Lebensdaten
1880 bis 1949
Geburtsort
Stettin
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Philosoph ; Psychologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 124415687 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Oesterreich, Traugott Konstantin
  • Oesterreich, Traugott
  • Oesterreich, Traugott Konstantin
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Zitierweise

Oesterreich, Traugott, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124415687.html [20.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1842–1918), aus Seedorf b. Argenau, Geh. Rechnungsrat im Preuß. Kriegsmin. in Berlin;
    M Emmy v. Homeyer (1843–1918), aus Dembowa b. Nakel;
    1912 Maria Raich (s. L);
    1 T.

  • Leben

    Nach dem Abitur 1899 in Berlin studierte O. dort zuerst Mathematik, Physik und Astronomie und wechselte später zur Philosophie. 1905 promovierte er bei Friedrich Paulsen und Carl Stumpf zum Dr. phil. auf Grund der Arbeit „Kant und die Metaphysik“ (1906). 1910 habilitierte er sich in Tübingen. 1922/23 wurde O. zum planmäßigen Extraordinarius für Philosophie und Psychologie an der Univ. Tübingen ernannt, 1933 wurde er durch die NS-Regierung zwangsemeritiert, da seine Frau Jüdin war. 1945 erfolgte die Wiedereinsetzung ins Amt mit dem Titel eines persönlichen Ordinarius.

    Sein wissenschaftliches Lebenswerk umfaßt verschiedene Facetten: Im Rahmen der Psychologie und Psychopathologie setzte O. sich vor allem mit den Problemen der Ich-Identität auseinander, die er schließlich in seiner Habilitationsschrift „Die Phänomenologie des Ich in ihren Grundproblemen“ (1910) erörterte (2., nicht abgeschlossener T. ungedr. im Univ.archiv Tübingen). Er edierte ferner|wichtige Texte von M. und W. F. Prince zur „Spaltung der Persönlichkeit“ (1932). Seine bekannteste Leistung auf dem Gebiet der Religionspsychologie ist eine Monographie über „Die Besessenheit“ (1921). In der Philosophiegeschichte macht sich O. einen Namen vor allem durch seine grundlegende Bearbeitung von Überwegs „Grundriß der Geschichte der Philosophie vom Beginn des 19. Jh. bis auf die Gegenwart“ (der sog. „Überweg-Oesterreich“, 1916, 121923 u. ö.), die eine originäre Rezeptionsleistung darstellt.

    In den 20er Jahren gehörte O. neben Hans Driesch (1867–1941) und August Messer (1867–1937) zu den wenigen Gelehrten, die öffentlich die Realität parapsychischer Phänomene behaupteten und ihre wissenschaftliche Untersuchung forderten. Zusammen mit Rudolf Tischner (1879–1961) versuchte er, nach dem Vorbild der engl. „Society for Psychical Research“ ein „Deutsches Zentralinstitut für Parapsychologie“ ins Leben zu rufen. O. bemühte sich vor allem um die Klärung parapsychologischer Begriffe (Grundbegriff d. Parapsychologie, 1921) und um die Integration der paranormalen Phänomene in das wissenschaftliche Weltbild (Der Okkultismus im modernen Weltbild, 1921). In der außersinnlichen Wahrnehmung (z. B. Telepathie u. Hellsehen) sah er neue Erkenntnisfunktionen, die dazu zwingen würden, die Erkenntnistheorie auf eine breitere Basis zu stellen (Die phil. Bedeutung d. mediumist. Phänomene, 1924). Prophetische und psychometrische Phänomene veranlaßten ihn zu der Frage, ob nicht die Medien aus einem „höheren, übergreifenden Bewußtsein“ schöpften. Historisch-kritische Einzelstudien widmete er den Medien Kathleen Goligher und Stanislawa Tomczyk; er nahm persönlich an Sitzungen mit den Medien Maria Silbert und Willy Schneider teil, die ihn von der Echtheit „paraphysikalischer“ Phänomene überzeugten.

  • Literatur

    Maria Oesterreich, T. K. O., „Ich“-Forscher u. Gottsucher. Lebenswerk u. Lebensschicksal, 1954 (W-Verz., P);
    Überweg IV;
    Ziegenfuß;
    Gedenktage d. mitteldt. Raumes, 1980 (W, L).

  • Autor/in

    Eberhard Bauer
  • Empfohlene Zitierweise

    Bauer, Eberhard, "Oesterreich, Traugott" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 461 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124415687.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA