Lebensdaten
1898 bis 1983
Geburtsort
Rottenacker bei Ehingen (Württemberg)
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Pädagoge ; Schriftsteller ; Literaturwissenschaftler ; CDU-Politiker ; Kultusminister des Landes Baden-Württemberg/1958-64
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118618733 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leitenberger, Georg (Pseudonym)
  • Storz, Gerhard
  • Leitenberger, Georg (Pseudonym)
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Zitierweise

Storz, Gerhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118618733.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Otto (1857–1942), ev. Pfarrer in Türkheim, R., Nellingen, Dekan in Esslingen, Stadtpfarrer in Langenau, S d. Martin Benjamin (1815–71), aus Flözlingen b. Rottweil, ev. Pfarrer in Pappelau u. Gechingen, u. d. Charlotte Henriette Rosine Beate Abel (1826–59), aus Klosterreichenbach;
    M Hanna Majer (* 1862), aus Biberach/Riß;
    3 B u. a. Hermann (1890–1964), Rel.lehrer, Studienrat an d. Schloßrealschule in St., am Ev.-theol. Seminar in Urach, 1947 Ephorus ebd., BVK 1955, Martin (1900–95), Ökonomierat, Leiter d. Landwirtsch.schule bzw. d. Landwirtsch.amts in Künzelsau, Staatssekr. im baden-württ. Landwirtsch.min., 2 Schw u. a. Gertrud (1886–1973, ⚭ Karl Friedrich Rottweiler, Bez.notar in Nufringen);
    1) 1928 1937 N. N. Rothwiler, 2) 1944 Edith Baum;
    2 S u. a. Oliver (1929–2011), Drehbuchautor, Filmegisseur u. -produzent, Bayer. Fernsehpreis 1995, Grimme-Preis 1999 (s. Kosch, Lit.-Lex.3; Killy; Munzinger; FAZv. 29. 4. 2009), 1 T Dagmar.

  • Leben

    Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums in Esslingen nahm S. 1916–18 als Freiwilliger am 1. Weltkrieg teil. 1919–22 studierte er Klassische Philologie, Archäologie, Philosophie und Germanistik in Tübingen und nahm nebenbei Unterricht an einer Schauspielschule. 1922 absolvierte er sein 1. Staatsexamen, wurde Referendar am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart und legte 1923 sein 2. Staatsexamen ab. Ebenfalls 1923 wurde er in Tübingen bei Wilhelm Schmid (1859–1951) mit der Dissertation „Darstellung des Gebrauchs und der Begriffsentwicklung von ,Aletheia` und begriffsverwandten Wörtern in der griech. Literatur vor Platon“ (ungedr.) zum Dr. phil. promoviert.

    1923–25 war S. als Schauspieler an der Württ. Volksbühne Stuttgart engagiert. Danach war er als Spielleiter und Dramaturg am Landestheater Karlsruhe und seit 1927 als Spielleiter am Nationaltheater Mannheim tätig. 1931 wechselte er als Oberspielleiter und Leiter des Schauspiels an das Stadttheater Saarbrücken; 1934/35 war er Oberspielleiter am Stadttheater Dortmund. 1932–34 war S. zudem als Studienassessor am Realgymnasium in Biberach angestellt. Nach dem Ende seiner Theaterlaufbahn 1935 wurde er Lehrer für Deutsch und Latein am Realgymnasium Schwäbisch Hall (Mitgl. d. NS-Lehrerbundes seit 1. 6. 1933), 1937–58 stand er – unterbrochen von Kriegsdienst 1944/45 – dieser Schule als Direktor vor. Während seiner Zeit als Lehrer schrieb S. bis zu deren Verbot 1943 für die „Frankfurter Zeitung“.

    Als Gründungsmitglied der CDU wurde S. 1958, noch unter Ministerpräsident Gebhard Müller (1900–90), baden-württ. Kultusminister. Als solcher verantwortete er u. a. die gymnasiale Oberstufenreform, die Erweiterung der Pädagogischen Hochschulen im Land und die Neugründung der Universitäten in Konstanz und Ulm. 1964 gab S. sein Amt auf und wurde Honorarprofessor für Dt. Philologie an der Univ. Tübingen. Gastprofessuren führten ihn in die USA und nach Kanada, u. a. 1963 nach Middlebury (Vermont) und 1965 an die Univ. of Kansas (Lawrence). 1966–72 amtierte S. als Präsident der von ihm 1949 mitbegründeten Dt. Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt (1953–57 Vizepräs. d. Kl. Sprache u. Kritik).

    Seit 1927 war S. als Wissenschaftler, Literat und Übersetzer sowie 1948–68 neben Fritz Martini, Friedrich Maurer und Robert Ulshöfer als Herausgeber der Fachzeitschrift „Der Deutschunterricht“ tätig. Mit Dolf Sternberger (1907–89) und Wilhelm E. Süskind (1901–70) schrieb er 1945–48 Beiträge über die Sprache des Nationalsozialismus für die Zeitschrift „Die Wandlung“, die 1957 unter dem Titel „Aus dem Wörterbuch des Unmenschen“ in Buchform erschienen. S.s umfassende und doch knappe Einführung in die Verslehre (Der Vers in d. neueren dt. Dichtung, 1970, Nachdr. 1987) wurde zu einem weit verbreiteten Standardwerk. Generationen von Schülern prägte S. mit seinem mehrfach neu aufgelegten „Deutschen Lesebuch für höhere Schulen“ (8 T., 1947), in dem er besonderes Gewicht auf seine Lieblingsautoren Schiller und Mörike sowie seine Lehrschwerpunkte, die Literatur der Klassik und Romantik, legte. Aus seiner Liebe zu den Sprachen, die u. a. in Übersetzungen von Sallust (1942) und Georges Bernanos (1951) ihren Niederschlag fand, sowie S.s humanistisch-christlicher Grundhaltung speiste sich sein ethisches, politisches und pädagogisches Engagement im Sinne der Antike. An dieses erinnert die baden-württ. Landesstiftung „Humanismus heute“ seit 1981 mit dem alle zwei Jahre vergebenen G.-S.-Preis.

  • Auszeichnungen

    A Preis d. Palmerschen Stiftung f. Klass. Philol. (1922); Ehrensenator d. Univ. Tübingen (1956); Gr. BVK (1963) mit Stern u. Schulterband (1965); Vfg.medaille in Gold d. Landes Baden-Württ. (1964); Dr. litt. (1965) u. Dr. h. c. (Middlebury College of Modern Languages and Literatures, Vermont, USA 1971); Konrad-Duden-Preis d. Stadt Mannheim (1966); Johann-Heinrich-Merck-Ehrung d. Stadt Darmstadt (1968); Schiller-Gedächtnis-Preis d. Landes Baden-Württ. (1971); Dr. h. c. (Univ. Stuttgart 1979); Schubart-Lit.preis f. „Der Fürst u. d. alte gute Recht“ d. Stadt Aalen (1984); – Mitgl. d. Bühnengenossenschaft (bis 1934/35); Mitgl. d. Reichstheaterkammer, d. Dt. Schillerges. Marbach/Neckar (1952, Ausschußmitgl., 1972–80) u. d. dt. P.E.N.-Zentrums (1957).

  • Werke

    Wiss. Werke Das Theater in d. Gegenwart, Zeitkrit. Betrachtung, 1927;
    Laienbrevier über d. Umgang mit d. Sprache;
    1937;
    Das Drama Friedrich Schillers, 1938;
    Jeanne d`Arc u. Schiller, Eine Stud. über d. Verhältnis v. Dichtung u. Wirklichkeit, 1946;
    Stilfehler im Oberstufenaufsatz, 1952;
    Goethe-Vigilien Oder Versuche in d. Kunst, Dichtung zu verstehen, 1953;
    Der Dichter Friedrich Schiller, 1959, 31963;
    Eduard Mörike, 1967;
    Schwäb. Romantik, Dichter u. Dichterkreise im alten Württ., 1967;
    Heinrich Heines lyr. Dichtung, 1971;
    Sprachanalyse ohne Sprache, Bemm. z. modernen Linguistik, 1975;
    Karl Eugen, Der Fürst u. d. „alte gute Recht“, 1981;
    Belletristik:
    Der Lehrer, Erz., 1937;
    Musik auf d. Lande, Erz., 1939;
    Die Einquartierung, Erz., 1946;
    Reise n. Frankr., Erz., 1948;
    Kennst Du das Land? Italien con amore bereist, 1955;
    Capriccios, 1978;
    Autobiogrr.:
    Im Lauf d. Jahre, Ein Lebensber. aus d. ersten Jh.hälfte, 1973;
    Zw. Amt u. Neigung, Ein Lebensber. aus d. Zeit n. 1945, 1976;
    Bibliogr.:
    Über Lit. u. Gesch., 1973 (s. L), S. 397–400;
    Nachlaß:
    DLA Marbach/Neckar.

  • Literatur

    G. S. z. 50. Geb.tag, hg. v. E. Klett, 1948;
    J. Eberle u. a., G. S. z. 70. Geb.tag, in: Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung, Jb. 1968, S. 140–49;
    C. Menck, G. S., Ein Therapeut d. Sprache, Zum 80. Geb.tag v. G. S., ebd., Jb. 1978, T. 2, S. 88 f.;
    D. Sternberger, ebd., Jb. 1983, T. 2, S. 119–24;
    F. Martini, in: Jb. d. Dt. Schillerges. 27, 1983, S. 562;
    E. Klett, G. S. z. 19. Aug. 1973, 1973;
    Über Lit. u. Gesch., FS f. G. S., hg. v. B. Hüppauf u. D. Sternberger, 1973 (W);
    Kosch, Lit.-Lex. 3 (W, L);
    Killy;
    Munzinger;
    Qu
    BA Berlin, Abt. Dt. Reich, Reichskulturkammer.

  • Autor/in

    Andreas Thomasberger
  • Empfohlene Zitierweise

    Thomasberger, Andreas, "Storz, Gerhard" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 450-451 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118618733.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA