ak. d.|Wiss. Phil.-Hist. Kl. 4, 1906, S. 1–40; Leib u. Seele, 1903, Nachdr. 1910; Der Entwicklungsgedanke in d. gegenwärtigen Philos., 1899, 21903; Autobiogr., in: R. Schmidt (Hg.), Die Philos. d. Gegenwart in Selbstdarst. 5, 1924, S. 204–65; Sprachlaute, Experimentell-phonet. Unterss., 1926; Erkenntnislehre, 2 Bde., 1939–40; – Nachdr.: Schrr. z. Psychol., Neu hg., eingel. u. mit e. biogr. Einf. v. H. Sprung, 1997.

  • Literatur

    L E. Becher, in: Die Naturwiss. 6, 1918, S. 265–77; G. Schünemann, in: Archiv f. Musikforsch. 2, 1937, S. 1–7; F. Trendelenburg, in: Zs. f. techn. Physik 18, 1937, S. 57 f. (P); N. Hartmann, in: SB d. Preuß. Ak. d. Wiss., 1937, S. 1–6; M. Schneider, in: Dt. Musikkultur 2, 1937/38, S. 44–47; W. Köhler, in: Psychol. Forsch. 22, 1938, H. 1/2; H. u. L. Sprung, C. S., Schrr. z. Psychol., 1997, S. 9–68 (W-Verz.); dies., C. S., e. Biogr., 2006; A. Simon, Das Berliner Phonogramm-Archiv 1900–2000, 2000; E. u. W. Baumgartner, Der junge C. S., in: Brentano Studien 9, 2000/01, S. 23–50; M. Kaiser-El-Safti u. M. Ballod (Hg.), Musik u. Sprache, Zur Phänomenol. v. C. S., 2003; Pogg. IV–VIIa; Dt. Musiker-Lex., hg. v. E. H. Müller, 1929; Riemann; MGG; MGG2; Enz. Philos. Wiss.theorie.

  • Portraits

    P Ölgem. v. M. Slevogt, 1925 (Ethnol. Mus. Berlin); Ölgem. v. Rudolf Stumpf, 1928 (HU Berlin), Abb. in: Gelehrtenbildnisse HU Berlin, S. 183; Bronzebüste v. G. Kolbe, 1928 (HU, Inst. f. Psychol.), Abb. ebd., S. 127.

  • Autor

    Helga Sprung
  • Empfohlene Zitierweise

    Sprung, Helga, "Stumpf, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 648-649 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118933299.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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