Lebensdaten
1901 bis 1970
Geburtsort
Weilheim (Oberbayern)
Sterbeort
Tutzing/Starnberger See (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Journalist ; Schriftsteller ; Literaturkritiker ; Publizist
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118757695 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Süskind, Wilhelm E.
  • Süskind, Wilhelm
  • Süskind, Wilhelm Emanuel
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Süskind, Wilhelm Emanuel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118757695.html [20.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    Nach eigenen Angaben aus alter schwäb. Bauern- u. Theol.fam.;
    V Paul (1873–1947, Tierarzt, Tierzuchtdir. in Penzberg u. W., Min.rat im bayer. Landwirtsch.min. (s. W); M N. N. Engelmann; Ururur-Gvm Friedrich Gottlieb v. Süskind (1767–1829, Dr. theol., Oberhofprediger, Konsistorialrat in Stuttgart, Prälat, Dir. d. württ. Studienrats, Prälat, Staatsrat, Prof. in Tübingen (s. ADB 37; BBKL XI; RGG4);
    Urur-Gvm Karl Elben (1790–1854, ⚭ Wilhelmine S. 1800–40), Schriftleiter, Mitbes. d. „Schwäb. Merkur“ Ur-Gvm Otto Elben (1823–99, Chefredakteur d. „Schwäb. Merkur“, RT-Abg. (s. NDB IV);
    1940 Annemarie Schmitt († 2000);
    2 S Martin E. (1944–2009, Journalist, 1971 Gründungsmitgl. d. Dt. Depeschen Dienstes (ddp), Theodor Wolff-Preis 1991 (s. Munzinger), Patrick (* 1949), Schriftst. in München u. Paris (s. Killy; Kosch, Lit.-Lex.3; Munzinger), 1 T.

  • Leben

    Nach der Reifeprüfung (1920) an einem Realgymnasium in München studierte S. an der dortigen Universität Geschichte und Jura, ohne eine begonnene Dissertation zu Ende zu führen. 1928 volontierte er bei der Dt. Verlagsanstalt, für deren Münchner Lektorat er danach als freier Mitarbeiter tätig war. Seine schriftstellerische Laufbahn begann er, gefördert von Efraim Frisch (1873–1942), mit Essays und Erzählungen. Von S.s beiden Romanen – „Jugend“ (1929) und „Mary und ihr Knecht“ (1932) – wurde der erste, ein Sozio- und Psychogramm junger Menschen in der Inflationszeit, von der zeitgenössischen Kritik als repräsentativ für die Nachkriegsgeneration angesehen. S. ließ, ohne sich ausdrücklich von ihnen zu distanzieren, keines der Werke wieder auflegen. Einen Namen machte sich S. mit Essays, so über Franz Kafka, Joseph Conrad, Hermann Bang und D. H. Lawrence, sowie (v. a. für „Die Literatur“) mit zahlreichen Rezensionen. Sie zeigen ihn als verstehend-einfühlsamen Literaturkritiker mit Skepsis gegenüber avancierten Schreibweisen und solchen der „Neuen Sachlichkeit“. Zu S.s bevorzugten Autoren gehörten u. a. Georg Britting, Georg von der Vring, Joachim Maass und besonders Thomas Mann, bei dem der junge S. oft zu Gast war und von dem er entscheidende Eindrücke empfing. In starkem Maße setzte sich S. für die englischsprachige Literatur ein, bei der auch das Schwergewicht seiner Anfang der 1930er Jahre beginnenden übersetzerischen Tätigkeit lag (H. Melville, E. M. Forster, T. Blixen u. a.).

    1933 übernahm S. die Herausgeberschaft der Monatsschrift „Die Literatur“. Die von ihm verantworteten kulturpolitischen Kolumnen dokumentieren Anpassung an das NS-System, seine Buchbesprechungen aber zeigen keine Nähe zur Literaturästhetik des „Dritten Reiches“, was zweimal zu Attacken durch das „Schwarze Korps“ führte. Nach der verfügten Einstellung der Zeitschrift im Dez. 1942 leitete S. von Mai 1943 bis zum Verbot der Zeitung (Aug. 1943) den Literaturteil der „Frankfurter Zeitung“, seit Nov. 1943 die Redaktion des „Literaturblatts“ der „Krakauer Zeitung“, einer scharf antipoln. Zivilzeitung für die dt.sprachige Bevölkerung im Generalgouvernement. S. veröffentlichte hierin ca. 40 Beiträge meist zu literarischen Themen, die durchweg Abstand zum Regime hielten.

    Nach 1945 stieß S. auf Empfehlung seines Freundes Wilhelm Hausenstein (1882–1957) zur neugegründeten „Süddeutschen Zeitung“ (SZ). Starke Beachtung fand seine Sonderberichterstattung über den Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß (Buchausg. u. d. T. „Die Mächtigen vor Gericht“, 1963), dessen Bedeutung er in der „rechtsschaffenden Statuierung des kriegsächtenden Exempels“ sah. Die von S. als politischer (seit 1949), später leitender politischer Redakteur der SZ verfaßten Leitartikel zeugen von seiner streng rechtsstaatlichen und konservativ-demokratischen, gegenüber Adenauers Politik der Westintegration aber eher skeptischen Haltung. Auch für andere Zeitungen (v. a. für die „Dt. Ztg.“) war S. tätig.

    Seit den 1940er Jahren publizierte S. sprachkritische Betrachtungen. Sein mehrfach neu aufgelegtes Buch „Vom ABC zum Sprachkunstwerk“ (1940) fand wegen der Anschaulichkeit seiner Beispiele und der Eingängigkeit der Begründungen große Beachtung. 1945–48 veröffentlichte S. in „Die Wandlung“ sieben Beiträge zur NS-Sprache (u. a. „Härte“, „Lager“, „Querschießen“), die zusammen mit Texten von Dolf Sternberger und Gerhard Storz u. d. T. „Aus dem Wörterbuch des Unmenschen“ (1946, überarb. Neuaufll. 1957, 1967) als Buch veröffentlicht wurden. Die nachhaltige Bedeutung dieses Werks liegt in seinem Beitrag zur Analyse einer Sprach- und Kommunikationsgesellschaft, die über den Untergang des Nationalsozialismus hinaus fortbestand.

    S.s Name verbindet sich heute in erster Linie mit seinen sprachkritischen und „sprachpflegerischen“ Beiträgen. Darüber hinaus erfahren seine journalistischen Leistungen zur Wiederherstellung einer freien Presse mit unabhängiger Berichterstattung hohe Wertschätzung.

  • Auszeichnungen

    A Lyrikpreis d. Zs. „Die Kolonne“ (1936); o. Mitgl. d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung, Darmstadt (Gründungsmitgl. 1949); Mitgl. d. P.E.N.-Zentrums d. BRD.

  • Werke

    Weitere W Thomas Kranzelhuber u. anderes, 1918 (mit Paul Süskind);
    Das Morgenlicht, 1926;
    Tordis, 1927;
    Pferderennen, ein Steckenpferd, 1950;
    Wer hätte das v. uns gedacht, Zehn J. Bundesrep. Dtld., 1959;
    Abziehbilder, Notizen aus d. Alltag e. Zeitgenossen, 1963;
    Der nicht ganz eiserne Kanzler, Jünglingsj. d. Bundesrep. Dtld., 1965;
    gekannt . . . verehrt . . . geliebt, 50 Nekr. aus unserer Zeit, 1969;
    Dagegen hab'ich was, Sprachstolpereien, 1969;
    Hg.
    u. a.: D. H. Lawrence, Briefe an Frauen u. Freunde, 1938;
    Festgabe f. Wilhelm Hausenstein, 1952;
    Wilhelm Hausenstein, Licht unter d. Horizont, 1967;
    ders., Impressionen u. Analysen, Letzte Aufzeichnungen, 1969;
    Autobiogr.:
    Mit sechzig J. (85), Ein Selbstporträt, in: Welt u. Wort 16, 1961, H. 6, S. 179 f.;
    Nachlaß:
    Privatbes.

  • Literatur

    K. Korn, Ein Leben in d. Sprache, in: FAZ v. 29. 4. 1970;
    J. Günther, in: Neue Dt. Hh. 17, 1970, S. 221–23;
    A. Dietrich, Literar. Ortsbestimmung d. Münchner Autors W. E. S., ungedr. Mag.arb. Univ. München 1995;
    E. Kuby, Von Willi über WES zu W. E. S., Einl. zu W. E. S., Vom ABC z. Sprachkunstwerk, Neubearb. v. Th. Schlachter, 1996, 22006, S. 3–10;
    M. Sommer, Literar. Jugendbilder zw. Expressionismus u. Neuer Sachlichkeit, 1996;
    G. Schmolze, Sprachkünstler mit Augenmaß, Vor 100 J. wurde W. E. S. geboren, in: Unser Bayern 50, 2001, Nr. 5, S. 69 f. (P);
    P. Hoser, Vom provinziellen Lizenzbl. z. „New York Times v. Bayern“, Die Anfänge d. SZ, in: L. Hachmeister u. F. Siering (Hg.), Die Herren Journalisten, Die Elite d. dt. Presse nach 1945, 2002, S. 121–45;
    B. Dodd, Die Sprachglosse als Ort d. oppositionellen Diskurses im „Dritten Reich“, Beispiele v. Dolf Sternberger, Gerhard Storz u. W. S. aus d. frühen 1940er J., in: Wirkendes Wort 53, 2003, H. 2, S. 241–51;
    R. André, Im Stillen, W. E. S., der Nürnberger Prozess u. d. Sprache d. „Unmenschen“, in: S. Braese (Hg.), Rechenschaften, Jurist. u. literar. Diskurs in d. Auseinandersetzung mit d. NS-Massenverbrechen, 2004, S. 25–46;
    H. Wiedow, W. E. S., Studien, 22007(P);
    Kulturlex. Drittes Reich;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Munzinger.

  • Autor/in

    Hartwig Wiedow
  • Empfohlene Zitierweise

    Wiedow, Hartwig, "Süskind, Wilhelm Emanuel" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 677-678 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118757695.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA