Lebensdaten
1874 bis 1915
Geburtsort
Münster (Westfalen)
Sterbeort
bei Horodec (Rußland)
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Dramatiker ; Lyriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118618830 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stramm, August Albert Bernhard
  • Stramm, August
  • Stramm, August Albert Bernhard
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Zitierweise

Stramm, August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118618830.html [21.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Siegfried Albert (* 1849), Berufssoldat, seit 1876 Postbeamter, S d. Gottfried Michael, Zimmermann in Osterode (Harz) u. d. Juliane Kunze;
    M Anna Maria (* 1849), T d. Kurt Friedrich Heise, Kanzleiinsp. in Dorsten, u. d. Anna Maria Catharina Ever; 3 jüngere Geschw;
    Berlin 1902 Else (Ps. Isolde Leyden) (1877–1947), Journalistin, Unterhaltungsschriftst. (s. Kosch, Lit.-Lex3), T d. Edmund Krafft (1846–1910), Redakteur d. „Voss. Ztg.“ in B. (s. BJ 15, Tl.), u. d. Sofie Gruetter;
    1 T Ingeborg (* 1903, s. W, L), 1 S Helmuth (1904–24).

  • Leben

    S. wuchs in Münster auf, besuchte seit 1883 in Düren und Eupen das Gymnasium und wechselte 1888 an das Ks.-Wilhelm-Gymnasium in Aachen, wo er 1893 das Abitur ablegte. Da ihm der Vater den Wunsch verwehrte, kath. Theologie zu studieren, schlug er eine Laufbahn bei der Reichspost ein und wurde 1896 Postsekretär. Nach Ableistung seines Militärdienstes als Einjährig-Freiwilliger war er, in Bremen wohnhaft, auf der Linie Bremen/Hamburg – New York im Seepostdienst eingesetzt und unternahm Reisen durch die USA. Seit 1898 besuchte er die Berliner Post- und Telegraphenschule und hörte Vorlesungen zum Staats- und Verwaltungsrecht sowie zur Nationalökonomie und Verkehrsgeschichte. Die höhere Verwaltungsprüfung für Post und Telegraphie legte er 1902 ab. 1905 nach Berlin versetzt, hörte S. an der dortigen Universität Vorlesungen (u. a. zur Finanzwiss. u. Philos.), bevor er 1909 an der Univ. Halle-Wittenberg zum Dr. phil. promoviert und sodann zum Postinspektor befördert wurde. 1914 wurde er ins Reichspostministerium berufen und zu Beginn des 1. Weltkriegs als Hauptmann der Reserve eingezogen.

    In auffälligem Kontrast zu seiner Beamten- und Militärlaufbahn stehen S.s Leistungen als bedeutender Vertreter der modernen Lyrik und Begründer einer abstrakten Poesie. Charakteristisch für seine in den letzten drei Lebensjahren entstandenen Gedichte (frühere sind nicht erhalten) sind die Auflösung syntaktischer, grammatischer und semantischer Strukturen sowie die Verwendung von verkürzten Wörtern, Neologismen und Ein-Wort-Zeilen, wodurch Klang und Rhythmus der Sprache betont werden. Themen seiner Lyrik sind v. a. Liebe und Erotik (Du, 1915, 51922, Faks. 1988) sowie Kriegserfahrungen in dem an der Front entstandenen Zyklus „Tropfblut“ (1919, hg. v. H. Walden, Nachdr. 1988). Entscheidend für S.s dichterische Entwicklung war die Begegnung mit Herwarth Walden (1878–1941), mit dem ihn seit 1914 eine enge Freundschaft verband. Beeinflußt wurde S.s Dichten auch vom ital. Futurismus (F. T. Marinetti), den er in Waldens „Sturm“Kreis kennenlernte. In der Zeitschrift und dem Verlag „Der Sturm“ wurde auch ein Großteil seiner Gedichte und Dramen erstveröffentlicht. Noch am Naturalismus orientiert sind S.s frühe dramatische Werke (Der Gatte, 1924, entstanden 1909; Die Unfruchtbaren, 1916, Nachdr. 1973, entstanden 1910/12; Die Haidebraut, 1914, Nachdr. 1973, entstanden 1912/14, UA Hamburg, 1919). Großen Einfluß hatte S.s Stil auf die Wortkunsttheorie des „Sturm“-Kreises, die frühen Werke Alfred Döblins und Kurt Schwitters’ sowie auf Arno Schmidt, Ernst Jandl und Gerhard Rühm. S.s Gedichte wurden u. a. v. H. Walden, Paul Hindemith und Wolfgang Rihm vertont.

  • Auszeichnungen

    A EK II. Kl. (1915); Österr. Verdienstkreuz (1915).

  • Werke

    Weitere W Das Welteinheitsporto, Hist., krit. u. finanzpol. Unterss. über d. Briefpostgebührensätze d. Weltpostver. u. ihre Grundlagen, 1910 (Diss.);
    Sancta Susanna, 1914, 21917, 2002, UA Berlin 1918;
    Rudimentär, 1914, UA Berlin 1924;
    Erwachen, 1915, UA Dresden 1921;
    Kräfte, 1915, UA Hamburg 1919;
    Geschehen, 1916 (Nachdr. aller Titel, 1973);
    Die Menschheit, 1916, Nachdrr. 1984 u. 2005;
    Dichtungen, 2 Bde., 1920/21;
    Welt-Wehe, 1922;
    Dein Lächeln weint, Gesammelte Gedichte, mit. e. Einl. v. Ingeborg Stramm, 1956;
    Das Werk, hg. v. R. Radrizzani, 1963 (Biogr. v. R. Radrizzani, S. 401–51, P);
    Krit. Essays u. unveröff. Qu.material aus d. Nachlaß, hg. v. J. Adler u. J. J. White, 1979;
    Liebeskampf, 1988;
    Die Dichtungen, Sämtl. Gedichte, Dramen, Prosa, hg. v. J. Adler, 1990;
    „Alles ist Gedicht“, Briefe, Gedichte, Bilder, Dok., hg. v. J. Adler, 1990;
    A. S., hg. v. P. Brasch, 1992;
    Gedichte, Dramen, Prosa, hg. v. J. Drews, 1997;
    Théâtre et correspondance, hg. v. A. u. H. Radrizzani, 2000;
    A. S.-Lesebuch, hg. v. W. Delseit, 2007 (P);
    – Briefe an Nell u. Herwarth Walden, hg. v. M. Trabitzsch, 1988;
    Nachlaß:
    Univ.- u. Landesbibl. Münster;
    DLA Marbach;
    Staatsbibl. Berlin.

  • Literatur

    H. Jansen, Der Westfale A. S. als Hauptvertr. d. dichter. Frühexpressionismus, 1928;
    Ingeborg Stramm, Mein Vater A. S., in: Dt. Rdsch. 40, 1934, H. 7, S. 49–52;
    C. Hering, Gestaltungsprinzipien im lyr.-dramat. Werk A. S.s, 1950;
    E. Bozzetti, Unterss. zu Lyrik u. Drama A. S.s, 1961;
    P. Michelsen, Zur Sprachform d. Frühexpressionismus b. A. S., in: Euphorion 58, 1964, S. 276–302;
    Ch. R. B. Perkins, A. S.`s Poetry and Drama, Mag.arb. Hull 1972, Mikrofiche 1983;
    J. L. Brockington, Vier Pole expressionist. Prosa, Kasimir Edschmid, Carl Einstein, Alfred Döblin, A. S., 1987;
    L. Jordan, A. S., Lit., Kunst, Kultur im Expressionismus, 1990;
    ders. (Hg.), A. S., Btrr. zu Leben, Werk, Wirkung, 1995 (W, L, P);
    M. Rupprecht (Hg.), A. S., Bücher u. Hss. d. Expressionismus, 1990 (Ausst.kat.);
    Lit.ver. Münster (Hg.), A. S., Lit., Kunst, Kultur im Expressionismus, 1991;
    K. Mandalka, A. S., Sprachskepsis u. kosm. Mystizismus, 1992;
    J. v. Brincken, Verbale u. non-verbale Gestaltung in vor-expressionist. Dramatik, A. S.s Dramen im Vergleich mit Oskar Kokoschkas Frühwerken, 1997;
    B. Kasties, in: ders. u. D. Preising (Hg.), Aachener machen Gesch., II, 1999, S. 78–91 (P);
    ders., ebd., III, 2002, S. 186–99 (P);
    D. Sudhoff, Die lit. Moderne u. Westfalen, 2002, S. 355–75;
    G. P. Rehage, „Wo sind Worte f. d. Erleben“, Die lyr. Darst. d. 1. Weltkrieges in d. franz. u. dt. Avantgarde, 2003;
    A. Volkova, Kunst ist Gabe u. nicht Wiedergabe, (. . .) Eine Stud. an exemplar. Texten A. S.s u. Otto Nebels, 2004;
    Metzler Autoren Lex.;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Westfäl. Autorenlex. III, 1997, S. 705–15 (W, L, P).

  • Autor/in

    Thomas Diecks
  • Empfohlene Zitierweise

    Diecks, Thomas, "Stramm, August" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 470-471 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118618830.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA